Abenteuer Umstellung

Öko-Landbau ist gut für die Umwelt: Keine synthetischen Pestizide, kein Kunstdünger, bessere Böden und mehr Artenvielfalt. Doch wer als Bauer der Umwelt Gutes tun und auf „bio“ umsteigen will, braucht Mut und Ausdauer. Nur noch wenige deutsche Bauern sind dazu bereit. // Leo Frühschütz

Es war ein Sprung ins kalte, dunkle Wasser. Ohne Sicht auf den Grund. Stefan Schmutz hatte sich auf diesen Sprung lange und gründlich vorbereitet. Fast zu lange. Als er im Juli 2005 endlich sprang, war das Wasser noch kälter und trüber geworden. Aber es gab kein Zurück mehr. Augen zu und durch.(…)

Im kommenden Sommer wird Stefan Schmutz seinen ersten anerkannten Bio-Weizen ernten… (…)

Durststrecke Umstellung

Umstellen heißt für einen Bauern erst einmal, viel Geld investieren zu müssen. „Bei uns waren das Bodenbearbeitungsgeräte wie Striegel, Egge und Hacke“, listet Stefan Schmutz auf. Dazu noch die Kosten für das teure Öko-Saatgut, die Pacht für die Flächen. „Ich hab' erst mal nur reingesteckt.“ Ein Umstellungsbetrieb verzichtet auf Pestizide und Kunstdünger und hält auch alle anderen Öko-Vorschriften ein. Doch er darf während der Umstellungszeit von zwei bis drei Jahren seine Erzeugnisse noch nicht als Bio-Ware vermarkten.

Betriebswirtschaftlich ist das ein Dilemma. Die Ernten werden mangels Kunstdünger kleiner, doch für die Ware gibt es noch keine höheren Bio-Preise. Das für Dünger und Pestizide eingesparte Geld gibt der Bio-Bauer für Zwischensaaten und Gründüngung aus, die er braucht, um wieder Nährstoffe auf seinen Acker zu bringen. Unter dem Strich bleibt deutlich weniger Einkommen übrig.

Dabei hat es Stefan Schmutz noch relativ gut. Er bewirtschaftet einen reinen Ackerbaubetrieb mitten in einer Milchbauern-Region. Bio-Milchbauern dürfen ihren Kühen bis zu 30 Prozent Futter aus Umstellungsflächen geben. So kann der angehende Bio-Bauer Kleegras, Ackerbohnen und Futtergetreide an Bio-Betriebe in der Umgebung verkaufen und bekommt dafür mehr Geld als bei einer konventionellen Vermarktung. Als Mitglied des Anbauverbandes Naturland nimmt ihm auch die Naturland Marktgesellschaft seine Erzeugnisse ab und verkauft sie weiter. Ohne diese Unterstützung wäre es deutlich schwieriger gewesen, stellt Stefan Schmutz fest. Er lobt das Engagement seines Naturland-Betreuers und den Zusammenhalt und Gedankenaustausch der örtlichen Bio-Bauern, über alle Verbandsgrenzen hinweg. „Das hatte ich bisher so nicht erlebt.“ …
spezial: Bio-Bauern: Abenteuer Umstellung (S&K 10/2007)

Belastung gering halten

Von Pestiziden lässt der Öko-Bauer die Finger. Doch welche Schadstoffe mit Regen und Wind auf seine Felder gelangen, kann er kaum beeinflussen. Dennoch versucht er es.

Im Fleisch von Eisbären lassen sich bromierte Flammschutzmittel nachweisen. Im Schnee der Arktis fanden Heidelberger Forscher kürzlich das Schwermetall Antimon. Die Beispiele zeigen, dass viele Schadstoffe sich in der Umwelt breitgemacht haben und nicht mehr zu vermeiden sind. Sie finden sich in Spuren auch in Öko-Lebensmitteln. Dennoch tun Öko-Bauern viel, um die Belastung durch solche Umwelt-Kontaminanten möglichst klein zu halten.

Am wichtigsten ist die Suche nach Altlasten bei der Umstellung auf Bio-Anbau. Das können Äcker sein, die einst mit Klärschlamm gedüngt wurden. Oder Wiesen, die im Überschwemmungsgebiet eines Flusses liegen und bei einem Hochwasser mit belastetem Schlamm bedeckt waren. In solchen Fällen empfehlen die Kontrollstellen den angehenden Bio-Bauern, Bodenproben zu nehmen.

Risiko Gewächshausböden
spezial: Bio-Bauern: Umweltschadstoffe (S&K 10/2007)