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Thema: Frage zum Hindutum

  1. #1
    Fragender
    Gast

    Frage zum Hindutum


    Hallo allerseits,

    ich habe mich etwas mit dem Hinduismus beschäftigt; was ja extrem komplex ist.

    Nun frage ich mich folgendes: Wofür gibt es das Kastenwesen (als religiös wahr angenommen) wenn doch sowieso jeder nur das bekommt was er verdient ( vom bösen Tun im vergangenen Leben zu schlechter Gesundheit/niedrige Geburt im diesseitigen Leben etc.). Ausserdem würde doch das Karma ein schöneres Leben bewusst verhindern, wenn das durch eigene Taten (in früheren Inkarnationen) so determiniert wurde. Wozu also das System der Kaste (wobei ja die 4 primären Kasten wiederum in tausende kleinerer unterteilt ist)?

    Oder ist das Kastensystem nur eine Wahrheit, die von einem Buddha gegeben wurde und ist zeitlich nicht immer wahr, sondern eben nur in einem bestimmten Zeitrahmen wahr?

    Ach noch etwas: Wozu werden Götterbilder/Götternamen etc. erfunden bzw. vermarktet, wenn es doch jedem Hindu (man muss ja von Geburt aus Inder sein um Hindu zu sein, sonst ist man wie der Durchschnittseuropäer jenseits von Gut und Böse), gleichgestellt ist woran er glaubt (ok, die 4 Veda sind Fundament, aber die grossen Unterschiede (Fleischkonsum/Glaubensfragen) sind in jeder Schule anders). Letztendlich darf also der Hindu glauben was er will, weil nur seine Taten (bzw. Wissen von der Wahrheit) bestimmen was aus ihm wird (Tier/Pflanze/Mensch/Gott).

    Um wieder auf die erste Frage zu kommen: Die Christen (Kategorie Mensch) z.B., bekommen ja auch nur das was ihnen das Karma zuteilt, egal woran sie glauben, und die "brauchen"/haben ja auch keine Kasten! Wozu also die Kastenlehre? Bzw. würde es jemand merken, wenn ein Parias, so wie der Hauptmann von Köpenick, sich als Priester ausgibt?

    Erfand Siddharta Gautama seinen Erlösungsweg deshalb, weil er genug hatte vom ewigen Auf- und Abstieg (Wandel) des Kreislauf des Lebens?

    Ist es einem nach der Erlösung (nach Buddha) unmöglich schlecht zu handeln und somit wieder in diesem leidvollen Kreislauf des Lebens eingegliedert zu werden?

    Ähm, das wär erstmal alles. Vielleicht kann mir jemand, vorausgesetzt er hat bis hierher durchgehalten, mir Antworten geben.

    Achja nochmal ein grosses Lob an die Inder, weil ihr sozial religiöses System sehr gut durchdacht ist.

    MfG

    der Fragende



  2. #2
    Ranma
    Gast

    Re: Frage zum Hindutum


    >Hallo allerseits,

    >ich habe mich etwas mit dem Hinduismus beschäftigt; was ja extrem komplex ist.


    Ob das hier ins Forum gehört?


    >Nun frage ich mich folgendes: Wofür gibt es das Kastenwesen (als religiös wahr angenommen) wenn doch sowieso jeder nur das bekommt was er verdient ( vom bösen Tun im vergangenen Leben zu schlechter Gesundheit/niedrige Geburt im diesseitigen Leben etc.). Ausserdem würde doch das Karma ein schöneres Leben bewusst verhindern, wenn das durch eigene Taten (in früheren Inkarnationen) so determiniert wurde. Wozu also das System der Kaste (wobei ja die 4 primären Kasten wiederum in tausende kleinerer unterteilt ist)?


    Das gibt es, weil es keiner abschafft. In erster Linie ist es eine Art Zunftwesen. Nimmt man nun einfach ein paar der unteren Kasten weg, dann werden die traditionell von diesen Kasten ausgeführten Tätigkeiten von niemandem mehr ausgeübt. Darunter hat dann die ganze Gesellschaft zu leiden. Deshalb hassen Hindus Missionare, denn die haben vor allem bei den unteren Kasten Erfolg. Natürlich könnte man eine freie Berufswahl einführen, was ja auch bei uns das Zunftwesen abgelöst hat. Aber warum sollte man das tun? Der Hindu ist zufrieden damit, wie es ist, weil sowieso alles durch sein Karma geregelt wird. Deshalb sieht er überhaupt keine Notwendigkeit irgend etwas zu ändern. Es ist eine von unserer völlig verschiedene Einstellung gegenüber dem Leben.


    >Oder ist das Kastensystem nur eine Wahrheit, die von einem Buddha gegeben wurde und ist zeitlich nicht immer wahr, sondern eben nur in einem bestimmten Zeitrahmen wahr?


    Das Kastensystem wurde von keinem Buddha gegeben. Auch der Buddhismus hatte Erfolge vor allem bei den unteren Kasten, die Buddhisten wurden. Die Hindus haben damals die Buddhisten genauso sehr gehasst, wie sie das später bei muslimischen und heute bei christlichen Missionaren taten und tun. Heute gibt es nur noch eine kleine Minderheit an Buddhisten in Indien.


    >Ach noch etwas: Wozu werden Götterbilder/Götternamen etc. erfunden bzw. vermarktet, wenn es doch jedem Hindu (man muss ja von Geburt aus Inder sein um Hindu zu sein, sonst ist man wie der Durchschnittseuropäer jenseits von Gut und Böse), gleichgestellt ist woran er glaubt (ok, die 4 Veda sind Fundament, aber die grossen Unterschiede (Fleischkonsum/Glaubensfragen) sind in jeder Schule anders). Letztendlich darf also der Hindu glauben was er will, weil nur seine Taten (bzw. Wissen von der Wahrheit) bestimmen was aus ihm wird (Tier/Pflanze/Mensch/Gott).


    Im Prinzip ja. Deswegen können ja auch neue Götter dazukommen. Das passiert nicht, weil man das müsste, sondern weil der Hindu das darf. Kann man sich als Christ wohl schwer vorstellen. Aber warum sollte man in Indien geboren sein müssen, um Hindu zu sein? Es gibt doch auch Hindus in Indonesien, vor allem auf der Urlaubsinsel Bali, früher aber mal von Java ausgehend in ganz Indonesien, außerdem riesige hinduistische Gemeinden in Mauritius, Singapur, der französischen Insel Reunion und in den USA. Kleinere Hindugemeinden gibt es überall auf der Welt. Die meisten sind allerdings schon Nachfahren von Indern, aber wie will man das beweisen? Und ist man deshalb schon Inder? Wer in Deutschland geboren wird, ist ja dadurch Deutscher.


    >Um wieder auf die erste Frage zu kommen: Die Christen (Kategorie Mensch) z.B., bekommen ja auch nur das was ihnen das Karma zuteilt, egal woran sie glauben, und die "brauchen"/haben ja auch keine Kasten! Wozu also die Kastenlehre? Bzw. würde es jemand merken, wenn ein Parias, so wie der Hauptmann von Köpenick, sich als Priester ausgibt?


    Würde man. Weil der Priester nämlich Sanskrit in Wort und Schrift perfekt beherrschen muß. Das ist die Kastenpflicht, das Dharma, eines jeden Priesters. Ein Paria könnte das nie. Schon alleine deswegen nicht, weil ihn keine Schule aufnimmt. Andererseits sind die Inder in großen Städten weniger religiös. Gerade wo die Industrialisierung Einzug gehalten hat, sind Kastenunterschiede nicht mehr sehr ausgeprägt. Ein Fabrikarbeiter ist einfach ein Fabrikarbeiter. Der Beruf ist zu neu, um ihm einen religiösen Unterbau zu verschaffen. Vor allem wer vom Land in die Stadt zieht, dem ist die Kastenzugehörigkeit nicht mehr unbedingt anzumerken, weil ihn in der neuen Umgebung keiner kennt. Legt er Wert auf seine Kastenzugehörigkeit, dann praktiziert er ostentativ das Dharma seiner Kaste. Je besser sich jemand in solchen Regeln auskennt, desto leichter könnte er natürlich eine falsche Kastenzugehörigkeit vortäuschen. Aber Fabrikarbeiter sind im Allgemeinen nicht sonderlich gebildet.


    >Erfand Siddharta Gautama seinen Erlösungsweg deshalb, weil er genug hatte vom ewigen Auf- und Abstieg (Wandel) des Kreislauf des Lebens?


    Er hat ihn nicht erfunden. Er hat ihn entdeckt. Durch die vier Anblicke. Eine so berühmte Geschichte, daß ich sie hier nicht zu erzählen brauche.


    >Ist es einem nach der Erlösung (nach Buddha) unmöglich schlecht zu handeln und somit wieder in diesem leidvollen Kreislauf des Lebens eingegliedert zu werden?


    Erlösung nach Buddha? Erlösung ist irgendwie ein christlicher Begriff. Nach Buddha könnte man vielleicht die Befreiung aus dem Samskara als der Erlösung äquivalent ansehen. Dann wäre man aber bereits ins Nirvana eingegangen. In dem Fall könnte man nicht mehr schlecht handeln, weil in dem Fall könnte man gar nicht mehr handeln.

    Ranma

  3. #3
    Fragender
    Gast

    Re: Frage zum Hindutum


    >Im Prinzip ja. Deswegen können ja auch neue Götter dazukommen. Das passiert nicht, weil man das müsste, sondern weil der Hindu das darf. Kann man sich als Christ wohl schwer vorstellen. Aber warum sollte man in Indien geboren sein müssen, um Hindu zu sein? Es gibt doch auch Hindus in Indonesien, vor allem auf der Urlaubsinsel Bali, früher aber mal von Java ausgehend in ganz Indonesien, außerdem riesige hinduistische Gemeinden in Mauritius, Singapur, der französischen Insel Reunion und in den USA. Kleinere Hindugemeinden gibt es überall auf der Welt. Die meisten sind allerdings schon Nachfahren von Indern, aber wie will man das beweisen? Und ist man deshalb schon Inder? Wer in Deutschland geboren wird, ist ja dadurch Deutscher.


    Hallo Ranma,

    folgendes habe ich dazu gelesen:

    "Vom Buddhismus, Christentum und Islam unterscheidet sich der Hinduismus schließlich noch dadurch, daß er eine spezifisch indische Erscheinung darstellt und auch bleiben will, insofern, als er keine Mission in fremden Ländern treibt und keine nichtindischen Einzelpersonen in seine Gemeinde aufnimmt."

    ("Die Fünf Weltreligionen" von Helmuth von Glasenapp)


    Oder habe ich da etwas falsch verstanden? Ich denke es verhält sich ähnlich dem Judentum, zu dem du auch nicht einfach konvertieren kannst.

    MfG

    der Fragende

  4. #4
    Fragender
    Gast

    Re: Frage zum Hindutum


    Noch eines:

    Man wird doch in eine Kaste hineingeboren. Wie aber willst du das als nicht Hindu machen? Und vor allem wo willst du anfangen Hindu zu sein (wenn es ginge); bei den Priester etwa?

    MfG

    der Fragende

  5. #5
    DC
    Gast

    Re: Frage zum Hindutum


    >Noch eines:

    >Man wird doch in eine Kaste hineingeboren. Wie aber willst du das als nicht Hindu machen? Und vor allem wo willst du anfangen Hindu zu sein (wenn es ginge); bei den Priester etwa?

    >MfG

    >der Fragende


    Dann beginnst du halt in der "Nicht-Hindu"-Kaste.

    Anschließend wirst du dann schon in die nächste Passende hineingeboren.


    Viel Glück,

    DC

  6. #6
    Anzeraq
    Gast

    Re: Frage zum Hindutum


    >>Noch eines:

    >>Man wird doch in eine Kaste hineingeboren. Wie aber willst du das als nicht Hindu machen? Und vor allem wo willst du anfangen Hindu zu sein (wenn es ginge); bei den Priester etwa?

    >>MfG

    >>der Fragende

    >Dann beginnst du halt in der "Nicht-Hindu"-Kaste.

    >Anschließend wirst du dann schon in die nächste Passende hineingeboren.

    >Viel Glück,

    >DC




    Deine Aussage kann ich nur bestaetigen, denn in dem indo-arischen Werk Bhagavad Gita, sagt (der Geist Krsna: schwarz, dunkel, transzendent) zu seinem Schueler Arjuna (der Seele):


    "Ein Mensch...wird, nachdem er in die Welt der Rechtschaffenen gelangt ist und hier eine Zeit verweilt hat, im Hause gluecklicher Menschen wiedergeboren. Oder er mag in eine Familie weisheitsvoller Yogis wiedergeboren werden...Hier gewinnt er die Eindruecke wieder, die er in seinem frueheren Leben entwickelt hatte. Damit strebt er aufs Neue nach Vollendung...Durch seine fruehere Uebung wird er unwiderstehlich weitergetragen."


    Gita: Kapitel 6 - Dhyana Yoga


    Uebrigens ist das Kasten-System (im Sanskrit Varna genannt) ein Werk der Arier, das in der Aufteilung Brahmane (Priester, Lehrer), Ksatrya (Krieger, Beschuetzer der Gesellschaft), Vaisya (Haendler, Bauer) und Shudra (Arbeiter, Handwerker) festgelegt ist.




    Liebe Gruesse


    Anzeraq



  7. #7
    Ranma
    Gast

    Re: Frage zum Hindutum


    >Noch eines:

    >Man wird doch in eine Kaste hineingeboren. Wie aber willst du das als nicht Hindu machen? Und vor allem wo willst du anfangen Hindu zu sein (wenn es ginge); bei den Priester etwa?


    Das hat DC schon weitgehend richtig beantwortet. Glasenapp ist auch nur eine Einführung und geht nicht in die Tiefe. Es stimmt, daß ein Einzelner nicht einfach so zum Hindutum konvertieren kann. Aber der Hinduismus nimmt neue Kasten auf, weil diejenigen, die zu Buddhismus, Islam oder Christentum konvertiert sind und die gemäß ihrem ursprünglichem Kastendharma anfallenden Arbeiten nicht mehr machen, ersetzt werden müssen. Der Einzelne ist zwar immer fest in seine Kaste eingebunden, aber die Kaste als Ganzes kann sich dafür relativ flexibel innerhalb des Hinduismus bewegen. Darüber habe ich mal eine Hausarbeit geschrieben. Neue Kasten fangen immer ganz unten an. Als Priester kannst du also nicht anfangen. Wenn du noch ein paar andere Leute findest, die mit dir eine neue hinduistische Kaste gründen wollen, und ihr mit dem niedrigsten Rang zufrieden seid, dann werdet ihr auch von den anderen Hindus akzeptiert werden.

    Zwar betreibt der Hinduismus keine Mission, trotzdem hat er sich im Lauf der Geschichte geographisch weit ausgedehnt. In Indien gab es einmal einen sehr großen Anteil an Buddhisten, heute sind es nur noch wenige. In Indonesien gab es ungefähr vom 10. bis 12. Jhdt. unserer Zeitrechnung viele Hindus, auf Java gibt es noch alte Hindu-Bauwerke und noch wesentlich mehr schriftliche hinduistische Dokumente (in Altjavanisch). Also muß sich der Hinduismus über den ganzen riesigen indischen Subkontinent und noch weit bis nach Indonesien hinein ausgedehnt haben. Das ging nicht ohne das viele neue Hindus hinzukamen. Ganze Gemeinschaften wurden als neue Kasten (Sanskrit: jâti, Hindi: jât) aufgenommen.

    Ranma

  8. #8
    Imperator
    Gast

    Re: Hindutum - Aspekte des Einen


    Für mich hat der Hinduismus eine ganz andere Bedeutung : im GEGENSATZ zum Islam soll sich ein Hindu ein Bild der Gottheit machen - zur Anbetung oder als Vorbild.


    Deswegen - weil ein einziges Bild der Gottheit nicht gerecht werden kann -

    gibt es die vielen Götter. Jeder einzelne Gott ist ein ASPEKT des Einen oder

    einer oder einiger seiner Tugenden.


    Ganesha ist Gott des Erfolges, Shive ist Gott der Magier, Lakshmi Göttin der keuschen Liebe und Schönheit, Saraswati die Göttin der fröhlichen Geselligkeit

    usw.


    Und ein Bhakti-Yogi braucht Khrisna zur Anbetung. Das Bild Khrisnas ist das Bild, das er bewundern, lieben und anbeten kann. Im Islam ist es verboten, sich ein Bild von Allah zu machen.






  9. #9
    Schohan 11
    Gast

    Islam und Hinduismus




    Vom Islam zum Hinduismus:


    Der Islam ist in dem Vorstellungsprinzip vollständig in Verblendung identifiziert. Der Hinduismus ist als kollektives Feld vollständig im Vorstellungsprinzip in der Wirklichkeit identifiziert. Je nachdem, was der Instinktive Bezug des Kollektives in der Vorstellung ist, ist die Religion ausgerichtet. So setzt der Hinduismus die objektive Vorstellung anstelle von persönlichen Erfahrungsillusionen. Während der Islam lehrt auf persönliche Erfahrungen zu hören und damit die kollektiven Verblendungen zu überwinden. Das Beten Richtung Mekka fünfmal am Tag hat den Zweck einen Rhythmus persönlicher Erfahrungen hervorzurufen.


    Licht, Liebe und Schwert

    Ra



  10. #10
    Atman
    Gast

    Re: Frage zum Hindutum


    Hallo Fragender


    Hindu bedeutet für mich H="ES WERDE" IN DU.


    Ob das allgemeingültigkeit hat , weiß ich nicht.


    Glauben tut sowieso jeder was ihm/ihr selbst hilft.(zumindest in meiner Vorstellung sehe ich das so)




    Liebe Grüsse


    Atman

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