Der Schlüssel ist ein uraltes, geheimnisvolles Symbol. Denken wir an den großen, goldenen Schlüssel, den der heilige Petrus auf vielen Darstellungen bei sich trägt. Mit ihm kann er uns das Himmelstor aufschließen und die Tür zum Paradies öffnen.
Ein kleiner, silberner Schlüssel als Schmuckstück um den Hals gehängt, soll die Tür zum Herzen des Liebsten öffnen. Er zeigt "du hast den Schlüssel zu meinem Herzen gefunden". In einem alten, deutschen Lied heißt es: "Du bist beschlossen in minem Herzen, verloren ist das Schlüzzelin". Der Schlüssel als Schmuckstück hat aber nicht nur Bedeutung in Liebesdingen. Er gilt auch als ein Instrument, um zu Weisheit zu gelangen. Er schließt dem Träger Räume zu verborgenem Wissen auf, in die er sonst nicht gelangen würde.
Einen ganz anderen Sinn hat ein möglichst großer alter Eisenschlüssel, den man sich in Norddeutschland unter die Matratze legt. Er soll nämlich dafür sorgen, dass die Potenz dessen, der auf ihm schläft, erhalten bleibt.
Diebe und unrechtmässige Eindringlinge, wie z.B. neugierige Schwiegermütter, sollen durch folgenden Brauch abgehalten werden. Sammeln Sie einen Satz alter Schlüssel, und zwar genau so viele, wie Ihre Wohnung Türen hat. Gehen Sie im Haus umher und berühren Sie mit jedem der Schlüssel eine Türe. Dazu sprechen Sie: "Schließ aus die Diebe nacht, Schließ aus die Diebe tags, Mach uns unsichtbar für sie." Sprechen Sie diesen Spruch bei jeder einzelnen Tür, dann binden Sie alle Schlüssel mit einem roten Band zusammen, verknoten es dreimal und hängen es über die Eingangstüre.
Drei alte Schlüssel an einer Kette in der Hosentasche oder am Gürtel bei sich zu tragen bedeutet: Gesundheit, Liebe und Wohlstand. Ein kleiner goldener oder silberner Schlüssel an einer Halskette getragen, vermittelt dem Gegenüber, dass der Träger ein Geheimnis hat und noch viel mehr. Es zeigt auch, dass er dieses Geheimnis gerne teilen würde. Ein solcher Schlüssel als Schmuckstück ist zugleich eine Aufforderung, dass hier jemand darauf wartet, dass das "Sesam, öffne dich" doch endlich gesprochen wird. Der Träger soll sich also über entsprechende Angebote nicht wundern.
Es soll auch Glück bringen, einen alten Schlüssel mit sich herumzutragen. Wichtig dabei ist nur, dass dieser Schlüssel zu keinem bekannten Schloss mehr gehört und zu keiner Türe passt. Einen alten Schlüssel bei sich zu tragen bedeutet auch, dass wir in die Lage versetzt werden, Geheimnisse zu entdecken und wer wollte das nicht. Ein alter, rostiger und denoch schön geformter Schlüssel hat etwas Geheimnisvolles an sich. In uns entsteht sofort die Vision einer Tür, die aufgeschlossen werden könnte und hinter der sich unendlich Anziehendes, Spannendes und Faszinierendes verbirgt. In alten Zeiten, als es die modernen Edelstahl-Einheitsschlösser noch nicht gab, waren Schlüssel kleine oder größere Meisterwerke. Bart und Griff waren schön geformt, oft mit Mustern und Ornamenten durchbrochen, ziseliert, verziert. So trägt jeder Schlüssel in sich die Verheißung einer Tür, die damit geöffnet werden könnte.
Nicht umsonst haben wir die Mode der Schlüsselanhänger. Was es da nicht alles gibt, von plüschigen Tierchen, echten Hasenschwänzen bis zu Sternzeichen, winzigen Taschenlampen, Namensschildchen, Initialen aus Leder oder Metall, Anhänger mit einem Foto des Liebsten, das Lieblingstier in Silber oder ein Emblem des Lieblingssports, ein Wappen, ein Halbedelstein, .... All diese Anhänger zeigen uns, wie wichtig es ist, einen Schlüssel zu besitzen, mit dem wir etwas auf-, aber auch wieder verschließen können.
In der ganzen Welt wussten die Menschen, wie wichtig es ist, seinen eigenen intimen Bereich zu haben. Türen sind sowohl Ein- als auch Ausgang, sie müssen geschützt werden. Aus diesem Grund haben sich Menschen die verschiedensten Möglichkeiten und Gebräuche erdacht. Sie versahen die Außenwände ihrer Häuser mit Schutzzeichen, sie vergruben geweihte Gegenstände unter der Schwelle, damit ja nichts Böses durch die Tür gelangen konnte.
Aus: "Der magische Haushalt"
von Monnica Hackl
Liebe Grüße,
Viola![]()



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