Religion: In Gottes Namen - Wirtschaft - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten
Amerikas Christen gewinnen nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich rasant an Einfluss. Der Glaube ist eine Multi-Milliarden-Dollar-Industrie geworden. Konkurrenz belebt erstaunlicherweise auch das teils dubiose Geschäft mit der Frömmigkeit.
Zielstrebig eine Marke aufbauen, an ihr herumpolieren und sie nach allen Regeln der Kunst dann vergolden - wie das geht, hat Tom Monaghan in seiner ersten Karriere eindrucksvoll bewiesen.
RELIGION: IN GOTTES NAMEN
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Für nur 500 Dollar kaufte er sich 1960 eine Pizza-Bude im US-Bundesstaat Michigan. Tausende Filialen kamen später hinzu, Domino's Pizza wurde zum global operierenden Fast-Food-Konzern, Monaghan zum Milliardär. "Der Erfolg hat mich davongetragen", erinnert er sich. "Ich legte mir jede Menge Spielzeug zu." Beispielsweise Flugzeuge, Yachten und die Detroit Tigers, ein Baseball-Team.
Dann, 1998, hat er alles verkauft und sein Leben ganz in den Dienst der katholischen Kirche und insbesondere der Jungfrau Maria gestellt. Monaghan nimmt die Bibel beim Wort und möchte dereinst nicht als Reicher vor der himmlischen Pforte stehen. "Wenn ich sterbe, will ich pleite sein", so sein unkonventionelles Credo.
Vom Jetset-Milliardär zum barmherzigen Madonnen-Anbeter - seine Wandlung wirkt auf den ersten Blick perfekt. Und wenn man den 70-Jährigen durch seinen neuen Wohnort im Süden Floridas flanieren sieht, muss man sagen: Der Mann ist eine Traumbesetzung für die Missionars-Stellung im Rentnerparadies.
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Hier ein gütiges Lächeln, da ein nettes Wort zu Passanten. Alte Bekannte, Domino's-Pächter der ersten Stunde, fallen ihm um den Hals und geben Anekdoten aus den sechziger Jahren zum Besten. Der Siegeszug seiner Pizzen, die Gier nach Geld und alte Renditeziele - Monaghan tut, als interessierte ihn das alles nur noch von fern. Seine neuen Werte heißen: täglich zur Messe, regelmäßig beichten und den Rosenkranz beten. "Ich möchte so vielen Menschen wie möglich helfen, in den Himmel zu kommen", sagt er. Fragt sich nur, wie. Denn bei aller Liebe zur Gottesmutter ist Monaghan im Herzen doch Geschäftsmann geblieben. Und so hat er mit Partnern seit 1999 eine beeindruckende Markenfamilie rund um das Label "Ave Maria" aufgebaut, voll überraschender Geschäftsideen.
Da gibt es Ave Maria Radio, Ave Maria Press, Ave Maria Immobilien und Ave Maria Versicherungen; selbst eine Online-Kontaktbörse für heiratswillige Katholiken namens Ave Maria Singles gehört dazu.
In kürzester Zeit wurde der lose Geschäftsverbund zum millionenschweren Business. Allein die Investmentfonds-Familie Ave Maria Mutual Funds, 2001 mit einer 25-Millionen-Dollar-Spritze von Monaghan gestartet, wird mittlerweile mit 600 Millionen Dollar bewertet.
Zu guter Letzt gibt es Ave Maria seit diesem Sommer sogar als nagelneue Stadt: Monaghan hat sie in die Sümpfe Floridas gestampft - samt Ave-Maria-Universität und einer alles überragenden Kathedrale. Über 30 000 Menschen sollen hier künftig beten und arbeiten, so sein ehrgeiziges Ziel. Der wichtigste Unterschied zur säkularen Wirtschaftswelt: "Ich tue es nicht für mich", behauptet Monaghan, "ich tue es für Gott."
Religion ist in den USA zur Macht geworden. Nicht nur in der Politik, wo George W. Bush es letztlich dem vielstimmigen Chor aus beinharten Konservativen und irrlichternden Sektierern, Evolutionsleugnern und Abtreibungsgegnern zu verdanken hatte, dass er ins Weiße Haus gewählt wurde. Religion ist heute auch ein Wirtschaftsfaktor.
DER SPIEGEL
Spätestens der Kino-Überraschungserfolg von Mel Gibsons "Die Passion Christi" machte deutlich, dass die 240 Millionen bekennenden Christen der Vereinigten Staaten auch ökonomisch gewaltig an Einfluss gewinnen. Das von der Kritik verrissene Jesus-Spektakel spielte allein in den USA 370 Millionen Dollar ein und war 2004 einer der finanziell erfolgreichsten Filme überhaupt. In einem Land, dessen Bürger mehrheitlich die Bibel für authentische Weltgeschichte halten, tun sich deshalb nahezu unbegrenzte Merchandising-Möglichkeiten auf. "Die christlichen Zielgruppen sind riesengroß", sagt Peter Maresco, Autor des Buchs "The Business of Christianity", über die religiöse "Multi-Milliarden-Dollar-Industrie".
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