Sehr geehrter Herr Ahmet
Ich habe ihre Texte gelesen. Ich bedaure die vielen Gegner ihrer Meinung. Sie haben erkannt, dass es einen Zusammenhang gibt mit Beziehungsstörungen. Dazu wird in Punkt 5 eine Mögliche Lösung aufgezählt. Die Abschaffung des Zöllibat kann heute nicht realisiert werden. Obwohl der Wunsch auch von kath. Landeskirchen Weltweit in Rom beantragt wird.
Die Skandale von Priestern, die als Kinderschänder angezeigt wurden, haben einen schweren Schock in der Kirche ausgelöst. Dazu Johannes Paul II.: “Der Missbrauch junger Menschen ist ein schweres Symptom einer Krise, die nicht nur die Kirche sondern auch die Gesellschaft als Ganzes in Mitleidenschaft zieht. Es ist eine tief verwurzelte Krise der sexuellen Moral, ja sogar der menschlichen Beziehungen, und ihre Hauptopfer sind die Familien und die jungen Menschen."
Zur Klärung bedarf es zuerst eines Blickes auf die empirische Realität der Pädophilie:
--- Empirischer Befund ---
Als Theologe kann ich bezüglich der empirisch-psychologisch beschreibbaren Pädophilie nur wiedergeben, was ich von anderen, nämlich Fachleuten, gelernt habe. Aus diesen Informationen ergibt sich folgendes Bild:
-1. Was ist Pädophilie-
Unter Pädophilie versteht man das Verlangen von Erwachsenen (vor allem Männern), zu einem Kind eine erotisch betonte und auch sexuelle gelebte Beziehung aufzubauen. Dabei begehren die meisten pädophilen Männer nicht geschlechts-unabhängig ein „Kind“, sondern einen Buben.
Zu unterscheiden von Pädophilie ist die Päderastie: Darunter versteht man - in Abgrenzung zur Pädophilie – die Neigung von Männern, Liebesbeziehungen mit Sexualkontakten zu männlichen Jugendlichen zu suchen. Man spricht auch von Ephebophilia.
-2. Unterscheidungen-
Auch auf dem Gebiet der Pädophilie gilt es, die verschiedenen „Fälle“ sorgfältig zu unterscheiden:
a. Die eigentliche „Pädophilie“
Im heute üblichen Sinn des Wortes sind pädophile Menschen, die sich von Kindern sexuell angezogen fühlen. Das Gefährliche ist: Diese Menschen fühlen wie Kinder, aber sie haben die Sexualität eines Erwachsenen und glauben, dem Kind mit ihrer Zuwendung Gutes zu tun.
b. Das Kind als Ersatzobjekt
In anderen Fällen ist das Kind nur Ersatz-Objekt für einen erwachsenen Sexualpartner, der aber nicht erreichbar ist:
Ursache solcher Handlungen ist z. B. mangelnde Kontaktfähigkeit und die Erkenntnis, Kinder leichter gewinnen oder gar zwingen zu können. Diese „Pädophilen“ sind besonders gefährlich: Die Angst vor dem Entdeckt-Werden führt in manchen Fällen zum Mord.
Zum Ersatzobjekt kann das Kind auch in gestörten familiären Beziehungen werden: Wenn die Beziehung zum Ehepartner nicht klappt, muss das Kind sozusagen einspringen. Nicht selten wissen die Mütter darum, aber sie schweigen, weil sie sich hilflos fühlen oder auch um auf diese Weise selbst sexuell in Ruhe gelassen werden.
c. Kriminelle und kommerzielle Pädophilie
Über das bisher Gesagte hinaus gibt es eine pädophile Unterwelt, die mit Liebe nichts mehr zu tun hat und in der (verschwundene!) Kinder in grauenhafter Weise missbraucht, gequält und umgebracht werden. Dazu kommt die kommerzielle Bedienung dieses Marktes, nicht zuletzt durch Kinderpornographie, die auch vor den scheußlichsten Aufnahmen am wirklichen Kind nicht zurückschreckt.
-3. Versuche der Rechtfertigung-
Sexuelle Gewalt gegenüber Kindern wird zwar in der kriminelle Szene der Pädophilie (mit entführten Kindern!) praktiziert, fotografiert, gefilmt und teuer bezahlt, aber moralisch von allen Stimmen abgelehnt.
Im Unterschied dazu fordert die AG-Pädo (und alle ideologisch von der Pädophilie Überzeugten) die Anerkennung einer „einvernehmlichen Sexualität zwischen Erwachsenen und Kindern“ und weist daher eine Gleichsetzung von Pädophilie mit „Kindesmissbrauch" zurück: Machtmissbrauch nein, aber einvernehmliche Sexualität mit Kindern ja!
In einer Zeit, in der, abgesehen von medizinisch-hygienischen Gesichtspunkten) das einzige moralische Kriterium die „Selbstbestimmung“ ist und die „Verhandlungsmoral“ gilt, erscheint es naheliegend, „einvernehmliche“ sexuelle Beziehungen auch zu Kindern gelten zu lassen. Angesichts des naheliegenden Verweises auf die überlegene Durchsetzungskraft des Erwachsenen präzisiert man mit E. Bornemann: Anerkannt werden sollte nicht „ein Recht des Erwachsenen auf Geschlechtsverkehr mit Kindern, sondern auf das Recht des Kindes auf Geschlechtsverkehr mit Erwachsenen".
Niemand leugnet, dass es sexuellen Missbrauch, das heißt sexuelle Handlungen mit Kindern gibt, die diesen ein schweres Trauma zufügen. Aber die Befürworter einer legitimen Pädophilie behaupten, es gebe neben traumatischen Beziehungen auch solche, die keinerlei schlechte Folgen für das Kind einschließen – eben die „einvernehmlichen“, vom Kind bestimmten Beziehungen. Für diese Behauptung meinen sie, sich auch auf Fachleute berufen zu können:
„Erwachsene, die annehmen, daß nicht nur gewalttätige, sondern auch gewaltlose Sexualkontakte für Kinder grundsätzlich schädlich seien, müssen sich mit dem Ergebnis auseinandersetzen, daß manche Kinder erst zu Opfern werden, weil Erwachsene es so erwarten. Manche Erwachsene haben die undifferenzierten Horrorberichte über die Folgen so verinnerlicht, daß sie sich unbefangene Reaktionen ihrer Kinder gar nicht vorstellen können. Andere Erwachsene haben selbst so viele sexuelle Probleme, daß sie zu einer unbefangenen Reaktion gar nicht fähig sind. Bedingt durch eine solche Erwartungshaltung verhalten sich manche Erwachsene dann in einer Weise, daß das Kind tatsächlich zum Opfer wird."
Folgerichtig sagt man: Nicht die sexuelle Beziehung ist das Übel, sondern deren Pönalisierung. Denn sie "bringt, neben der vieldiskutierten sekundären Schädigung durch Verhöre und Prozesse, ein Klima in die pädosexuellen Beziehungen hinein, das deren prekäre Dimensionen verstärkt: die Pönalisierung zwingt den Pädophilen stärker dazu, seinen kindlichen Partner zum abhängigen Mitverschwörer zu machen, als es die soziale Diskriminierung der Pädosexualität allein tun würde. Die Pönalisierung verstärkt ferner die Schuldgefühle der Erwachsenen, mit denen sich das Kind identifiziert."
Der nächste Schritt ist klar: Die Strafbestimmungen müssen weg bzw. so eingeschränkt werden, dass die konsensuelle pädophile Beziehung unangetastet bleiben kann: "Für viele Sexualwissenschaftler und Aktivisten der Schwulenbewegung beginnt der "anständige" Homosexuelle dort, wo das vom Staat festgelegte sogenannte Schutzalter liegt. Diese Altersgrenzen sind aber viel zu hoch, sie zielen eher darauf, junge Leute vor ihrer Sexualität zu schützen als vor sexueller Ausbeutung." Und: "Der Vielfalt pädophiler Beziehungen muß man gerecht werden. Deshalb ist die generelle Strafandrohung für pädophile Handlungen nicht zivilisiert zu nennen; sie ist Unrecht, sie ist Verfolgung von Minderheiten und sie gehört abgeschafft."
-4. Pädophilie und Homosexualität-
Es ist richtig: Homosexualität und Pädophilie sind zu unterscheiden. Nicht jeder Homosexuelle ist ipso facto pädophil oder ein potentieller Kinderschänder.
Dennoch gibt es Gemeinsamkeiten der beiden Störungen der geschlechtlichen Orientierung – und gemessen an dem Plan Gottes mit Mann und Frau (an der „Natur“ des Menschen) ist jede sexuelle Neigung zu jemand oder etwas anderem als einem gegen-geschlechtlichen Partner eine mehr oder weniger starke und mehr oder weniger gefährliche „Störung“:
Pädophilie ist nicht genetisch bedingt, sondern geht auf Verwundungen in der Kindheit und Beziehungs-Störungen zurück. Ähnlich wie die homosexuelle Neigung kann auch Pädophilie geheilt werden. Wie bei organischen Krankheiten gilt freilich: Heilbarkeit heißt nicht, dass die Heilung einfach sein muss, und heißt erst recht nicht, dass jeder Einzelfall auf die Therapie anspricht. Daneben gibt es freilich auch Stimmen, die die Heilbarkeit (ähnlich wie bei den Homosexuellen) aus ideologischen Gründen vehement bestreiten und schon den Versuch für eine Vergewaltigung halten.
Nicht jeder Homosexuelle ist pädophil, aber: Homosexuelle Menschen sind rund dreimal so oft pädophil als Heterosexuelle.
Missbrauchte Kinder werden spezifisch häufiger homosexuell.
Zur Verteidigung der Pädophilie bedient man sich genauso eines pseudo-naturrechtlichen Denkens wie in der Debatte um die Homosexualität: Wenn jemand pädophil „seiner Natur nach ist“, muss er das auch sein dürfen.
Pädophilie ist ein Übel, daher muss man sich Gedanken machen, was zu tun ist: präventiv, therapeutisch und leider auch strafrechtlich.
-5. Aufgabe der Psychologie-
Die Aufgabe der Psychologie ist eine dreifache:
Gesellschaft und Kirche brauchen psychologisch-pädagogische Beratung zur Prävention einer pädophilen Entwicklung: Wenn die Ursachen bekannt sind, ergeben sich daraus auch Imperative für die Erziehung.
Gesellschaft und Kirche brauchen „Screening“-Methoden zur Früherkennung pädophiler Neigungen vor allem für Berufsgruppen, die viel mit Kindern zu tun haben. Dazu gehören auch Priester.
Gesellschaft und Kirche brauchen therapeutische Angebote und andere Hilfen (etwa nach dem Vorbild von „Courage“ in den Vereinigten Staaten), um Menschen mit pädophilen Neigungen zu helfen.



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