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Thema: Kommentar eines arabischen Schriftstellers......

  1. #1
    Emilia
    Gast

    Kommentar eines arabischen Schriftstellers......


    Ich persönlich halte die Mohammed-Karikatur für geschmacklos und für absolut entbehrlich, kann aber die Ausschreitungen der letzten Tagen in keiner Weise nachvollziehen.

    Beim Durchblättern einer österr. Tageszeitung fiel mir folgender Artikel auf:


    KOMMENTAR EINES ARABISCHEN SCHRIFTSTELLERS ZU DEN MASSENPROTESTEN:


    Unser Problem besteht doch immer wieder darin, daß wir uns mit den Folgen, aber nicht

    mit den Ursachen beschäftigen.

    Immer sind es die anderen die Fehler machen und wir haben Recht.

    Warum beschäftigen wir uns nicht mit den wirklichen Problem, das diesen kleine Zeichner

    bewegt hat, den Propheten Mohammed auf diese widerwärtige Art zu zeichnen?


    TOLERANZ UND NACHSICHT:

    Harmonieren denn unsere Aktivitäten, das Handeln mancher Muslime also, mit den Prinzipien des

    Propheten?

    Waren wir gute Treuhänder des Islams in der Welt, haben wir ihn im besten Licht erscheinen lassen,

    so wie der erwürdige Prophet es vorgelebt hat?

    Waren wir so tolerant und nachsichtig wie es unsere Religion verlangt?


    WUT:

    Und wenn wir schon so um unsere Religion und den Propheten bemüht sind, warum nehmen wir eine

    solche Haltung dann nicht gegenüber jenen islamistischen Gruppierungen ein die unschuldige

    Muslime und andere Menschen umbringen?

    Warum gibt es keine Demonstrationen, bei der die Morde an Unschuldigen kritisiert werden, die

    von den Terroristen Bin Laden, Zarquawi und Zawahiri tagtäglich im Irak und anderorts

    begangen werden?

    Wie können wir Blut vergießen, obwohl das Mohammed verboten hat?


    Wir Muslime sind mitverantwortlich für die Diffamierung dieser Religion und das

    Bild von Mohammed, weil wir nicht das wirkliche Bild dieser himmlischen und unsterblichen

    Botschaft des ehrwürdigen Propheten leben und verkörpern.


    Quelle: memri.org DER STANDARD, Printausgabe, 6.2. 2006


    Gruß

    Emilia



  2. #2
    Ahmet
    Gast

    Islamische Reformkräfte stärken!


    Hallo Emilia,

    Danke für den Beitrag. Das ganze ist ja unverständlich, wenn man es alleine auf die Karikaturen begründet. Nachdem ich mich aber informiert habe, wurde mir einiges klarer. Ich vertrete die gleiche Meinung, wie Hans Küng in den Medien vertrat.


    KNA-Interview mit Prof. Hans Küng (7. 2. 06)


    Herr Prof. Küng, der Westen steht fassungslos und ohnmächtig vor den Ausschreitungen in islamischen Ländern gegenüber westlichen Einrichtungen. Können Sie das als Folge der Mohammed-Karikaturen aufgetretene Phänomen erklären?


    Wir sind konfrontiert mit einem hochexplosiven Gemisch aus verschiedenen Konflikten, Problemen und Politiken, welches die Lage als reichlich chaotisch erscheinen läßt. Selbstverständlich bin ich, wie übrigens auch alle großen muslimischen Organisationen in Europa, gegen jegliche Gewaltreaktion, gegen Einzelpersonen wie gegen westliche Einrichtungen, und ich verurteile die Vernichtungsandrohungen des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad gegenüber dem Staat Israel. Aber gleichzeitig sollten wir nicht übersehen, daß die Karikaturen nur der Auslöser sind für all die tiefer liegenden Frustrationen und Ressentiments in der islamischen Welt; über unsere Mitverantwortung dafür sollten wir im Westen selbstkritisch reflektieren, statt nur mit dem Finger auf den Islam zu zeigen.


    Es ist die Rede von einem „Clash of Civilizations", einem Zusammenprall der Kulturen, wie es der Politologe Samuel Huntington getan hat. Geben Sie ihm Recht?


    Nein, seine allzu simple und schematische Theorie ist und bleibt falsch, weil Kulturen nicht Krieg gegeneinander führen. Sie überlappen sich an vielen Stellen und haben viel Gemeinsames, so daß auch Menschen verschiedener Kulturen durchaus friedlich zusammenleben können. Aber eine falsche Politik, basierend auf einem Feindbild Islam, kann das Blockdenken fördern und diese falsche Theorie wahrmachen: Sie wird dann eine sich selber erfüllende Prophezeiung.


    Wäre der eskalierende Karikaturenstreit vermeidbar gewesen?


    Durchaus. Der dänische Ministerpräsident Rasmussen hat in totaler Fehleinschätzung der Lage mehrere Chancen zum Dialog verpaßt:


    1. Schon am 15. Oktober 2005 hat er die Großdemonstration bisher nicht demonstrierfreudiger dänischer Muslime vor dem Rathaus von Kopenhagen ignoriert.


    2. Er hat die Bitte der Botschafter von elf muslimischen Nationen um ein Gespräch brüsk zurückgewiesen.


    3. Er hat die darauffolgende Reise führender dänischer Muslime mit dem Imam von Kopenhagen nach Kairo, um Hilfe bei ihren Glaubensgenossen zu erlangen, in ihrer Brisanz nicht durchschaut, obwohl so die Kunde von der Beleidigung des Propheten in die ganze islamische Welt gebracht wurde;


    4. Selbst angesichts erster Zornausbrüche in islamischen Ländern hat er aus rein formalen Gründen eine klare Entschuldigung verweigert für eine bewußt geplante Provokation einer regierungsnahen Zeitung, welche in leichtsinniger Weise die Grenzen der Meinungsfreiheit testen wollte.


    Ist das eine ehrliche Empörung von Muslimen, oder schüren islamische Fundamentalisten den Volkszorn?


    Zweifellos gibt es radikale Islamisten, für welche die Karikaturen eine willkommene Bestätigung ihres Zerrbildes vom Westen sind und die den Volkszorn instrumentalisieren. Doch die Proteste waren nicht zentral gesteuert, wohl aber von bestimmten Organisationen gelenkt. Aber dieser Volkszorn könnte gar nicht instrumentalisiert werden, wenn nicht der Westen soviel politisches Brennmaterial aufgeschichtet hätte, daß es nur einen Funken brauchte, um die angestaute Frustration und Wut zur Explosion zu bringen.


    Tiefer liegende Ursachen:

    • der durchaus vermeidbare Krieg in Afghanistan,

    • der völkerrechtswidrige und unmoralische Krieg im Irak, aufgebaut auf einem Lügengebäude,

    • das Unterdrückungsregime im muslimischen Tschetschenien,

    • die seit Jahrzehnten verzögerte Gründung eines zusammenhängenden und lebensfähigen Palästinenserstaates und der Bau einer Mauer quer durch das Land.


    Sind die Auswirkungen des Karikaturenstreits auch auf die deutsche Außenpolitik schon sichtbar?


    Leider ja, obwohl sie nur indirekt mit dem Karikaturenstreit zu tun haben. Aber einseitige politische Stellungnahmen für die israelische Politik gegenüber der Hamas, der Siegerin in demokratischen Wahlen, oder einseitige Maximalforderungen an Iran werden in der islamischen Welt als islamfeindlich betrachtet. Hier nach beiden Seiten ausgewogen und mutig Stellung zu beziehen, wäre die beste Diplomatie.


    Es heißt immer wieder, der Islam habe keine Aufklärung durchgemacht wie das Christentum und komme deswegen mit modernen Gesellschaftsformen in Konflikt. Kann man Aufklärung erzwingen?


    Weder Aufklärung noch Demokratie können einem Volk von außen, gar durch Krieg, aufgezwungen werden. In Europa war dies ein jahrhundertelanger Prozess. Diese Bewegung muß von innen her kommen und zugleich von außen unterstützt werden. Aber anstatt dass die USA zum Beispiel den reformwilligen iranischen Präsidenten Mohammad Chatami unterstützt hätten, haben sie ihn als Repräsentanten einer »Achse des Bösen« abqualifiziert – und sich dafür den fundamentalistischen Extremisten Ahmadinedschad eingehandelt.


    Es gibt in allen muslimischen Staaten Extremisten, aber eben auch aufgeklärte und reformorientierte Muslime. Es käme darauf an, die gewaltbereiten Fundamentalisten in der Gesellschaft zu isolieren, indem man die Reformkräfte stärkt. Ein gutes Beispiel für diese Politik ist das Verhältnis zur Türkei: Unabhängig von der Frage, ob dieses bevölkerungsreiche muslimische Land einmal Mitglied der EU werden soll oder nicht, ist in jedem Fall der Prozeß der Demokratisierung mit allen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Mitteln zu unterstützen. Dort kann so etwas wie eine islamische Demokratie entstehen, die mehr als das laizistische System Atatürks auch der islamischen Religion eine gesellschaftliche Bedeutung zumißt, andererseits aber auch dem gewalttätigen Fundamentalismus wehrt.


    Die Ausschreitungen wurden ausgelöst durch Mohammed-Karikaturen in westlichen Zeitungen. Ein Chefredakteur wurde gefeuert, Medien mussten sich entschuldigen. Sind jetzt Meinungs- und Pressefreiheit in Gefahr?


    Sicher nicht. Selbstverständlich muß die verfassungsmäßig garantierte Meinungs- und Pressefreiheit in jedem Fall hochgehalten werden. Aber Pressefreiheit schließt auch Presseverantwortung ein.


    Der InterActionCouncil früherer Staats- und Regierungschefs unter der Leitung von Altbundeskanzler Helmut Schmidt hat sich schon vor einiger Zeit eingesetzt für eine »Allgemeine Erklärung der Menschenpflichten«, welche die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte unterstützen sollte. Leider wurde sie gerade von internationalen Presseverbänden angegriffen, weil darin der Artikel 14 klar formuliert: »Die Freiheit der Medien bringt eine besondere Verantwortung für genaue und wahrheitsgemäße Berichterstattung mit sich. Sensationsberichte, welche die menschliche Person oder die Würde erniedrigen, müssen stets vermieden werden.«


    Das heisst: Wenn es schon nicht erlaubt ist, einzelne Individuen zu diffamieren und in ihrer Würde zu verletzen, dann sollte man auch mit den religiösen Leitfiguren der Menschheit in den Medien taktvoll umgehen, ob das nun der Prophet Muhammad oder Jesus Christus ist. Uneinsichtige Verteidiger einer schrankenlosen Pressefreiheit schaden dieser Freiheit selbst und rufen dann inadäquate Reaktionen hervor. Erfreut bin ich darüber, daß im Medienbereich immer häufiger Ethik-Codes formuliert und zur Anwendung gebracht werden.


    Interview: Uwe Renz (KANN)



  3. #3
    Kudrun
    Gast

    Jesus karikatur


    Hallo Ahmet,

    Ist das nicht eine Jesus Karikatur? Machst du nicht das gleiche wie dieser dänische Karikaturist mit der Mohammed Karikatur?


    Schönen Abend

    KuDrun







    >Hallo Emilia,

    >Danke für den Beitrag. Das ganze ist ja unverständlich, wenn man es alleine auf die Karikaturen begründet. Nachdem ich mich aber informiert habe, wurde mir einiges klarer. Ich vertrete die gleiche Meinung, wie Hans Küng in den Medien vertrat......



  4. #4
    Ahmet
    Gast

    Nicht vergleichbar!


    Hallo Kudrun,


    Findest Du wirklich, dass man das vergleichen kann? Habe ich die Zentrale Figur des Christentums mit meinem Dialog verletzt? Keineswegs! Es mag einzelne Christimisten (Wort für christliche Islamisten) geben, die das als Häresie bezeichnen, aber nicht die Christen mit Verstand.


    Was meinen die Anderen?


    Gruss

    Ahmet

  5. #5
    Ben
    Gast

    Re: Nicht vergleichbar!


    Hallo Ahmet (<- spricht man das eigentlich 'achmet' oder 'aamet' aus?)


    habe mir soeben diese Präsentation angesehen. Irgendwo stand, dass Jesus gesagt haben soll, er wolle nicht angebetet werden, da nur Gott dies zustehe. Wie kannst Du das mit dieser Schriftstelle vereinbaren?


    Joh 5,22b - 23

    Der Vater hat die ganze richterliche Macht dem Sohn übertragen, damit alle den Sohn ebenso ehren wie den Vater. Doch wer den Sohn nicht ehrt, ehrt auch den Vater nicht, der ihn gesandt hat.


    Ein weitere Punkt, der mir deutlich macht, dass Jesu Bezeichung als "Sohn" mehr war, als nur ein Prophet. Letztere galt es nicht zu ehren sondern als solche zu respektieren.




    mfg ben



  6. #6
    Ahmet
    Gast

    Ehre, aber verehre nicht einen Menschen (2.Gebot)


    Hallo Ben,


    Ben: Ahmet (<- spricht man das eigentlich 'achmet' oder 'aamet' aus?)


    Das ist verschieden. Der Name stammt aus dem aramäischen. Schreiben würde man eigentlich "hmt". Man spricht das h aus, wobei man den Vokal weglässt. Also nicht A(ha)-met, sondern Ah-met. Deutsch übersetzt heisst es "Lobenswerter".In anderen Sprachen ändern die Vokale jeweils (z.B. Arabisch oder Türkisch).


    Ben: habe mir soeben diese Präsentation angesehen. Irgendwo stand, dass Jesus gesagt haben soll, er wolle nicht angebetet werden, da nur Gott dies zustehe. Wie kannst Du das mit dieser Schriftstelle vereinbaren?


    Ich zitiere aus der Bibel:


    Matthäus 4,10 Da spricht Jesus zu ihm: Geh hinweg, Satan! Denn es steht geschrieben: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen.


    Matthäus 19,16 Und siehe, einer trat herbei und sprach zu ihm: Lehrer, was soll ich Gutes tun, damit ich ewiges Leben habe? 19,17 Er aber sprach zu ihm: Was fragst du mich über das Gute? Einer ist der Gute. Wenn du aber ins Leben eingehen willst, so halte die Gebote.


    Matthäus 23,9 Ihr sollt auch nicht [jemanden] auf der Erde euren Vater nennen; denn einer ist euer Vater, [nämlich] der im Himmel.



    In Joh 5,22b - 23 kann ich nicht ableiten, was das mit verehren und anbeten zu tun haben soll? Da wird doch nur erklärt, dass das Wort Jesu das genaue Wort Gottes ist und dieses Wort (beim letzten Gericht) durch Jesus persönlich bei jedem abgefragt wird. Wer das Wort Jesu gehalten hat, wird das ewige Leben ohne Gericht erhalten. Was Jesus ausspricht, das ist mit dem Wort Gottes identisch. Gott hat ja Jesus zu den Menschen gesandt, um das Wort Gottes zu verkünden. Deshalb ist er einer der Söhne Gottes (Jemand, der sich im Verhalten Gott ähnlich ist). Das bezeugt er in diesen Versen.


    Verstehst Du, was ich und die Bibel meinen? Sonst lies es nochmal im Kontex:


    Joh 5,19 Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selbst tun, außer was er den Vater tun sieht; denn was der tut, das tut ebenso auch der Sohn. 5,20 Denn der Vater hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles, was er selbst tut; und er wird ihm größere Werke als diese zeigen, damit ihr euch wundert. 5,21 Denn wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will. (deshalb ein Prophet) 5,22 Denn der Vater richtet auch niemand, sondern das ganze Gericht hat er dem Sohn gegeben, 5,23 damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat. 5,24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, [der] hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tod in das Leben übergegangen.


    Ben: Ein weitere Punkt, der mir deutlich macht, dass Jesu Bezeichung als "Sohn" mehr war, als nur ein Prophet. Letztere galt es nicht zu ehren sondern als solche zu respektieren.


    Kann es sein, dass Du das Wort "ehren" und "verehren" nicht unterscheidest? Ich ehre Jesus, aber verehren (anbeten) tut man keinen Menschen, wie Du oben erfahren hast. Übrigens, das zweite Gebot sagt das auch!


    Gruss

    Ahmet



  7. #7
    Isaak
    Gast

    Re: Nicht vergleichbar!


    Shalom Ben,


    kleine Ergänzung zu Jesus und Sohn Gottes: Ansicht von uns Juden


    "Stumpfsinnig sind die, welche die Unwahrheit sprechen, indem sie sagen, Gott habe einen Sohn und lasse ihn töten. Wenn Gott es nicht mit ansehen konnte, dass Abraham seinen Sohn opferte ... hätte er seinen eigenen Sohn töten lassen, ohne die ganze Welt zu zerstören und sie zum Chaos zu machen? Darauf bezieht sich das Wort Salomos von dem "Einen ohne Zweiten, der keinen Sohn und keinen Bruder hat" (Kohelet 4,8). - (Agadat Bereschit c. 31 )



  8. #8
    Andi
    Gast

    Re: Nicht vergleichbar!


    >Wenn Gott es nicht mit ansehen konnte, dass Abraham seinen Sohn opferte ... hätte er seinen eigenen Sohn töten lassen, ohne die ganze Welt zu zerstören und sie zum Chaos zu machen?


    JA! Das hätte und das hat er. Darüber freue ich mich und danke Ihm jeden Tag! :-)

    Wie gnädig, gütig und treu ist doch dieser Gott!




    Viele Grüße

    Andi



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