>Hallo, Nereos!
>Kurz zu deinem Posting:
>******In der Sache mit dem "Liebe deine Feinde" bin ich mir nicht so ganz sicher. Ich habe die Vorstellung, daß wir alle ja durch unsere "göttliche Abstammung", also indem wir als Menschen den Kosmos reflektieren, doch alle irgendwie verbunden sind. Außerdem denke ich, daß eben aus dieser All-Verbundenheit (ich hab kein besseres Wort jetzt) heraus doch auch alle eine Art gemeinsamen Willen haben müssten.*****
>Ja, wie du schon sagst: „MÜSSTEN“. Da es sich aber so verhält, dass wir in einer Welt leben, in der es völlig unterschiedliche Menschentypen mit ebenfalls völlig unterschiedlichen Zielsetzungen gibt, haben wir es mit Kollisionen zu tun, und das nicht zu knapp. Das Prinzip „Macht gegen Macht“ ist einer der Grundfaktoren des Daseins in dieser Welt. Und wenn also jemand – um einmal ein sehr anschauliches Beispiel zu bringen – eine Bank überfällt, dann wird er dafür nicht geliebt, sondern ins Gefängnis verfrachtet. Dort sitzt er seine Zeit ab. Welchen Wert sollte denn die Gnade haben, mit der man den Täter gleich wieder laufen ließe? Dann marschierte er direkt zur nächsten Bank... Wenn ich das Wort „Feinde“ erwähne, dann meine ich damit nicht harmlose Streitereien und dergleichen. Es geht mir dabei um Formen der Kriminalität und vor allem um Ideologien, welche für sich beanspruchen, anderen Vorschriften dahingehend geben zu müssen, wie deren Moral und Weltbild auszusehen haben.
>*******Ich denke das ist auch die Idee, die hinter Thelema steckt; es geht ja im Grunde aus dem Liber II hervor. Insofern gibt es eigentlich keine Feinde und auch keine Freunde.******
>Jedenfalls rein theoretisch. Mit dem „Eigentlich gibt es dieses oder jenes (nicht), sondern... --- Eben damit ist das auch so eine äußerst komplizierte Sache philosophischer Art. Die von dir angeführte Art zu denken setzt voraus, dass Menschen eine dazu passende Mentalität haben und einer gewissen Stufe innerer Entwicklung entsprechen. Wer mit seinen „Thelema“-Ideen bei den Zeugen Jehovas, dem Papst, islamischen Mullahs oder vergleichbaren Leuten auftaucht, der wird sofort deren Hass ernten, da kann er sie lieben soviel er will: Seine p r ä s k r i p t i v e n Sätze werden ihm dann auch nicht weiter helfen. Dementsprechend ist es das Sinnvollste, um verschiedene Personengruppen einen weiten Bogen zu machen. Dann liebt man sie nicht, man hasst sie nicht, sie ernten Gleichgültigkeit. Ansonsten sollte man sich sehr wohl selbst verteidigen.
>*******Nimmt man die Überlegung von Nietzsche hinzu, der im Zarathustra gesagt hat, wir sollen auch unsere Freunde hassen (können), so wird doch eine gewisse Relativität in bezug auf Freund und Feind deutlich. Genauso wie in Sachen Gut und Böse.*****
>Ha! Nietsche hat aber niemals gesagt, dass man Idioten lieben soll!
>*****Wenn man nun die Feindesliebe ein wenig in Richtung Nächstenliebe zieht und den Jesus-Satz "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" in eine Aussage umformuliert und daraus macht : "Du liebst deinen Nächsten wie dich selbst.", dann wird hier, denke ich auch ein Aspekt der Selbstfindung, also des Findens des wahren Willen deutlich.*****
>Mich stört dabei der Begriff „der Nächste“... Einstmals war das ein Mitglied desselben Volkes. Inzwischen ist das jeder Hans und Franz, der mir zufällig in der Straßenbahn begegnet und dumm daherquatscht. Wenn wir diesen Begriff allerdings in dem Sinne verstehen, dass es sich bei dem „nächsten“ um Personen handelt, die uns innerlich nahe stehen, dann ließe sich – soweit meine Einschätzung -- mit solchen Liebes-Weisheiten besser und sinnvoller leben.
>Ein anderer Aspekt ist natürlich der, dass ein freundlicher und zuvorkommender Mensch grundsätzlich mehr Sympathien erntet, als ein isolierter rechthaberischer Nörgler. Damit soll angedeutet sein, dass Sätze wie „Liebe deinen Nachbarn“ wohl ihre Berechtigung haben, aber nicht als a l l g e m e i n g ü l t i g e Richtschnur gelten können. Liebe ist missbrauchbar und wird gerne als Schwäche gedeutet!
>*****Sicher alles durcheinander und lückenhaft formuliert...*****
>Das bleibt nicht aus, wenn man am Rechner ein Posting schreibt. Meine Texte sind auch nicht druckreif!
>******Ich hab auch die Erfahrung gemacht, und das lange bevor ich überhaupt was von "richtiger" Magie etc. gehört hatte. Es war manchmal ein wenig ein Gefühl des Ekels, wenn ich z.B. in der S-Bahn saß und hörte, über was sich die Leute so unterhielten und vor allem wie sie das taten. Genauso schmerzt es mich zutiefst, wenn ich sehe wie Kinder einander an den Rand stellen und polemisch fertig machen. Warum sie das tun? Ich weiß es leider nicht... Hat jemand einen Tip? Eine andere, im Grunde ähnliche Erfahrung macht man z.B. in Discos. Auch da sind die Leute i.A. total isoliert. Vielleicht gibt es Grüppchen, aber oft sind sie auch total erschrocken, wenn man sie anspricht. Die Herde... aber irgendwie handelt sie nur auf einer ganz eigenartigen Ebene herdenartig... Und dennoch amüsieren sich die Leute, etwa bei solchen Discos, wo es mir dann fast schlecht wird.*****
>Das spricht für dich! Ich habe früher in den Discos auch immer zuviel bekommen: Schlechte Luft, zuviel Lärm und nichtssagende Leute, die sich mit einem Bier in der Hand in den Ecken abstellen und warten... auf was eigentlich? Und mit der Straßenbahn bin ich auch fast nie gefahren. Deine Empfindungen kenne ich sehr wohl, und wenn du Nietzsche liest, dann wirst du feststellen, dass Nietzsche es auch nicht anders sah. Schopenhauer auch nicht und ... und ... und ....
>******Sich da im Griff zu haben und sich auch amüsieren zu können, auch wenn es nur für den Moment und "sinnlos" ist, ich glaube das ist auch eine Kunst, die man lernen sollte, die man eigentlich ja beherrschen müsste, denn irgendwann waren wir doch sicherlich alle ein wenig "normal".******
>Was heißt schon „normal“? Es ist schließlich in den Augen der Masse eine wahre Untugend nicht „normal“ zu sein. Eigentlich geht es aber darum, dass man sich, wenn man – und das hat auch John R. recht gut in seinem Posting zum Ausdruck gebracht – über eine gewisse Sensibilität verfügt, unter dem „Volk“ nicht sonderlich wohl fühlt.... Menschen haben zwar die Eigenschaft, ihrer Erscheinung nach vergleichsweise ähnlich auszusehen. Sowohl der absolute Trottel als auch das weltverändernde Genie sind rein äußerlich M e n s c h e n. Innerlich jedoch liegen sie um Welten auseinander! Es ist ja auch recht schnell am Gesicht abzulesen, ob jemand sehr feine Züge aufweist und entsprechend intelligent ist -- und solch ein Mensch bedient sich zumeist auch einer recht präzisen Ausdrucksweise -- oder ob es sich um einen eher primitiv gestrickten Geist handelt. Es ist dabei eigentlich ein beachtliches Phänomen, dass nämlich das Gro der Menschheit voller Dummheit und animalischer Züge steckt, also dem Tierreich innerlich sehr nahe steht und dass der Typus des höheren Menschen eher die Ausnahme ist. Dort, wo diese in größerer Anzahl in Erscheinung treten, entsteht schnell eine Hochkultur. Dort, wo es an ihnen mangelt, tritt Verfall ein. So ist es eigentlich auch nur logisch, dass Ideologen, die die Massen für sich und ihren Machtwillen mobilisieren müssen zuallererst beigehen und die höheren Menschen zu vernichten suchen.
>Ciao,
>Werner



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