>...Und hallo zum dritten
>Wie gesagt möchte ich nun meine eigenen Ansichten und Theorien eurer
>Kritik stellen und hoffe durch euch wieder ein Stück weiterzukommen.
>Als Einleitung möchte ich sagen, dass ich längst nicht so in meiner
>Theorie gefestigt bin, wie das hier tönt. Aber jeden Satz mit
>"ich glaube, dass" oder "meiner Meinung nach" anzufangen, spare ich
>mir praktischerweise.
>(Vorhang auf...*g*)
>Abstruse und gefühlsfremde Theorien, wie sie meine Hitler-Karma-Theorie
>ist, darf man nicht einfach hinnehmen, sondern muss versuchen, sie
>mit aller Kraft zu hinterfragen. Zu den gleichen Betrachtungen zählen
>"die perfekte Welt und ein Mörder"-Theorie von PA, sowie verheerende
>Rechtfertigungen, die man zB. aus esoterisch-rechtsextremen Kreisen zu
>hören bekommt.
>Hört man von schlimmen Gewaltverbrechen und argumentiert gleichgültig,
>dass das Opfer selber Schuld ist wegen seinem schlechten Karma, so
>mangelt es schlicht am geschulten Gefühlsdenken, der emotionalen
>Intelligenz, dem Herzverstand, der Beziehung zur inneren Führung,
>der Intuition oder wie man es sonst nennen will.
>Betrachten wir das Karmagesetz anhand des Satzes zu lesen bei Bardon:
>"Was der Mensch sät, das wird er ernten." (1)
>Stillschweigend wird hier davon ausgegangen, dass der Mensch überhaupt die
>Möglichkeit *hat*, zu säen bzw. Ursachen zu schaffen. Wer wollte
>dem Mensch die Verantwortung für seine Taten zuschieben, wenn er keine
>Möglichkeit hat, frei nach seinem Willen zu handeln? Wenn unsere Zukunft
>bis ins Detail vorausbestimmt wäre, ohne freie Eingriffsmöglichkeiten
>des Menschen, dann müsste man konsequenterweise auch die Verantwortung
>aller Taten der Menschen derjenigen Instanz (nennen wir sie mal Gott)
>zuschieben, die alles vorausbestimmt hat.
>Für mich ist es daher fast schon Blasphemie, wenn man Gott zum
>Marjonettenspieler herabwürdigt.
>Was aber heisst "aus freiem Willen Ursachen schaffen"? Nehmen wir zB. zwei
>Menschen, die sich streiten und sich dabei gegenseitig anschreien vor
>Wut. Kann man hier wirklich sagen, dass die im Affekt ausgestossenen Beleidigungen
>"aus freiem Willen" geschehen? Ich meine, dass hier der freie Wille von
>der Wut überschattet wird. Die Kontrolle wird hier an eine niedere Kraft
>abgetreten und diese Leute sagen Worte, die sie nachher, wenn sie aus der
>Wut erwachen, vielleicht bereuen.
>Nur Taten, die aus vollem Bewusstsein über deren Motivation (2) ausgeführt werden,
>verdienen es, als Ausdruck von freiem menschlichen Willen angesehen zu
>werden. Diesen freien Willen gilt es zu entdecken und zu schulen.
>Lassen wir unser Bewusstsein von niederen Kräften wie Gier, Neid, Wut,
>Hass usw erfüllen, so sind wir weit weniger frei, als wenn wir uns dazu aufschwingen können, uns über diese Kräfte in uns selbst bewusst zu
>werden und sie zu kontrollieren. Introspektion dient hier also auch der Schulung zur Freiheit.
>Ähnlich kann man auch zwischen Begehr und wahrem Willen unterscheiden,
>wie 667 dies tut.
>Gerade *weil* der Mensch potentiell frei ist, kann man keine sichere
>Prognose der Zukunft machen. Der Magus von Strovolos zB meint, es seien seherisch nur Wahrscheinlichkeiten erkennbar, die aber immer unsicherer
>werden, je weiter man "in die Zukunft schaut" (3). Hier gerate ich in
>Konflikt mit dem Frabato-Roman, den ich sowieso für ziemlich fragwürdig
>halte.
>
>Kommen wir nochmal zum Karma zurück. Ich halte die Konto-Interpretation
>von JohnDee für sehr gefährlich, weil bei jeder guten Tat im Hintergrund
>der Gewinn für einen selbst steht. Der Vergleich "Karma-Kapitalismus"
>umschreibt dieses Modell treffend. Man gewöhnt sich eine rein egoistische
>Haltung an, wie Gabi dies richtig erkannt hat. Will man den Kräften der
>Liebe kongenial werden (4), so muss dies unbedingt ein Nachteil sein.
>Zitat von Gabi und zugleich Beispiel für das, was ich unter "denken aus
>Intuition" verstehe:
>>>Aber siehst du, so geht es mir auch, dass ich das Gefühl habe,
>>>dass an dieser Vergeltung Auge um Auge, Zahn um Zahn etwas faul ist.
>>>Ich mag mich nun mal nicht zur Karma-Marionette machen lassen, und
>>>Menschen die selbstlos helfen zu unterstellen, sie wollen ja nur gutes
>>>Karma ansammeln oder schlechtes abarbeiten, das finde ich schlichtweg >>beschämend so zu denken, lieber vergess ich die ganze Karmasache und
>>>lebe so wie ich es für richtig halte.
>Wer so denken kann, hat kein Karma-Modell mehr nötig. Trotzdem ist
>natürlich der Reiz da, eine Erklärung oder eine Theorie zu entwickeln.
>Ich bin auf einen Gedanken gekommen, mit dem man das Modell evtl.
>"retten" , bzw. Nächstenliebe-Kompatibel machen könnte:
>Man kann beobachten, dass Hass sehr ansteckend ist. Regelrechte
>Hass-Spiralen entstehen zB in Krisengebieten (Ex-Jugoslavien usw),
>aber auch bei uns im Alltag.
>Dasselbe kann auch mit der Nächstenliebe geschehen. Ein Egoist, der es
>gewohnt ist, abgelehnt und gemieden zu werden, kann u. U. schwer
>beeindruckt werden, wenn er auf Menschen trifft, die ihm seine Fehler
>verzeihen können und ihm Geduld und Liebe entgegenbringen.
>(Hier gilt allerdings aber auch: Vorsicht mit der rosaroten Brille!)
>So kann man es sich zur Motivation machen, durch gute Taten andere Leute
>auch zu guten Taten zu animieren, was dann deren karmische Last abbaut.
>Wenn man aus dieser Sicht eine gute Tat bewirkt, hat man nun direkt seine
>eigene karmische Last verringert, indirekt aber auch den Nächsten dazu
>animiert, dasselbe zu tun, was nun diesem wieder dienlich ist aus
>karmischer Sicht.
>Wie gesagt, das war ein Rettungsversuch. Nimmt mich wunder, was ihr
>davon haltet. Ich persönlich tendiere dazu, das Konto-Modell ganz
>abzulehnen und andere Theorien zu entwickeln (diese erspare ich euch
>jetzt lieber aus Platzgründen *g*).
>Mit diesen simplen Gedanken und dieser Einstellung hat man eine gute
>Grundlage, um tiefer in die mechanistische Erkenntnistheorie oder auch
>in die Hermetik einzusteigen.
>In diesem Sinne wünsch ich nochmal viel Freude und Erfolg bei eurer Arbeit.
>Gruss Severus Snape
>Textangaben:
>(1) Bardon, IHH S.28
>(2) Steiner, Philosophie der Freiheit (1. Auflage Berlin) zB S.22
>(3) Markides, Feuer des Herzens ab S.160
>(4) Douval, Band 1 zB. S. 28 uvm.



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