LOKI, der Widersacher -
Dein Schatten
Eintreten will ich
in Ägirs Halle,
anzusehen das Zechgelag;
Haß und Hader
bring ich den Asen
so misch ich ihnen Gift
in den Met.
Lokis Zankreden
Bildbeschreibung:
Mit einem diabolischen Lächeln auf den Lippen blickt uns der Gott LOKI entgegen. Bedächtig streicht er über seinen Bart, während sich hinter seiner Stirn schon neue Ideen formieren, wie er die verschiedensten Prozeßabläufe zu manipulieren vermag. Mit seiner Linken stützt er sich auf den Speer GUNGNIR, welchen ihm IWALDIs Zwergensöhne schmiedeten und den er später an ODIN übergibt. Um dessen Schaft winden sich zwei schwarze Schlangen, welche LOKIs listige Doppelzüngigkeit symbolisieren. Gleich dem Gotte Merkur befinden sich goldene Schwingen an seinen Stiefeln, mit denen er in Windeseile durch die Lüfte und übers Meer eilen kann.
Der Kugelblitz an seiner Seite verkörpert die zerstörende Kraft seines Vaters FARBAUTI. Aus einem Vulkan bricht glühende Lava hervor und bahnt sich unaufhaltsam ihren von Zerstörung gesäumten Weg. Der im Hintergrund zu sehende Atompilz zeigt die zerstörerische Kraft des nuklearen Feuers, das der Mensch dank seiner teuflischen Intelligenz selbst freigesetzt hat.
Zwietracht, Streit und Hinterlist
klingen zuckersüß in meinen Ohren.
Wort und Zank sind meine Waffen,
zur Entlarvung eurer Masken,
auf das ihr nicht ersticket,
an Selbstgefalln’ und Langeweil’.
Ihr haßt den Geist,
der hierin waltet,
doch ohne zu erkennen,
daß diese Kraft das Feuer ist,
was nichts beläßt,
wie es einst war.
Heil dir, Loki!
Mythos :
LOKI ist die zwielichtigste, aber zugleich auch interessanteste Gestalt des germanischen Götterpantheon. Man sagt von ihm, er sei sehr schön von Ansehen, doch wankelmütig und böse von Gemütsart und äußerst mannigfaltig im Auftreten. Sein Vater ist der Riese FARBAUTI (der gefährlich Schlagende), der wahlweise als Sturmwind oder Kugelblitz gedeutet wird. Seine Mutter, ebenfalls eine Riesin, ist LAUFEY (Laubinsel). Des Gottes feuriges Wesen ergibt sich aus dieser Verbindung, denn schlägt der Sturmwind durch Blitz und Funken die flammende Lohe, gerät das trockene Laub in Brand und LOKI wird geboren. Der Gott hat noch zwei Brüder, die BYLEIST (Donnerblitz) und HEL-BLINDI (der Unterweltsblinde) heißen. Der letztere könnte sich auf den blinden HÖDUR beziehen, denn zugleich ist Helblindi einer der vielen Namen ODINs, der einst mit LOKI Blutsbrüderschaft geschlossen haben soll. Über seine Frau SIGYN, mit der er die zwei Söhne ALI und NARFI hat, ist wenig bekannt. Zwar wird sie einmal zu den Asinnen gezählt, doch spielt sie lediglich bei seiner Fesselung (LOKIs Strafe) eine Rolle.
Mit der Riesin ANGRBODA (Sorgenbringerin) zeugt er die drei Unheilkinder HEL, FENRIR und die gewaltige JÖRMUNGAND. Allesamt sind Ausgeburten der Dunkelheit, denen später eine zentrale Bedeutung im Göttergeschick zukommt, da sie die Kräfte des Todes, des tierhaften Triebes und des Chaos verkörpern. Als Vater dieser Geschöpfe wird ersichtlich welchen Stellenwert der Gott im Pantheon einnimmt, denn wann immer sich die Gelegenheit bietet die Grundpfeiler der bestehenden Weltordnung zum Schwanken oder Umsturz zu bringen, ist LOKI zur Stelle. So tritt er z.B. als Verführer des blinden HÖDUR auf, welcher unfreiwillig BALDER tötet und damit die RAGNARÖK einleitet
Als Bösewicht tritt er weiter beim Raub der IDUNA und ihrer lebensverjüngenden Äpfel auf, er schneidet THORs Gattin SIF die Haare ab, liefert THOR an die Riesen aus, stiehlt der FREYJA den Halsschmuck und vollbringt noch genügend andere Schandtaten, die ihm zu zweifelhaftem Ruhm gereichen. In der Wölsungensage spielt er eine entscheidende Rolle beim Raub des RHEINGOLDES, das er dem Zwerg ANDWARI entwendet.
Doch wenngleich als größter Feind und Widersacher der Götter geschimpft, tritt er doch ebenso oft als ihr nützlichster Helfer und Verbündeter auf, wenn es darum geht, den Asen Vorteile zu verschaffen. Einmal in Bedrängnis geraten, ist er jederzeit gewillt Ansehen und persönliche Ehre zu opfern, um die eigene Haut zu retten oder neue Ziele zu erreichen. Dabei ist ihm jedes Mittel recht. Einmal verwandelt er sich in eine Stute und lockt SWADILFARI, den Arbeitshengst eines Riesenbaumeisters in den Wald, damit dieser sein Werk nicht fristgerecht beenden kann und dadurch eine Wette gegen die Götter verliert. Aus der Verbindung mit dem Riesenhengst geht später das Götterpferd SLEIPNIR hervor, welches LOKI als Stute gebiert, was zeigt, daß der Gott auch sein Geschlecht nach belieben zu wechseln vermag. Zwar bringt er die Götter gerne in Verlegenheit, verhilft ihnen aber dank seiner Listigkeit ebenso zu wertvollen Gegenständen und Waffen wie dem berühmten MJÖLNIR-Hammer, dem Speer GUNGNIR oder dem Ring DRAUPNIR.
In einem alten Volkslied fleht ein Bauer nacheinander die Götter ODIN, HÖNIR und LOKI um Beistand vor einem Riesen an. Doch erst LOKI vermag auf Grund seiner Verschlagenheit dem Bauern zu wirksamen Schutz verhelfen.
Des Gottes Seite als Schelm und Schabernack (lokka = Reizen, Locken) zeigt sich im Lied vom Raub des Skaldenmets ODRÖRIR. Dort zieht SKADI, die Tochter des erschlagenen Riesen THJAZI, bewaffnet vor die Mauern von Asgard und verlangt Rache für ihren getöteten Vater. Man einigt sich, wobei eine der von SKADI gestellten Bedingungen ist, die Götter müßten sie zum Lachen bringen. Einzig LOKI ist durch einen derben Spaß dazu in der Lage.
Verschiedentlich wurde versucht die Identität von LOKI mit LOGI, einem Feuerriesen, mit dem er sich einmal in einem Wettkampf mißt, nachzuweisen. Verschiedene alte Redensarten und Vorstellungen geben Auskunft über diese dem Gott zugedachten Charakter-eigenschaften, die ganz im Sinne des Feuerelements von wohltätig und wohlig warm, bis hin zu einer unkontrollierbaren, alles zerstörenden Feuersbrunst reichen können. Ein alter Spruch aus Dänemark besagt, daß wenn das Feuer laut knistert, "Lokje seine Kinder schlägt". LOKIs Verbundenheit zum Feuer, seine Eigenschaft als Schöpfer und Verbündeter der lebensbedrohenden, dämonischen Kräfte, ließen ihn im immer stärker aufkommenden Christentum zur klassischen Figur des Teufels absinken, der schließlich für alle Untaten herhalten mußte. Schon sein Name zeigte unmißverständlich, daß hier nur Luzifer (früher Lukifer gesprochen!) am Werke sein konnte. Da keinerlei Zeugnisse über eine kultische Verehrung LOKIs existieren, verfestigte dies die Annahme, daß sein Ursprung nur in begrenzter Weise als urgermanisch angesehen werden kann. Dagegen spricht, daß schon in der Völuspa von der Götterdreiheit ODIN, HÖNIR und LODUR (LOKI?) die Rede ist, welche bei der Schöpfung des Menschen für Wärme und Farbe (vitales Lebensfeuer) zuständig ist. Doch allen Deutungen zum Trotz existieren über den "feurigen Ränkeschmied" mehr Geschichten als über irgendeinen anderen und es drängt sich der Verdacht auf, daß erst seine verwerfliche Gestalt die anderen Gottheiten in einem helleren Licht erscheinen läßt.
Nachdem die Asen den Gott zur Strafe für BALDERs Tötung und seine Verweigerung als THÖKK gefesselt haben, brechen die RAGNARÖK an. LOKI kommt frei und steht als Steuermann auf einem Schiff, angehäuft voll dämonischer Kreaturen, welche im Endkampf Rache an den Göttern nehmen. Seine besondere Feindschaft zu HEIMDALL, dem glänzenden und bewahrenden Himmelsgott, machen ihn schließlich zum Weltzerstörer, "Beendiger" und Beschließer (Luka = schließen). Am Ende töten sich LOKI und HEIMDALL gegenseitig.
Charakterisierung / Bewußtsein :
Im Laufe der Zeit wurden schon zahlreiche Versuche unternommen die bizarre Persönlichkeit des Gottes in seiner Gesamtheit darzulegen. An dieser Stelle sollen zumindest die zwei wesentlichsten Aspekte erörtert werden. Zum einen LOKIs Zugehörigkeit zum lebensspendenden und zugleich zerstörenden Feuerelement, zum anderen sein unsteter, erhellender Geist, der jedoch aus magischer Sichtweise unweigerlich mit seinem feurigen Wesen verknüpft werden kann.
Nach heutiger Betrachtung wird LOKI gerne als der dunkle Teil von ODIN angesehen, der als sein trügerischer und boshafter Bruder einerseits am Untergang, andererseits an der damit einhergehenden Transformation der Götter/Menschen arbeitet. Dieser destruktive Schattenaspekt dient meist als unwissentliches Werkzeug dem inneren Wachstum. LOKIs wechselhaftes, androgynes Wesen, verbunden mit seinem alles vergiftenden Geist, prädestinieren ihn zum ewigen göttlichen Widersacher. Dieser wichtige Archetyp ist aus den Mythen der Völker ebensowenig wegzudenken, wie die Existenz des Göttlichen als solches. In heidnischen, polytheistischen Mythologien war und ist der Widersacher stets ein Mitglied der Gemeinschaft und in das Gesamtspektrum der göttlich wirkenden Kräfte mit einbezogen. Seine Figur verkörpert auf anschauliche Weise die unbewältigten und triebhaften Aspekte der menschlichen Natur, die beständig an ihrem eigenen Untergang (Erlösung) arbeitet. In einer monotheistischen Weltanschauung erhält "Gott" automatisch die "gefallene" Gestalt des Teufels an seine Seite, die fortan versucht, die Gläubigen zu verderben und die Massen unbewußt zu halten. Diese beiden Pole von Gut und Böse bekämpfen sich nun seit Anbeginn der Zeit und lassen immer deutlicher erkennen, wohin die Aufspaltung durch die dualistischen Ethik die Menschheit bis heute gebracht hat. Die Sehnsucht nach geläuterter Unsterblichkeit im erhofften Paradies hatte schon immer ihren Preis. Nämlich jenen, daß Tod und Widerstand, welche die Grundvoraussetzung für Leben und jegliche Schöpfung stellen und einander bedingen, vor langer Zeit als lebensbedrohliche und verhindernde Kräfte abgespalten wurden. Dies hatte zur Folge, daß eine Götter- bzw. Menschengemeinschaft, die nach Erfolg, Leistung, Macht und Vergeistigung strebte, diese Kräfte geradezu dämonisieren mußte.
Als LODUR schenkt LOKI, als ein Teil der dreifachen Göttlichkeit, dem Menschen das Lebensfeuer, gleichzeitig nimmt er die Rolle des absichtlich agierenden Lebenszerstörers ein, der haßt was andere lieben und seine Opfer zu seiner Tochter HEL sendet, welche als gefürchtete Todesgöttin die Seelen der "unehrenhaft" Verstorbenen in Empfang nimmt.
Naturmythologisch versinnbildlicht LOKI die brodelnde Lava im Inneren der Erde, die alles Alte zerstört und gleichzeitig den Humus und die Erde für etwas Neues hervorbringt. Denn Feuer ist ebenso das Leben, Zauberformel aller Schöpfung und Verwandlung. Dieses Feuer bringt LOKI (gleich Prometheus) den Menschen. Im Gegensatz zu ODIN, dem lehrenden und strukturierenden Vatergottprinzip, erscheint LOKI als intelligentes Lästermaul, das es versteht mit beißendem Zynismus die Heucheleien der Götter zu entlarven. In seinen Zankreden beschuldigt und verhöhnt er die anwesenden Götter und wirft ihnen ihre Verfehlungen vor. Mit der Kraft seines erhellenden Feuers (Intellekts/Bewußtseins) leuchtet er in die verdrängten und ungeliebten Räume (seelischen Abgründe) der Versammelten und rückt damit die Götter für uns in ein anderes Licht. Hier verkörpert er die kreative Kraft des fragenden Geistes, der alle Grenzen sprengt und so eine Brücke zwischen den unüberwindbar erscheinenden Gegensätzen baut. Wie Luzifer (der Lichtbringer) begehrt er auf gegen die göttliche Obrigkeit und wird dafür verdammt, ausgestoßen und gefesselt.
Doch durch das Sähen seiner diabolischen Zwietracht (griechisch: diabolos = Zwietrachtstifter) und die Demaskierung der über alles erhabenen Götter, schafft er die eigentlichen Voraussetzungen für die bewußte Individualisierung des Menschen. Ohne sich durch eine falsche Moral oder die drohenden Folgen seines Tuns abschrecken zu lassen, stößt er die Götter von ihrem Thron (stiehlt das Feuer vom Himmel) und verweist auf ihre menschlichen Schwächen. Erst hierdurch nähert sich der Mensch seiner eigenen Göttlichkeit, fängt an sich seiner selbst bewußt zu werden und ICH zu sagen. Der Preis ist der Fall aus der Unschuld (Paradies), der Verlust der naiven Anbetung und Verehrung seiner Götzen im Außen. Ebenso jedoch die schmerzhafte Gewahrwerdung von Trennung und Distanzierung der nun einzelnen Individuen untereinander. Aus der alles umfassenden Einheit spaltet sich die Polarität auf, deren Teil der nun erkennende Mensch ist. Ab jetzt ist er ständig gezwungen, sich für eine Seite oder Sache des Ganzen zu entscheiden. Aber gleich welchen Weg er nach bestem Gewissen anvisiert und schließlich einschlägt, solange er einseitig lebt, denkt und entscheidet, bleibt er gespalten und damit diabolisch . Am Ende der Suche nach sich selbst mag der reine kristalline Blick für die Wahrheit stehen, aber ebenso die Erkenntnis, daß dem freien Fließenlassen dieser grenzensprengenden Geistkräfte meist eine tiefe innere Einsamkeit folgt.
Astrologisch finden wir LOKIs Prinzip im Planeten Pluto, dessen wahrhaft gigantische Aufgabe die Wandlung und Erneuerung des menschlichen Bewußtseins ist. Seine zwanghaften Energien müssen den Menschen reifen lassen für den transformierenden ‘merkurial-uranischen’ Geist eines neuen Äons. So wird Pluto/LOKI zum Vollstrecker der kosmischen Wende, dessen unerbittliche Macht sich erstmals offenbarte, als es gelang das Atom zu spalten und künstliche Sonnen zu erschaffen. Damit wurde ein Tor zu einem Bereich geöffnet, der nicht mehr so einfach geschlossen werden kann. Doch wie sprach schon einst der Advocatus diaboli: "Nur wer sich der Dunkelheit aussetzt, öffnet sich dem Licht!"
******
Satanismus vom Christ aus.
Sie quälen Menschen zu Tode, graben Leichen aus und trinken Blut: Das Treiben der Teufelsanbeter hat eine neue Dimension erreicht. Verfassungs-schützer sprechen von einer Allianz zwischen Satanisten und Neonazis. Porträt des 21-jährigen "Lord" und seiner Welt voller Hass und Finsternis
Diese Augen. Eigentlich erzählen die Augen dieses Jungen die ganze Geschichte. Sie bleiben regungslos, wenn er vom Durst nach frischem Rinderblut spricht. Sie sind kalt und hasserfüllt, wenn er Babys oder Behinderte sieht. Man kann sich nicht vorstellen, dass sich in den Augen dieses Jungen je eine Träne bilden wird. Und diese Lippen. Sie liegen fest aufeinander wie Magnetplatten. Sie sind blass und blutleer und lassen kaum ein Wort hindurch. Und wenn doch ein tonnenschwerer Gedanke die Magnetplatten sprengt, dann schießen kurze Wörter nach draußen: Hass, Scheißwessis, meine Seele ist schwarz.
Es ist ein wolkenverhangener Tag in einer hässlichen Kleinstadt in Sachsen, die es nie in einen Reisekatalog schaffen wird. Der Junge steht an seinem Auto, einem schwarz lackierten BMW, und blickt nach oben. An einem solch düsteren Tag wird die Welt untergehen, davon ist er überzeugt. Plagen und Seuchen werden kommen, am besten ein Atomkrieg, damit "der ganze parasitäre Menschengeist endlich ausgelöscht wird". Der Junge sagt "parasitärer Menschengeist". Er sagt auch "die neue Zucht Mensch". Und "Töten, um zu überleben".
Der Junge nennt sich Lord. Er ist 21 Jahre alt und hat diese Welt nach eigener Auskunft schon seit 21 Jahren satt. Er trägt schwarze Lederkleidung und eine Runenkette um den Hals und lange Haare. "Barbarisch" lange Haare, wie er stolz sagt. Er pflegt sie so liebevoll wie Kinder ihre Barbie-Puppen. "In der Länge der Haare liegt die Kraft der dämonischen Magie", sagt Lord. Er meint es ernst.
Lord ist Satanist. Ein echter Satanist, betont er. Mit echter schwarzer Seele. Das Wort echt ist ihm wichtig. Denn es gebe viele Trittbrettfahrer, die jetzt plötzlich auf den Trend aufsprängen und Satan benutzten wie eine Einwegflasche. So einer ist er nicht. Echt nicht. So einer kann ihm gestohlen bleiben. Echt jetzt. Ein Satanist wie er fand es schon in seiner Kindheit toll, Tiere im Wald zu quälen, Käfer zu häuten, Katzen zu sezieren. Er ist sozusagen ein Mann der ersten Stunde. Und dann macht er eine lange, dramatische Pause, bevor er sagt: "Mein Name ist Lord Asgaqlun. Das ist ein männlicher Dämon, welcher die Menschheit erschaffte. Ein ganz böser." Lord versucht nun, besonders böse zu gucken.
WAS MACHT man als Satanist an einem dunklen Tag wie diesem, an dem gleich ein Atomkrieg oder die Pest ausbrechen könnte? Man könnte mal wieder Blut holen. Unten im Ort. Lord fährt dann in seinem Auto zum Schlachthof und bringt einen großen Beutel Blut mit, den er seiner Mutter reicht. Sie ist eine verständnisvolle Mutter. Sie fragt nicht viel und vor allem nicht, warum Lord so ist, wie er ist. Sie nimmt den Beutel wortlos entgegen und friert das Blut ein. Damit der Sohn es später trinken kann auf seinen Konzerten. Und sich mit dem Blut besudeln kann. Die Sorte ist Lord egal. Schweineblut oder Rinderblut. Meist ist es eine Mischung.
Mama bittet Lord auch nicht, das Gulasch am Mittagstisch gebraten zu essen. Er isst es eben roh. Er isst auch selbst erlegte Maulwürfe. Das ist so. Das ist wohl so in diesem Land BRD. Mama fragt nicht. Papa auch nicht. Es ist alles in Ordnung in dem kleinen Haus am Rand des Erzgebirges.
Was Satanisten sind, das wissen Lords "christenfreie" Eltern nicht recht. Irgendeine Moderichtung, von denen ja so viele im Fernsehen gezeigt werden: schwarze Klamotten, lange Haare, Totenköpfe im Kinderzimmer und so eine laute Krachmusik, die für die Freunde der deutschen Volksmusik nicht ganz das Wahre ist. Das wird es schon sein. Nur nicht zu viel wissen. Man hat in letzter Zeit Schlechtes gehört über die Teufelsleute. Aus Peine, aus Frankfurt und Fulda. Vor allem aus Thüringen.
Es lief jedes Mal nach dem gleichen Muster ab. Da standen Eltern vor den aufgebrochenen Särgen ihrer Kinder und konnten es nicht fassen. Mal war die ganze Leiche verschwunden, mal fehlte der Kopf, wie bei dem ermordeten Schüler Markus Wachtel aus Peine. In Frankfurt-Hoechst wurden die Täter im Oktober 1999 überrascht, als sie gerade die zerstückelte Leiche des 13-jährigen Tristan Bübach rauben wollten. Und in Fulda legten Unbekannte die Leichen alter Frauen frei und hinterließen dabei Kot - ein unter Satanisten üblicher Brauch der Entweihung. Dieselben Männer, das ergaben gentechnische Untersuchungen, hetzten später eine allein lebende 89-jährige Rentnerin stundenlang durch ihr Haus und quälten sie schließlich mit Knüppeln und ihrem eigenen Gehstock zu Tode.
Seitdem wühlen die Medien in den Orten. Sie fragen alle aus, die Pfarrer und die Bestatter, sie finden satanische Sprüche an Schulwänden und die Zahl 666 auf Grabsteinen. 666 steht für "das große Tier", den Teufel. Okkultismusexperten wie der Berliner Religionsprofessor Hartmut Zinser betonen in dem Zusammenhang die besondere Bedeutung "prominenter" Totenschädel für Satanisten.
Das Vorgehen der Teufelsanbeter hat nach Einschätzung von Sektenbeauftragten und Polizeibehörden eine neue Dimension erreicht. Im Internet werden Bilder von rituell gequälten Menschen angeboten. Im Ruhrgebiet ist ein Netz okkulter Discotheken, Buchläden und Klubs entstanden. Verfassungsschützer sprechen von einer neuen, besorgniserregenden Allianz zwischen Neonazis und Satanisten. Und schon vor anderthalb Jahren warnte eine Bundestags-Enquetekommission vor dem Wachsen der Szene und äußerte den Verdacht, "dass Frauen aus Osteuropa in Deutschland gebären, um ihre Kinder dort dann töten zu lassen".
Doch keiner wurde je auf frischer Tat geschnappt. Keiner je gesehen - bei Menschenopferungen, bei Kirchenbränden, bei nekrophilen Exzessen oder Grabsteingraffiti. Satanisten sind das geblieben, was sich so viele subversive Gruppen wünschen: ein Mysterium, ein schwarzes Loch, eine kleine dunkle Macht im Souterrain, schwer ergründbar für Forscher, kaum durchschaubar für die Polizei. Sie treten nicht öffentlich auf wie Neonazis, es gibt keine Dachorganisation, keine Kampagnen - und über sich reden wollen die meisten schon gar nicht.
LORD REDET. Seinen echten Namen will er nicht nennen, aber er redet. Nicht viel, aber die Wahrheit müsse mal raus. Also die Wahrheit: Beteiligt er sich an den Verbrechen? Nein, sagt er, aber er habe auch keine Probleme damit. Schwache müssten eben dran glauben, das sei das Gesetz der Natur. Das besage schon Darwins Theorie vom Überleben des Stärkeren. Lord sagt Darwin, und es klingt wie ein Allmachtsinstrument, ein Gesetz. Darwin das Grundgesetz. Lord die Exekutive.
An diesem Nachmittag trifft sich der lange, dünne Junge mit drei Freunden in einem gutbürgerlichen Restaurant. Sie setzen sich an einen dunklen Eichentisch und essen Wild. Gebraten. Sie tragen SS-Totenschädel auf ihren schwarzen T-Shirts und Teufelspentagramme auf der Haut. Sie rülpsen laut, machen sich lustig über Spastiker und versuchen den anderen Gästen zu dokumentieren, dass sie in der Erbnachfolge bald hinter ihren Vorbildern, den Wikingern, stehen.
Die vier Satanisten im Süden Sachsens verstehen sich als Speerspitze des Barbarentums. Sie brechen Tabus, die ihnen Harald Schmidt und die TV-Krieger wider die Political Correctness noch lassen: Holocaust-Witze, Sodomie, Opferrituale mit Tierkadavern. Der Antisemitismus sei schon ganz okay und die ideologische Übereinstimmung groß, aber der Satanismus sichert ihnen den Nimbus des noch Gefährlicheren und Mysteriöseren.
Man würde sie wahrscheinlich gern als dumm bezeichnen, aber sie sind nicht dumm. Sie gehören nicht zu den Typen, die ihr Gehirn auf Kommando ausschalten und einem streng gescheitelten Führer hinterherlaufen. Man kann sie nicht wegdrücken in die Ecke der Geisteskranken oder in die sozialpädagogische Schublade "dysfunktionales Elternhaus". Sie haben einen Beruf, sie verdienen ihr eigenes Geld, als Dachdecker, Metallarbeiter, Zivis. Sie entstammen einem kleinbürgerlichen Elternhaus, nennen sich heimatverbunden und sind verhaftet in klassischen Rollenmustern. Das hört sich zum Beispiel so an: "Die Frau muss dem Mann untertan sein." - "Blut und Boden ist mir wichtig." - "Treue ist das höchste Gut." - "Der Wald ist des Deutschen Heimat." Manchmal klingen ihre Sätze wie die Parolen Heinrich Himmlers, manchmal wie Zitate aus der Fachzeitschrift "Wild und Hund", und manchmal verheddern sich die vier jungen Satanisten einfach nur in Widersprüche. Ihre beste Zeit, so brüsten sich alle, hatten sie als Zivildienstleistende im Krankenhaus. Da konnten sie sich Leichen aus der Nähe anschauen, da konnten sie in Schädeln pulen und alten Menschen kleine Kieselsteine ins Essen mischen. Aus Spaß. Aus Neugier. Aus Hass. Und das soll lustig sein? "Das ist lustig." Eher abscheulich und strafbar. "Na und? Wir haben unsere eigenen Gesetze. Wir leben unsere Triebe noch aus."
Wie ernst sind sie zu nehmen? Nur Spinner? Provokateure? Sie mögen ihre Klappe etwas weiter aufreißen, wenn ein Journalist vor ihnen sitzt, und vielleicht verschweigen sie auch einige ihrer Taten, aber okkulte Opferrituale und volksverhetzende Sprüche gehören nachweislich zu ihrem Leben. "Wir wissen einfach nicht, wann die Provokation in Taten umschlägt", sagt Thüringens Verfassungsschutzpräsident Helmut Roewer. "Wenn das Kind im Brunnen liegt, weiß ich es auch." Er redet nur ungern über das Thema. Seit fast zwei Jahren beobachtet seine Behörde die zunehmenden Aktivitäten von Satanisten und neuheidnischen Gruppen. Es handele sich um Leute, die nicht so einfach strukturiert seien wie Neonazis. Leute, die über Themen wie Sinnsuche und Religion und vor allem über Musik ansprechbar seien. "Eine sehr unappetitliche Sache, das Ganze", sagt Roewer.
Lord gehört zu einer Gruppe von Satanisten, die in ihrer Black-Metal-Musik den Ausdruck für ihren Glauben sieht. Black Metal ist die härtere Variante der Hardrock-Bands aus den 70er Jahren, die damals schon begriffen, dass man mit dem Bösen und geköpften Hühnern Geld machen kann. Bei neun von zehn Bands steckt auch heute nicht mehr dahinter: Provokation als Imagefaktor, das Grauen als Thrill. Ausnahmen sind Bands wie die norwegische Formation Burzum, die sich offen zu Kirchenbränden und Mordgedanken bekennen. Und rassistische deutsche Gruppen wie Barad Dür oder Eternity, die im Almanach der Szene die Wiedererrichtung von Konzentrationslagern für Ausländer, Schwule und Behinderte fordern und über sich schreiben: "Jede Aktion, die dazu dient, der jämmerlichen Christenheit einen Schaden zuzufügen, ist es wert, unterstützt zu werden, sei es nun eine Kirchenbrandstiftung oder, wenn nötig, auch ein Mord."
Neben Black-Metal-Satanisten gibt es eine Reihe anderer Gruppen, die sich in Orden oder Geheimlogen organisieren, wie den deutschen Ableger der "Church of Satan" oder eine Gruppe namens "In Nomine Satanas". Manche beziehen sich in ihrer Lehre vornehmlich auf den Begründer des Neo-Satanismus, den Schwarz- und Sexualmagier Aleister Crowley, andere interpretieren Satan nicht als Gestalt, sondern als Symbol der Auflehnung gegen alle gesellschaftlichen Tabus.
ÜBERS INTERNET beginnt die Szene jetzt, ein Netzwerk zu knüpfen. Satanskirchen stellen sich dort vor ("Eine Satanskirchentaufe ist ein schönes Ereignis - mit viel Schnaps und nackten Weibern"), die Anhänger begrüßen Ritualmorde wie unlängst in Polen und Finnland, wo ein 23-jähriger Mann im "grausamsten Verbrechen der gesamten finnischen Rechtsgeschichte" von vier Kameraden während einer Zeremonie zerteilt und gegessen wurde. Und in Chatrooms diskutieren sie im World Wide Web ihre Alltagserlebnisse: "Nach einer schwarzen Messe traf ich auf dem Heimweg einen kleinen Jungen im Park. Ich weiß nicht, wie es passierte, aber ich habe wie wild auf ihn eingeschlagen. Erst als er blutig am Boden lag, merkte ich, was ich getan hatte."
"Es gibt 3000 bis 7000 Satanisten, die gedanklich über Tierrituale hinausgehen", schätzt der Sektenbeauftragte der Evangelischen Kirche, Ingolf Christiansen. Sein Kollege, der Pfarrer und selbst erklärte Satanistenforscher Jürgen Hauskeller, spricht von einem "flächendeckenden gesellschaftlichen Problem". In jeder Kleinstadt gebe es inzwischen Satanisten, eine Bedrohung für Jugendliche.
Jürgen Hauskeller sitzt in seinem altdeutschen Wohnzimmer in der thüringischen Kleinstadt Sondershausen und blickt auf seine Kirche, die bereits mehrfach Ziel von Anschlägen war. Drohbriefe und -anrufe erreichen ihn regelmäßig, einen Vortrag über Satanisten in Fulda sagte er ab, weil Unbekannte ihm eine Patrone zuschickten und drohten, ihn umzubringen. "Aber ich mache weiter", sagt der 63-Jährige. "Ich habe meinem Bischof sehr deutlich gesagt: Die Gefahr wird eher noch zunehmen."
ANDERE SZENEKENNER bezeichnen die Thesen der Kirchenleute als Panikmache und "mittelalterliche Stigmatisierungsversuche". Der Thüringer Sektenexperte Ingo Weidenkaff hat in seiner aktuellen Studie über die "schwarze Szene" herausgefunden, dass nur die allerwenigsten wirklich Satanisten sind. Nicht jeder, der ein bisschen Teddybärokkultismus betreibe - Gläserrücken, umgekehrte Kreuze und Pentagramme tragen -, sei gleich ein Teufelsanbeter. Und nicht jeder Satanist sei gleich ein dumpfer Gewalttäter. Aber wie alles in der Gesellschaft habe sich eben auch der Satanismus extremer entwickelt. Just in dem Moment klingelt das Telefon in Weidenkaffs Büro in der Erfurter Altstadt. Ein Polizist aus Mühlhausen schildert, dass vermutlich zwei Männer aus der Black-Metal-Szene auf einer Weide gerade ein Schaf erschlagen und das Blut getrunken haben. "So was kommt nicht gerade selten vor", sagt Weidenkaff. "Aber es ist nicht zu vergleichen mit den Taten der Möbus-Brüder."
Die beiden Möbus-Brüder wohnen etwa 500 Meter entfernt in einem Haus im Erfurter Stadtzentrum. Sie sind die Söhne eines CDU-Ministerialbeamten und gelten als Drahtzieher einer neuen, gewalttätigen Szene, in der sich Satanisten und Rechtsextremisten zusammengeschlossen haben. Als Brücke dienen dabei die Musik, die sie selbst NS-Black-Metal nennen, sowie die dazugehörigen Magazine ("Stormblast", "Germanenmacht") und Diskussionszirkel ("Arisches Black Metal Forum"). In den Texten der Bands dreht sich vieles um den totalen Krieg, um Rassenlehre und die "Segnungen" der Euthanasie. Ronald Möbus, der ältere der Brüder, verlegt diese Bands in seinem Plattenlabel und verspricht den Kunden: "Eine weitere musikalische Zyklon-B-Dusche" oder "Dieses Album macht dich rasend ... töten für Wotan!"
Ihren politischen Ausdruck findet die Allianz in der von Hendrik Möbus gegründeten deutschen Sektion der Allgermanischen Heidnischen Front. Sie appelliert vor allem an gemeinsame Wurzeln von Satanisten und Faschisten, die schon im Nationalsozialismus eine Rolle spielten: an den Hass auf die Kirche, an das arisch-germanische Heidentum und den elitären Sozialdarwinismus. "Wir glauben, dass der Nationalsozialismus die perfekte Synthese von luziferischem Machtwillen und neoheidnischen Prinzipien und Symbolen ist", heißt es in einem unter der Hand vertriebenen Fanzine.
Der Satz stammt von dem 24-jährigen Hendrik Möbus selbst. Der als "Satanskind" bekannt gewordene Junge erdrosselte 1993 in Sondershausen gemeinsam mit zwei Freunden den 15-jährigen Schüler Sandro Beyer mit einem Stromkabel. Ein Akt, den er heute als "archaisches Opferritual" an einem "lebensunwerten Geschöpf" vermarktet. Seit September 1998 ist Hendrik Möbus wieder auf freiem Fuß und wird in der Szene als Märtyrer gefeiert. Bei einer Razzia im Oktober 1999 beschlagnahmte die Polizei bei ihm und seinem Bruder auch eine Anleitung zum langsamen Töten von Menschen sowie Fotos, die beide mit der verbotenen Keltenkreuzfahne in einer Baracke des ehemaligen KZs Auschwitz zeigen.
Wegen Volksverhetzung sollte der schmächtige, komplexbeladene Junge Mitte Dezember erneut inhaftiert werden. Doch einen Tag vor seiner Verhaftung setzte er sich ab. Er gehe ins Exil, schrieb er seinen Eltern. Die Staatsanwaltschaft vermutet ihn in Norwegen. Pfarrer Hauskeller meint, seine Spur per Internet in Polen entdeckt zu haben. Und Ingo Weidenkaff, der Möbus' Sozialarbeiter war, sagt: "Hendrik hat sich in der ganzen Welt ein Netz aufgebaut. Der kann überall sein: in Australien oder in den USA."
Für Lord ist der berüchtigte Möbus-Clan nichts anderes als ein Haufen von Schmarotzern, die den Satanismus für die eigene Vermarktung missbrauchen. "Ich dagegen bin Prediger", sagt Lord. "Ich will durch die Musik meinen Glauben verbreiten." Der Glaube an die Kraft, die stets das Böse will und das Böse schafft. Die Kraft, die ihm und seinen Kameraden angeblich übernatürliche Eingebungen verleiht.
Heute soll es so ein Abend der Eingebungen werden. Heute, an diesem verregneten Sonntag, soll der Teufel ihnen eine Botschaft zukommen lassen. Lord und die drei anderen Mitglieder seiner Black-Metal-Band verschwinden in einem kleinen Kellerraum unterhalb eines Jugendzentrums. An der Wand hängen Hardcore-Pornos und blutbefleckte Pentagramme. Es riecht nach Schweiß und Alkohol. Die vier stellen sich breitbeinig hin und hauen auf ihre Instrumente ein, bis alles zum dissonanten Höllenlärm geworden ist, den sie die Musik Satans nennen. Und dann schießt angeblich die Eingebung in das Hirn des Sängers, die Textzeile, die "so genial" sei, dass sie nur von einer dämonischen Kraft stammen könne. Er schreit und grunzt und röchelt, und man versteht es kaum: "Eine dämonische Macht herrscht über mich. Transformation und Mutation sind meine Schöpfer. Ich bin hungrig und gierig nach Fleisch und Blut." Es klingt nicht gerade teuflisch, es klingt eher wie die gruppendynamische Sitzung einer Schrei-therapie. Aber für die vier Satanisten ist es bitterernst, für sie ist es der Sinn des Lebens. Und kein Polizist, kein Sozialarbeiter, kein Reporter kann wirklich einschätzen, wozu ihr Hass auf die Welt sie noch treiben wird.
*******



LinkBack URL
About LinkBacks

.jpg)


Lesezeichen