Jeder kann an sich arbeiten, um in ein besseres seelisches Gleichgewicht zu kommen. Jahrtausendelang haben Philosophen, Weise, Heiler, Schamanen, Ärzte und Psychologen nach Merhoden gesucht, die Seele des Menschen in einen permanenten Glückszustand zu setzen. Jeder Lehrer der Weisheit hat seinen eigenen Ansatz und seine eigene Lehrmethode. Der Medizinmann Smohalla z.B. sieht den Weg im Traumkult und seinen Tänzen und Liedern, Buddha in der meditativen Konzentration zum Loswerden aller negativen und destruktiven Emotionen, der pragmatische Scott Nearing in der Tugend der bescheiden-tätigen Lebensweise oder der Stoiker in der Erkenntnis seiner selbst, indem er seinen Anlagen gemäß lebt und nicht nach etwas strebt, das dem eigenen Charakter fremd ist.
"Kein Hass, kein Neid, keine Besitzgier. Arbeite und entwickle Selbstvertrauen" sagt ein buddhistischer Lama in Ladakh. Dieses an sich selbst arbeiten bewirkt in jedem Fall positive Veränderungen der Psyche. Jeder, der einmal ein Instument gelernt hat, kennt den mühevollen Weg von den ersten Fingerübungen bis zum ersten anhörbar gespielten kleinen Stück. Aber er kennt auch das Glücksgefühl, das sich einstellt, wenn die Harmonie der schön gespielten Komposition die eigene Seele erfüllt und auf die Zuhörer überspringt. Plötzlich herrscht Glückseligkeit. Man kann sie im Raum spüren. Die Gesicher des Auditoriums glänzen vor Freude. Und Ebenso ist es, wenn man eine Mozart-Oper hört oder in einem Musical vor Begeisterung vergisst, was einen bedrückt, ein Gebäude oder einen Park von vollkommener Harmonie betritt, das Wunder eines kleinen stimmigen Gedichtes erlebt, einen berührenden Film sieht, die faszinierende Schönheit eines Bildes erkennt oder mit einem geliebten Menschen in seelischem Gleichklang ist. In diesen Momenten oder Stunden fallen alle Sorgen und Ängste von einem ab. Himmlische Schönheit umgibt uns. Die Seele ist eins mit allem. "Eines zu sein mit allem, das ist das Leben der Götter, das ist der Himmel des Menschen", sagt Friedrich Hölderlin.
Wie kann dieses Glücksgefühl in einen permanenten Zustand verwandelt werden? Ist das überhaupt möglich? Denn es gibt ja auch die dunkle Seite, die mit ihrer negativen Energie über jeden Einzelnen herfällt und ständig dabei ist, Harmonie und Schönheit zu zerstören.
Wenn Luther von Depressionen befallen wurde, sang und spielte er und kämpfte so "mit der Laute gegen den Teufel". Wer das Glück hat, in einer schönen Umgebung aufzuwachsen und zu leben, weiß das erst richtig zu schätzen, wenn es ihn in deprimierende Gegenden verschlägt. Die Hässlichkeit verwüsteter und verrottender Industriegebiete, wo auch immer, strahlen nicht nur Hoffnungslosigkeit, sondern auch Aggressivität ab. Die Gefühle werden negativ, der Umgang miteinander wird hart. Eine schleichende Krankheit der zerstörerischen seelischen Kräfte breitet sich wie eine Eidemie aus.
Kunstwerke sorgen für eine Art seelischer Massage, Kunst tröstet. Deshalb hat Kunst im Leben des Menschen eine ungeheure Bedeutung. Denn was nützt permanenter Geldsegen, permanenter Konsum, permanente Anstrengung, um Luxusgüter zu erlangen, wenn ich nicht glücklich bin. Kunstwerke geben uns Einblicke in schönere Welten. Doch Kunst, die unsere Seelen erfreut, kommt immer von außen. Die wirkliche Freude sollte aus der eigenen Seele kommen.
Aus: "Die Kunst der Bescheidenheit"
von Michael Korth
Liebe Grüße,
Viola![]()



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