Studie
EU fühlt Wunderheilern auf den Zahn
Von Vlad Georgescu
Erstmals wird die Wirksamkeit der Fernheilung großflächig getestet - mit dem Segen der Europäischen Union. Positive Ergebnisse könnten die Medizin verändern.
Fernheiler beten für ihre Patienten
Die Empfänger der Briefe sind Fernheiler, und sie glauben an Gott. Die Post, die sie bekommen, enthält lediglich das Foto einen Patienten, den dazugehörigen Vornamen und die bisherige Diagnose. Was dann folgt, sind schlichte Gebete für den Betroffenen - und dessen Genesung, wenn alles gut läuft. 400 Fernheiler aus den Ländern der Europäischen Union nimmt die Wissenschaft nun unter die Lupe. Unter der Leitung der Universitätsklinik Freiburg wird an insgesamt zehn Kliniken in Deutschland drei Jahre lang untersucht, ob Fernheilung wirklich funktioniert. 110.000 Euro jährlich gibt Brüssel für das Vorhaben aus, die einzige komplementär- und alternativ-medizinische Studie innerhalb des EU-Forschungsprogramms.
Studie soll "Grauzonen ausleuchten"
Damit begibt sich der Geldgeber bewusst auf dünnes Eis. Denn Fernheilung galt bisher bei vielen Medizinern und Wissenschaftlern als Hokuspokus. Wer etwa noch vor zehn Jahren an einer deutschen Universität daran dachte, über Gebetstherapie zu publizieren, galt als unseriös. Die Freiburger Studie soll jetzt Licht ins Dunkel bringen. Die Akquise-Phase dauert sechs Monate, also etwas bis Ende des Jahres. Dann folgt die einjährige Beobachtungszeit, die eigentliche Untersuchung. Führende Forscher wie Harald Walach vom Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums Freiburg bringen das Ziel der Studie folgendermaßen auf den Punkt: "Wir möchten die Grauzonen mit wissenschaftlichen Methoden ausleuchten."
Projekt schließt 400 Patienten ein
Insgesamt 400 Patienten, die am chronischen Ermüdungssyndrom (CMS) oder an der so genannten multiplen Chemikalienunverträglichkeit (MCS) leiden, nehmen an der von Walach konzipierten Studie teil. Seit rund einem Monat läuft das Projekt, bislang sind 40 der 400 Patienten schon in Behandlung. Beide Leiden verursachen einen enormen Verlust an Lebensqualität bei den Betroffenen. So zählt die Selbsthilfeorganisation Fatigatio e.V. allein hier zu Lande rund 300.000 Menschen mit CMS. Die "Müdkranken" verspüren dabei den Drang ständig zu schlafen - Arbeitsplatzverlust und soziales Abseits sind oftmals die Folge Kaum weniger leicht zu ertragen ist das Schicksal jener 25 Millionen Bundesbürger, die an chronisch umweltbedingten Krankheiten (MCS) leiden. Mehr als 65.000 im Handel befindliche chemische Substanzen schwächen bei diesen Patienten nicht nur das Immunsystem, auch eine Vielzahl von Symptomen wie Geruchsüberempfindlichkeit oder Nahrungsmittelunverträglichkeit mindern die Lebensqualität.
Studie
EU fühlt Wunderheilern auf den Zahn
Schulmediziner müssen bei der Behandlung beider Syndrome passen - eine geradezu ideale Voraussetzung, um die Wirkung der Fernheilung zu testen. Die Studie nämlich unterteilt die 400 Teilnehmer mit CMS und MCS in insgesamt vier Gruppen. Während die erste und zweite Gruppe von Fernheilern behandelt werden, bleiben den restlichen 200 Patienten die Gebete aus der Ferne versagt. Der eigentliche Clou: Die zweite Patientengruppe wird zwar von Fernheilern behandelt, weiß jedoch nichts davon. Placebo-Effekte, die eine Besserung des Allgemeinzustandes beim Patienten allein durch dessen Einbildung hervorrufen, bleiben auf diese Weise aus.
Genesung wird nach einem halben Jahr beurteilt
Nach einem halben Jahr klären eigens dazu entwickelte Fragebögen, ob die Teilnehmer eine Besserung der Lebensqualität verspüren. "Viele der zu erwartenden Besserungen werden auf Placeboeffekte beruhen", vermutet Holger Bösch, Koordinator der Studie an der Universitätsklinik Freiburg. Mit diesem Ausgang rechnen die Mediziner, weil Placeboeffekte seit über 20 Jahren ihren festen Platz in der Schulmedizin haben und innerhalb von klinischen Studien immer wieder auftreten.
Fernheiler rechnen fest mit positiven Ergebnissen
Was aber, wenn jene Menschen genesen, die von Fernheilern behandelt werden, ohne es zu ahnen? Der Faktor Einbildung fiele mit einem Mal weg, einzige wissenschaftlich gesicherte Erklärung wäre die tatsächlich vorhandene Wirkung der Fernheilung. "Das bereits heute zu interpretieren ist nicht unsere Aufgabe", kommentiert Bösch, auch wenn der Klang der Stimme etwas anderes verrät. Denn solch ein Ergebnis veränderte wohl die Schulmedizin: "Wir müssten ernsthaft darüber nachdenken, Fernheilung als ergänzendes Therapiemittel in Krankenhäusern zu etablieren." Spätestens Ende 2003 werden Bösch und seine Kollegen erfahren, wohin die Reise geht, dann nämlich sind alle Daten ausgewertet. Die teilnehmenden Fernheiler rechnen nach eigenen Angaben mit deutlich früheren Ergebnissen: Im Schnitt zehn Mal und nicht länger als zehn Minuten pro Foto bete ein guter Heiler, dann sei der Patient vollkommen gesund.
(Quelle:http://gesund.t-online.de/gesu/aktu/...rheiler-1.html)
Hallo!
Vielleicht auch interessant zu wissen für den einen oder anderen hier der mit Fernverschickung von Energien (Beispiel Reiki)zwecks Heilung aller Art arbeitet.
Wie denkt Ihr darüber?
Grüsse newsmaker



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