ein Esslöffel Cappuccino zum Sonntag
Gast
Das ist für mich, das ist für Dich.....
Das ist für mich ....
Nun Johannes erzählt die Geschichte um Lazarus. Und sie ist ihm so wichtig, dass er sie zur Mitte seines Evangeliums macht. Was muss dies für ein Wort sein.....
43 Und als er dies gesprochen hatte,
rief er mit lauter Stimme:
Lazarus, komm heraus! 44 Der Verstorbene kam heraus,
an Händen und Füssen mit Binden umwickelt,
und sein Angesicht war mit einem Schweisstuch umbunden.
Jesus sagt zu ihnen:
Machet ihn frei und lasset ihn hinweggehen! |
Dass der Gebundene hier auf das Wort allen erscheint... - wie kann ein solcher Art gebundener sich selbst aus der Gruft begeben? - steht im Zentrum.
Lasset ihn hinweggehen... es gibt nichts weiter mit Lazarus zu tun.
Machet ihn frei... entbindet ihn und lasset ihn...
Tuet... entbindet und lasset frei... Und Jesu nimmt damit die Anwesenden in die Handlung. Lasset ihn frei...
Lazarus liebte das Wort und wurde vom Wort geliebt. Um welcher Worte willen aber wurde er gebunden, und verstarb?
Entbindet ihn... sind es die Wort seiner Nächsten?
Lazarus der Fromme, Lazarus der Gläubige Eleasar.... wie leicht wird er gebunden aus Glauben ans Wort. Und er nimmt es und als Priester nahm er es auf sich, dass Worte mehr als Schall und Rauch sind.
Auf Jesu Wort hin wird der Gebundene als der Gebundene sichtbar. Er war Gebunden aus Pflicht, aus Anteilnahme, aus Fürsorge. Und sie baten Jesu "wärest du hier gewesen....". Auch hierin zeigt sich das Binden. Sie liebten ihn, und das Wort liebte ihn, und dennoch verstarb er.
Was muss dies für ein Wort sein das zeigt und sagt: .....entbindet ihn....
Ich stand im Kornfeld.
Vom Wind leicht geführt vermass es mich zu singen -
und ich sang -
Und das Meer voll Ären wogte im Rausch der Worte
bald links, bald rechts, bald quer
verschlangen und rangen sie miteinander
bald knickte dünnes Rohr.
Wie wenig Brot da blieb am End.
Und ich wusste, das Wort
das Wort, ich hab es nicht.
Ich stand im Schlachtfeld
Mit Gewalt und Macht gerüstet oblag es mir zu hassen -
und ich befahl -
Da tobte die Schlacht und es fielen die Tapfern;
getroffen verwundet und durchstossen
eifferten sie im Gehorsam im Fall
und einer fiel mir in den Rücken.
Wie wenig Gewalt da blieb am End
Und ich wusste, das Wort
das Wort, ich hab es nicht.
Ich stand im Grabfeld
Mit Einsicht in den Gang aller Dinge berief es mich zu trösten -
Und ich betete -
Da sang der Chor der Heiligen im Himmel meinen Trost
unisono bald, dann im Kontrapunkt gar mancher
Seine eigene Kunst hervorzutun
Und einer der verklagte mich
Wie wenig Trost da blieb am End
Und ich wusste, das Wort
das Wort, ich hab es nicht.
Das ist für Dich...
Was muss dies für ein Wort sein?
43 Und als er dies gesprochen hatte,
rief er mit lauter Stimme:
Lazarus, komm heraus! 44 Der Verstorbene kam heraus,
an Händen und Füssen mit Binden umwickelt,
und sein Angesicht war mit einem Schweisstuch umbunden.
Jesus sagt zu ihnen:
Machet ihn frei und lasset ihn hinweggehen! |
Es ist der letzte Sonntag vor der Adventszeit, einer Zeit der Vorbereitungen. Für viele geradezu eine Zeit voller Verpflichtungen. Wer aber kennt dies, dass wir auf eine Entbindung hinleben? Von Pflichten entbunden zu leben, frei gelassen vom Dienst.
Es ist ein Glücksfall, dass im Deutschen das Wort Entbindung zwei Denkrichtungen kennt. Sie markiert die Geburt und Abnabelung des Kindes, also der Erneuerung, aber auch der Befreiung (vom Dienst, der Pflicht). Und so haben wir im gleichen Wort ein Paradox vor uns, da ja das Neue da ist.
Es ist aus der Sicht eines kinderlosen alleinstehenden Mannes vielleicht vermessen, die Geburt im Sinne des Loslassens zu verstehen. Und doch ist in der Geburt das Paradox da: Loslassen um es anzunehmen.
Vielleicht bezeichnend hier für das Wort Gottes, dem so viel Erwartung entgegengetragen wird, welches so hart in die innere Entwicklung genommen wird, dass man es kaum loslassen kann.
Die anthroposophische Denkrichtung (ich erinnere mich hier an einen Literaturhinweis als Antwort auf einen meiner Lazarus Beiträge. Er ist also nicht übersehen worden), betrachtet Lazarus im Grab als das Selbst im Kerker des Körpers. Dies geht im Einklang mit der Pflichtfülle, den Ansprüchen die wir an das Selbst stellen, sei es an das eigene oder an das andere.
Und gerade dieser Anspruch tötet das Selbst, versenkt es unsichtbar in der Grube, wiewohl doch das Selbst die ewige Stimme des Wortes hört. Die Auferweckung des Lazarus ist die Befreiung des Selbst des Lazarus aus aller Pflicht.
Machet ihn frei und lasset ihn hinweggehen!
Weihnachten ist nahe. Falls Sie gerade Josef und Maria heissen, und die gute Frau im hochschwangeren Zustande ist, und zwischen Wuppertal und Frankfurt irgendwo auf der Autobahn steckengeblieben sind, derweil ihnen Zuhause die Wohnung gekündigt wurde und die Eltern ihnen eine Szene gemacht haben, erinnern sie sich etwas an Martha und Maria und an Lazarus den das Wort liebhatte, Hirten auf dem Felde hin oder her, die Waisen aus dem Morgenland ebenfalls. Selbst wenn der Weltuntergang droht und selbst dann, wenn die ganze Torah nur von ihm erzählt und euch verkündigt, was er alles für euch tun soll / wird....
Unsere eigentliche Aufgabe ist, dass wir es annehmen können, wann immer, wo immer, wie immer... und uns überraschen lassen :)
Euer

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