+ Antworten
Seite 2 von 2 ErsteErste 1 2
Ergebnis 11 bis 17 von 17

Thema: Israel

  1. #11
    Thomas
    Gast

    AW: Israel

    liebe diananisi,

    mit verlaub steht es überhaupt nicht in deiner macht, dich für israel zu rechtfertigen oder nicht, da du weder politiker bist, noch für ein ganzes volk inkl. seiner geschichte sprechen kannst.

    mir ist bewusst, dass du als unmittelbar betroffene ein anderes bild der lage vor ort hast und entsprechend auch eine andere wahrnehmung. gerade, bei einem heiklen thema wie diesem.

    ich denke, die ursachen für den konflikt liegen in der ausrufung des staates durch die un - wen's interessiert, hier eine der offiziellen versionen: GESCHICHTE- Der Staat Israel

    esoterisch betrachtet ergeben sich sicherlich andere gesichtspunkte; auch wenn man die verschwörungskiste durchkramt, findet sich der eine oder andere weniger offensichtliche grund um das warum.



    frieden ist eine innere einstellung, kein äußerer faktor. auch lässt er sich nicht erzwingen, sondern nur erarbeiten.

    niemand ist zufällig dort, wo er gerade ist. er ist genau dort, wo er beabsichtigt(e) zu sein.
    gestern schoss ein israeli ein palästinensisches kind tod. heute sprengt er sich als palästinenser in israel in die luft. morgen ist er die israelische mutter, die ihr kind verliert.
    alles dreht sich im kreis, bis alle beteiligten eines gelernt haben: vergebung.

    das wusste schon der könig der juden, der sich ans kreuz nageln ließ....

    lieben gruss,
    thomas

  2. #12
    diananisi
    Gast

    AW: Israel

    Lieber Thomas,
    ich glaube auch nicht das ich mich als Israelischer Staatsbuerger rechtfertigen muss oder soll genauso wie mein Volk, auch glaube ich nicht das ich fuer diese Meinung Politiker sein muesste.

    Das Juden und Palistinaenser in Frieden lebten bevor ein Staat einstand sollte Dir auch bekannt sein. Ich finde es traurig das Menschen sich von Medien derart beeinflussen lassen, das Sie einfache Fakten uebersehen.
    Leider ist die Wahrheit eine andere, ganz egal aus welcher Sicht man es sieht sterben einstweilen auf beiden Seiten unschuldige Menschen, die brav den Wahnsinn von Grossmaechten und Terror befolgen, denn letztenendlichst brauchen nur sie diesen Krieg.
    Auf welcher Seite man da steht ist vollkommen egal.

    Im uebrigen hatte das Juedische Volk nur drei Koenige.
    Damit will ich auf keinen Fall das Christentum oder seine urspruengliche Version angreifen.

    Liebe Gruesse,
    Diana

  3. #13
    Thomas
    Gast

    AW: Israel

    Zitat Zitat von diananisi Beitrag anzeigen
    Im uebrigen hatte das Juedische Volk nur drei Koenige.
    ich meinte den könig (iesus nazarenus rex iudaeorum) - war aber ironisch bis sarkastisch gemeint, weniger historisch...


  4. #14
    Thomas
    Gast

    AW: Israel

    weil gerade passt




  5. #15
    dyon
    Gast

    AW: Israel

    Ich glaube, ich habe das vor einiger Zeit schon mal gepostet, aber nachwievor sehr interessant:

    Die Partnerschaft Israels mit der Hamas

    Von Paul Joseph Watson

    Die Hamas - gegründet und finanziert durch Israel
    Israels angeblicher Erzfeind, die Terrorgruppe Hamas, wurde von Israels herrschender Likud-Partei gegründet und finanziert und sie wird bis in diese Tage von jenen politischen Institutionen mit Geld überhäuft, die eine Eine-Welt-Regierung vorantreiben. Das ist nicht meine Meinung und ich bresche hier nicht mit einer exklusiven Geschichte hervor. Das ist eine dokumentierte Tatsache, die von Mainstream-Medien berichtet und von angesehenen Leuten in den Regierungen der USA und Israels und von Geheimdiensten veröffentlicht wurde.

    Die Zielsetzungen der Hamas sind mit denen der Likud-Partei aufeinander abgestimmt - um jeden Preis ohne offizielle Abmachung. Wann immer die Aussicht auf einen funktionierenden Friedensvertrag zwischen den Israelis und Palästinensern auftauchte, jagte die Hamas oder eine ihrer Abkömmlinge, einen Bus, ein Restaurant oder ein Hotel in die Höhe. Das gab Israel die Rechtfertigung, die es brauchte, um jede mögliche Verständigung untereinander zu beenden und die Besetzung der umstrittenen Gebiete weiter auszubauen. Alles, was man dann von außen sieht, ist Gemetzel, Tod und eine Mainstream-Presse, die die Themen so darstellt, als ob diese Grausamkeiten irgendwie die Wünsche der palästinensischen Bevölkerung ausdrückten.

    Die Globalisten haben kein Interesse daran, den Konflikt beizulegen und werden ihn benutzen, um schrittweise über mehrere Jahre einen fast apokalyptischen dritten Weltkrieg einzuleiten, der ihr boshaftes Reich endgültig etablieren wird. Die Endphase ist ein wie für die Bühne inszenierter „Kampf der Kulturen“ zwischen der arabischen Welt, vielleicht unterstützt durch China, und dem Westen.

    Der United Press International zufolge,

    „mögen Israel und die Hamas aktuell Todfeinde sein, aber verschiedenen jetzigen und ehemaligen US-Geheimdienst-Beamten zufolge, gab Tel Aviv der Hamas, beginnend in den späten 70ern, über Jahre hinweg direkte und indirekte finanzielle Hilfe.“ (Richard Sale. In: United Press International, June 18, 2002.)

    Der Vorteil eines Feindes

    Israel will den Konflikt radikalisieren, indem es die Hamas zu einer fundamentalistischen militanten Kriegspartei formt, um es der Khomeini-Revolution im Iran nachzumachen. Das führte dazu, dass Israel potentielle Hamas-Führer aufpäppelte und Druck auf israelische Behörden ausübte, ihnen Suppenküchen, Kliniken, Schulen und Kindertagesstätten zu genehmigen, um neben Arafats Fatah eine eigene Regierungsstruktur aufzubauen. Diese Einrichtungen waren als „Dorf-Bündnisse“ bekannt und stellten der Hamas Arbeitskräfte zur Verfügung, die Rückhalt in Politik und Regierung besaßen. Dies begann im Jahr 1978, als Ministerpräsident Menachem Begin, selbst ein früherer Terroristenführer, Scheich Ahmad Yassin auf seine Anfrage hin erlaubte, die Islamic Association zu gründen, die später einen militärischen Arm herausbildete, nämlich 1987 die Hamas. Die israelische Likud-Partei machte Yassin groß, denn beide hatten das selbe Ziel: Arafats Fatah zu destabilisieren.

    Die „Dorfbündnisse“ wurden dann vom israelischen Geheimdienst Shin Bet unterwandert, der den Palästinensern den Umgang mit Waffen beibrachte und darüber hinaus ein Netzwerk von tausenden von Informanten erschuf. Diese Finanzierung und Unterstützung ging sogar nach der Unterzeichnung des Osloer Abkommens von 1993 weiter.

    Die Überlegung, eine konkurrierende Partei einzuführen, sollte die Unterstützung für die PLO mindern. Der amtierende israelische Ministerpräsident Ariel Sharon spielte eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung dieser Strategie. Nach der ersten Welle der Selbstmordattentate 1994 konnte Israel auch die PLO diskreditieren, indem es sie nach jeder terroristischen Grausamkeit mit der Hamas in Verbindung brachte. Die kompromisslose Likud-Partei konnte nun ihren Rückhalt im israelischen Volk ausbauen, indem sie ein brutales Vorgehen gegen den palästinensischen Terrorismus versprach. Chaos und Anarchie auf der West Bank führt zum Durchgreifen der Ordnungmacht – zur Macht der Likud.

    Die US-Regierung nutzte diese Taktik der Radikalisierung einer Gruppe oder eines Landes entsprechend, als sie unter George Bush Senior Millionen islamischer fundamentalistischer Schulbücher nach Afghanistan verschiffte. Die Bücher ermutigten zum gewaltsamen Tschihad und zum Sturz der damals säkularen afghanischen Regierung. Das führte dazu, dass eine ganze Generation das nachfolgende fundamentalistische Talibanregime stillschweigend akzeptieren musste, welches 1996 durch die CIA an die Macht kam.

    Evakuierungen nur zur Einschüchterung

    [...] Dadurch, dass die israelische Elite sowohl die Hamas-Führung als auch die Berichterstattung über das tödliche Potential dieser Gruppe in den Medien steuerte, konnte sie die Bevölkerung für ein Leben in einem Polizeistaat einschüchtern.

    „Sharon führt eine teuflische psychologische Operation innerhalb Israels durch, um die öffentliche Unterstützung für einen Krieg durch die Inszenierung ständiger Terrorangst sicher zu stellen. Ein israelischer Geschäftsmann bestätigte, dass israelische Polizei fast jede Nacht Restaurants, Hotels, Geschäfte, etc., betritt und wegen „Bombenbedrohungen“ Evakuierungen anordnet. Dem Geschäftsmann, ein früherer Mossadbeamter, wurde von israelischen Behörden mitgeteilt, dass die Schreckensmeldungen in fast allen Fällen Fälschungen sind, die begangen werden, um die Öffentlichkeit zu traumatisieren, damit sie antiarabische Militäraktionen akzeptiert.“ (Jeffrey Steinberg in: Executive Intelligence Review, 20 July 2001. Original-Link: Centre for Research on Globalisation (CRG))

    "Jede Partei ist infiltriert"

    Vor Israels Intervention war die Hamas eine relativ untätige und marginale Minderheitsgruppe. Die angesehene International Harald Tribune kann nur bestätigen,

    „Es ist wohlbekannt, dass Israel in seinem langen Kampf gegen den palästinensischen Nationalismus, jede Partei infiltriert hat und eine wahre Armee von palästinensischen Informanten und Kollaborateuren rekrutiert hat.“ (International Herald Tribune - World News, Analysis, and Global Opinions)

    Der Generalsekretär der Palästinenserbehörde Tayeb Raheem ging noch weiter ins Detail als er aussagte, dass Hamas-Zellen in der israelischen Armee und dem Geheimdienst existieren. Der Höhepunkt der dokumentierten Beweise dafür ist, dass islamische Kämpfer regelmäßig Camps wie Dahaniya betraten, zu denen nur israelische Kollaborateure eine Zugangserlaubnis gehabt haben können.

    Rabins gewollter Tod

    Der Zeitpunkt, an dem die Welt am ehesten davor war, eine Lösung in Israel zu erleben, war unter der Amtperiode von Ministerpräsident Yitzhak Rabin. Rabin hat das Osloer Abkommen mit Yassir Arafat unterzeichnet, welches der Rahmen für die Gründung eines palästinensischen Staates bis 1998 war. Rabin war während seiner ersten Amtsjahre nicht gerade liebevoll und gemütlich zu den Palästinensern aber bis Ende 1995 hatte er wirksame Abkommen sowohl mit den Palästinensern als auch mit Jordanien erreicht und war nun drauf und dran, den gleichen Kunstgriff mit Syrien zu wiederholen. Während die Unterstützung der arabischen Regierungen für seine Initiative zunahm, nahm ihre Finanzierung und Unterstützung der Hamas ab.

    Es war zu dieser Zeit, am 4. November 1995, als Rabin nach einer Friedensverhandlung von einem „einzelnen verrückten Meuchelmörder“ erschossen wurde. Sein Mörder, Yigal Amir, wurde vom israelischen Inlandsgeheimdienst Shin Bet ausgebildet. In den Wochen, die diesem Ereignis vorausgingen, hatte Shin Bet mehrere Warnungen erhalten, dass ein Attentat geplant war. Da ist es schon seltsam, dass Rabins Leibwache, die darauf trainiert war, auf jeden bewaffneten Eindringling unverzüglich zu feuern, untätig herumstand und zuschaute, als Amir sich Rabin auf weniger als zwei Meter Entfernung näherte und seine Waffe abdrückte. Der New York Times zufolge war Rabin noch dazu fähig, aufzustehen und in seine nahe geparkte Limousine einzusteigen, mit der Bemerkung „es schmerzt aber es ist nicht so schlimm“, bevor er schließlich ins Krankenhaus gefahren wurde. Bei der Ankunft musste Rabins Chauffeur durch die Gänge der Klinik rennen und laut schreien um auf irgend eine Weise Aufmerksamkeit zu erlangen. Die Möglichkeit, dass ein Krankenhaus für die Einlieferung von Schwerverletzten kein medizinisches Personal auf Bereitschaft haben sollte, ist schwer vorstellbar. Das sind nur ein paar kleine Beweisstücke von hunderten, die aufzuzeigen, dass Rabins Tod gewollt war.

    [...] Rabin verstand Israels verdeckte Unterstützung der Hamas als „fatalen Fehler“ und arbeitete vor seiner Ermordung darauf hin, dem ein Ende zu setzen. Er schloss 400 seiner Funktionäre vom Dienst aus und ließ 4000 von ihnen in den Monaten vor seinem Tod einsperren. Die Hamas antwortete, indem sie eine der-Feind-meines-Feindes-ist-mein-Freund-Haltung einnahm und nun der israelischen Oppositionspartei Treue gelobte, der Likud.

    Trotz der Erwägung, dass so eine Information Propaganda sein kann, entweder von Arafat oder von Rabin, kam die Jerusalem Post in einem Leitartikel zu dem Schluss, dass die Hamas-Likud-Partnerschaft keine Kiegspropaganda sei – die Zeitung definierte sie als eine „althergebrachte Weisheit“ (Jerusalem Post 08/25/95. Original-Link: http://www.io.com/~jewishwb/iris/archives/608.html)




    Paul Joseph Watson ist Journalist in Sheffield, England. Er ist Webmaster der Internetseiten PropagandaMatrix.com and PrisonPlanet.com.

    Quelle und kompletter Text: Puppet On A String: Hamas Dances To Israel’s Tune
    Deutsche Übersetzung: Wahrheitssuche
    ---------------------------------------------------------------------------


    Terrorismus im Auftrag des Feindes

    Von Wolfgang Eggert
    Nicht wenige arabische Nationalisten, islamische Fundamentalisten und zu allem entschlossene Terroristen stehen wissentlich oder unwissentlich im Dienste des Mossad. Einige wenige in den Führungsetagen sind gekauft. Die Masse jedoch, das ausführende Element, überblickt nicht im entferntesten, wem es letzten Endes zu Diensten ist. Viktor Ostrovskys [Autor des Buches „Geheimakte Mossad“] Einblick in diesen Zusammenhang ist, dass „gewöhnliche Araber“, die israelischen Pläne ausführten, keine Ahnung davon hatten, wo die Pläne in Wirklichkeit ihren Ursprung genommen hatten.
    Nehmen wir die Aktionen des berüchtigten palästinensischen Terroristen Abu Nidal, die vom arabischen Standpunkt her unerklärbar anmuten. Denn Nidal ermordete gemäßigte Vertreter von Jassir Arafats PLO sowie verschiedener arabischer Regierungen. Gerade in Momenten, wenn die Sache Palästinas Fortschritte zu machen schien. Er zeichnete für blutige Attentate gegen europäische Zivilisten verantwortlich (so auf den Flugplätzen von Rom und Venedig), die das Ansehen des palästinensischen Kampfes in der Weltöffentlichkeit auf ein Minimum reduzierte, während er „daheim“ den Israelis immer wieder durch schlecht getimte Anschläge Anlass gab, militärisch gegen palästinensische Ziele vorzugehen.
    Dieses Bild scheint in sich unschlüssig. Aber nur wenn man die Möglichkeit außer Acht lässt, dass Nidal auf den Gehaltslisten der Israelis stehen könnte. Und genau das scheint auch wirklich der Fall zu sein. So schreiben die neuseeländischen Autoren Ben Vidgen und Ian Wishart mit Bezug auf Geheimdienstquellen:
    „Bevor man die Idee von sich weist, dass Israels Mossad derart krumme Wege gehen könnte, einem arabischen Terroristen zu helfen, um eigene Ziele voranzubringen, sollte man sich Folgendes vor Augen halten: Als Ermittlungsbeamte 1991 den Zusammenbruch der (für geheimdienstliche Geldwäschegeschäfte) berüchtigten Bank of Credit and Commerce International untersuchten, da fanden sie nicht nur Belege dafür, dass der Mossad hier seinen Zahlungsverkehr ablaufen ließ, sondern darüber hinaus, dass Überweisungen von Mossad-Konten an Sri Lankas 'Tamil Tigers' und an die Organisation Abu Nidals geflossen waren.“
    In der Tat – trotz seines öffentlich zur Schau gestellten Hasses gegenüber Israel, richteten sich die meisten Angriffe Abu Nidals und seiner Organisation gegen die PLO und andere arabische Terrorgruppen.
    „Es ist bekannt“, schreibt Livia Rokach in 'Israels Heiliger Terror', „dass Ende der siebziger Jahre die israelischen Geheimdienste – unterstützt von manchen ihrer westdeutschen Kollegen – teilweise erfolgreich versuchten, Palästinenser anzuwerben, die in Lagern arbeitsloser Emigranten interniert waren oder aufgrund formaler Verstöße gegen das Einwanderungsgesetz im Gefängnis saßen. Die Israelis bedienten sich hierbei der schweren Erpressung; sie drohten den Palästinensern mit Misshandlungen oder sogar Mordanschlägen gegen deren Familien, die im militärisch besetzten Westjordanland oder im Gazastreifen lebten. Die Palästinenser wurden als 'agents provocateurs' benutzt, um Terroraktionen in Gang zu setzen, die man später der PLO zuschrieb, um diese zu diskreditieren. Auf der Grundlage von Aussagen und Dokumenten, die diese Behauptung beweisen, protestierte die PLO offiziell bei der Bonner Regierung und verfügte strenge Begrenzungen für die Auswanderung von Palästinensern aus dem Libanon in die Bundesrepublik.“ (Livia Rokach: Israels Heiliger Terror. Pfungstadt 1982. S. 124.)

    Zumindest in Israel reißen derart „publikumswirksame“ Anschläge bis auf den heutigen Tag nicht ab. Hier ist es vor allem der kämpfende Arm der Hamas, der immer wieder mit sogenannten Selbstmordattentaten von sich reden macht. Was befremdet, ist die Tatsache, dass sich die Attentate dieser PLO-feindlichen Gruppe häufiger gegen Zivilisten als gegen den polizeilich militärischen Apparat ihres Gegners zu richten scheinen. Die Folgen dieser Strategie dürfen als verheerend bewertet werden. Nicht nur, weil die Hamas an und für sich das palästinensische Volk spaltet. Viel entscheidender ist die Tatsache, dass die periodisch wiederkehrenden Blutbäder in Bussen und Cafés die Weltöffentlichkeit der palästinensischen Sache entfremden und dass sie zur gleichen Zeit die Israelis hinter rechten Scharfmachern und Militärs versammeln, die jeden Anschlag als willkommenen Anlass nehmen, ihre Politik „kalter“ Optionen voranzutreiben. Quelle:
    Wolfgang Eggert: Angriff der Falken. Die verschwiegene Rolle von Mossad und CIA beim Terrorangriff auf die USA. München 2002. S. 49 ff.



    Wer ist der Aggressor?






    Die Partnerschaft Israels mit der Hamas


  6. #16
    Sir Aaron
    Gast

    AW: Israel

    Ein Hass, größer als aller Schmerz
    Eine junge Palästinenserin tötet bei ihrem Selbstmordattentat eine junge Israelin. Jahre später verabreden sich ihre Mütter zum Gespräch

    Von Anita Blasberg

    Was hatten sie sich nur von dieser
    Konfrontation versprochen?
    Antworten? Anteilnahme? Frieden
    gar? Beide hatten eine Tochter
    verloren. Die eine war zufällig da
    gewesen, als die andere sich in die
    Luft sprengte. Nun saßen ihre
    Mütter, taub vor Schmerz beide, vor
    je einer Kamera, und jede suchte im
    Gesicht der anderen - ja was?

    »Ich habe lange auf dieses
    Gespräch gewartet«, sagte Avigail
    Levy schließlich in das Bildtelefon.
    »Ich bin sehr aufgeregt. Dies ist
    eine Sache zwischen uns beiden,
    zwischen zwei Müttern. Ich will,
    dass du mir zuhörst!« - »Ich
    verstehe dich«, erwiderte Um Ayat,
    und für einen kurzen Moment
    lächelte sie unsicher. »Du bist eine
    Mutter und ich auch«, fuhr sie fort.
    »Wir beide haben einen Verlust
    erlitten. Aber du lebst nicht unter
    Besatzung. Du bist der Besatzer.«

    Avigail Levy hatte viel über diese
    andere Frau nachgedacht, und sie
    hatte wenig geschlafen in der Nacht
    zuvor. Lange hatte sie nach den
    richtigen Worten gesucht. Und wie
    oft hat sie in all den Jahren das Foto
    mit dem Gesicht von Um Ayats
    Tochter betrachtet, das sie
    sorgfältig aufbewahrt hatte.

    An dem Tag, der das Leben der
    beiden Mütter für immer verbinden
    sollte, hatte sich Um Ayats Tochter
    auf den Weg von Bethlehem nach
    Jerusalem gemacht, in ihrer
    Handtasche zehn Kilo Sprengstoff,
    gespickt mit Nägeln und Schrauben.
    Zur gleichen Zeit brach in
    Jerusalem Avigails Tochter zum
    Supermarkt auf, um noch ein paar
    Zutaten für das Abendessen zu
    kaufen. Als beide gemeinsam die
    Eingangstür erreichten, rief ein
    Wachmann: »Wartet!«

    Sekundenbruchteile später
    erschütterte eine Explosion den
    Supermarkt. Als der Rauch sich
    verzog, waren beide Mädchen und
    der Wachmann tot. Sieben Stunden
    dauerte es, bis geklärt war, welcher
    Körperteil zu wem gehörte.

    George W. Bush äußerte in den
    Nachrichten seine Betroffenheit, am
    nächsten Tag drängten mehrere
    Hundert Menschen zur Beerdigung
    von Rachel Levy, dem 456.
    israelischen Opfer der zweiten
    Intifada. Zehn Kilometer entfernt
    wurde ein leerer Sarg in einem
    Triumphzug durch die Gassen des
    Flüchtlingslagers Deheische
    getragen, geschmückt mit der
    palästinensischen Flagge und dem
    Foto der 17-jährigen Ayat Al-
    Akhras.

    Es ist ein kalter Januartag in
    Jerusalem, sechs Jahre später, als
    Avigail Levy zum Supermarkt
    Supersol fährt. »Ich spüre sie hier«,
    sagt sie. Es ist wie ein Sog. Vor drei
    Jahren ist sie in die Nähe gezogen.
    Am Eingang hängt eine schlichte
    Gedenktafel: Rachel Levy -
    29.3.2002.

    Rachel hätte in diesem Jahr ihre
    Schule beendet, sagt Avigail, sie
    freute sich auf ihren Armeedienst.
    »Mama, mir passiert nichts«, habe
    Rachel immer gesagt. Wenn das
    Radio einen Anschlag meldete,
    drehte sie den Ton ab. Designerin
    wollte sie vielleicht werden, und
    kurz vor dem Attentat stellte sie in
    der Schule Fotos aus,
    Wasseraufnahmen. Avigail redet
    langsam über Rachel, leise, als
    würde das den Schmerz dämpfen.
    Sie ist eine kräftige Frau mit langen
    dunklen Haaren und bestimmtem
    Auftreten. Die Sicherheitsleute am
    Eingang begrüßen sie wie eine alte
    Bekannte.

    Avigail lächelt. Rachels Berühmtheit
    ist ihr ein Trost. Immer wieder hat
    sie mit Reportern geredet, saß sie in
    Talkshows. Sie sprach vor dem
    israelischen Parlament, dem
    Europäischen Gerichtshof für
    Menschenrechte. »Wir werden dich
    nie vergessen«, hatte sie in Rachels
    Grabstein gravieren lassen.

    Avigail erinnert sich, wie es war, als
    sie die andere zum ersten Mal sah.
    Sie selbst hatte sich nach dem
    Attentat in ihrer Wohnung
    eingeschlossen, brüllend vor
    Ohnmacht, als plötzlich diese Frau
    im Fernsehen erschien. Festlich
    gekleidet, verteilte sie in ihrem
    Trauerzelt Bonbons. Ein halbes
    Jahr später tat Avigail etwas
    Unerhörtes - alle Freunde hatten
    versucht, es ihr auszureden. Sie
    wählte die Nummer des Parents
    Forum, einer Organisation für die
    Eltern von Intifada-Opfern. »Hier ist
    Avigail Levy«, sagte sie. »Ich
    möchte die Mutter der Mörderin
    meiner Tochter kennenlernen.«

    Um Ayat war aufgeregt, als sie
    davon hörte. Sie hatte, genau wie
    Avigail, oft an diese andere Frau
    gedacht, an deren hübsche Tochter.
    Sie hatte, wie Avigail, eine
    Fotocollage ihrer beiden Mädchen
    aus der Newsweek ausgeschnitten -
    hätten sie in einem anderen Land
    nicht Freundinnen sein können?

    Um Ayat sitzt auf dem Sofa in ihrem
    kleinen Wohnzimmer im
    Flüchtlingslager Deheische und
    schenkt Tee ein, durch die
    Mauerritzen zieht schneidende
    Winterluft. Es gab so vieles, sagt
    sie, was sie der anderen erklären
    wollte: das Elend der Besatzung,
    das Unrecht, das ihnen täglich
    angetan wird. Ihr Mann Mohammed
    war skeptisch. Die Nachbarn
    würden reden, sagte er, aber Um
    Ayat setzte sich durch.

    Seit dem Attentat sitzt sie oft
    einfach nur da und lässt die Zeit
    verstreichen, dann stellt sie sich vor,
    dass Ayat kommt und ihre Wange
    streichelt. Bis heute hat sie die
    Sachen ihrer Tochter verwahrt,
    eingewickelt in Nylon: ihre liebsten
    Pullover und Röcke. Das Poster mit
    dem blonden Paar auf einer Harley
    Davidson, die Eistee-Dose, in die
    Ayat ihre Puderquaste steckte.

    Bis heute hätten sie Ayat nicht
    beerdigen können, weil die Israelis
    ihre Überreste festhielten, sagt Um
    Ayat mit scharfer Stimme. Sie ist
    eine kleine runde Frau. Ihr
    kirschrotes Kleid reicht bis zum
    Boden, aus den Pantoffeln lugen
    ihre nackten Füße. Erst seit Ayats
    Tat wird sie Um Ayat gerufen,
    Mutter von Ayat, denn Ayat ist
    berühmt in Deheische. An den
    Mauern des Lagers klebt ihr
    ausgeblichenes Foto. Im Flur hängt
    Ayat, skizziert mit Kohle, im
    Wohnzimmer Ayat, gemalt in Öl.
    Um das Bild hat Um Ayat eine
    Lichterkette drapiert. »Ich liebe es,
    ihr Gesicht anzuschauen«, sagt sie.
    Die gezupften Brauen, der
    entschlossene Blick.

    Sie trauert, aber sie ist auch stolz
    auf die Tat ihrer Tochter. Es sei
    Allahs Wille gewesen. Sie liebe alle
    ihre elf Kinder, doch Ayat sei
    besonders gewesen. Immer wenn
    sie diskutierten, musste sie das
    letzte Wort haben. Sie wollte
    Journalistin werden und der Welt
    von der palästinensischen
    Unterdrückung berichten.

    Ayat wuchs in Deheische auf, einem
    Betonslum bei Bethlehem, ein
    Gewirr von Häusern aus
    Schlackenstein, mit Abfall übersäten
    Gassen und offenen
    Abwasserkanälen, 13000 Menschen
    auf einem Quadratkilometer. Ihr
    Vater war Polier bei einer
    israelischen Baufirma, er baute
    seiner Familie ein Haus. Es ging
    ihnen besser als anderen, Ayats
    Schwestern studierten, und 1993,
    als Arafat und Rabin den
    Friedensnobelpreis erhielten, taufte
    Um Ayat ihr damals jüngstes Kind
    Salaam.

    »Salaam«, sagt sie, »heißt
    Frieden.«

    Scharon sei schuld an Ayats Tod,
    fährt sie fort. Als er 2000 die zweite
    Intifada auslöste, seien ihre
    Hoffnungen zerstört worden.
    Seitdem habe Ayat sich verändert.

    Im Sommer wollte Ayat Shadi
    heiraten, einen Nachbarjungen, sie
    waren seit Monaten unzertrennlich,
    aber Ayat wurde immer ernster und
    stiller. Um das Lager patrouillierten
    nun Panzer, auf der Matratze vor
    dem Fernseher sah Ayat stündlich
    die Nachrichten.

    Sie war jetzt 16, besessen von
    Politik, und die Gewalt kam näher.
    Immer wieder schlugen Raketen
    ein, durchkämmten Soldaten die
    Gassen. Einer ihrer Brüder wurde
    angeschossen, und als ihre Cousine
    heiratete und mit Juwelen
    beschenkt wurde, sagte Ayat voller
    Verachtung: »Mutter, wie können
    wir uns über Gold und Silber freuen,
    wenn nur die Europäer in der Al-
    Aksa-Moschee beten können?« -
    »Du machst dir zu viele Gedanken«,
    erwiderte Um Ayat. »Wir haben al-
    Aksa vor vielen Jahren verloren.«

    Es war im Januar, zwei Monate vor
    ihrem Attentat, als Ayat bei ihrem
    Nachbarn vor dem Fernseher saß
    und der Schuss eines israelischen
    Soldaten das Fenster durchschlug.
    Ein Querschläger. Der Nachbar, der
    gerade mit seiner Tochter Lego
    gespielt hatte, ging zu Boden.
    Wenig später starb er in Ayats
    Armen.

    Danach sei sie nicht mehr dieselbe
    gewesen, sagt Um Ayat. Einmal saß
    Ayat vor dem Fernseher und rief:
    »Mama, komm her, die Frauen sind
    auf dem Schlachtfeld!« Es war der
    Tag, als Arafat die Finger zum
    Victory-Zeichen gespreizt hatte und
    Tausenden Frauen zurief: »Ihr seid
    meine Armee der Rosen. Ihr werdet
    die israelischen Panzer vernichten!«
    Stunden später betrat Wafa Idris,
    26, ein Schuhgeschäft in der
    Jerusalemer Jaffa Road und
    sprengte sich in die Luft. Sie war die
    erste weibliche »Märtyrerin«, die
    erste Shahida. »Endlich wehren wir
    uns«, sagte Ayat. Sie glühte vor
    Stolz.

    Avigail: »Um Ayat, wusstest du, wo
    Ayat an jenem Tag hinging? Was
    sie vorhatte?«

    Um Ayat: »Nein, ich wusste es
    nicht. Keine Mutter würde ihrer
    Tochter erlauben, so etwas zu tun.
    Sie ging zur Schule. Wir haben es
    aus dem Fernsehen erfahren, wie
    du.«

    Avigail: »Du willst mir erzählen,
    dass sie ganz allein entschied, nach
    Jerusalem zu fahren und sich selbst
    zu töten?«

    Um Ayat: »Sie war eine reife Frau,
    fast 18. Sie hat ihren eigenen Weg
    gewählt.«

    Avigail: »Ich werde dir etwas sehr
    Hartes erzählen: Deine Tochter und
    meine Tochter sind für nichts
    ermordet worden.«

    Um Ayat: »Für dich war es nichts -
    aber für unsere Sache bedeutet es
    etwas. Du hast nicht das
    durchgemacht, was sie
    durchgemacht hat. Wir leben in
    einem Flüchtlingslager. Unser
    Fenster öffnet sich in das Fenster
    unseres Nachbarn - eine Straße ist
    einen Meter breit.«

    In der Nacht vor dem Tag, an dem
    Rachel starb, war Avigail
    schweißgebadet aufgewacht. Sie
    hatte geträumt, sie sei in Amerika,
    allein, ohne ihre drei Kinder. Es
    jagte ihr Angst ein. 1993 war sie mit
    ihrer Familie aus Los Angeles nach
    Israel zurückgekehrt. Wenig später
    war ihre Ehe am Ende. Avigail zog
    mit Rachel und ihrem jüngsten Sohn
    Kobi in eine kleine Wohnung.
    Rachel half ihr sehr, sie kaufte ein,
    brachte den kleinen Kobi zu Bett,
    badete ihn und las ihm Gute-Nacht-
    Geschichten vor.

    Als Avigail an diesem Morgen in die
    Küche kam, kochte Rachel Tee.
    Schwarz mit Milch, sie mochte ihn
    englisch. Es regnete, und sie
    beredeten, was sie abends essen
    wollten. Rachel schlug Fisch vor.
    Wenn sie Fisch wolle, sagte Avigail,
    müsse sie ihn noch kaufen. Auch
    Koriander fehlte. Rachel warf sich in
    ihren neuen schwarzen
    Wintermantel. Es war zwanzig nach
    eins.

    Um Ayat hatte unruhig geschlafen in
    der Nacht, weil Mohammed bis vier
    Uhr früh Fernsehen geschaut hatte,
    Liveberichte über eine »Operation«,
    wie sie es nennen. Ein
    Palästinenser war in eine jüdische
    Siedlung eingedrungen, hatte eine
    vierköpfige Familie hingerichtet, ehe
    er selbst von israelischen Soldaten
    erschossen wurde. Auch Ayat hatte
    lange das Licht brennen lassen, sie
    lerne wohl noch, dachte Um Ayat -
    für ihren Test in Geschichte an
    diesem Tag.

    Morgens um sieben war Ayat wie
    immer zur Schule nach Bethlehem
    aufgebrochen, erinnert sich Um
    Ayat, eine halbe Stunde Fußweg.
    Ayat war zur Tür gehastet und hatte
    ihrer Mutter gewinkt: »Wünsch mir
    viel Glück bei der Prüfung heute!«

    »Viel Glück!«, rief Um Ayat.

    Nachdem Ayat den Test in
    Geschichte geschrieben hatte,
    umarmte sie ihre beste Freundin.
    Dann lief sie zur Straße, die nach
    Jerusalem führt. Dort wartete der
    Mann, der sie zu ihrem Einsatzort
    fahren sollte.

    Rachel war jetzt seit etwa 50
    Minuten fort. Avigail wurde unruhig,
    als sie Sirenen hörte. Ambulanz.
    Polizei. Ein vertrautes Geräusch in
    dieser Stadt, wo der Terror Alltag
    ist, doch an diesem Tag entfernten
    sie sich nicht wie sonst. Sie hörte
    sie näher kommen.

    Der kleine Gemüsehändler nebenan
    hatte nicht gehabt, was Rachel
    suchte, also war sie mit dem Bus
    zum Supermarkt gefahren. Im
    Supersol-Markt füllten die Kunden
    ihre Einkaufswagen für den
    bevorstehenden Sabbat; die
    Brotregale waren schon fast leer.

    In dem Moment, als Rachel beim
    Supermarkt ankam, näherte sich
    auch Ayat. Sie scheuchte noch
    schnell die beiden arabischen
    Obstverkäuferinnen vor dem
    Eingang mit einer kleinen
    Handbewegung weg. Der Manager
    des Marktes erzählte später der
    Presse, dass er die beiden
    Mädchen kommen sah,
    dunkelhaarig beide und attraktiv.
    Beschwingt wie Freundinnen oder
    Schwestern, die gemeinsam
    shoppen. Gleichzeitig erreichten sie
    die gläserne Doppeltür.

    Keine zehn Kilometer entfernt
    versammelte sich die Familie Al-
    Akhras zum Mittagessen, im
    Hintergrund lief der Fernseher. Es
    war ungewöhnlich, dass Ayat sich
    verspätete. Sie warteten, dann
    begannen sie mit dem Essen. Am
    Spätnachmittag wurde das
    Programm für eine Sondermeldung
    unterbrochen: ein
    Selbstmordanschlag in Jerusalem.
    Sie drehten den Ton lauter. Ayat
    könnte ja nach der Schule mit einer
    Freundin nach Jerusalem gefahren
    sein - womöglich war sie in das
    Chaos nach dem Anschlag geraten.

    Avigail hatte jetzt Angst. Ihre
    Schwester hatte angerufen, dass es
    im Supermarkt ein
    Selbstmordattentat gegeben habe.
    Sie fuhren sofort hin. Es regnete in
    Strömen, der Markt war ein
    Schlachtfeld: Die Decke eingestürzt,
    Regale zerborsten, überall
    Scherben und Blut, Polizisten
    sicherten Spuren. Man ließ Avigail
    nicht durch, aber man versicherte
    ihr, dass es nur ein Opfer gegeben
    habe, den Wachmann.

    Avigail und ihr Bruder fuhren die
    Krankenhäuser ab, die
    Nachbarschaft, den Weg vom
    Supermarkt zu ihrer Wohnung. Es
    war früher Abend, als das Telefon
    klingelte, es waren Beamte. Welche
    Kleidung Rachel an diesem Tag
    trug, wollten sie wissen.

    Auch in Deheische klingelte das
    Telefon, und eines von Um Ayats
    Kindern nahm den Hörer ab. »Es
    war deine Schwester«, sagte
    jemand und legte auf. Vor dem
    Fenster in der Gasse feuerten jetzt
    Kämpfer der Al-Aksa-Brigaden mit
    ihren Gewehren in die Luft, und in
    den 20-Uhr-Nachrichten erschien
    auf dem Bildschirm Ayats Gesicht:
    Diese Frau habe sich selbst und
    zwei andere getötet, 28 weitere
    verletzt. Später strahlten sie ein
    Video aus, das Ayat vor ihrer Tat
    aufgenommen hatte: Ayat, blass,
    fast emotionslos, trägt einen
    Revolver in der Hand und das
    schwarz-weiße Palästinensertuch
    um Kopf und Schultern. Sie gibt sich
    als Mitglied der Al-Aksa-Märtyrer-
    Brigaden zu erkennen.

    »Im Namen Allahs, des
    Barmherzigen! Ich, lebende
    Märtyrerin, Ayat Al-Akhras, führe
    meine Mission allein für ihn durch.
    Allah ist größer als die
    Unterdrücker! Lasst dies einen
    Aufstand sein bis zu unserem Sieg!
    Den arabischen Führern sage ich:
    Genug geschlafen! Genug Betrug
    und genug Versagen, eure Pflicht
    für Palästina zu tun, während ihr
    jungen Frauen beim Kämpfen
    zuseht!«

    Um Ayat konnte sich nicht
    bewegen. Hatte ihr Mädchen nicht
    zur Schule gewollt? Hatte es nicht
    heiraten wollen? Nachbarn und
    Wildfremde strömten jetzt in ihr
    Haus. Ein Hamas-Führer und der
    Bürgermeister von Bethlehem
    kondolierten. Sie waren ehrfürchtig,
    manche fast hysterisch, weil sie sich
    im Haus einer echten Märtyrerin
    befanden. Mechanisch verteilte Um
    Ayat Kaffee.

    Avigail: »Um Ayat, selbst wenn ich
    meine Tochter hätte zwingen
    wollen, jemanden zu töten, wäre sie
    nicht dazu imstande gewesen. Weil
    sie wusste, dass Töten falsch ist.«

    Um Ayat: »Weil deine Tochter alles
    hatte und nicht unter Besatzung
    gelebt hat. Du redest von einer sehr
    komfortablen Warte aus.«

    Avigail: »Du machst die Besatzung
    für alles verantwortlich. Aber um
    das Problem zu lösen, müsstest du
    bei dir selbst anfangen!«

    Um Ayat: »Ich gebe dir recht. Aber
    unsere Lebensrealitäten sind sehr
    verschieden. Die Verbrechen sind
    nicht zu beschreiben! Morde -
    Bombardements - Zerstörungen!
    Das hat Ayat verrückt werden
    lassen!«

    Avigail: »Du hast viel Hass in dir.«

    Um Ayat: »Wie kann ich dich lieben,
    wenn du mir mein Land gestohlen
    hast, meine Heimat? Du musst
    begreifen: Wo Besatzung ist, ist
    auch Widerstand!«

    Avigail: »Das verstehe ich nicht.
    Kein Widerstand, nichts ist wichtiger
    als das Leben.«

    Um Ayat: »Sollen wir der Besatzung
    entgegentreten mit einem
    Rosenbouquet? Vielleicht auf einem
    Tablett aus Gold?«

    Avigail Levy hat sich eine eigene
    Theorie zurechtgelegt, warum Ayat
    zur Mörderin wurde. Vor einer Weile
    hat sie einen Palästinenser
    getroffen, er war zufällig aus
    Deheische. Er erzählte ihr von dem
    Gerücht, Ayat könnte einen
    Geliebten gehabt haben, einen
    verheirateten Anführer der Al-Aksa-
    Brigaden.

    Ayat war ein Opfer, sagt Avigail. In
    ihrem Alter denke man nicht an
    Politik, man denke an Jungs und an
    Zukunft. Erst habe man ihr den
    Hass ins Herz gepflanzt, dann sei
    sie von den Männern benutzt
    worden.

    Sechs Jahre ist es her, dass
    Avigails Leben in der
    Obduktionshalle des Jerusalemer
    Krankenhauses zum Stillstand kam,
    als sie tief einatmete und nie wieder
    ausatmen wollte. Sie lebt mit ihrem
    13-jährigen Sohn im Süden
    Jerusalems von 1000 Dollar Opfer-
    Unterstützung im Monat und ihrem
    schmalen Gehalt von der
    Stadtverwaltung. Den Fernseher
    braucht sie zum Einschlafen.

    Wie ein schweres, melancholisches
    Parfum hängt die Erinnerung an ihre
    Tochter in den Räumen. Nichts hat
    sie weggeworfen: nicht Rachels
    »Tommy Girl«, nicht ihre Teddys,
    nicht ihren Schmuck. Hätte sie das
    Geld, würde sie eine größere
    Wohnung mieten, sagt Avigail. Mit
    einem Zimmer nur für Rachel.
    Jeden Freitag fährt Avigail zu
    Rachels Grab. An dem glatten,
    weißen Stein hat sie einen Text von
    ihr angebracht. »Ich bin auf einer
    einsamen Insel«, hatte Rachel eine
    Woche vor ihrem Tod in ihr
    Schulheft geschrieben, »weit weg
    von der Stadt und dem Lärm, den
    Kriegen, den Menschen. Die Sonne
    scheint immer, der Sand ist weich.
    Ich schwimme im tiefen, blauen
    Wasser und vergesse, dass noch
    andere Menschen auf der Erde
    sind.«

    Nach Rachels Tod hatte Avigail alle
    von sich gestoßen. Sie ertrug es
    nicht, zu sehen, wie das Leben der
    anderen weiterging. Sie hasste das
    Mitleid. Morgens und abends nahm
    sie eine Pille Clonex, dreimal
    Prozac, zum Schlafen Stilnox. Du
    musst loslassen, sagten ihre
    Freunde. Aber Avigail konnte nicht
    loslassen.

    Sie verwandelte ihre Trauer in eine
    rastlose Suche. Sie ging zum
    Prozess eines Tansim-Milizionärs,
    der mehrere Selbstmordattentate zu
    verantworten hatte. Sie besuchte
    gescheiterte Attentäterinnen im
    Gefängnis. »Hat dich jemand
    gezwungen?«, fragte sie ein
    Mädchen, dessen Bombe nicht
    gezündet hatte.

    »Nein, niemand.«

    »Bereust du, was du getan hast?«

    Sie schüttelte nur den Kopf.

    Avigail fuhr drei Stunden mit dem
    Auto zu einem Gefängnis im
    Norden, um den Mann zu treffen,
    der Ayat zum Supersol-Markt
    gefahren hatte. Ob sie miteinander
    gesprochen hätten, fragte sie ihn.
    Der Mann lächelte. Er habe Ayat
    angeboten umzukehren, doch sie
    habe gesagt: »Nein, ich will töten.«

    In Avigails Kopf rotierten Fragen.
    Warum sprengt sich eine 17-Jährige
    in die Luft? Warum hassen sie uns
    so? Sie dachte an die andere
    Mutter. Sie wollte sie treffen, in ihre
    Augen sehen.

    Es war ein strahlender
    Spätsommertag, als es endlich so
    weit war. Avigail saß nervös vor
    dem Bildschirm in ihrem
    Wohnzimmer, sie trug ihr Haar
    offen, frisch frisiert, und ein grünes
    T-Shirt. Zur selben Zeit steuerten
    Um Ayat und Mohammed ihren
    Wagen zum Gemeindezentrum in
    Bethlehem. Normalerweise finden
    dort Hochzeiten und Englischkurse
    statt, jetzt wurde Um Ayat verkabelt,
    um über ein Satellitentelefon mit
    Avigail zu sprechen.

    Vier Jahre waren inzwischen
    vergangen und alle Versuche, sich
    zu treffen, gescheitert. Um Ayat und
    Mohammed durften nicht nach
    Israel einreisen, und als Avigail sich
    eines Tages auf den Weg nach
    Deheische gemacht hatte, überkam
    sie die Angst. Sie kehrte um.
    Schließlich hatte die
    Dokumentarfilmerin Hilla Medalia
    die Idee, sie via Bildtelefon zu
    verbinden. Das Gespräch der
    beiden Mütter ist der Höhepunkt
    ihres Films To Die In Jerusalem.

    Um Ayat nahm zögernd in dem
    Raum Platz, sie war ganz in
    Schwarz gekleidet, ihre Augen
    blickten ernst hinter ihrer schmalen
    Brille. Dann erschien vor ihnen auf
    dem Bildschirm Avigail.

    Avigail: »Um Ayat, denkst du
    manchmal an meine Tochter?
    Siehst du sie im Traum wie ich
    deine?«

    Um Ayat: »Sehr oft.« (Sie schluckt.)
    »Aber ich will dich fragen: Wie
    können wir Frieden bekommen?«

    Avigail: »Geh als Mutter ins
    Fernsehen und sage allen
    palästinensischen Müttern, dass
    das, was deine Tochter getan hat,
    der falsche Weg ist. Dass alles, was
    davon übrig blieb, ein Loch in
    deinem Herzen ist.«

    Um Ayat: »Wenn wir unsere Rechte
    zurückbekommen haben und
    unsere Kinder aus den
    Gefängnissen freigelassen werden,
    wenn unsere Häuser wieder
    aufgebaut werden, dann würde ich
    das tun.«

    Avigail: »Weißt du, ich bin so
    enttäuscht von dir. Alles, was du
    aussendest, sind Signale des
    Hasses.«

    Um Ayat: »Sei nicht enttäuscht. Ich
    bin nur ehrlich. Ich fordere Frieden,
    aber das palästinensische Volk wird
    niemals kapitulieren! Und auch
    wenn Ayat tot ist, es wird noch
    Millionen von Ayats geben!«

    Avigail: »Um Ayat, es tut mir leid,
    dass es so endet. Wenn ich dir
    zuhöre, verliere ich jeden
    Optimismus.«

    Um Ayat und Avigail hatten Tränen
    in den Augen, sie rangen
    miteinander, schrien sich an, und
    manchmal wirkte es, als offenbarten
    sie in ihrem Ringen die ganze
    Geschichte dieses Konflikts, die
    Unfähigkeit zweier Völker,
    aufeinander zuzugehen.

    Es war ein Versuch, das
    Unmögliche zu tun, die Trauer zu
    teilen, aber im Film sieht man, wie
    sie daran scheitern, die jeweils
    andere zu verstehen. Fast vier
    Stunden sollte ihr Gespräch dauern,
    keine von ihnen wollte es beenden.
    Schließlich versagte die Technik.

    »Wie geht es ihr?«, erkundigt sich
    Um Ayat zwei Jahre später in ihrem
    Wohnzimmer. »Weint sie viel?« Seit
    damals haben sie nichts
    voneinander gehört. Um Ayat sagt,
    sie habe nicht erwartet, dass Avigail
    so fanatisch sei. Diese Frau wirke
    traurig, aber sie sei auch so
    selbstgewiss. Sie habe nichts
    verstanden.

    Ob sie sich irgendwann bei Avigail
    Levy entschuldigen möchte?

    »Sie ist ein Opfer wie ich«, sagt Um
    Ayat, und es sind fast dieselben
    Worte, die Avigail wählen würde.
    Dann macht Um Ayat eine Pause
    und flieht in die Politik. »Sie hätte
    mit ihren Kindern nicht herkommen
    sollen nach Jerusalem. Es ist nicht
    ihr Land.«

    Um Ayats Augen sind von Schatten
    umrandet. Aber ihr Lächeln hat fast
    etwas Jugendliches. 25 Enkel hat
    sie, die drei jüngsten heißen Ayat.
    Wie ein dämpfendes Polster hat sie
    einen Sinn um Ayats Tod
    konstruiert: Ayat ist im Kampf für die
    palästinensische Sache gefallen.
    Wenn die Zweifel drängender
    werden, betet sie. »Es war nicht
    leicht«, sagt sie. Israelische
    Zeitungen schrieben, Ayats Eltern
    hätten sie in den Tod geschickt,
    damit sie ihnen Ruhm und Reichtum
    bringe, Ayat sei schwanger
    gewesen, Ayat sei feige.

    Seit Ayats Tod macht Mohammeds
    Herz Probleme. Die israelische
    Baufirma hat ihn entlassen. Ihre
    Tochter Senat musste ihr
    Jurastudium abbrechen, ihre Söhne
    dürfen die Palästinensergebiete
    nicht mehr verlassen. Oft haben die
    israelischen Soldaten ihnen mit der
    Sprengung ihres Hauses gedroht.
    Zuletzt trieben sie die Familie mitten
    in der Nacht auf die Straße. »Wer
    sich bewegt, wird erschossen!«,
    brüllten sie. »Der Hass pflanzt sich
    fort«, sagt Um Ayat, streift den
    Gebetsschleier über und geht nach
    nebenan.

    Es war alles umsonst, sagt Avigail
    Levy. Nicht eine einzige Antwort hat
    sie gefunden. Sie wollte von Mutter
    zu Mutter reden, aber Um Ayat sah
    in ihr nur Israel. Avigail schüttelt den
    Kopf. »Sie war eiskalt.«

    Avigail ist unendlich müde. Sie
    meidet heute die Palästinenser und
    zwingt sich, nach vorn zu schauen.
    Sie sagt, sie wolle Rachel nun
    ruhen lassen, endlich weiterleben
    für ihre anderen Kinder. Vor einer
    Weile hat sie von Rachel geträumt.
    »Ich weiß doch, dass du mich nie
    vergessen wirst«, hat sie gesagt,
    »geh schlafen, Mama, ich bin
    okay.« Seitdem hat Avigail das
    Amulett mit Rachels Bild, das sie
    jede Sekunde um den Hals trug,
    sorgfältig in einer Schublade
    verstaut. Vor sechs Monaten hat sie
    ihre Therapie abgeschlossen.

    »Wir machen Fortschritte«, sagt
    Avigail. Im Sommer will ihr ältester
    Sohn Guy heiraten. Er hat ihr
    Enkelkinder versprochen. Und vor
    ein paar Wochen war Kobis Bar-
    Mizwa-Feier. Nur einmal hat sie
    Rachel in ihrer Ansprache kurz
    erwähnt.

    Als Avigail am nächsten Tag ihre
    Angehörigengruppe von Intifada-
    Opfern besucht, haben sie ein
    neues Mitglied. Ein Israeli, der seine
    schwangere Frau und seine drei
    Kinder verloren hat. Ein
    Palästinenser hat ihren Wagen im
    Gaza-Streifen angehalten, dann hat
    er sie erschossen, einfach so.

    Quelle: Die Zeit Magazin
    Artikelnr:
    A44373864
    Donnerstag 08.01.2009

    _________________________


    Dieser Artikel hatte mich heute zum Weinen gebracht...


    LG -Aaron-

  7. #17
    dyon
    Gast

    AW: Israel

    Leute in schizophrener Konstellation machen unvernünftige Sachen. Sollte jedem bekannt sein.

+ Antworten
Seite 2 von 2 ErsteErste 1 2

Ähnliche Themen

  1. Bin Laden droht Israel mit heiligem Krieg
    Von dyon im Forum Allgemeine Diskussionen
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 30.12.2007, 11:27
  2. Ufo in Israel gelandet?
    Von Thomas im Forum Allgemeine Diskussionen
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 15.12.2005, 08:27

Stichworte

Lesezeichen

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
Creative Commons Lizenzvertrag
Diese Webseite ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48