Gewisse Seelen wurden so schwer geschädigt, dass sie vom allgemeinen Strom der Seelen zurück in eine geistige Heimat getrennt wurden. Verglichen mit allen heimkehrenden Wesenheiten ist die Zahl dieser abnormen Seelen nicht gross. Was mit ihnen auf der Erde passiert ist, ist jedoch von großer Bedeutung, da es ernthafte Auswirkungen auf andere inkarnierte Seelen hatte.
Es gibt zwei Arten verirrter Seelen: diejenigen, die die Tatsache, dass ihr physischer Körper tot ist, nicht akzeptieren und sich gegen die Rückkehr in die geistige Welt aus persönlichen Ängsten wehren und diejenigen Seelen, die durch kriminelle Abnormitäten im menschlichen Körper irregeführt wurden oder Komplizen solchen Verhaltens waren. Im ersten Fall ist die Verirrung Folge einer persönlichen Entscheidung der betreffenden Seele, während im zweiten Fall diese Seelen von den geistigen Führern für eine unbestimmte Zeit absichtlich von weiteren Kontakten mit anderen Seelen ferngehalten werden. In beiden Situationen geben sich die geistigen Führer große Mühe mit der Rehabilitation der Seelen, aber da die Umstände für beide Arten von Seelen sehr verschieden sind, werde ich sie sparat abhandeln.
Die erste Art ist das, was wir allgemein Gespenster nennen. Diese Geistwesen weigern sich, nach ihrem physischen Tod heimzukehren und haben oft einen unangenehmen Einfluss auf diejenigen von uns, die ihr menschliches Leben in Frieden zu Ende führen möchten. Diese verirrten Seelen werden manchmal fälschlicherweise als "dämonische Geister" bezeichnet, weil ihnen nachgesagt wird, dass sie das Bewusstsein anderer Menschen mit bösen Absichten besetzen. Das Thema der negativen Geister hat zu ernsthaften Nachforschungen auf dem Gebiet der Parapsychologie geführt. Unglücklicherweise hat dieses Gebiet der Spiritualität auch eine Anzahl Skrupelloser und Okkultisten angezogen, die die Emotionen labiler Menschen ausnutzen.
Die verwirrte Seele ist ein unreifes Wesen, das nicht abgeschlossene Angelegenheiten aus einem vergangen Leben auf der Erde mitträgt. Diese Dinge müssen nicht unbedingt etwas mit der lebenden Person zu tun haben, die sie belästigen. Es trifft zu, dass manche Menschen anfälliger und für negative Geister empfänglich sind, die ihre missmutige Natur ausdrücken wollen. Das heißt, dass ein Mensch in tiefem meditativem Bewusstseinszustand zufällig störende Signale von einem nicht mehr inkarnierten Wesen auffangen kann, dessen Mitteilungen frivol bis provokativ sein können. Diese unruhigen Geister sind keine spirituellen Führer. Echte Führer sind Heiler und drängen sich nicht mit bösartigen Botschaften auf.
Meistens sind diese ungewöhnllich, gehetzten Seelen an eine bestimmte geographische Gegend gebunden. Forscher, die sich auf das Phänomen von Gespenstern spezialisiert haben, geben an, dass diese verstörten Wesen in einem Niemandsland zwischen der astralen Ebene der Erde und der geistigen Welt gefangen sind. Nach meinen eigenen Forschungen glaube ich nicht, dass diese Seelen im Raum verloren sind; ebensowenig sind sie dämonisch. Sie entschlossen sich, nach dem physischen Tod für eine gewisse Zeit in der Ebene der Erde zu bleiben, weil sie hochgradig unzufrieden waren. Meiner Meinung nach handelt es sich um geschädigte Seelen, weil sie Verwirrung, Verzweiflung und sogar derartige Feindseligkeit zeigen, dass sie keinen Kontakt zu ihren Führern wollen. Wir wissen, dass negative, verirrte Wesen mit verschiedenen Mitteln erreicht und behandelt werden können, wie zum Beispiel Exorzismus, damit sie aufhören, Menschen zu belästigen. Geister können überredet werden, den besessenen Menschen zu verlassen und vielleicht sogar den Übergang in die geistige Welt zu finden.
Wenn wir eine geistige Welt haben, in der Ordnung herrscht und Führer, die sich um uns kümmern, wie können dann schlecht angepasste Seelen existieren, die negative Energie auf inkarnierte Wesenheiten ausüben? Eine Erklärung ist, dass wir auch im Tod immer noch unseren freien Willen haben. Eine andere lautet, dass spirituelle Irregularitäten und Abweichungen vom normalen Exodus der Seelen ebenso vorgesehen sind wie die zahlreichen Umbrüche, die wir in unserem physischen Universum erleben. Nicht mehr inkarnierte, unglückliche Geister, die sich selbst einsperren, sind möglicherweise Teil eines großen Plans. Wenn sie bereit sind, werden diese Seelen an der Hand genommen und von der astralen Ebene der Erde weggeführt, hin zu ihrem richtigen Platz in der geistigen Welt.
Ich wende mich nun dem sehr viel häufigeren zweiten Typus der verwirrten Seele zu. Dies sind Seelen, die mit bösen Taten zu tun gehabt haben. Zuerst sollten wir erwägen, ob eine Seele als schuldig oder unschuldig betrachtet werden sollte, wenn sie ein kriminelles Hirn bewohnt. Manchmal sagt ein Klient zu mir: "Ich fühle mich von einer inneren Kraft besessen, die mir befiehlt, schlechte Dinge zu tun." Es gibt mental kranke Menschen, die sich widerstreitenden guten und bösen Kräften ausgeliefert fühlen und überzeugt sind, keine Kontrolle über sie zu haben.
Nach jahrelanger Arbeit mit dem Überbewussten von Menschen unter Hypnose kam ich zum Schluss, dass die fünf Sinne des Menschen negativ auf die Psyche der Seele einwirken können. Wir drücken unser ewiges Selbst aus durch dominante biologische Bedürfnisse und von der Umwelt ausgehende Zwänge, die für die inkarnierte Seele nur vorübergehend sind. Obwohl es kein verborgenes böses Selbst in unserer menschlichen Gestalt gibt, sind gewisse Seelen nicht vollständig assimiliert. Menschen, die mit ihrem Körper nicht in Harmonie leben, fühlen sich im Leben von sich selbst abgetrennt.
Dieser Umstand entschuldigt aber die Seele nicht, wenn sie nicht ihr möglichstes tut, um Kontakt mit dem Bösen auf der Erde u vermeiden. Wir sehen dies im menschlichen Gewissen. Es ist wichtig, dass wir unterscheiden zwischen Dingen, die sich auf unser Bewusstsein negativ auswirken, und solchen, die das nicht tun. Wenn wir eine innere Stimme hören, die Selbstzerstörung oder die Zerstörung eines anderen suggeriert, dann ist das nicht ein Dämon, eine fremde Präsenz oder ein böswilliger abtrünniger Führer. Negative Kräfte kommen aus uns selbst.
Die destruktiven Impulse, die von emotionalen Störungen ausgehen, behindern die Entwicklung der Seele, wenn sie unbehandelt gelassen werden. Diejenigen unter uns, die ein ungelöstes persönliches Trauma erlebt haben, tragen den Samen der eigenen Zerstörung in sich. Diese Angst beeinträchtigt unsere Seele derart, dass wir nicht ganz zu sein scheinen. Masslose Begierde und Suchtverhalten, die Auswüchse persönlichen Leidens, behindern zum Beispiel den Ausdruck der gesunden Seele und können eine Seele sogar an ihren Gastkörper fesseln.
Heißt das gegenwärtige Ausmass an Gewalt, dass wir heutzutage mehr "fehlgeleitete" Seelen haben als früher? Zumindest unsere Überbevölkerung und die Kultur der bewusstseinsverändernden Drogen würden diesen Schluss bestätigen. Auf der positiven Seite scheint international das Muß an Bewusstheit gegenüber menschlichem Leiden zu steigen.
Man hat mir erzählt, dass es in jeder Ära der blutigen Geschichte der Erde eine bedeutende Anzahl von Seelen gab, die nicht fähig waren, der menschlichen Grausamkeit zu widerstehen und ihr erfolgreich Stirn zu bieten. Gewisse Seelen, deren Gastkörper im Gehirn eine genetische Veranlagung zu Abnormitäten haben, sind durch eine gewalttätige Umgebung besonders gefährdet. Wir sehen, dass Kinder durch körperlichen und emotionalen Mißbrauch in der Familie so geschädigt werden, dass sie als Erwachsene vorsätzlich und ohne jeden Gewissensbiss die abscheulichsten Dinge tun können. Da Seelen nicht perfekt sind, kann ihre Natur durch die Entwicklung einer solchen Lebensform geschädigt werden.
Wenn unsere Überschreitungen besonders schwerwiegend sind, nennen wir sie böse. Meine Klienten sagen mir, dass keine Seele an sich böse ist, auch wenn sie während eines bestimmten Menschenlebens dieses Prädikat verdient. Krankhafte Bosheit bei Menschen ist charakterisiert durch Gefühle der persönlichen Ohnmacht und Schwäche, die beim Anblick hilfloser Opfer stimuliert werden. Obwohl Seelen, die mit wirklich bösen Taten in Berführung kommen, im allgemeinen als wenig entwickelt betrachtet werden können, führt seelische Unreife nicht automatisch zu bösartigem Verhalten einer geschädigten menschlichen Persönlichkeit. Die Entwicklung der Seelen beinhaltet einen Übergang vom nicht Perfekten zum Perfekten, imdem viele schwierige Verkörperungen gemeistert werden müssen. Es kann auch vorkommen, dass Seelen eine Neigung zu Umgebungen haben, in denen sie niemals richtig funktionieren oder aber von ihrem Weg abgebracht werden. So können Seelen ihre Identität schädigen, indem sie ihre Leben schlecht auswählen. Alle Seelen jedoch sind verantwortlich für ihr Verhalten in den von ihnen gewählten Körpern.
Im nächsten Kapitel werden wir sehen, wie Seelen zusammen mit ihren Führern zuerst einen Rückblick auf ihr vergangenes Leben halten, bevor sie zu ihren Freunden weiterziehen. Was aber geschieht mit Seelen, die durch ihre Körper anderen extremes Leid zugefügt haben? Wenn eine Seele nicht fähig ist, die gewalttätigsten Triebe in ihrem Gastkörper zu dämpfen, wie wird sie dann im Leben nach dem Tod zur Rechenschaft gezogen? Damit sind wir beim Thema von Himmel und Hölle, wo wir für gute oder schlechte Taten hingeschickt werden, denn Rechschaft ablegen zu müssen ist seit langer Zeit Bestandteil unserer religiösen Traditionen.
In meinem Büro hängt ein ägyptisches Gemälde aus dem "Totenbuch" an der Wand, das "Die Gerichtsszene" heisst und ein mythologisches, über 1000 Jahre altes Sterberitual darstellt. Die alten Ägypter waren vom Tod und der Welt jenseits des Grabes besessen, da in ihrem kosmischen Pantheon der Tod das Leben erklärte. Das Bild zeigt einen soeben Verstorbenen, der an einem Ort zwischen dem Land der Lebenden und dem Reich der Toten ankommt. Er steht neben einer Waage und wird für seine vergangenen Taten auf der Erde gerichtet. Zermonienmeister ist der Gott Anubis, der sorgfältig das Herz des Mannes gegen die Straußenfeder der Wahrheit aufwiegt. Das Herz, nicht der Kopf, stellte für die Ägypter die Verkörperung des Seelengewissens dar. Es ist ein Moment voller Spannung. Ein Ungeheuer mit Krokodilskopf liegt mit offenem Maul in der Nähe, bereit, das Herz des Mannes zu verschlingen, wenn das Böse in seinem Leben das Gute überwiegt. Versagen vor der Waage würde das Ende der Existenz seiner Seele bedeuten.
Ich bekomme von meinen Klienten und Klientinnen oft Kommentare über dieses Bild. Ein metaphysisch orientierter Mensch würde darauf bestehen, dass niemandem der Zugang zum Reich des Lebens nach dem Tod verweigert wird, wie schlecht die Abwägung des vergangenen Lebens auch ausfallen mag. Entspricht dieser Glaube der Wahrheit? Bekommen alle Seelen die Gelegenheit, in die geistige Welt zurückzukehren, unabhängig von ihrer Verbindung mit den Körpern, die sie besetzt hatten?
Zur Beantwortung dieser Frage möchte ich mit der Bemerkung beginnen, dass im Glauben zahlreicher Gesellschaften nicht alle Seelen an denselben Ort kommen. Heutzutage beharrt die gemässigtere Theologie nicht mehr auf der Vorstellung von Höllenfeuer und Schwefel für die Sünder. Dennoch gehen viele religiöse Sekten von einer spirituellen Koexistens zweier geistiger Zustände, Gut und Böse, aus. Für die "bösen" Seelen folgt gemäss alten philosophischen Aussagen eine Trennung von der Gottesessenz als Strafe nach dem Tod.
Das Totenbuch der Tibeter, eine Quelle religiösen Glaubens, die Tausende von Jahren vor der Bibel bestand, beschreibt den Bewusstseinszustand zwischen den Leben (das Bardo) als eine Zeit, in der "wir durch unsere schlechten Taten in spirituelle Trennung gebracht werden". Wenn die Völker des Ostens an einen besonderen geistigen Ort für Übeltäter glaubten, war dann diese Vorstellung vergleichbar mit dem Konzept des Fegefeuers in der westlichen Welt? Seit ihren frühesten Anfängen definierte die christliche Doktrin das Fegefeuer als einen vorübergehenden Zustand der Verbannung für geringere Sünden gegen die Menschheit. Das christliche Fegefeuer ist ein Ort der Sühne, der Isolation und des Leidens. Wenn alles negative Karma entfernt ist, wird diesen Seelen schliesslich der Zugang zum Himmel gestattet. Seelen jedoch, die schwere (Tod-)Sünden begehen, werden in alle Ewigkeit in die Hölle verbannt.
Dient die Hölle dazu, gute Seelen auf Dauer von schlechten zu trennen? Alle meine Arbeit mit den Seelen meiner Klienten hat mich davon überzeugt, dass es keinen Ort schrecklicher Leiden für Seelen gibt, ausser der Erde. Man erzählt mir, dass alle Seelen nach dem Tod in dieselbe geistige Welt gelangen, wo alle mit Geduld und Liebe behandelt werden.
Dennoch habe ich erfahren, dass gewisse Seelen in der geistigen Welt von den anderen getrennt werden, und dass dies in der Zeit geschieht, in der sie von Führern angeleitet werden. Sie werden nicht auf dieselben Reisewege gebracht wie die anderen Seelen. Gemäss den Berichten meiner Klienten, die mit schlechten Taten belastet waren, werden Seelen beim Wiedereintritt in die geistige Welt abgesondert, wenn ihr Einfluss zu schwach war, um einen menschlichen Impuls zum Schaden anderer abzuwehren. Sie scheinen sich während einer recht langen Zeit nicht mit anderen Wesenheiten in der sonst üblichen Art zu treffen.
Ich habe auch bemerkt, dass diejenigen jungen Seelen, die während ihrer ersten Reihe von Leben gewohnheitsmässig mit negativem menschlichem Verhalten zu tun hatten, geistig isoliert werden. Zuletzt werden sie zusammen in eine eigene Gruppe gebracht, um unter strenger Überwachung intensiver zu lernen. Dies ist keine Strafe, sondern eher eine Art Fegefeuer, um die Selbstwahrnehmung dieser Seelen zu restrukturieren.
Da falsches Verhalten auf der Erde so viele Formen annimmt, ist die geistige Unterweisung und die Art der Isolation für jede Seele anders. Die gewählte Art wird offenbar während der Einführungssitzung am Ende jedes Lebens festgelegt. Die relative Zeit der Trennung und der erneuten Unterweisung ist ebenfalls unterschiedlich. Zum Beispiel hatte ich Berichte von schlecht angepassten Seelen, die sofort nach einer Periode der Trennung auf die Erde zurückkehrten, um sich so bald wie möglich durch eine gute Inkarnation wieder reinzuwaschen.
Aus: "Die Reisen der Seele"
von Michael Newton
Liebe Grüße,
Viola![]()



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