>"Religion

>Der angehende Magier wird sich zu einer Universalreligion bekennen. Er wird finden, daß jede Religion wohl ihre guten Seiten, aber auch ihre Schattenseiten hat. Das Beste wird er für sich behalten und die Schwächen nicht beachten. Damit ist nicht gesagt, daß er sich zu jeder Religion bekennen muß, aber er soll jeder Religion die gebührende Achtung entgegenbringen, denn jede hat ihr eigenes Gottesprinzip, ob es sich jetzt um das Christentum, um Buddhismus, Mohammedanismus usw. handelt. Im Grunde kann er seiner Religion treu bleiben. Mit den offiziellen Dogmen seiner Kirche wird er sich jedoch nicht zufrieden geben und danach streben, tiefer in die Werkstatt Gottes einzudringen. Das ist ja auch der Zweck unserer Einweihung. Der Magier wird sich den Universalgesetzen gemäß seine eigene universale Weltanschauung bilden, die seine wahre Religion sein wird. Er wird die Beobachtung machen, daß, abgesehen von den Schwächen, jeder Verteidiger der Religion seine Religion als die beste hinzustellen bemüht ist. Jede Religionswahrheit ist relativ, und das Begreifen derselben hängt von der Reife des Einzelnen ab. Deshalb läßt der Eingeweihte in dieser Hinsicht jedem sein Recht, versucht auch nicht, ihn von seiner Wahrheit abzubringen, ihn zu kritisieren oder gar zu verurteilen. Im Innern der Seele kann er Fanatiker oder Atheisten höchstens bedauern, ohne es irgendwie äußerlich zu zeigen. Halte jeder an dem fest, woran er glaubt und was ihn glücklich und zufrieden macht. Würde sich jedermann diesen Grundsatz zu eigen machen, gäbe es weder Haß noch Religionszwist. Es läge dann wirklich kein Grund zu Meinungsverschiedenheiten vor, und alle Geistesrichtungen könnten nebeneinander glücklich bestehen.

>Es ist allerdings etwas anderes, wenn ein Suchender, den weder Materialismus noch Dogmen befriedigen, sich nach geistiger Nahrung sehnend, einen Eingeweihten um Rat und Aufklärung angeht. In einem solchen Falle ist der Eingeweihte verplichtet, den Suchenden je nach seinem Auffassungsvermögen aufzuklären. Dann spare der Magier weder Zeit noch Mühe, seine geistigen Schätze dem Sucher zu übermitteln und ihn zum Licht zu führen."

>zitiert nach: Bardon, Franz. Der Weg zum wahren Adepten. 1998. S.55