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Thema: Tantrische - Meditation?

  1. #1
    SethoS
    Gast

    Tantrische - Meditation?

    >Hallo zusammen,

    >nach einiger Zeit der Abwesenheit würde ich gerne etwas zur Diskussion stellen, das mich zur Zeit sehr beschäftigt: Der Lauf der Dinge mit den *ersteinmal* oft wenig angenehmen Aspekten. Als inspirierende Quelle soll einer der moderatenren Texte der deutschen Metal-Band "Eisregen" dienen, deren Texte sich hauptsächlich mit dem Tod in all seiner Brutalität beschäftigen. Hier der Text:

    >

    >"Schwarze Rose

    >Denke zurück an die Zeit vor 70 Jahren

    >Als die Jugend deinen Geist bestimmte

    >Und jeder neue Tag voller Farben war

    >Deine Kraft war ungebrochen

    >Das ganze Leben lag vor dir...

    >Der Tod soweit entfernt im Niemandsland

    >Denke zurück an die Zeit vor 50 Jahren

    >Als dein Sohn im Kriege fiel

    >Leblos lag sein Leib gebettet

    >Gefallen für das Vaterland

    >Und ein Teil von dir ging mit ihm fort

    >Und kehrte nie zurück...

    >Denke zurück an die Zeit vor 7 Jahren

    >Als dein Weib dem Krebs verfiel

    >Sie starb in deinen Armen

    >in der letzen Stunde warst du bei ihr

    >Und ein weitrer Teil starb von dir...

    >Nun hat das Alter dich gebrochen

    >Rasselnd geht der Atem

    >Die Gicht hat dir verkrümmt die Glieder

    >Und wenig nützt dir noch das Augenlicht

    >Den Rücken hat der Schmerz geformt

    >Und welk ist deine Haut geworden

    >Den letzten Rest von Würde

    >Nahm man dir im Altersheim

    >Es ist erreicht, das Ende deines Lebens

    >Der Tod steht lächelnd neben dir

    >und nimmt dich leise bei der Hand

    >Du legst dich nieder auf den Boden

    >Ein letzter Atemzug noch bleibt

    >Dann erlischt die Flamme in den Augen

    >Und nur der Leib bleibt starr zurück...

    >Sie verbrennen deinen Körper

    >Bis nichts mehr von ihm bleibt

    >Im schwarzen Rauch des Schornsteins

    >Trägt dich der Nachtwind fort

    >Und nieder sinkt die kalte Asche

    >Auf nahen Wiesenboden

    >Eine Rose wächst daraus

    >So schwarz wie nur die Nacht

    >Ein Kind pflückt diese Rose

    >Und nimmt sie mit nach Hause

    >Sie steht dort auf der Fensterbank

    >In hellstem Sonnenglanz

    >Doch welken bald schon ihre Blätter

    >Und fallen sacht zu Boden

    >Die Mutter kehrt sie still zusammen

    >Und wirft sie lächelnd auf den Müll...

    >Die schwarze Rose ist verblüht ... "

    >Quelle: http://eisregen.purespace.de/Songs/ll11.htm

    >Ich bin gespannt auf eure Sichtweisen zur Thematik

    >Grüße

    >SethoS


  2. #2
    Harriet
    Gast

    Re: Tantrische - Meditation?

    >Hallo SethoS,

    >naja wenn Du der Meinung bist, Du seist dein physischer Körper muß der Tod einem wohl so erscheinen. Ich weiss das ich nicht mein physicher Körper bin, sondern ein unsterbliches geistiges Wesen. Wenn ich diesen Körper eines Tages aufgebe, wird er zerfallen und es berührt mich nicht mehr als ein altes Kleidungsstück, daß seine Aufgabe erfüllt hat.

    >Von daher hat der Tod nichts erschreckendes, zumal er auch nicht unerwartet kommt. Aber um bei der Methapher der schwarzen Rose zu bleiben, die goldene Rose blühet ewiglich.

    >Viele Grüße

    >Harriet

    >


  3. #3
    SethoS
    Gast

    Re: Tantrische - Meditation?

    >*** Hallo Harriet,

    >danke ersteinmal für Deine Antwort, ***

    >>Von daher hat der Tod nichts erschreckendes, zumal er auch nicht unerwartet kommt. Aber um bei der Methapher der schwarzen Rose zu bleiben, die goldene Rose blühet ewiglich.

    >*** Genau darum ging es mir, beantwortet aber nicht alle Fragen die ich mir dabei stelle, soweit war ich auch. Aber da ist noch etwas anderes, das ich zur Zeit nur als leichte Ahnung verpüre, aber noch nicht in hinreichend klarer Form verbalisieren kann. Trotzdem danke und viele Grüße

    >SethoS ***


  4. #4
    Werner
    Gast

    Re: Tantrische - Meditation? --- Warum nicht?

    >Hallo, SethoS!

    >Also, d i e s e Meditation, d. h. der gepostete Text, erscheint mir weniger „tantrisch“ als etwas, das ich in vergleichbarer Form den buddhistischen Pali-Kanon entnommen habe.....

    >.....Gerade so, ihr Bhikkhus, (buddhist. Mönche) wie wenn da eine Trinkschale wäre, (der Inhalt wäre) schön von Farbe, duftend und wohlschmeckend, aber mit Gift vermengt. Und es käme da ein Mann herbei, von Hitze gequält, von Hitze erschöpft, ermüdet, lechzend und durstig. Und man spräche zu ihm also: „Hier, lieber Mann, ist eine Trinkschale, (der Inhalt ist) schön von Farbe, duftend und wohlschmeckend, aber mit Gift vermengt. Wenn du wünschest, so trinke; wenn du trinkst, wird es dir munden durch seine schöne Farbe, seinen Duft und seinen Wohlgeschmack. Hast du aber getrunken, so wirst du infolge davon den Tod erleiden oder Schmerz, der zum Tode führt.“ Und es tränke der Mann von der Trinkschale ungestüm und ohne zu überlegen und wiese sie nicht zurück, und er erlitte infolge davon den Tod oder Schmerz, der zum Tode führt.......

    >Das ist die buddhistische Grundhaltung hinsichtlich unseres Daseins, welches sich fast ausschließlich als eine Gebundenheit des Bewusstseins an Person und Materie erweist. Wir identifizieren uns mit den Gegebenheiten der materiellen Welt, binden uns daran... und sind damit dem V e r f a l l ausgeliefert. Es ist doch etwas Schmerzhaftes, etwas, das man wirklich nur als „Gift“ bezeichnen kann, das unsere gesamte Erscheinungsweise in Raum und Zeit prägt. Es ist die Endlichkeit. Man denke an den Zauber wirklich schöner Frauen.... sie enden grau und verbraucht im Altersheim... Man denke an die Tatkraft junger Männer, die letztlich senil werden... All die Sorge um das Wohlergehen der Kinder, geliebter Tiere, dieser oder jener Gegenstände... Nichts von all dem hat Bestand. Alles, woran wir uns binden, woran wir unser Herz hängen, ist dazu verurteilt zu zerfallen....

    >Wenn man sich diese Umstände vor Augen führt, möchte man in Tränen ausbrechen! Die erhabensten Werke – zerstört von Idioten, derer es im Weltgeschehen wahrlich nicht mangelt. Alles, was zusammengesetzt ist, kann zerbrechen, muss zerfallen... Die buddhistische Antwort darauf ist die vollständige Loslösung des Bewusstseins. Auch Richtungen der Hindu-Philosophie haben „Moksha“ – die Befreiung – als ihr höchstes Ziel erklärt....

    >„Alles, was entsteht, ist Wert dass es zugrunde geht, darum ist die Sünde, kurz, was ihr ‚das Böse’ nennt, mein eigentliches Element...“ (Ich hoffe, das Zitat stimmt so) Das sind die Worte Mephistopheles in Goethes „Faust“. Mir scheint, aus den Gegebenheiten unseres Daseins resultieren mitunter auch s o l c h e Gedanken – (und diese kenne ich wirklich mehr als nur allzu gut!!) Das sind Gedanken, die alles E n t s t e h e n d e als gänzlich verachtenswürdig auffassen. Ich denke, dazu brache ich nichts Weiteres auszuführen.

    >Das, was sich in den von dir zitierten Versen als Lebensgefühl ausdrückt – es ist ein tiefer Pessimismus, den wir u. a. schon von Schopenhauer her kennen – ist ein Lebensgefühl, dass ich nicht nur kenne sondern das mich zutiefst bewegt (hat).

    >Die Bindung des Bewusstseins an Zeit und Raum erzeugt Schmerz.... Das finden wir in Crowleys LIBER AL recht treffend ausgedrückt: „Es soll kein Unterschied unter euch gemacht werden zwischen einen Ding und irgendeinem anderen Ding, denn dadurch kommt Schmerz“ (I, 22)...

    >Ein solcher Satz hat einen sehr tiefen Hintergrund!!! Wenn ein „Ich“ sich nämlich wirklich in einen Zustand versetzt, in dem es zwischen den zahlreichen Daseinsfaktoren keinerlei wertende Unterschiede macht, indem es einen Zustand der „Leerheit“ erzeugt, und zwar „Leerheit“ im Sinne von Nicht-Identifikation mit diesen oder jenen bindenden Faktoren wie rein persönlichen Zuneigungen und Abneigungen, Liebe, Hass, Angst, Schönheit, d. h. usw. usw., dann ist damit eine völlige Unantastbarkeit und Freiheit erreicht. Der höchste Zustand ist derjenige, welcher l e e r ist von persönlichen Bindungen, ja von „Person“ an sich!

    >Und nun könnte man zum eigentlich Tantrischen kommen, in dem das grundlegende Konzept als „desireless action“ bezeichnet wird (so jedenfalls habe ich es in Indien gelernt).

    >Aus dem Bewusstsein der Bindungslosigkeit heraus lässt sich sehr wohl dahingehend handeln, dass die gesamte Handlungsweise einem reinen Willensausdruck überpersönlicher Art entspricht, der nicht darauf abzielt, persönliche Vorteile, Frauen, Männer, Geld, persönliche macht usw. zu erzielen.

    >Dazu kann man glatt das „LIBER AL“ zitieren: „“Denn reiner Wille, unbefleckt von Zweck, erlöst vom Gelüst nach Ergebnis, ist in jeder Weise vollkommen“ (I, 44)

    >Das ist in gleicher Weise Gedankengut des „Kashmir Shaivismus“, d. h. es ist tantrisch.

    >Wir können schließlich den Pessimismus auf eine durchaus „positive“ Weise auf den Kopf stellen! Jedem Alter folgt eine neue Jugend! Alles Zerstörte wird in besser Weise wiederhergestellt...

    >Vielleicht sollte man in diesem Sinne sogar mal den „Mephisto“ auf den Kopf stellen:

    >„Ich bin die Kraft, die auf ewig alles erhält und schafft.

    >Was auch immer mag vergehen, es wird neu erstehen!

    >Ich bin der ewige Schöpfer und der Welten Erbauer

    >Fern sind mir Schmerz und Trauer......

    >Schmerz entsteht nur durch Identifikation, bzw. Bindung! Der Geist aber, der durch das sich stets wandelnde Geschehne n i c h t berühren lässt (also der ein ein geistiges Niveau hat, das ich nur in höchstem Maße bedingt mein Eigen nennen kann), der ist befreit.

    >Übrigens: CROWLEYS „LIBER AL“ steckt voller tantrischer Gedanken!

    >Die Frage, welche sich angesichts der unabänderlichen Grundeigenschaften des Weltwerdens, des Daseinskreislaufs, stellt ist doch diejenige der B e j a h u n g oder V e r n e i n u n g – und das auch noch in 4-facher Weise!!!

    >1. Ich b e j a h e das Dasein, werde dabei zum höchstmöglichen EGOISTEN, zum Tyrannen und versuche, zu erobern, was sich nur – unter Anwendung der brutalsten Methoden, ohne die geringsten Rücksichten auf Interessen, welche nicht meine ureigenen sind – erobern lässt. Das ist „aham-kar“, die „ich-schaffende“ Macht in ihrer reinsten Form. Dabei interessiere ich mich nicht im geringsten für Konsequenzen jeglicher art. Ich arbeite daran, jegliche Konsequenz, die meinen Willen schwächen oder schädigen könnte, zu beseitigen oder zu zerstören.

    >2. Ich b e j a h e das Dasein, perfektioniere und vervollkommne mich in allen nur irgendwie ereichbaren belangen, eigne mir alle nur erreichbaren Fähigkeiten an und stelle mich dabei in den Einklang mit allen kosmischen Gesetzen und Gegebenheiten, wobei ich mich in meinem Bewusstsein mit nichts, was mir phänomenal gegeben ist identifiziere, indem mein Bewusstsein sich lediglich mit dem Sein identifiziert. Ich strebe danach, voll und ganz zur Gottheit zu werden, indem ich eins mit dem Absoluten werde.

    >3. Ich v e r n e i n e das Dasein, indem ich danach strebe, zu vernichten und zu schädigen, was sich nur vernichten und schädigen lässt. Wo ich nur kann hinterlasse ich eine endlose Spur von vergossenem Blut und verbrannter Erde... Das Ziel ist die vollständige Auslöschen all dessen, was formenhaft ist und am Sein teilhat. Ich mache dabei keinen Unterschied zwischen Dingen jeglicher art. Alles, was existiert muss vernichtet werden. Das „Ich“ inklusive. Das höchste Ziel ist das vollständige Nichts – die „Leerheit“ nicht in relativer Form sondern in absoluter.

    >4. Ich v e r n e i n e das Dasein, indem ich danach strebe, alle persönlichen Wünsche und Bestrebungen zu überwinden, bis ich einen Zustand erreicht habe, indem ich völlig befreit bin. Sodann strebe ich danach mit dem Absoluten eins zu werden und gebe alle Willensakte auf. Ich halte diesen Zustand und höre vollständig auf, als Individualität zu existieren.

    >

    >Das ist natürlich alles „aus dem Bauch heraus“ geschrieben, aber ich denke, die vier äußersten Entscheidungs-Möglichkeiten aufgrund der Qualitäten unseres Daseins halbwegs brauchbar dargestellt zu haben.

    >Dabei habe ich es allerdings unterlassen, den Aspekt des Leidens und der Glückseligkeit mit einzubeziehen. Es versteht sich von selbst, dass nicht alle vier Optionen die gleiche Wertigkeit haben, wenn sie unter dem Gesichtspunkt von Seligkeit/Qual betrachtet werden! Position 1 und 3 entsprechen m. E. dem „Solve et Coagula“, wobei 1 das „Solve“ ist und 3 mit „Coagula“ gleichzusetzen ist.

    >Wenn ein vollendeter Geist der Kategorie 2 in materieller Form auftritt, was aus guten Grünen höchst selten vorkommt, -- erhabene Geister gibt es in der materiellen Welt nur wenige – dann kann man das am besten mit dem Symbol der Kreuzigung darstellen oder aber mit einem meditierenden Buddha... Ein Gnostiker würde sagen: „Der Demiurg dieser Welt taugt nichts“... oder „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“...

    >Immerhin ist es der Geist dieses Demiurgen, welcher zur Zeit ein ganzes Wirtschaftssystem prägt...

    >Es ist übrigen in Hinsicht auf „Tantra“ wirklich einmal interessant, einen tieferen Blick in das „LIBER AL“ zu werfen.

    >„...Und das Zeichen soll meine Ekstase sein, das Bewusstsein um die ewige Fortdauer des Seins, die Allgegenwart meines Leibes.“ (I, 26)

    >„Legt an die Schwingen, und erweckt in eingerollte Herrlichkeit in euch: kommt zu mir!“ (I, 61)

    >„Ich bin die Schlange, die Wissen und Entzücken und strahlende Pracht schenkt und die Herzen der Menschen mit Trunkenheit schürt.“ (II, 22)

    >„Ich bin die geheime Schlange, eingerollt, zum Sprung bereit, in meinen Windungen liegt Freude. Wenn ich mein Haupt erhebe, sind ich und meine Nuit eins. Wenn ich mein Haupt senke und Gift verspritze, dann ist die Wonne der Erde, und ich und die Erde sind eins.“ (II, 26)

    >Das Ganze klingt nun wirklich gehörig nach Shaivismus und Kundalini-Yoga. Es ist schon herzhaft tantrisch!

    >Mit den Schlangen verhält es sich ja nicht anders mit unter Druck stehenden Wasserschläuchen. Man muss sie am Kopf halten, dann sind sie lenkbar, dienlich, nützlich und brav, fasst man jedoch am hinteren (oder besser: am unteren) Ende an, dann hat man gefährliche Peitschen in der Hand. In diesem Sinne heißt es natürlich nicht zu Unrecht „Liebe ist das Gesetzt, Liebe unter Willen“! Aber wer ist heute schon ein guter Schlangenbeschwörer???

    >Mich erinnert die Schlagensymbolik immer an das astrologische Mysterium um das Zeichen „Skrorpion“....

    >Ciao,

    >Werner

    >

    >P.S.: Ich weiß, meine Dichtkunst war schon mal besser *lol*...


  5. #5
    Werner
    Gast

    Re: Tantrische - Meditation?

    >>Hallo SethoS,

    >>naja wenn Du der Meinung bist, Du seist dein physischer Körper muß der Tod einem wohl so erscheinen. Ich weiss das ich nicht mein physicher Körper bin, sondern ein unsterbliches geistiges Wesen. Wenn ich diesen Körper eines Tages aufgebe, wird er zerfallen und es berührt mich nicht mehr als ein altes Kleidungsstück, daß seine Aufgabe erfüllt hat.

    >>Von daher hat der Tod nichts erschreckendes, zumal er auch nicht unerwartet kommt. Aber um bei der Methapher der schwarzen Rose zu bleiben, die goldene Rose blühet ewiglich.

    >>Viele Grüße

    >>Harriet

    >>

    >hihihi...

    >na, ich glaube nicht, dass SethoS ein eingefleischter Materialist ist, das sich Sorgen darüber macht, dass die Zeit knapp wird....

    >Werner


  6. #6
    Azatoth
    Gast

    Re: Der Tod bleibt der Tod

    >Der Text gibt sehr klar die Bedeutung des Todes wider - und eignet sich besser, Einsicht in die herausfordernde Frage nach der Endlichkeit zu bekommen, als in die Hermetik hineingetragene aber nur blinde und letzlich religiöse Topoi a la: Ich bin ein unsterblicher Geist .. die goldene Rose blüht ewiglich ... also was soll's.

    >Die Tragik der unsterblichen Individualität nämlich ist es, daß SIE SELBST es ist, die immer wieder diese Tode ihrer Personen stirbt ... und das ist jenseits der Erleuchtung ihre unhintergehbare Realität .... immer wieder zu sterben ... als Person alles aufgeben zu müssen, was durchaus sinnvoll gut und schön war ... weil sie nicht stark genug ist, dem Verdikt der Vergänglichkeit entgegenzutreten.

    >Warum wohl spüren alle Menschen (auch vorgeblich religiös gefestigte oder "esoterisch" orientierte Personen), daß der Tod eines Menschen immer auch ein letztes Wort ist, daß etwas unwiderruflich zu Ende gegangen ist ... daß Trauer durchaus am Platz ist ? Warum trauern selbst Adepten um den Tod von wertvollen Menschen ? (klar gesagt: nicht der Tod jedes Menschen sollte Anlaß zur Trauer geben - bei etlichen lohnt es sich nicht, um irgendetwas zu trauern -wer vermißt schon Torquemada)

    > Weil die Relevanz des Todes hinausgeht über den Verlust des Körpers - denn im Gegensatz zu philosophisch unsinnigen Lehren religiöser Richtungen in Ost wie West, die in der Leiblichkeit und der Materie das feindliche oder unzuträgliche Prinzip sehen (sogar das von Gut und Böse - dabei sind beide immer geistig und wurzeln in den Prinzipien von Freiheit und Entscheidung), weiß der Hermetiker, daß der Mensch nur als Geist, Seele und Körper vollkommen ist ...

    >Die materielle Welt ist nicht das Problem (das auch zu Dir, lieber Werner), das Problem ist die Individualität, die nicht den Schlüssel der Drei Welten kennt und gebrauchen kann .. denn Hermes ist der Dreimalgroße, weil er die Meisterschaft aller Drei Welten innehat. Wer als Person sterben muß, stirbt tatsächlich, nicht als Geist, aber als Ganzer Mensch. Und den Tod versteht man nur, wenn man dies völlig begreift ... kaum ein "Spiritueller" oder Religiöser tut es.

    >Rein formale Bezugnahmen auf den unsterblichen Geist helfen nicht darüber hinweg .. denn die Person N.N ist nun einmal aufgehoben. Auch wissen Leute, die so sprechen gar nicht, was in der Hermetik wirklich unter dem Geist zu verstehen ist ... Sie stellen sich darunter fälschlicherweise eine Fortsetzung ihrer persönlichen Identität vor. Da bleibt nur die Frage, wo denn jetzt all die Identitäten der vergangenen Personen der jeweiligen Individualität geblieben sind ...

    >Die brauchbaren Antworten auf diese Fragen liegen übrigens weit jenseits jeglicher Reichweite "esoterischer" Standardfloskeln. Sie sind in einer theoretisch haltbaren und praktisch anwendbaren Form schwer zu finden, aber wenn gefunden um so profunder und wichtiger.

    >Mögen die Gedichte das Gesagte verdeutlichen auf einer Ebene jenseits des argumentativen Diskurses - doch Vorsicht: sie sprechen nur vom Rätsel nicht aber von der Lösung ....

    >

    >THANATOS

    >_____________

    >Der letzte Augenblick

    >hineingewoben

    >in weitverzweigte Lebenslinien

    >hineingewandt

    >in Aufhebung

    >von Zeit und Möglichkeit

    >erstrahlt

    >- vielleicht -

    >mit einemmal

    >zu einem Bilderraum

    >so schneidend naher Unerfüllbarkeit

    >daß dieser letze Schmerz

    >die schon verdämmernden

    >unüberbietbar

    >überragt +

    >

    >ANAMNESIS

    >__________

    >Einstmals -

    >und sie hatten Ihrerseits

    >die ganze Fülle

    >von Idee und Wagnis

    >die eintretende Wirklichkeit

    >von Trauer und Umschwung -

    >was blieb

    >ist diese Einsicht

    >sowie die Spuren

    >die nicht mehr einsehbar sind +

    >

    >MOIRA

    >______

    >

    >Der uferlose Horizont

    >entzieht sich Dir

    >weil Du nicht halten kannst

    >was er verspricht +

    >Die schlanke Hand der Zeit

    >ist schwach - sie trägt den Traum

    >doch über unter hinter ihr

    >erwartet Dich ein namenloses schweres Leid +

    >Momente - hingegeben an den Raum

    >- sie kehren hinter sich

    >zurück in der Erinnerung die einzig

    >die Vergänglichkeit beweist +

    >Die Spuren die die Vögel zieh'n

    >in der von Licht durchschoss'nen Luft

    >sie bleiben nicht - und ihre Rufe

    >wurden nie erhört vom Ohr der Ewigkeit+

    >

    >Selah


  7. #7
    Harriet
    Gast

    Re: Tantrische - Meditation?

    >Hallo Werner,

    >spielst Du vielleicht auf gewisse sexualmagische Methoden an, wie man sich seinen nächsten physischen Körper aussucht und das vorhandene Wissen mit vollem Bewußtsein mitnimmt ?

    >Euer Lager scheint mir doch für solche Spielereien sehr empfänglich zu sein oder täusche ich mich da ?

    >Grüße von Harriet


  8. #8
    Harriet
    Gast

    Re: Der Tod bleibt der Tod

    >Hallo Azatoth,

    >wenn Du dich mit deinen Wünschen, Empfindungen und Gedanken identifizierst wird wahrscheinlich der Tod für Dich eine schmerzliche Erfahrung sein.

    >Ich glaube übrigens ganz bestimmt nicht an das Weiterexistieren meiner Persönlichkeit. Das Verlöschen der Individualität, nicht der Bewußtheit ist ein wundervoller Zustand und entspricht in etwa dem, was die Buddhisten als Nirwana bezeichenen.

    >Dein Intellekt wird Dir bei der Beantwortung der Frage nach dem Tod keineswegs hilfreich sein, da zählt nur das eigene erleben.

    >Grüße von Harriet

    >P.S. mir war übrigens nicht bewußt, daß ich irgendwelche hermetischen Standardfloskeln benutzt habe, aber so kann man sich anscheinend täuschen.


  9. #9
    Azatoth
    Gast

    Re: Wenn Du das nicht faßt .. dieses Stirb und Werde

    >Hallo Harriet,

    >Es ist ein schwerer Irrtum, wenn man die Individualität mit der Person gleichsetzt - die erste ist unsterblich, die zweite nicht - aber sie ist die notwendige Ausdrucksform der ersten. Die Abfolge der schicksalsmäßig gebundenen Existenzen besteht aus einer Folge von Personen, die die Individualität verkörpern und deren jede sie wieder verliert.

    >Das ist ein Problem, das jenseits der Identifikation mit Gedanken etc. steht. Und hast Du mal darüber nachgedacht, daß mißverstandene oder per se falsche asiatische "Anweisungen" zur Nichtidentifikation keine Erkenntnis und schon gar keine adäquate hermetische Übung darstellen.

    >Das richtet sich nicht gegen den asiatischen Okkultismus .. im Gegenteil .. aber gegen die, die immer von ihm reden, aber ihn weder theoretisch gescheige denn praktisch kennen ! Halb Europa schwafelt heutzutage vom Karma - aber vielleicht 200 Leute haben einen tragfähigen Begriff davon .. der Rest lebt in gedanklichen Kindergartenwelten,die ihnen sogar jeder denkfähige Nicht-Esoteriker sofort zerlegen kann ...

    >Derartig triviale Sentenzen zur "Nichtidentifikation" kann man auf nichtssagende Alltgsgedanken anwenden - Gedanken dagegen,die wirkliche Bedeutung haben und universalen Ideen entsprechen, bleiben in ihrer Relevanz bestehen - ob sich irgendein Subjekt nun mit den Inhalten identifiziert oder nicht ... das lehrt die Praxis, wie sie auch lehrt, daß die meisten "Esoteriker" weit unterhalb dieser Ebene "denken". Für sie wäre es wirklich gut, sich nicht mit ihren mentalen Produkten zu identifizieren ... aber genau das tun sie zumindest in ihren hergeholten und danebenliegenden "spirituellen" Anschauungen.

    >Außerdem hat das Ganze (die Frage der Identifikation)nichts mit dem Spannungesbogen der Fragen von Individualität, Person und Tod zu tun - die Antwort zeigt nur, daß Du Dich mit Deinen Gedanken im Mainstram "spirituell" beflissener Personen bewegst .. ein bißchen falsch verstandenen Buddhismus, wenn man ihn gerade gebrauchen zu können meint .. und doch nur psychologische Depersonalisationserfahrungen beschreibt, die mit "Nirvana" nun bestimmt nichts zu tun haben.

    > Auch geht es nicht darum, ob der Tod subjektiv eine schmerzliche Erfahrung ist oder nicht ... und schon gar nicht sprach ich von meinem Tod. Vielmehr geht es um die objektive Bedeutung des Todes für jeden, der ihn nicht überwunden hat .. denn für jeden, der sterben M U S S, vernichtet jeder neue persönliche Tod der Individualität immer wieder die Ganzheit der menschlichen Gestalt - wenn Du tatsächlich in der okkulten Praxis Erfahrungen hättest, würdest Du verstehen, was das bedeutet und wo das hermetische Problem liegt.

    >Und bedenke: alle Relgionen sind mehr oder minder fehlerhaft und einseitig - auch der Buddhismus - Hermetik dagegen hieß einmal, in Theorie und Praxis jenseits der Religionen zu stehen ... und die üblichen Esoteriker sind im Grunde auch nur Relgiöse mit ein bißchen mehr Toleranz und Phantasie. Aber das reicht nicht, um die echten Probleme auch nur zu sehen.

    >

    >Grüße von Azatoth


  10. #10
    Harriet
    Gast

    Re: Wenn Du das nicht faßt .. dieses Stirb und Werde

    >Hallo Azatoth,

    >der selektive Verstand nimmt nur das war, was seinen eigenen Glaubenssystemen entspricht. Wenn Du mich also nun für einen naiven Mainstream Esoteriker halten möchtest, dann sei es Dir unbenommen.

    >Mit Worten lassen sich eben eigene Erfahrungen nur schwer ausdrücken.

    >Viele Grüße

    >Harriet

    >


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