Wer sich ein wenig in der Esoterik-Szene umsieht, stößt eher früher als später auf die Idee, dass wir selbst es sind, die unsere Wirklichkeit – nicht nur die subjektive, sondern auch die "Außenwelt" – kraft unseres schöpferischen Geistes erschaffen oder zumindest erheblich beeinflussen können. Bestseller wie die Seth-Bücher und die Gespräche mit Gott haben diese Sichtweise ebenso populär gemacht wie die Bestellungen beim Universum oder Das LOLA-Prinzip.
Diese Idee ist natürlich reizvoll, verspricht sie doch die Möglichkeit, die eigene Wirklichkeit weitaus umfassender zu steuern, als es mit bloßen äußerlichen Taten möglich wäre – der Weg zum Glück scheint damit nur mehr eine Frage der gezielten Lenkung der eigenen Schöpferkraft zu sein, durch die die vielen scheinbaren Zufälle in unserem Leben in die gewünschte Richtung beeinflusst werden können.
Wie realistisch ist diese Einschätzung? Und was nicht minder interessant ist: Inwieweit untermauert die Naturwissenschaft die These vom schöpferischen Bewusstsein?
Wirft man einen Blick in die moderne Physik, so stellt sich heraus, dass Wirklichkeit und Bewusstsein tatsächlich kaum zu trennen sind. In der Quantenphysik werden Elementar"teilchen" – die Grundlage der materiellen Welt – nicht als substantielle Objekte, sondern als Wahrscheinlichkeitswellen beschrieben. Erst der Akt der Beobachtung lässt aus einem solchen unscharfen und im Raum verteilten Gebilde ein reales "Teilchen" an einem bestimmten Ort entstehen. Wie dieser Übergang vom "Virtuellen" zum "Realen" genau funktioniert, ist bis heute strittig.
Die am weitesten verbreitete "Kopenhagener Deutung" wirft gewisse logische Probleme auf, daher wurden verschiedene alternative Erklärungsmodelle entworfen. Die vielleicht populärste ist die "Viele-Welten-Deutung", die von der Existenz zahlloser paralleler Realitäten ausgeht. In jeder dieser Realitäten haben die Elementarteilchen klar definierte Eigenschaften. Solange allerdings niemand ganz genau hinsieht, überlagern sich viele dieser Realitäten zu dem unscharfen Gebilde, das als Quantenwelle (Wahrscheinlichkeitswelle) bekannt ist. Erst die exakte Beobachtung einer bestimmten Teilcheneigenschaft zwingt diese zum Erscheinen – mit anderen Worten: Die alternativen Realitäten werden vom Beobachter ausgeblendet, so dass nur noch eine übrig bleibt. Der Beobachter hat diese Wirklichkeit also tatsächlich "erschaffen", indem er sie aus einer Vielzahl paralleler Realitäten (bewusst oder unbewusst) "ausgewählt" hat.
Die Entstehung der Realität - Wie das Bewusstsein die Welt erschafft
Buch: Die Entstehung der Realität
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