Hi Sebastian;
sicher ist es klüger, die Dinge nicht perfekt definieren oder festschreiben zu wollen.
Die Frage des Schweigens z.B. wird m. E. zu einem akademischen Gedankenspiel, wenn man überlegt, ob denn tatsächlich immer geschwiegen werden kann.
Es fallen einem dann problemlos Gegenargumente ein, ähnlich denen, die früher Kriegsdienstverweigerer über sich ergehen lassen mussten.
Wenn du also meine Beschreibungen liest wie Definitionen oder wiss. Texte,
sin dsie sicher voller Widersprüche.
(Also, bisher tust du das nicht unbedingt, ist also kein Angriff jetzt;
aber wir sind an einer Stelle, wo uns beiden das passieren könnte,
einfach weil wir schon in recht grundlegenen Bereichen sind.
Also, was ich mit meinen vielen Worten versuche, ist lediglich ein Charakterisieren; sind Annäherungen, Gleichnisse.
So etwa meinte ich die "Krebszelle" gleichnishaft, ist ja klar.
Ich möchte auf dein Argument eingehen, alles könne zu "suppig" werden, wenn man die scharfen Grenzen der eigenen Physis und Individualität relativiert.
Das zeigt mir, dass ich etwas sehr Wichtiges zu beschreiben versäumt habe.
Ich möchte zwischen "Ich" und "Ego" unterscheiden.
Ego bedeutet zwar wortgemäß auch "ich"- aber ich stelle mehr ab auf die Konnotation, wie etwa in "egoistisch", "egomanisch" usw.
Das Ego meine ich als Verbildung, als kranke Form des Ich.
So heisst es ja unter Mystikern/Esoterikern immer, das "Ego" müsse sich auflösen- vom "Ich" ist gewöhnlich nicht die Rede.
Ich denke, diese Sinn-Unterscheidung der beiden Worte hat also auch ihre Tradition; und ich möchte sie in diesem Sinne unterscheiden.
Was ich als "Kollektivbewußtsein" usw. beschrieb, ist nicht gemeint als Auflösung des Ich- das wäre ja höchst pathologisch (oder Gehirnwäsche)!
Es ist gemeint als Durchlässigwerden und Schwinden des Ego.
Das Ego ist ein Nebenprodukt des noch nicht vollreifen Ich.
Denn das reife Ich verbindet sich mit dem Ich aller Iche, der Ur-Person, Gott- und wie die Namen alle sind.
Und eben dies ist identisch mit dem Fortfallen des Ego.
Natürlich soll der Mensch seine natürliche Individualität und Ich-haftigkeit nicht aufgeben!
Es ist nur schädlich, diese zu verhärten, überzukonturieren, in Selbstbespiegelung an ihr kleben zu bleiben.
Das meinte ich mit "Eigensinn" und "Krebs".
Zum Selbstzweck gewordene Individualität ist destruktiv und tatsächlich immer unlebendig, starr, maniriert. Eine Karikatur letztlich.
Die heutigen Industriekulturen erlebe ich als äußerst maniriert und in ihrer permanenten Selbst-Hochjubelei als wirklich zutiefst von ihrem wahren Ich entfremdet!
Ego ist Entfremdung von unserem tatsächlichen Ich: als solche ist sie für das Indivduum selbst ebenso destruktiv wie für seine Umgebung.
Demgegenüber ist ein reifes Ich immer ein Original, ein Wesen, das die Ganzheit Seiner Selbst erlangt hat- und eben darin auch frei wird für die Verbindung zu größeren Bewußtseinseinheiten.
Ich glaube, wir meinen es an diesem Punkt gar nicht so verschieden.
Auch du schreibst, die Zelle könne nur Teil des Gesamt-Organismus sein,
wenn sie zugleich eigen-bewußt ist.
Wie gesagt, Krebs-Zelle würde sie, wenn aus Eigen-Bewußtsein (Ich)
Eigensinn (Ego) wird.
Vielleicht gibt es auch ein treffenderes Wort als Eigensinn;
es klingt für mich selbst etwas schwach.
Früher gab es einmal das Wort "selbstisch", so in der Art meine ich "Ego".
Der "eine Punkt, der mich ausmacht", ist demgegenüber mein Ich.
Ein gesundes Ich ist absolute Voraussetzung für den hermetischen oder sonst einen menschgemßen Weg.
So ungefähr würde ich es charkterisieren.
LG
Jom



LinkBack URL
About LinkBacks


Lesezeichen