Luzifer
- Das bedeutsame Symbol der Weisheit, die uns durch Forschung gegeben wird, ist Luzifer, zu deutsch der Träger des Lichtes. Kinder des Luzifer sind alle, die nach Erkenntnis, nach Weisheit streben. Die chaldäischen Sternkundigen, die ägyptischen Priesterweisen, die indischen Brahmanen: sie alle waren Kinder des Luzifer. Und schon der erste Mensch wurde ein Kind des Luzifer, da er sich von der Schlange belehren ließ, was «gut und böse » sei. Und alle diese Kinder des Luzifer konnten auch Gläubige werden. Ja, sie mußten es werden, wenn sie ihre Weisheit recht verstanden. Denn ihre Weisheit ward ihnen eine «frohe Botschaft». Sie kündete ihnen den göttlichen Urgrund von Welt und Mensch. Was sie durch ihre Erkenntniskraft erforscht hatten, das war das heilige Weltgeheimnis, vor dem sie in Andacht knieten, das war das Licht, das ihren Seelen die Wege zu ihrer Bestimmung wies. Ihre Weisheit in andächtiger Verehrung geschaut, das ward Glaube, das ward Religion. Was ihnen Luzifer gebracht, das leuchtete vor den Augen ihrer Seele als Göttliches. Dem Luzifer verdankten sie, daß sie einen Gott hatten. Es heißt das Herz mit dem Kopfe entzweien, wenn man Gott zum Gegner des Luzifer macht. Und es heißt, den Enthusiasmus des Herzens lahmlegen, wenn man es macht, wie unsere Gebildeten, welche die Erkenntnis des Kopfes nicht erhebt zur religiösen Hingabe.
Dem Worte nach bedeutet Luzifer: Lux - das Licht, fer, ferre - tragen, der Lichtträger. Wenn wir uns dieses Wort vor Augen halten, dann müssen wir uns schon sagen: Diejenigen, welche dieser Gewalt den Namen gegeben haben, können unmöglich bloß das gemeint haben, was verschiedene positive religiöse Überzeugungen zusammenfassen in der zerstörenden, Leid und Verderben bringenden Macht, die sie im Symbol um der Schlange und des bösen Drachen sehen. - Dennoch klingt das in Europa bekannteste Religionssystem, das christliche, mit dem zusammen, was man im Volksmunde den Teufel, Satan nennt, den man als die lebenzerstörende oder herabziehende Macht ansieht. Die Schlange ist Ihnen allen bekannt als der Verführer der Menschheit. So steht es im Beginne der Genesis, der Bibel, und so lebt es auch im Bewußtsein vieler. Nicht immer und nicht in allen Religionsbekenntnissen gilt die Schlange als das Symbolum des Bösen, der herabziehenden und verderbenden Macht. Wenn wir die christlich-jüdische Mythe selbst betrachten, so kann es uns nicht ganz so erscheinen. Denn wer wollte heute diejenige Macht, welche den Menschen die Erkenntnis des Guten und Bösen gebracht hat, diejenige Macht, von der gesagt wird, daß sie dem Menschen die Augen aufgeschlossen hat, unbedingt zu den feindlichen Mächten rechnen?
Deshalb können wir sagen: Wenn dieses luziferische Prinzip im Menschen nicht wäre, so würde der Mensch in einer gewissen Passivität, in einer gewissen Untätigkeit, von den Göttern getragen, zur Vollkommenheit geführt. Er wäre sozusagen vollständig der Gotteskindschaft hingegeben. Zwar strebte sein Wesen zur Vollkommenheit, aber nicht er wäre es, der so strebte, sondern der Gott in ihm. - Dazu kommt die andere Kraft, die wir als luziferische betrachten. Diese macht dieses Streben zu einer ureigenen Angelegenheit. Die setzt sich selbst dieses Ziel der Vollkommenheit. Das ist auch in wunderbarer Weise in der biblischen Mythe dargestellt. Da sind Adam und Eva hervorgegangen aus der Hand der Götter, dazu bestimmt, ohne ihr Zutun durch die göttlichen Mächte hingeführt zu werden zur göttlichen Vollkommenheit, weil der Gott in ihnen sie führt. Weil aber nun die Schlange kommt, welche die Erkenntnis gibt und die Freiheit und dadurch auch den Hinblick und die Möglichkeit zur Vollkommenheit, so bringt sie auch die Möglichkeit des Bösen. Da nun die Entscheidung zwischen Gut und Böse in des Menschen eigene Hand und eigene Erkenntnis gelegt wird, so wird der Trieb, die Liebe, zum Träger gemacht eines unbewußten, aber göttlichen Vollkommenheitsstrebens. Alles das, was leben und sprießen soll in diesem Vollkommenheitsstreben, das soll durchglüht werden von dieser Liebe, von dem, was sich dem Menschen offenbart in dieser Liebe. Auf der andern Seite tritt dem entgegen jene Macht, welche den Menschen führt, indem sie sich dieses vierten Prinzips, des Ich bemächtigt hat, es zu eigener Wahl auferweckt, zu eigener Erkenntnis ihm Licht gibt, so daß er Im Lichte wandelt zu der Vollkommenheit hin. So haben wir den Liebesträger, so den Lichtträger als die zwei im Menschen waltenden wirklichen Kräfte.
Deshalb können wir sagen: Wenn dieses luziferische Prinzip im Menschen nicht wäre, so würde der Mensch in einer gewissen Passivität, in einer gewissen Untätigkeit, von den Göttern getragen, zur Vollkommenheit geführt. Er wäre sozusagen vollständig der Gotteskindschaft hingegeben. Zwar strebte sein Wesen zur Vollkommenheit, aber nicht er wäre es, der so strebte, sondern der Gott in ihm. - Dazu kommt die andere Kraft, die wir als luziferische betrachten. Diese macht dieses Streben zu einer ureigenen Angelegenheit. Die setzt sich selbst dieses Ziel der Vollkommenheit. Das ist auch in wunderbarer Weise in der biblischen Mythe dargestellt. Da sind Adam und Eva hervorgegangen aus der Hand der Götter, dazu bestimmt, ohne ihr Zutun durch die göttlichen Mächte hingeführt zu werden zur göttlichen Vollkommenheit, weil der Gott in ihnen sie führt. Weil aber nun die Schlange kommt, welche die Erkenntnis gibt und die Freiheit und dadurch auch den Hinblick und die Möglichkeit zur Vollkommenheit, so bringt sie auch die Möglichkeit des Bösen. Da nun die Entscheidung zwischen Gut und Böse in des Menschen eigene Hand und eigene Erkenntnis gelegt wird, so wird der Trieb, die Liebe, zum Träger gemacht eines unbewußten, aber göttlichen Vollkommenheitsstrebens. Alles das, was leben und sprießen soll in diesem Vollkommenheitsstreben, das soll durchglüht werden von dieser Liebe, von dem, was sich dem Menschen offenbart in dieser Liebe. Auf der andern Seite tritt dem entgegen jene Macht, welche den Menschen führt, indem sie sich dieses vierten Prinzips, des Ich bemächtigt hat, es zu eigener Wahl auferweckt, zu eigener Erkenntnis ihm Licht gibt, so daß er Im Lichte wandelt zu der Vollkommenheit hin. So haben wir den Liebesträger, so den Lichtträger als die zwei im Menschen waltenden wirklichen Kräfte



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