Der Lungerner Betruf:
Das ist der Ort, das weiß Gott wo!
Hier und um diese Alm geht ein goldener Ring,
Darin sitzt Maria mit ihrem herzallerliebsten Kind,
Hier und um diese Alp geht ein goldener Thron,
Darin sitzt Maria mit ihrem herzallerliebsten Sohn.
Hier und um diese Alp geht ein goldener Graben
Darin sind die drei heiligen Knaben.
Der erste ist Gott der Vater,
Der andere ist Gott der Sohn,
Der dritte ist Gott der Heilige Geist.
Die wollen uns an Leib und Seel,
An Ehre, Gut und Geist behüten und bewahren.
Ave, Ave, Ave Maria.
Jesus, o mein lieber Herr Jesus Christ.
Der Text wurde zum besseren Verständnis aus dem rauen Innerschweizer Dialekt ins Hochdeutsche übersetzt. Dieser so genannte Lungerner Betruf ist eine der beeindruckensten mystischen Formeln, in der sich christlicher Glaube und magisches Brauchtum vereint haben. Er wird in den katholischen Kantonen der Schweizer Alpen auch heute noch bebraucht.
Am Abend kurz vor Sonnenuntergang tritt der Senn vor die Almhütte, hält einen hölzernen Trichter zur Schallverstärkung vor den Mund und ruft den Betruf über die Berge und die Almen. Sein Ruf ist nicht nur laut, er ähnelt eher einem rauen Schrei, der über die Gipfel und in den Himmel hallt. Jeder, der dies einmal miterleben durfte, kann sich der magischen Aufladung nicht entziehen und findet sich mit einer Gänsehaut oder zumindest mit Tränen in den Augen wieder.
Aus: "Der magische Haushalt"
von Monnica Hackl
Liebe Grüße,
Viola![]()



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