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Thema: Interview mit Gerald Celente

  1. #1
    dyon
    Gast

    Interview mit Gerald Celente

    Gerard Celente ist ein Trendvorhersager, Buchautor und Chef des Trend Research Instituts, welches er 1980 gegründet hat. Berühmt ist er für seine richtigen Vorhersagen von Weltereignissen geworden, wie den Crash der Börse 1987, den Zusammenbruch der Sowjetunion 1990, die Asienkrise 1997, den Zusammenbruch der russischen Wirtschaft 1998, das Platzen der Internetblase 2000 und die Rezession 2001. Weiter hat er richtig vorhergesehen, den Anfang des Goldrausches 2002, den Abstieg des Immobilienmarktes 2005, die Rezession 2007 und die Panik von 2008.

    Da wir vor dem Jahresende stehen, wollte ich von Herrn Celente wissen, was er uns für eine Prognose für das Jahr 2009 gibt. Hier das Interview, welches ich am 12.12.08 mit ihm geführt habe:
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    Freeman: Wie sehen sie das Jahr 2009? So wie es aussieht, kommt die Wirtschaft zu einem völligen Stillstand.

    Celente: Wir haben gerade unsere Prognose für 2009 veröffentlicht. Wir sagen den völligen Kollaps der Wirtschaft voraus. Am 7. November 2007 haben wir den Finanzcrash und die Panik für 2008 vorhergesagt, und es ist eingetroffen. Nächstes Jahr werden wir den ganzen Einzelhandel zusammenbrechen sehen, dann den Zusammenbruch der gewerblichen Immobilien, usw. ... wir werden die grösste Depression überhaupt erleben, viel schlimmer als die sogenannte „Grosse Depression“ der 30ger Jahre.

    Freeman: Wow!

    Celente: Und ich sage auch warum. Damals besassen nicht so viele Leute hoch verschuldete Liegenschaften, sie haben sie auch nicht bis oben hin beliehen wie jetzt, sie hatten damals auch keine Kreditkarten, sie waren nicht mit 14 Billionen in der Kreide. Damals gab es einen Handelsüberschuss, jetzt liegt Amerika mit über 700 Milliarden pro Jahr im Minus. Der Staatshaushalt war damals ausgeglichen, jetzt haben wir ein gigantisches Defizit und die Staatsverschuldung liegt bei 13 Billionen, wobei alleine in diesem Jahr 1 Billion neu dazukam.

    Am Anfang des II. Weltkrieges, war die USA der Motor der ganzen Industrieproduktion der Welt, wir hatten die höchste Produktivität. Das ist schon lange vorbei. Wir sind eine Nation im Niedergang. Wir gehen in die grösste Depression, und sie wird weltweit stattfinden.

    Freeman: Was meinen sie, wird es eine Massenarbeitslosigkeit, mit anschliessenden Aufständen geben?

    Celente: Ja, einen Trend zu einer Revolution sehen wir auch. Was in Griechenland im Augenblicklich abgeht, kann überall passieren. Es geht dort nicht um die Erschiessung des 15 jährigen Jungen, sondern die Menschen rebellieren gegen diese völlig inkompetente, durch und durch korrupte politische Kaste, die aber überall so ist. Ich war beim Staat beschäftigt, ich kenne die Grössenordnung der Korruption. In Washington geht es nur darum, Projekte zu lancieren, um sich und die Kumpels zu bereichern, eine Hand wäscht die andere, Geld für die Freunde, das System ist von oben bis unten korrupt.

    Freeman: Werden wir jetzt durch eine schmerzhafte ein oder zwei Jahre andauernde Depression gehen und dann aus dem Tal rauskommen?

    Celente: Wie sollen wir aus dem Tal rauskommen? Was wird uns da raus helfen?

    Freeman: Dann wird es eine langanhaltende Depression werden?

    Celente: Ja!
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    Schall und Rauch: Interview mit Gerald Celente

  2. #2
    Sir Aaron
    Gast

    AW: Interview mit Gerald Celente

    Danke Dyon für dieses Interview!

    Ich sag`s mal so: der Großteil der Menschen erwartet derzeit nichts anderes als eine länger andauernde Depression. Die Medien fahren ja seit vielen Wochen nur noch diesen einen Reifen - und alle springen brav auf auf den Zug. Weil ja alles so schön schlüssig und überhaupt gar nicht anders sein kann.

    Doch bedenkt bei all dem auch noch irgendwer die Tatsache, dass hier nichts anderes als self-fulfilling-prophecy vom allerfeinsten betrieben wird? Wie kann auch nur irgendwer ernsthaft erwarten, dass es anders sein könnte, als was uns nun allen bevorsteht? Es wird ja buchstäblich auf nichts anderes gewartet - und nicht nur das, man beschreibt und zeichnet für uns alle ziemlich detailiert im Voraus, was kommen wird. Es gibt hier also noch nicht mal einen Zweifel.

    Wir stellen uns also millionen- und milliardenfach vor - mit vielfachen Wiederholungen selbstredend, oder besser gesagt: Daran-Erinnert-Werden, wie unrealistisch eine gegenteilige Ansicht ist - die ohnehin nur Blauäugige haben können. Rein intuitiv würde ich sogar sagen, dass die Menschheit im Augenblick einen Versuch unternimmt, wie sie ihr unerträglich langweilig gewordenes Dasein auf der Erde wieder interessanter gestalten könnte. Kriege, Katastrophen und andere frühere "Dauerbrenner" ziehen nicht mehr. Das hatten wir doch schon hundert- und tausendfach. Wen krazt sowas noch?

    Und dennoch sehnen sich alle nach einer Veränderung - und sei es nur innerlich, dank der wir unsere Existenz wieder sinnerfüllter, wertverbundener und - ja, man möchte es nicht für möglich halten - glücklicher führen können. Vielleicht haben wir ja tatsächlich kollektiv und unterbewusst nun auf diese (schlaue) "Strategie" zurückgegriffen, um vielleicht hinterher, wenn wieder alles vorbei ist, unsere Lehren daraus ziehen zu können.

    Doch es bedarf meines Erachtens keiner allzu großen Begabungen im Voraussehen von Ereignissen, die sowieso von allen erwartet werden. Dennoch bin ich persönlich zuversichtlich, dass diese Strategie (ist ja nichts anderes als ein Versteckspiel, im Grunde genommen) letztendlich für uns alle große Chancen birgt. Ist aber prinzipiell von uns allen hausgemacht.

    Das ist meine Meinung.

    Herzliche Grüße,

    -Aaron-

  3. #3
    Unregistriert
    Gast

    AW: Interview mit Gerald Celente

    Aaron hat nicht Unrecht mit der selbsterfüllenden Prophezeihung. Dennoch ist die Frage, ob die Badewanne nicht irgendwann überläuft, wenn stehts Wasser in sie fließt. Ob man es nun herbei redet oder leugnet.

    Die Wirtschaft folgt gewissen Gesetzen - welche Rolle die Medien dabei spielen ist eine Sache. Wie die Menschen generell handeln, die andere.

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