Ich finde den Brief sehr lesenswert und es erschreckt mich, wie die Regierung ihr Amt in die Hände der Wirtschaft legt....lest selbst...
LG
Sabine
Ein Arzt redet Tacheles
> Offener Brief eines Hausarztes:
>
> _________________________________________
>
> Was derzeit wirklich passiert
>
> Ich bin 38 Jahre alt und Allgemeinarzt mit einer gut gehenden
> Hausarztpraxis in Neuötting, Oberbayern, geistig gesund und ein völlig
> normaler Bürger mit einer Lebensgefährtin und einem 15 Monate alten
> Sohn, bin seit 12 Jahren Gemeinderat und seit sechs Jahren Kreisrat
> der CSU, einer Partei, die sicherlich weit entfernt ist vom Ruf,
> linkspolitische und revolutionäre Gedanken zu pflegen. Es ist nicht
> meine Aufgabe, solche Texte zu schreiben und es gibt in Deutschland
> Tausende, die dies besser, packender und erheblich vollständiger
> schaffen und wenigstens einer von denen sollte das auch tun.
>
> Ich bin von tiefstem Herzen Demokrat und, wie mir in den letzten Tagen
> bewusst geworden ist, ein hoffnungsloser Idealist. Ich habe nicht mehr
> gemacht, als mir selbst die Frage zu beantworten, warum wir
> niedergelassenen Ärzte, Hausärzte und Fachärzte aussterben sollen,
> obwohl sich an der Charakteristik unseres Berufes und der Faszination
> für die nachfolgende Generation nichts geändert hat; der Wunsch dazu
> kam mit Sicherheit nicht aus der Bevölkerung, nicht von unseren Patienten.
>
> Dass wir zu teuer sind, kann man wirklich nicht behaupten und wertlos
> sind wir erst recht nicht, denn mit jedem Krankenhaustag, den wir
> durch unsere Arbeit vermeiden können, helfen wir den Krankenkassen sparen.
>
> Am 30.1.2008 haben sich 7000 von 8000 Hausärzten zu einer
> Protestveranstaltung in Nürnberg getroffen und diese war die größte
> und eindrucksvollste ihrer Art seit Bestehen der gesetzlichen
> Krankenversicherung (GKV). Keine der großen Boulevardzeitungen brachte
> meines Wissens einen adäquaten Artikel, keiner der privaten und
> öffentlich-rechtlichen Sender ging tiefer und nachhaltiger auf diese
> Veranstaltung ein. Die allermeisten Hausärzte eines der reichsten und
> größten Bundesländer drohen mit Widerstand und niemanden interessiert es.
> Nur uns Ärzte, der Rest der Bevölkerung wird außen vor gehalten. Das
> machte mich stutzig und ich begann, immer tiefer im Internet nach den
> Gründen zu suchen, worauf ich stieß, hat meinen Glauben an den
> Rechtsstaat im Mark erschüttert und erklärt uns allen die Frage, was
> hier wirklich
> passiert:
>
> Man muss weiter ausholen, spätestens seit der Seehoferreform 1997
> wurde uns ja schon klar gesagt, dass die deutsche Bevölkerung immer
> mehr überaltert, dass die Gesundheitskosten aus dem Ruder laufen
> sollen und die Bezahlung immer weniger vom Solidarsystem übernommen
> werden könne. Der Lösungsansatz lag neben den Einsparungen, unter
> denen sowohl die Krankenhäuser als auch die Niedergelassenen leiden,
> in der fortschreitenden Privatisierung von Teilen unseres
Gesundheitssystems.
>
> Nur allzu gern nahmen viele kommunale Träger die Möglichkeit wahr,
> ihre defizitären Krankenhäuser an Klinikkonzerne zu verkaufen. Die
> schlechte Einnahmensituation der Häuser war ein Produkt der Reformen.
>
> Grundsätzlich ist diese Tendenz in allen Bereichen unserer
> Gesellschaft zu finden, der Staat zieht sich aus wichtigen staatlichen
> Aufgaben zurück und verkauft sein Eigentum, mit dem immer auch eine
> Sicherstellungsaufgabe verbunden ist, an private Hände. Man kennt dies
> von der Bahn, von der Post, von der Stromversorgung und zahlreichen
> anderen Bereichen. Auf der Homepage des Bundestages findet man zu dem
> Schlagwort Privatisierung über 2000 Einträge aus den letzten fünf
> Jahren. Aktuell diskutiert man gerade die Privatisierung des
> Gerichtsvollzieherwesens. Schleichend geht damit aber auch ein
> zunehmender Machtverlust der Regierung einher und der Bürger ist in allen
Bereichen häufig der Willkür der Konzerne ausgesetzt.
> Grundlage dieser Denkrichtung ist der so genannte Neoliberalismus, der
> eine Entstaatlichung und eine Übernahme gemeinschaftlicher Felder
> durch "die Bürger" propagiert, womit allerdings keine
> Bürgervereinigungen gemeint sind, sondern nur die großen Konzerne.
>
> Zurück zu unserer Entwicklung im Gesundheitssystem: Es entstanden also
> vier große Klinikketten, namentlich Rhönklinken, Asklepios, Sana und
> Fresenius, die miteinander im Jahr 2007 sieben Milliarden Gewinn
> erzielt haben, wohl gemerkt, der Klinikmarkt ist noch längst nicht
> komplett aufgeteilt, sondern befindet sich noch zu großen Teilen in
> den Händen der Kommunen. Es ist aber zu Zeiten der politisch
> gewünschten Abrechnung der Deutsche Röntgengesellschaft eV (DRG) zu
> erwarten, dass die stetig größer werdenden Defizite die Landkreise
> immer mehr zwingen werden, sich von der Schuldenlast zu befreien, ihre
> Krankenhäuser den interessierten Klinikketten zu verkaufen. Die
> Gewinnerzielung läuft, auch wenn das stetig verneint wird, über eine
> Personalkostenreduzierung, indem man aus dem BAT-Tarif aussteigt und
> Haustarife anbietet, denen die Mitarbeiter zustimmen müssen.
>
> Zitat aus der Homepage der Rhönkliniken: "Wir würden den Versuch, uns
> auf BAT-Niveau binden zu wollen, als Angriff auf die Zukunft unserer
> Krankenhäuser betrachten."
>
> Auch die Synergieeffekte wie gemeinsamer Einkauf, Labor etc. der
> Klinikketten helfen, dass sich vormals rote Zahlen bald in Gewinne
> verwandeln. Über kurz oder lang werden sich die meisten Krankenhäuser
> mittelbar oder unmittelbar im Besitz der großen Vier befinden.
>
> Was geschieht nun bis 2020 mit den niedergelassenen Ärzten in
> Deutschland? Die werden einfach aussterben. Die Ursache ist ja leicht
> erklärt, auch im ambulanten Sektor ist die Honorierung so schlecht
> geworden, dass sich für einen jungen Arzt das Risiko in die
> Selbstständigkeit einfach nicht mehr lohnt. Alle Gesundheitsreformen
> der letzten Jahre hatten nur ein Ziel, nämlich die gesamten
> Leistungserbringer derart in finanzielle Misslage zu bringen, dass man
> sich förmlich nach einem Heilsbringer in Form eines professionellen
> Großbetriebes sehnt, der einem die Last der stetigen Existenzbedrohung
> von den Schultern nimmt. Durch die Reformen wurde sicherlich auch Geld
> für die Krankenkassen gespart, aber das war nur der nachrangige Sinn,
> in Wahrheit wurde hier die komplette Privatisierung der gesamten
> Gesundheitsversorgung unserer
Bevölkerung vorbereitet.
>
> Man gründet heute Medizinische Versorgungszentren (MVZ), weil
> argumentiert wird, dass der Zusammenschluss die Kosten senkt und die
> Patienten kürzere Wege haben. Dem kann man nicht widersprechen, aber
> in Wirklichkeit liefern die, derzeit häufig noch in den Händen von
> einzelnen Ärztegenossenschaften liegenden, Einrichtungen die ideale
> Basis für eine Übernahme durch die großen Konzerne. Ab einer
entsprechenden Summe wird sicher jeder schwach.
> Es wird dann fortwährend angestrebt, die, in der Region übrigen
> Arztsitze allmählich billig aufzukaufen, denn andere Interessenten gibt es
kaum.
> Sollte dann der gleiche Konzern auch noch das entsprechende
> Krankenhaus besitzen, liegt das Monopol der Gesundheitsversorgung
> einer ganzen Region in den Händen eines einzelnen Privatunternehmens.
>
> Ab dann würden nicht mehr die Krankenkassen den Preis diktieren,
> sondern der Monopolist, denn niemand anderes kann die Sicherstellung
> der medizinischen Versorgung garantieren. Die Gelder der
> Beitragszahler werden reichlich in die Taschen der Besitzer fließen
> und der mündige Bürger wird in seiner Versorgung komplett auf die
> Bestimmungen des jeweiligen Konzerns angewiesen sein.
>
> Gerade Rechte, wie die freie Arztwahl, will ich hier gar nicht
> erwähnen, man wird froh sein, dass sich überhaupt noch jemand der Bürger
annimmt.
> Unsere breit gefächerte Arztlandschaft soll also ganz bewusst umgebaut
> werden zu einer reinen Monokultur, die nur der Gewinnerzielung dient
> und den einzelnen Patienten als Wertschöpfungsfaktor und nicht als
> Mensch behandelt.
>
> Mit Sicherheit entstehende Mehrkosten für den Versicherten müssen die
> Patienten aus der eigenen Tasche bezahlen. Man bezahlt auch, denn man
> hat ja keine Behandlungsalternative. Ab diesem Zeitpunkt sind übrigens
> auch Strukturen wie Kassenärztlichen Vereinigungen (KV), Krankenkassen
> oder Ärztekammern völlig unsinnig geworden, denn einem Alleinanbieter
> redet niemand mehr drein. Berufsständische Gebote wie Schweigepflicht,
> Ehrenkodex, Werbungsverbot werden ebenfalls keine Geltung mehr haben,
> der Arzt ist ein reiner angestellter Dienstleister für den
> Profitkonzern. Bis 2020 ist alles abgeschlossen.
>
> Diese ganze Entwicklung ist verursacht allein durch die von unserem
> Staat veranlassten Gesundheitsreformen und man muss sich natürlich
> fragen, wie können unsere gewählten Volksvertreter diesen Ausverkauf
> der Persönlichkeit und der Intimität seiner Bürger nicht nur zulassen,
> sondern sogar auslösen wollen? Wie kann ein Staat bewusst seine
> Mitglieder zu gläsernen Wirtschaftsgütern machen?
>
> Bewusstes Handeln möchte ich den meisten gar nicht unterstellen, denn
> durch die Nomenklaturen, Umfragen, scheinbaren Kompliziertheiten und
> angeblichen Komplexitäten wissen die allermeisten unserer
> Bundestagsabgeordneten überhaupt nicht mehr Bescheid, welche
> Konsequenzen die Reformen langfristig auslösen werden. Auch die
> Gesundheitsministerin Ulla Schmid sieht in den MVZ offenbar immer noch
> eine großartige Wiedererweckung der alten Polikliniken aus
> Ostdeutschland, wobei sie einen entscheidenden Unterschied vergisst,
> in der DDR bestand natürlich eine Kostenstabilität durch den
> Staatsbesitz, während MVZ in den Händen monopolistischer Konzerne die
> Gesundheitsausgaben sicher ans Limit treiben werden und auch mit den
Patientendaten noch Geschäfte gemacht werden.
>
> Die ganzen Ziele dieser entsolidarisierten Übernahme der Bevölkerung
> werden den Politikern von den Initiatoren angepriesen mit den
> Begriffen Vernetzung, Qualitätssteigerung, Kommunikationssteigerung und so
weiter.
> Ich glaube fest daran, dass viele unserer Politiker insgesamt davon
> überzeugt sind, es richtig zu machen, denn die Daten, die sie
> erhalten, bestärken sie.
>
> Die Initiatoren, die still und heimlich unsere Politiker derart stark
> beeinflusst haben, dass sie zufrieden und mit reinem Gewissen die
> Grundfesten unseres Staates auf den Markt werfen, sind klar zu nennen:
> es handelt sich um Liz und Reinhard Mohn, unterstützt von ihrer
> Freundin Frieda Springer.
>
> Sie haben diese Namen fast noch nie gelesen, sie halten sich
> weitestgehend aus den Medien heraus und doch werde ich Ihnen erklären,
> dass es nahezu niemand anderes ist, der das deutsche Gesundheitssystem
> zur Ernte für Investoren vor-bereitet hat.
>
> Das Ehepaar Mohn besitzt, als reiner Familienbetrieb, sowohl die
> Bertelsmann AG, als auch die Bertelsmann Stiftung, ein geniales
> Steuersparmodell, denn die Stiftung ist derzeit immer noch als
> gemeinnützig anerkannt, obwohl sie zu 75% Besitzer der Aktien der AG
> ist, 25% der Aktien befinden sich in direktem Familienbesitz. Durch
> die Gemeinnützigkeit muss die Stiftung die Dividendenausschüttung
> erheblich begünstigter versteuern, als es die Familie Mohn müsste,
> wenn sie als privater Eigner Steuern zahlen würde. Die Einsparungen
> liegen in Milliardenhöhe, denn beispielsweise im Jahr 2006 kursiert
> ein Gewinn der Bertelsmann AG von 9,7 Mrd. Euro und der Umsatz des
> Konzerns war 2005 mit
> 16,8 Milliarden Euro so hoch wie der der nächsten zehn Medienkonzerne
> zusammen.
>
> Ein "global player", der insgesamt in über 60 Ländern vertreten ist
> und sich vor allem über die Vermarktung von Kommunikation im weitesten
> Sinne finanziert. Unter anderem gehört der Bertelsmann AG sowohl die
> RTL Group, als auch der Gruner + Jahr Verlag, aber auch die auf
> breiter internationaler Ebene agierende Arvato, die sich auf alle
> Kommunikationsplattformen zwischen Bürger und Staat spezialisiert hat.
> Insgesamt gehört dieser unglaublich mächtige Konzern einer einzigen
> Familie, der Familie Mohn.
>
> Frieda Springer, die Witwe von Axel Springer, besitzt die Hauptanteile
> des Springerkonzerns und die beiden Damen sitzen häufig bei einem
> Plausch bei ihrer Freundin Angela Merkel. Ob sich unsere Kanzlerin
> diese Freundschaft allerdings frei wählen konnte, ist angesichts der
> Medienallmacht von Liz Mohn und Frieda Springer, die übrigens einen
> ausgesprochen sympathischen Eindruck machen, mehr als fraglich. Ein
> Kaffeekränzchen regiert unser Land.
>
> Die politische Einflussnahme erfolgt über die Bertelsmann Stiftung,
> eine Institution, die sich vom Steuersparmodell schnell zum größten
> und durch den Medienhintergrund mächtigsten Think Tank der Republik
gewandelt hat.
> Obwohl man in den Medien kaum den Namen Bertelsmann hört, ist es doch
> erklärte Politik, die Gesellschaft zu verbessern, zu reformieren und
> zu perfektionieren, vorwiegend in den Hinterzimmern der Macht.
> Übrigens relativ klar formuliert von Reinhard Mohn selbst, der wohl
> auch aufgrund seines Alters mittlerweile die personelle Führung in die
> Hände seiner Ehefrau gelegt hat.
>
> Ich muss gestehen, dass mich der extrem apodiktische Anspruch und die
> verlockenden Heilsbotschaften leider an die Ideen von Scientology
> erinnert haben, jedoch habe ich bei allen Recherchen keine Verbindung
> entdecken können und behaupte dies auch nicht. Letztendlich ist dies
> aber wohl auch der Grund, warum auf zahlreichen Internetseiten von der
"Mohn-Sekte"
> gesprochen wird und gerade wir Deutschen müssen immer hellhörig
> werden, wenn jemand für sich allein den Anspruch proklamiert, zu
> wissen, was eine bessere Welt ist.
>
> Eine Frage, die sich mir ständig stellt, ist, wie verfassungskonform
> ein Lobbyismus ist, bei dessen Nichtbeachtung unsere Volksvertreter
> fürchten müssen, über die Vernichtung in den Medien ihren Job zu
> verlieren. Wenn ein Beruf, wie der des Politikers so stark von der
> öffentlichen Meinung abhängt und diese Meinungsbildung in den Händen
> zweier netter Damen liegt, wie viel ist dann eigentlich unsere Demokratie
noch wert?
>
> Nun zurück zum Gesundheitssystem: Die Bertelsmann Stiftung berät, aus
> natürlich nur idealistischem Grund die gesamte Bundesregierung, aber
> natürlich auch viele andere Konzerne mit Fakten, Demographie,
> Benchmarks und Qualitätskriterien. Sie schafft Diskussionsforen und
> Kongresse, bei denen ausgewählte Referenten Bertelsmannpositionen
> vertreten und fortwährende, subtile Meinungsbildung aus einem Guss
> erfolgt. Dabei hat die Stiftung in Deutschland aufgrund ihrer
> "Uneigennützigkeit" gerade in Politikerkreisen eine außergewöhnlich große
Reputation erlangt.
>
> Der Volksvertreter muss, um richtige Entscheidungen treffen zu können,
> wissen, mit welcher Sachlage er konfrontiert ist, was die Bevölkerung
> will und welche Risiken bestehen. Diese Daten liefert Bertelsmann,
> gleich kombiniert mit den entsprechenden Lösungsansätzen. Die Macht
> der Demographie und Demoskopie ist überragend. Wenn mir jemand sagt,
> ich solle meine Praxis renovieren, habe ich die Möglichkeit, frei zu
> entscheiden, wenn mir aber jemand sagt, 87% der Bürger unserer Stadt
> finden die Einrichtung und die Farbwahl meiner Praxis schrecklich, wie
> sehr gerate ich dann bei meiner Entscheidung unter Druck?
>
> Deshalb kann man den Politikern letztendlich gar keine Vorwürfe
> machen, denn sie meinen ja, ihre Reformentscheidungen für das Volk zu
treffen.
> Anprangern könnte man höchstens, dass sich viele schon so weit vom
> Bürger entfernt haben, dass sie ihn nicht mehr selbst befragen können.
>
> Ähnlich verhält es sich auf alle Fälle mit dem Gesundheitssystem,
> ständig wird von Bertelsmann kritisiert, die Kommunikation und die
> Zusammenarbeit zwischen den ambulanten und den stationären Ärzten ist
> schlecht, die Qualitätskriterien werden nicht beachtet, man kann
> unsere Arbeit nicht messen und statistisch erfassen. Die Medien
> beschränken sich in der Berichterstattung nur auf Fehler und
> Versäumnisse unseres Berufsstandes, die tägliche Arbeit um die
> Gesundheit unserer Bevölkerung findet keine Erwähnung.
>
> So sturmreif geschossen, glauben viele Politiker, an dieser
> "desolaten" Situation etwas ändern zu müssen, zumal, ich gestatte mir
> zu sagen angeblich, das Geld immer weniger wird.
>
> Heilsbringer sind hier wieder die privaten Träger, die dem chaotischen
> System der Einzelpraxen mit einer Fülle an Controlling,
> Effizienzsteigerung, Qualitätsmanagement, Benchmarking und
> repräsentativer Außenwirkung entgegentreten. Das ist der Anspruch, der
> von der gemeinnützigen Stiftung in die Köpfe der Bundespolitiker
> geimpft wird, das ist alles so schön nachvollziehbar und welcher
> Politiker möchte nicht im Gesundheitssystem Qualität und messbare
> Größen? Doch wird menschliche Nähe und soziale Wärme jemals
quantifizierbar sein?
>
> Offensichtlich bemerken viele nicht, auf welche Gefahr wir zusteuern:
> wenn das System der Einzelpraxen dem Monopolismus einiger weniger
> Konzerne weicht, wie groß ist dann deren Macht?
>
> Was Bertelsmann davon hat, unsere Bürger zu vermarkten? Nun, Frau Liz
> Mohn sitzt im Aufsichtsrat der Rhön Kliniken AG, dem größten privaten
> Klinikbetreiber in Deutschland. Und ich bin überzeugt, dass es noch
> tausend anderer Gewinn versprechende Gründe gibt, mit denen sich die
> Bertelsmann AG dieses völlig neue, bisher geschützte Wirtschaftsfeld
> erschließen wird. Sei es durch Schriftmedien,
> Kommunikationsplattformen, Fernsehprogrammen etc.
>
> Interessant, fand ich auch die Rolle des Herrn Franz Knieps, der noch
> 2003 als AOK-Geschäftsführer vor einer Privatisierung der
> Gesundheitswirtschaft warnte, weil diese über kurz oder lang die
> Kosten in die Höhe schnellen lasse. Mittlerweile steht er auf der
> Referentenliste jeder Bertelsmannveranstaltung und sitzt im
> Bundesgesundheitsministerium als Verantwortlicher für die Umsetzung der
Reformen.
>
> Ich kann mir ein Zitat aus einem Interview von 1999 mit den
> "Verbrauchernews" einfach nicht verkneifen, es ging um die Forderungen
> der Reformkommission Soziale Marktwirtschaft, gesponsert von der
> Bertelsmannstiftung: "Die Kommission ruft zur Abkehr von den tragenden
> Strukturprinzipien der sozialen Krankenversicherung auf" Gesundheit
> soll von den wirtschaftlichen Möglichkeiten des Einzelnen abhängig
> gemacht werden. "Die Vorschläge der Kommission enthalten keine neuen
> und schon gar keine brauchbaren Gedanken zur politischen und
> finanziellen Stabilisierung der Krankenversicherung. Sie sind
> Blendwerk, weil sie Gesetze der Marktwirtschaft im Gesundheitswesen
> einführen wollen, die dort gar nicht gelten können."
>
> Bewundernswert, soviel fällt mir dazu ein, wie schnell gut dotierte
> Referentengehälter die Meinung nahezu um 180 Grad drehen können.
>
> Nett ist auch die Geschichte mit der E-card, die von den
> Stiftungsgremien immer als Weg aus der Intransparenz und dem
> angeblichen Mangel an Kommunikation zwischen den medizinischen
> Leistungserbringern hochgehalten wird. Obwohl sich alle Ärzteverbände
> dagegen aussprechen, weil die E-card eindeutig ein Eingriff in die
> ärztliche Schweigepflicht und die Individualität des einzelnen Bürgers
> ist, betreibt das Bundesgesundheitsministerium weiter deren Einführung.
>
> Beauftragt, für ein Volumen von vorausichtlich 1,9 Milliarden Euro ist
> der Konzernteil Arvato. Es ist übrigens müßig zu nennen, dass dieses
> Unternehmen zusammen mit dem Verlag Gruner + Jahr und dem Springer
> Konzern das modernste Druckzentrum Europas Prinovis hält. Je tiefer
> man sucht, desto öfter findet man die Verquickung der selbsternannten
> Eliten, die uns in Wirklichkeit regieren. Ich gebe zu, gar nicht
> tiefer gestöbert zu haben, denn eigentlich wollte ich ja nur die Frage
> klären, warum unsere Situation ist, wie sie ist.
>
> Ich habe auch bei Frau Springer und ihrem ganzen Konzern keine
> offizielle Beteiligung an den großen Klinikkonzernen gefunden, deshalb
> kann ich mir letztendlich nur vorstellen, dass entweder entsprechender
> Aktienbesitz oder die multiplen Verwebungen mit dem Bertelsmann
> Konzern der Grund sind, warum sich die Springerpresse so mitschuldig
> macht an der Vernichtung der ambulanten Patientenversorgung durch
niedergelassene Ärzte.
>
> Abschließend möchte ich noch einmal kurz zusammenfassen:
>
> 1. Krankenhäuser machen politisch gewollte Defizite, werden an
> Klinikketten verkauft.
>
> 2. Niedergelassene Ärzte verdienen politisch gewollt so wenig, dass
> der Nachwuchs ausbleibt. Sie werden durch MVZ ersetzt, die zu guter
> Letzt ebenfalls den Klinikkonzernen gehören werden.
>
> 3. Die medizinische Versorgung unseres Landes liegt dann nicht mehr in
> der Verantwortung von Ärzten, sondern von Konzernen.
>
> 4. Monopolstrukturen und die Lenkung der Patientenströme garantieren
> bei einer überalterten Bevölkerung eine geradezu utopische
Ertragssituation.
>
> 5. Ärztliche Standestraditionen werden dem reinen Streben nach Ertrag
> geopfert werden. Die gesundheitspolitische Landschaft wird sich von
> Grund auf radikal verändern und entsolidarisieren.
>
> 6. Die Ursache liegt nicht in dem Wunsch der Bevölkerung, sondern in
> der geschickten Manipulation der Regierung durch hochpotente
> Lobbyisten, die die Macht haben, über das Schicksal der Politiker zu
verfügen.
>
> Ich weiß, dass ich Ihnen hier viele Fakten und Daten zugemutet habe,
> aber ich verspreche Ihnen, dass es sich hierbei nur um die absolute
> Spitze des Eisberges handelt. Ich könnte die Entstehung der
> Hochschulgebühren oder die Beeinflussung der Schulpolitik nennen, ich
> könnte die Agenda 2010 der rot-grünen Regierung nennen, die in all
> ihren Details nahezu komplett aus der Feder der Bertelsmannstiftung
> stammt. Ich empfehle Ihnen nur einmal, in Ihre Suchmaschine die zwei
> Schlagwörter "Bertelsmann Kritik" einzugeben und Sie finden eine
> derartige Fülle an Informationen, wie dieser Konzern Deutschland fest
> im Griff hat und seine Bevölkerung zu Schafen degradiert, deren Wolle
> reichlich Gewinn abwirft. Dabei ist es völlig unwichtig, ob man ein
> Arbeitsschaf, ein Landtagsschaf oder ein Bundestagsschaf ist, die gesamte
Bevölkerung trägt dazu bei, den Nachschub an Wolle zu liefern.
>
> Ich weiß nicht, wie wir alle es verhindern können, dass Gesundheit zu
> einer profitablen Beute für die mächtigen Konzerne werden wird, nur
> haben wir Ärzte generell eine nicht kontrollierbare
> Kommunikationsplattform, nämlich unser Wirken vor Ort, bei den
> Bürgern. Informieren Sie sich erst mal selbst, machen Sie sich ein eigenes
Bild, bevor Sie mir alles glauben.
> Betrachten Sie die Medien einmal unter dem neu gewonnenen Aspekt der
> Unfreiheit und Manipulation. Wenn wir uns der Hintergründe bewusst
> werden, sieht man auch, wie unwichtig eigentlich die Streitereien der
> Berufsverbände sind, wie sensationell allerdings der Protest der
> Hausärzte in Bayern war.
>
> Ich habe noch so viele Fragen, die ich Sie alle bitte zu beantworten,
> z.B. welche Rolle spielen die Krankenkassen? Ich kann mir nicht
> vorstellen, dass diese sehenden Auges in eine Zwangssituation laufen
> wollen, in der sie ausgemolken werden wie nie zuvor. Auch ist es doch
> höchst fragwürdig, ob man überhaupt dann noch Krankenkassen benötigt:
> wenn ohnehin die Versorgung monopolistisch in den Händen der großen
> Konzerne liegt, ist es wohl zu erwarten, dass man seinen
> Krankenversicherungsbeitrag unmittelbar dorthin überweisen wird. Das
> ist in letzter Instanz das System des amerikanischen Konzerns Kaiser
> Permanente, mit dem unsere, hoffentlich getäuschte
> Gesundheitsministerin durchs Land zieht und das auf allen
> Internetseiten des Bundesgesundheitsministeriums so überzeugt
> angepriesen
wird.
>
> Wie ist das mit Healthways, sind die so klug, dass sie die Vermarktung
> unserer Republik bereits erkennen und ähnlich einem Bohrteam die
> besten Pfründe sichern wollen? Oder besteht hier eine Übereinkunft mit
> der Bertelsmann AG, für die es ein leichtes wäre, die Bevölkerung
> gegen diesen potentiellen Gegner aufzubringen? Geben Sie mal
> "Atlantikbrücke" in ihre Suchmaschine ein, erweitert den Horizont
erheblich.
>
> Ich habe Angst vor dieser ganzen Verstrickung und erst recht vor dem
> Gedanken, in einem Land zu leben, das längst in den Händen von
> Konzernen ist. Ich kann nur diese Ergebnisse meiner Recherche
> darstellen und allen verantwortungsvollen Bürgern erklären, in der
> Hoffnung, dass dadurch eine Diskussion angeregt wird, in allen Bereichen
des täglichen Lebens.
>
> Ich kann als Arzt Menschen nicht verändern, ich kann als Arzt aber die
> Menschen informieren über Gefahren, die in ihrem Verhalten gründen,
> kann sie warnen und versuchen, über die Risiken und Nebenwirkungen
aufzuklären.
> Das Internet scheint mittlerweile der einzige Weg, Informationen noch
> ungefiltert austauschen zu können. Ich lade Sie alle ein, mitzusuchen,
> mitzustöbern, die Geschichte publik zu machen. Zeigen Sie diese
> Zusammenfassung gerne allen interessierten Menschen, Journalisten und
> Entscheidungsträgern, die sich längst fragen, woher das Gefühl kommt,
> in diesem Staat nur noch ein Wirtschaftsgut zu sein, die sich
> tagtäglich die Frage stellen, warum das Leben hier immer weniger schön
> ist. Zeigen Sie diese und Ihre eigenen Erkenntnisse den Menschen, die
> Macht und Einfluss haben, diskutieren Sie, ob diese Allmacht gewollt
> ist, oder so schleichend entstanden ist, dass sie einfach übersehen
> wurde. Vertreten Sie ein Menschenbild, das mehr ist, als die
> RTL-Vision von Superreichen und armen Bürgern, die sich bei DSDS für
> uns zum Idioten machen. Die weitestgehende Anspruchslosigkeit unseres
> Medienangebots zeugt meiner Meinung nach deutlich von dem Respekt, den
> die Regierenden vor uns haben. Wenn wir nach all den Gesprächen dann
> gemeinsam erkennen sollten, dass diese Entwicklung unveränderbar ist
> und in Zukunft der Weg unserer Gesellschaft in diese Richtung führen
> soll, muss jeder selbst wissen, ob er dort leben will oder nicht. Nur
wissen sollte jeder, warum alles so abläuft.
>
> Hinterfragen Sie, warum ein Mann wie Horst Seehofer, obwohl er die
> Türen geöffnet hat für diese Politik, heute in der Passauer Neuen
> Presse als scharfer Kritiker des Neoliberalismus zitiert wird und
> erinnern Sie sich, bei aller Fragwürdigkeit, warum er gerade vor der
> Bewerbung zum CSU-Vorsitz durch die Medien geprügelt worden ist.
> Dieses Schicksal droht allen Abtrünnigen und natürlich habe auch ich
> persönlich echte existentielle Angst vor den Auswirkungen dieses Dossiers.
>
> Die Lösung des Problems der Rettung unseres Gesundheitssystems wäre
> einfach: würde man den Beruf des selbstständigen Arztes wirklich
> wieder attraktiver machen, würde diese Berufsgruppe immer ein
> mächtiges Kontrollorgan und einen Gegenpol zu der Konzernpolitik
> darstellen, zumindest solange, bis man uns auch korrumpiert hat.
>
> Die grundsätzliche Beurteilung der derzeitigen Lage unserer Nation
> überlasse ich sehr gerne anderen, denn die werden dafür bezahlt. Es
> ist wichtig, dass der Staat sich wieder seiner Verantwortung für den
> einzelnen Bürger bewusst wird und nicht für den Bürger in der
> Definition des Neoliberalismus.
>
> Machen Sie sich Gedanken und, was mich freuen würde, überzeugen Sie
> mich, dass ich mich irre, dass alles, was ich heute hier verfasst
> habe, nicht wahr ist und das Hirngespinst eines Spinners, Sie könnten
> mir keine größere Freude machen.
>
> Dr. med. Jan Erik Döllein
> Allgemeinarzt, CSU-Kreis- und Gemeinderat Mitglied des
> Verwaltungsrates der Kreiskliniken Altötting/Burghausen
> jandoellein@kabelmail.de
>
>



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