Dass Meditation auf allen Ebenen zu einer glücklicheren Lebensführung verhilft, ist altbekannt. Inzwischen lässt sich über Aufzeichnungen der Gehirnaktivität mit funktionellem Magnetresonanz Imaging (fMRI) auch aufzeigen, dass allein das im Rahmen der Aufmerksamkeitsmeditation empfohlene Benennen negativer Emotionen durch Worte die Gefühlszentren des Gehirns beruhigt:

Der Psychologe Matthew Lieberman und seine Kollegen untersuchten 30 freiwillige Versuchspersonen mittels fMRI, wodurch sich jederzeit genau feststellen lässt, welche Gehirnregionen aktiviert sind. Sie zeigten den Versuchspersonen Gesichter von Männern und Frauen mit einem bestimmten Gesichtsausdruck. Unter jedem der Bilder fanden sich mögliche Beschreibungen des entsprechenden Gesichtsausdrucks, wie "ängstlich" oder "zornig", oder aber Zuordnungen des Gesichtsausdrucks zu männlichem oder weiblichem Geschlecht. Die Versuchspersonen sollten jeweils die passende Beschreibung des Gefühls auswählen, den das Gesicht zum Ausdruck brachte:

Wenn die Versuchspersonen die entsprechenden Gefühle, welche das Gesicht zum Ausdruck brachte, in Worte fassten, kam es zu einer Beruhigung der Amygdala, das heißt jenes Gehirnzentrums, das für Gefühlsverarbeitung zuständig ist. Gleichzeitig kam es zu einer Aktivierung der ventrolateralen präfrontalen Gehirnrinde. Das ist eine Region, die zuständig ist für die sprachliche Verarbeitung von Gefühlen. Dem gegenüber ergab sich keine Änderung in der Gehirnaktivität, wenn lediglich eine Zuordnung der Gesichter zu den verschiedenen Geschlechtern erfolgte, also keine emotionale Komponente vorlag.

In einer zweiten Versuchsreihe hatten 27 der Versuchsteilnehmer einen Fragebogen auszufüllen, mit dem das Aufmerksamkeitsniveau bestimmt werden sollte: Bekanntlich dienen ja die Meditation und andere Techniken der Bewusstseinserweiterung dazu, sich der augenblicklichen Gefühlslage und der momentanen Gedanken bewusst zu werden, ohne jedoch gefühlsmässig darauf zu reagieren. In vielen Meditations-Traditionen ist es üblich, die momentanen Gefühle zu benennen und dann loszulassen.

Verglich man die Gehirnaufzeichnungen des fMRI von Meditierenden mit denen der anderen Versuchsteilnehmer, so konnte ein hochsignifikanter Unterschied festgestellt werden: Die Meditierenden hatten eine starke Aktivierung der ventrolateralen präfrontalen Gehirnrinde bei gleichzeitiger Beruhigung der Amygdala.

Fazit: Die vorstehenden Studien begründen erstmals auf exakter Grundlage, warum die von den Buddhisten seit jeher empfohlene Aufmerksamkeitsmeditation eine so fantastische Wirkung im Alltag entfaltet. Gleichzeitig erhellen diese Studien den Sinn des Märchens von Rumpelstilzchen: In dem Moment, da man den Namen des Dämons kennt, der einen quälen will, wird seine Macht gebrochen. Und schließlich wird anhand der Studienergebnisse auch verständlicher, warum Buddha auf die Frage, ob er Gott oder ein Engel oder sonst etwas sei, lediglich zur Antwort gab: Ich bin weder Gott, noch Engel, sondern "ICH BIN BEWUSST".

Von J. Probst aus "Natürlich leben!"

Liebe Grüße,
Viola