Hallo Luigi,
ich erzähle mal, was ich so erlebt habe.
Meine Nachbarin, Kindheitsfreundin, ist verheiratet und damals, vor einigen Jahren, waren ihre
Kinder noch klein.
Ich ging in den Wald um Akazienblüten zu holen. Da sah ich auf einer Waldbank den Mann meiner Freundin gemeinsam mit einem fremden, schönen, blonden Mädchen in inniger Umarmung sitzen,...
Ein paar Wochen später sah ich ihn zufällig am Bahnhof in einer versteckten Ecke ein dunkelhaariges Mädchen küssen.
Einige Tage darauf kam meine Freundin und erzählte mir, dass sie so ein ungutes Gefühl habe. Ihr Mann scheint sich gar nicht mehr für die Familie zu interessieren, ist so oft fort und wenn er daheim ist, scheint es, als wenn er mit seinen Gedanken weit weg wäre. Sie fragte mich, ob ich mir vorstellen könne, ob er vielleicht untreu sei, ob er irgendwo eine Freundin habe?
Ich wusste, dass dieser Mann die ganz große Jugendliebe meiner Freundin war und sie ihn auch noch in der Ehe anbetete. Ich habe keine Sekunde nachgedacht, sondern sagte: "Dein Mann?? So wie ich ihn kenne - niemals!!!!!!!" Ich meinte zu ihr, dass er vielleicht derzeit etwas mehr Zeit für sich
selbst braucht um über sein Leben, Beruf,.. nachzudenken und riet ihr, einfach nur lieb zu ihm zu sein und ihm ein bisschen Zeit zu geben, dann wird schon alles wieder werden. Es hat dann schon noch so ca. ein halbes Jahr gedauert, bis er wieder der alte war. Später habe ich ihn dann mal unter vier Augen darauf angesprochen. Da erschrak er ganz schön, war aber sehr froh, dass ich gegenüber seiner Frau gelogen hatte. Er erklärte es mir so, dass er sich damals in einer Krise befunden hatte und Selbstbestätigung bei anderen Frauen suchte. Aber schließlich hat er dann
selbst erkannt, welchen Mist er gebaut hat und gab dieses flatterhafte Leben wieder auf, um sich fortan nur mehr seiner Familie zu widmen.
Wenn ich damals meiner Freundin brühwarm die Wahrheit gesagt hätte - das hätte einen großen Ehekrach gegeben!! In ihr wäre etwas zerbrochen. Auch nach einer eventuellen Versöhnung wäre ihre
Liebe und das
Vertrauen zu ihm nie mehr so gewesen wie vorher. Möglicherweise wäre es sogar zur Scheidung gekommen und die kleinen
Kinder hätten ihren Vater nur mehr selten gesehen.
Wenn ich heute sehe, wie glücklich diese Nachbarn miteinander sind und welch schönes Familienleben sie haben, dann bereue ich es nicht, damals gelogen zu haben.
Ein anderes Beispiel für eine kleine Lüge:
Als mein älterer Sohn die Volksschule besuchte, war er nicht dumm, aber sehr faul. Da eröffnete mir seine Klassenlehrerin beim Elternsprechtag, dass sie ihn, wegen seiner katastrophalen Leistungen in Mathematik, nicht in die nächste Klasse wird aufsteigen lassen können! Das war eine ältere, sehr
liebe Lehrerin und sie verleitete mich zum Lügen!! Sie meinte, ich solle davon meinem Mann gar nichts sagen. Das wäre besser so. Denn die meisten Männer regen sich furchtbar auf, kriegen einen Wutanfall, schreien herum, wollen das Kind bestrafen, ihm alles verbieten, kein Taschengeld mehr, kein Fernsehen mehr,... Aber man darf ein Kind nicht unglücklich machen, es nicht seelisch fertig machen, es nicht deprimieren, wenn man möchte, dass es gut lernen soll!!!! Das sei der falsche Weg. Das Einzige, was wirklich hilft, ist, dem Kind den Lehrstoff auch daheim nochmals gut zu erklären, damit es sich wirklich auskennt und dann von ihm verlangen, dass jeden Tag fleißig geübt wird.
So habe ich das dann auch gemacht. Meinem lieben Mann habe ich gesagt, dass unser Sohn durchschnittlich in der Schule ist, alles in Ordnung sei. Und das Söhnchen musste jeden Tag, auch am Wochenende und in den Ferien, konsequent üben. Bei der nächsten Schularbeit in Mathematik war er dann einer der Besten und natürlich ist er in die nächste Klasse aufgestiegen.
Liebe Grüße,
Viola

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