Je länger Kriege dauern, um so größer werden die Lügen, sie zu rechtfertigen. Der „Kampf gegen den Terror“ in Afghanistan dauert schon über 6 Jahre – aber noch immer sind US-Amerikaner und NATO im Land. Und es sollen sogar noch mehr werden …

Zur erneuten Meinungsmanipulation bei „kontraste“
von Tilo Schönberg

Was da am 20. September in der ARD unter dem Label „kontraste“ ausgestrahlt wurde, war wieder einmal eine tolle Vorführung in Sachen Meinungsmanipulation. Wieviel Einfluss hat eigentlich der M.I.K. auf die Sendeanstalten unseres Landes? Wieso wird im staatlichen Fernsehen zu einem Thema wie Afghanistan eine derartige Volksverdummung betrieben, wie uns das „kontraste“ in seiner Sendung vom vergangenen Donnerstag deutlich vor Augen geführt hat.

Nehmen wir das Sendungsmanuskript[1] mal etwas genauer unter die Lupe.
Der Titel der Sendung lautet: Mehr Soldaten nach Afghanistan! (inkl. Ausrufezeichen)
Damit ist schon von vornherein klar, wohin die Reise zu gehen hat. Original-Text: „Steffen Mayer, Caroline Walter und Alexander Kobylinski setzen sich mit den Argumenten der Friedensbewegung auseinander.“ – und das tun sie schon mal nicht! Noch nicht mal im Ansatz, weil – das Thema der Sendung lautet: „Mehr Soldaten nach Afghanistan!“ und nicht „Die Mehrheit der Deutschen will, das die Bundeswehr aus Afghanistan verschwindet“.

Und genauso schneiden sich die drei oben genannten Kriegsbefürworter ihre Sendung zusammen und präsentieren als nächstes den afghanischen Außenminister Ragin Spanta, der dann schon mal behaupten darf, dass die Bundeswehr in Afghanistan Schulen, Krankenhäuser und Straßen baut und überhaupt das Leben sicherer macht. Bilder von Schulen, Krankenhäusern und Straßen, die die Bundeswehr da baut? Fehlanzeige!

Um diese lästige Thema „Friedensbewegung“ dann gleich abzuhaken, leitet man die nächste Sequenz mit den Worten: „Doch die deutschen Demonstranten wissen vorgeblich viel besser als die Afghanen, was in Afghanistan los ist und was für das Land gut ist“ ein. Und natürlich - der aufmerksame 0815-Leser wird es erahnen - wissen sie das nicht! Da wird ein armer Rentner eingeblendet, der da meint, man muss mit den Taliban sprechen und bringt danach einen Videoausschnitt, der ebendiese Taliban zeigt, wie sie im Stadion von Kabul eine Frau hinrichten. Das Video ging um die Welt, Kontraste baut darauf, dass man es kennt. Nur, ist die Bundeswehr wegen der Frauenrechte in Afghanistan?

Dann kommt das übliche Linkspartei-Bashing. Die Partei „Die Linke.“ „hängt“ sich an die Friedensbewegung, weil das eben gerade die Mehrheit der deutschen Bevölkerung ist bla bla bla … Und hier kommt die nächste Manipulation: Der Geschäftsführer der Linkspartei wird zitiert: „Die Bundeswehr gehört nicht nach Afghanistan, die Soldaten gehören abgezogen, das ist unsere Position.“ Dieser Position stellt man eine Sequenz aus dem Spanta-Interview gegenüber: „„Mein Appell ist an den Deutschen Bundestag, an die Abgeordneten, von allen Parteien: Bitte lassen Sie die afghanische Bevölkerung nicht allein. Afghanistan braucht die Präsenz, die starke Präsenz der Bundesrepublik Deutschland, in militärischer Hinsicht, in Wiederaufbau und zur Unterstützung und Verstärkung der staatlichen Institutionen. Bitte lassen Sie die afghanische Bevölkerung nicht allein.“ (… übrigens deutlich erkennbar, das Spanta dabei von einem Teleprompter o. ä. abliest!) Und dann wird wieder Bartsch eingeblendet: „Ja, das ist seine Position, die nehme ich zur Kenntnis, wir haben eine andere Position.“

Ist es vorstellbar, das man Bartsch lediglich mit dem Tenor der Meinung von Spanta konfrontiert hat, mehr Soldaten nach Afghanistan zu holen und nicht mit dem gezeigten Interviewausschnitt: „Mein Appell ist an den Deutschen Bundestag, an die Abgeordneten, von allen Parteien: Bitte lassen Sie die afghanische Bevölkerung nicht allein. Afghanistan braucht die Präsenz, die starke Präsenz der Bundesrepublik Deutschland…“?

Gegen eine Unterstützung von Afghanistan hat kein Mensch was, auch und gerade die Partei Die Linke. nicht! Im Gegenteil! Nicht nur Die Linke. fordert den zivilen Aufbau Afghanistans zu stärken und voranzutreiben – mit allen Mittel, eben nur nicht mit militärischen! Das ist der Punkt! – den „kontraste“ ausblendet …

Auch die Bundesregierung kriegt ihr Fett weg: „Und bei der Bundesregierung stößt die Forderung der Militärs nach größerem Einsatz und mehr Soldaten nach wie vor auf taube Ohren.“ Und dann präsentiert man Hosnbanu Ghazanfar, die Frauenministerin Afghanistans: „„Millionen von Schülerinnen gehen zur Schule, Millionen von Studentinnen gehen in die Hochschule, viele Frauen sind in ihre früheren Berufe zurückgekehrt.“ Stimme aus dem Off: „Doch Soldaten müssen auch diese Frauenrechte absichern. Deswegen gibt es eine klare Forderung aus Afghanistan.“ – Richtig, die ist als Headline der Sendung überdeutlich: „Mehr Soldaten nach Afghanistan!“ – mit Ausrufezeichen!

Das mit den „Millionen“ Schülerinnen und Studentinnen macht mich stutzig. Kann es sein, dass hier nicht nur die Bundestagsabgeordneten gleich reihenweise verschaukelt werden. Erinnern wir uns daran, das zu beginn der Sendung behauptet wurde, die Bundeswehr würde u. a. Schulen in Afghanistan bauen – wo dann „Millionen“ Schülerinnen hingehen? Meint die Tante das im Ernst?!? Und dann auch noch „Millionen“ von Studentinnen? Ist ja irre, wo Afghanistan doch gerade mal über 6 (in Worten: sechs) Universitäten verfügt.



Was schreibt M.A.I. dazu: „Bemerkenswerte Zahlen für ein Land mit ca. 30 Millionen Einwohnern von denen ca 78% auf dem Land leben und von deren Frauen ca. 90% Analphabeten sind. Oder anders ausgedrückt: Ca. 28.1% der über 15 jährigen der Gesamtbevölkerung können lesen und schreiben. Davon ca. 12.6% Frauen was ca. einer Anzahl von 1,06 Millionen entspricht. Abgesehen davon, daß "Millionen von Studentinnen..." für mich noch immer mindestens 2 Millionen wären, ist das schon eine beachtliche Leistung diese auf 6 Universitäten zu verteilen, von denen z.B. die größte in der Hauptstadt Kabul insgesamt nur ca. 7000 Studenten , davon 1700 Frauen, hat. Und die zweitgrößte in Herat hat ca. 5200 Studenten und davon ca. 1560 weibliche.“[2]

Aber die Ministerin ist noch nicht fertig mit ihrem Latein: „Die afghanische Bevölkerung sieht, dass die deutschen Soldaten sehr gute Arbeit leisten. Deswegen wollen die Afghanen, dass noch mehr deutsche Soldaten nach Afghanistan kommen.“

Deswegen wollen die Afghanen mehr Soldaten! Wir sind wieder beim Titelthema. Und um das Ganze weiter zu untermauern zeigt uns das „kontraste“-Filmchen Frauen, die in einer Schulklasse sitzen und bemerkt anschließend: „Frauen dürfen arbeiten.“ Dabei wird eine Frau eingeblendet, die einen Eimer Wasser holen will. „Der Wiederaufbau kommt langsam voran, aber er ist in ständiger Gefahr.“ – sagt die Stimme aus dem Off und blendet eine Wasseruhr ein. Gefahr für Wasseruhren? Deswegen die Bundeswehr?

Man bringt die nächste Afghanistan-„Expertin“ ins Spiel. Frau Citha Maaß, die gerade – Überraschung – aus Afghanistan zurückkommt: „Der Kriminelle will schnell Geld machen oder Rache an seinem Nachbarn üben, dazu braucht er das Chaos und eben eine nicht funktionierende Polizei. Der Drogenhändler braucht teils Unruhe, teils Stabilität, weil er seinen Geschäften nachgehen will, und sie können damit natürlich auch mit Geld sich Schutz kaufen, also Stichwort Korruption. Die Taliban und Aufständischen wollen ihr islamisches Emirat in Afghanistan errichten. Dazu müssen sie die Internationalen vertreiben und die Regierung Karzai schwächen. Und die lokalen Machthaber wollen vor allem die Macht in ihrer Region ausüben.“ – wie angekündigt: eine Expertin!

Nur kurz unter ihrem Namen eingeblendet, erfährt man, für wen diese „Expertin“ arbeitet: SWP – die Stiftung Wissenschaft und Politik. SWP ist eine sogenannte Denkfabrik und was die denkt, hat zum Beispiel German Foreign Policy schon im vergangenen Jahr ausführlich beschrieben: „Der Widerstand deutscher Hilfsorganisationen gegen ihre militärische Indienststellung im Ausland ("zivil-militärische Zusammenarbeit") erregt den Unwillen führender Politikberater. Die karitativ orientierten Helfer müssten endlich ihre "Vorurteile" gegenüber den Truppen abbauen und "an militärisches Denken herangeführt werden", empfiehlt eine Studie der Stiftung Wissenschaft und Politik. Die SWP reagiert damit auf vermehrten Unmut der in Afghanistan tätigen Zivilhelfer.“[3] Vermehrter Unmut gegen das Militär? Dagegen muss man was tun, denkt sich die SWP!

Allein 2006 hat die SWP vom Bund knapp 10 Millionen Euro kassiert, als "gemeinnütziger" Verein selbstverständlich und natürlich völlig frei von irgendwelchen Vorgaben. Was schreibt Wikipedia zu der Truppe: „Zwar ist die SWP auf die finanzielle Unterstützung seitens des Bundes angewiesen, doch kommt es dadurch nicht zu einer Einflussnahme auf Forschung, Themengebiete, Personalfragen oder die interne Organisation. Dafür trägt vor allem der Stiftungsrat Sorge, welcher sich aus Vertretern der Bundestagsfraktionen und verschiedener Bundesministerien, sowie Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlichem Leben zusammensetzt“[4] - und was glauben sie denn, was so ein gemeiner Verein dann als Ergebnis ausspuckt? Das der Geldgeber Unrecht hat, oder doch lieber die uralte Weisheit: Wessen Brot ich ess’, dessen Lied ich sing!?

Zurück zur Sendung: Nachdem man dann die Linkspartei noch einmal abgewatscht hat, darf sich der Herr Spanta noch mal äußern: „„Ich möchte ganz klar darauf hinweisen, wenn die internationale Gemeinschaft Afghanistan allein lässt, wenn die ausländischen Truppen das Land verlassen, das bedeutet für uns Afghanen, dass angesichts dieser fragilen Situation, die wir in Afghanistan haben, ich denke an Staatsinstitutionen und Sicherheitsorgane in Afghanistan, bedeutet, dass wir innerhalb kurzer Zeit alles verlieren werden.“

Wie schon gesagt, das will überhaupt keiner. Aber US-Amerikaner und NATO sind in Afghanistan mittlerweile so dermaßen verhasst, das sämtliche Unternehmungen dieser Truppen auf breiten Widerstand in der afghanischen Bevölkerung stoßen. Davon im Beitrag kein Wort, der „Kontrast“ wäre wohl zu groß. In diesem Filmbeitrag wird gelogen, dass sich die Balken biegen. Was sagte die Stimme aus dem Off am Anfang dieses Machwerks: „Doch die deutschen Demonstranten wissen vorgeblich viel besser als die Afghanen, was in Afghanistan los ist und was für das Land gut ist“

Das wissen sie auch nicht! – Und deshalb laden sie sich Experten ein! Solche Experten wie Matin Baraki[5] zum Beispiel oder Malalai Joya[6]. Die zeichnen ein ganz anders Bild ihres geschundenen Landes - ein Widerliches, ein Schlimmes! Und wenn man den Beiden zugehört hat, dann geht man auf die Straße und fordert: „Bundeswehr raus aus Afghanistan!“ und nicht „Mehr Soldaten nach Afghanistan!“. Merken sie sich die Namen: Steffen Mayer, Caroline Walter und Alexander Kobylinski – es sind Kriegsbefürworter, die Fernsehen machen! Beim nächsten Beitrag, für den die Drei verantwortlich zeichnen, wissen sie, was sie davon zu halten haben – Propaganda der übelsten Sorte. Alleiniger Nutznieser: der Militär-Industrielle-Komplex.



0815-Info - Die Vasallen der Kriegsherren

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Ich habe diese Sendung zufällig gesehen und auch ich habe mir gedacht, dass ist doch sehr offensichtliche und billige Propaganda.
Ich glaube, dass sind die gleichen Leute, die auch so einen "tollen" Bericht über die GNM nach Hamer gemacht haben.
Naja, wenn die Elite keine besseren Leute mehr hat, für ihre Propaganda, wird es abwärtsgehen mit ihr.
Vielleicht wollen die das ja so. Weis man nie was die so aushecken