Es mag ironisch klingen, aber einen Feind zu haben ist in gewisser Weise durchaus nützlich, weil wir uns dann in Geduld und Toleranz üben können; dies ist notwendig, wenn wir aufrichtiges Mitgefühl und echte Liebe entwickeln wollen.
Geduld und Toleranz können wir nicht von einem Guru oder Freund lernen. Wir können sie nur üben, wenn wir tatsächlich mit jemandem zusammenkommen, der uns unerfreuliche Erfahrungen bereitet. Laut Shantideva sind Feinde wirklich gut für uns, da wir viel von ihnen lernen und unsere innere Stärke aufbauen können.
Ein Feind ist Gewinn ohne Mühe,
ein Schatz, gefunden im eigenen Haus;
er sollte mir lieb sein als Helfer
auf meinem Weg zur Befreiung.
Wir sind angewiesen auf Menschen, die uns schaden und damit unsere Geduld auf die Probe stellen. Auf einen wirklichen Feind, der uns zwingt, Geduld zu üben, trifft man eigentlich selten, darum sollten wir uns über die Begegnung mit ihm freuen und sie zu nutzen wissen. Wir könnten nun vielleicht einwenden: "Warum jemandem dankbar sein, der gar nicht die Absicht hatte, uns zu etwas Positivem wie der Übung von Geduld zu veranlassen? Dankbarkeit ist doch nur dem gegenüber angebracht, der uns Gutes will."
Der Dharma, der uns Methoden lehrt, den Leiden des Daseineskreislaufs ein Ende zu setzen, kommt auch absichtslos den Lebewesen zugute. Wäre er deshalb unserer Verehrung etwa nicht würdig? Obwohl ein Feind die Absicht hat, uns Schaden zuzufügen, ist es richtig, ihm dankbar zu sein, weil er uns den Anlass gibt, Geduld zu üben. Menschen, die uns nicht mit voller Absicht schaden wollen und damit unseren Hass provozieren, können diese Funktion nicht erfüllen. Einen Arzt, der uns große Schmerzen zufügt, etwa, indem er uns ein Bein amputiert, werden wir dafür nicht hassen können - es fehlt ihm ja die Absicht, uns zu schaden. Friede.
Aus: "Mitgefühl" vom Dalai Lama
Also ist es richtig und gut so, wenn wir nicht von allen Menschen geliebt werden. Weil oft denken wir, es müsste so sein.
Liebe Grüße,
Viola![]()



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