In unserem christlichen Abendland hat sich die Ansicht verbreitet, dass Helfen an sich immer und überall wichtig und wertvoll ist. Die Folge waren so seltsame Erscheinungen wie das Helfer-Syndrom, die neurotische Störung, die Menschen dazu bewegt, sich so sehr auf die Probleme anderer Leute zu stürzen, dass sie nicht mehr bemerken müssen, wie groß eigentlich ihre eigenen sind. Helfen als Technik zur Verdrängung und Betäubung des Bewußtseins seiner selbst.
Dabei erwischt man zwei Fliegen mit einer Klappe: Erstens kann man sich groß und stark und gesund fühlen, solange man umgeben ist von Menschen, denen es sichtlich schlechter geht als einem selbst und zweitens gewinnt man kräftig an Sozialprestige, weil man sich doch so edel und selbstlos einstzt. Kaum jemand mißtraut den Motiven eines professionellen Helfers oder kann sich gegen soviel guten Willen wehren. Schließlich will man doch nicht als undankbar gelten. "Helfen" kann auch eine gut getarnte Strategie sein, Macht auszuüben und Abhändigkeit zu erzeugen.
Von Schamanen habe ich gelernt, dass Helfen nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen ein Akt der liebevollen Zuwendung ist, der dem Kranken oder Hilfsbedürftigen wirklich zugute kommt. Und hier sind die drei Regeln:
1. Derjenige, der Hilfe braucht, muss um Hilfe bitten.
2. Derjenige, der Hilfe braucht, muss die Verantwortung für sein Problem übernommen haben.
3. Derjenige, der um Hilfe gebeten wurde, muss für sich selbst herausfinden, ob es für ihn hier und jetzt richtig ist zu helfen oder zu heilen.
Ein besonders schwieriger Aspekt besteht darin, dass wir auch herausfinden müssen, ob wir durch unser durchaus erbetenes Eingreifen nicht wichtige Lernschritte des anderen verhindern. Ob wir nicht den Leidensdruck allzufrüh mindern und dadurch einen Zustand perpetuieren, in dem keine Entwicklung stattfinden kann und daher schmerzliche Erfahrungen wiederholt werden müssen. Manchmal bedarf es der "grausamen Liebe", die sich verweigert, um eine Konstellation der Abhängigkeit aufzulösen. Liebe und tätige Hilfe kann auch darin bestehen, die Probleme des anderen als ausschließlich seine zu akzeptieren und sich entgegen seinem Wunsch nicht einzumischen. Besonders in Eltern-Kind-Beziehungen tritt dieses Dilemma auf.
Aus: "Magie ist keine Hexerei"
von Eva Ulmer-Janes
Menschen, die süchtig sind, z.B. nach Alkohol, die verdrängen das ja gern und wollen es sich selbst nicht einmal eingestehen und einem anderen schon gar nicht. Darf man so jemandem auch nicht Hilfe anbieten, auch wenn sein Problem so offensichtlich ist und er seine Arbeit nicht mehr bewältigen kann,... ? Ich nehme an, als Arbeitskollege darf man ihm bei der Arbeit schon helfen, ihn enlasten, weil er es allein nicht mehr schafft?![]()
Ich denke, wichtig ist immer, dass man als Kranker niemals alle Verantwortung an andere abgibt, sondern dass man immer aktiv an der eigenen Heilung mitarbeitet.
Liebe Grüße,
Viola![]()



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