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Thema: Geisteskrankheiten aus der Perspektive der Hermetik gesehen

  1. #51
    Simon Magus
    Gast

    Fernseh


    Hi!


    >Schick Deinen Freund jetzt bloß nicht in die Klapse, da wird er seines Lebens nicht mehr froh. Er soll in die Stadt gehen, Discos besuchen und viel Fernsehen. Das wird ihn ablenken und sicher mehr verblöden als die Medikamente in der Klapse.

    ***

    Ich fragte nicht danach was ihn "mehr verblöden als die Medikamente in der Klapse". Auch wenn viel Fern-sehen... in dieser Hinsicht sicher wirklich gut geeignet wäre.


    Simon




  2. #52
    Simon Magus
    Gast

    Energieformen, Persönlichkeitsspaltung, ...






    >Hi Heiko


    Ich glaube du hast seinen Zusatnd ganz gut erfast.


    >Psychosen bilden sich meiner Erfahrung nach nicht von heute auf morgen also nicht akut.

    >Der Betroffene hat immer eine Art Wahn-System in dem die Reize sozusagen negativ verarbeitet werden, doch das ist einem in so einem Zustand nicht bewusst.

    ***

    Ich dachte immer "jeder hat so seine Macken!", aber im Nachhinein wird mir bewußt, daß er immer mal Dinge fehlinterpretiert hat.


    >Durch dieses System erteilt er selbst Bedeutung und erzeugt sozusagen Energieformen die durch die Ständige Reizaufnahme sich verstärken.

    ***

    Die Frage für mich ist: wie real oder irreal ist was er sieht und ich nicht sehe? Ich denke man kann es Energieformen, Larven oder sonst wie nennen, aber auf seiner Mentalebene hat er sich, wie ich vermute, tatsächlich Wesenheiten geschaffen die von der Aufmerksamkeit sich erhalten die er ihnen gibt. Bardon geht im WWA sogar so weit zu sagen, daß ein Betroffener so eine "Energieform" in Ausnahmefällen sogar so weit verdichten kann, daß sie anderen Menschen sichtbar werden und das auf diese Weise Massenpsyschosen zu erklären sind.

    Na ja, hoffen wir mal das Beste!

    Was ich mich frage und was mich tatsächlich beunruhigt ist, daß er unter einer Persönlichkeitsspaltung leidet, und da "der Normale", "das Kind", "der Traurige",... ist. Wer sagt mir, daß da nicht auch ein Persönlichkeitsanteil ist das für andere Menschen gefährlich ist? (er hat früher in normale Situationen hineininterpretiert das man ihn fertig machen will, was völlig unsinnig ist).


    Simon





  3. #53
    dyon
    Gast

    Re: Energieformen, Persönlichkeitsspaltung, ...




    >Was ich mich frage und was mich tatsächlich beunruhigt ist, daß er unter einer Persönlichkeitsspaltung leidet, und da "der Normale", "das Kind", "der Traurige",... ist. Wer sagt mir, daß da nicht auch ein Persönlichkeitsanteil ist das für andere Menschen gefährlich ist? (er hat früher in normale Situationen hineininterpretiert das man ihn fertig machen will, was völlig unsinnig ist).

    >Simon


    Was ist die genaue Bezeichnung seiner Krankheit?

  4. #54
    Yasoda
    Gast

    Re: wahnSINN Euthanasie...(oT)


    Wer Täter ehrt, mordet ihre Opfer noch einmal


    1940/41 werden in insgesamt sechs Vergasungsanstalten 70 273 Menschen ermordet. Das Gas liefern die IG Farben Ludwigshafen. Das Zahngold der Ermordeten bekommt die Degussa. Die Gehirne verarbeiten das Kaiser-Wilhelm-Institut für Gehirnforschung in Berlin und das Kaiser-Wilhelm-Institut für Psychiatrie in München (beide heute Max-Planck-Institute).

    Den Gasmord organisiert eine Zentralstelle in der Berliner Tiergartenstr. 4 (T4). Im August 1941 verordnet Hitler einen Vergasungsstopp. Dennoch wird weiter gemordet: mit Medikamenten, mittels Hunger, im Einzelfall per Elektroschock. Ein weltweit einmaliges Verbrechen: Psychiater versuchen, ihre Kranken auszurotten.


    Die deutsche Psychiatrie brauchte die Nazis


    Zwischen 1933 und 1945 geschieht nichts, was nicht Psychiater lange vor den Nazis gefordert hatten. Emil Kraepelin 1918: „Ein unumschränkter Herrscher, der ... rücksichtslos in die Lebensgewohnheiten der Menschen einzugreifen vermöchte, würde im Laufe weniger Jahrzehnte bestimmt eine Abnahme des Irreseins erreichen können."

    Hermann Simon, Anstaltsleiter in Gütersloh, definiert 1931 den Personenkreis angeblich Minderwertiger: Körperschwache, Kränkliche, Schwächlinge, Schwachsinnige, Krüppel, Geisteskranke. Er kommt zu dem Schluß: „Es wird wieder gestorben werden müssen."

    Ernst Rüdin 1934: „Der Psychiater muß sich mit den Gesunden gegen Erbkranke verbünden ... Dem hohen Zuchtziel einer erbgesunden, begabten, hochwertigen Rasse muß der Psychiater dienstbar sein." Rüdin, der die Zwangssterilisierung als „die humanste Tat der Menschheit" bezeichnete, 1934 über Hitler: „Die Bedeutung der Rassenhygiene ist in Deutschland erst durch das politische Werk Adolf Hitlers allen aufgeweckten Deutschen offenbar geworden, und erst durch ihn wurde endlich unser mehr als dreißigjähriger Traum zur Wirklichkeit, Rassenhygiene in die Tat umsetzen zu können." Die deutsche Psychiatrie wurde von den Nazis nicht mißbraucht, sie brauchte die Nazis.

    Psychiater diffamierten ihre Patienten aus Schwäche, denn sie kannten weder Therapie noch Heilung. Sie beseitigten zuerst jene, die ihnen ihr Unvermögen vor Augen führten: die chronisch Kranken, die sog. Unheilbaren. Der nahezu unaussprechliche Höhepunkt deutscher Psychiatriegeschichte: sie sagten „behandeln", wenn sie mordeten.

    Es gibt keinen Psychiater, der dem Massenmord Widerstand leistete. Im Gegenteil: Direktoren der württembergischen Anstalten besichtigen die Vergasungsanstalt Grafeneck, die Vergasung ihrer Patienten inklusive. In der bayerischen Diakonie-Anstalt Neuendettelsau meldet Rektor Lauerer Patienten nach, weil sie als Hilfskräfte für die Hausarbeit nicht in Betracht kommen. Die westfälische Heilerziehungsanstalt Wittekindshof bittet die Generalstaatsanwaltschaft Hamm, schwierige Patienten in ein Arbeitslager, sprich: KZ, einzuweisen.

    Die Vernichtung der Unheilbaren versetzte die Beteiligten, so T4-Psychiater Prof. Friedrich Panse, in „eine berauschende Gehobenheit". Prof. Paul Nitsche, psychiatrischer Leiter beim Massenmord: „Es ist doch herrlich, wenn wir in den Anstalten den Ballast los werden und nun wirklich richtige Therapie treiben können." Richtige Therapie, das heißt: Cardiazol-Schocks, Insulin-Schocks, Elektro-Schocks.


    Psychiatriepatienten als Opfer von Menschenversuchen


    Der Massenmord wurde nicht nur als einmalige Gelegenheit genutzt, die „Ballastexistenzen" loszuwerden, die „Lebensunwerten" dienten auch als menschliche Versuchskaninchen:

    In den Wittenauer Heilstätten werden behinderte Kinder zu Versuchszwecken künstlich mit Tuberkulose angesteckt. Gleiches geschieht in der bayerischen Anstalt Kaufbeuren. Erhalten sind Fotos der Kinder, die sie nackt in ihrer Angst zeigen. Dr. Georg Hensel, verantwortlich für die tödlichen Versuche, schon 1940 in seiner Habilschrift: „Da mit dieser Art der Schutzimpfung beim Menschen ein Neuland betreten wurde, erscheint es selbstverständlich, daß für die Vakzination [Impfung von lebenden Krankheitserregern] vorläufig nur Säuglinge in Frage kommen, die schwere körperliche und geistige Mißbildung aufweisen und deren Lebenserhaltung für die Nation keinen Vorteil bedeutet."

    Die Anstalt Brandenburg-Görden war die zentrale Mordstätte für behinderte Kinder. Hier wurden deutsche Ärzte zu Kindermördern ausgebildet, sterben Kinder für Doktorarbeiten und wissenschaftliche Karrieren. Zentraler Verwerter der Morde ist Julius Hallervorden. Er ist im Herbst 1940 bei der Vergasung ausgewählter Kinder anwesend, um am Tatort die Gehirne herauszuschneiden. Hallervordens Hirnforschung wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Am 8. Dezember 1942 meldet er der DFG, daß er „im Laufe dieses Sommers 500 Gehirne von Schwachsinnigen selbst sezieren" konnte. Nach dem Kriege schwärmt er: „Es war wunderbares Material unter diesen Gehirnen, Schwachsinnige, Mißbildungen und frühe Kinderkrankheiten." Hallervorden ist nach 1945 Abteilungsleiter am Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Hans Heinze, der Direktor der Brandenburger Mordanstalt, Leiter der Jugendpsychiatrie im niedersächsischen Wunstorf.

    In der oberschlesischen Anstalt Lubliniec werden Kinder und Jugendliche nach ihrer sozialen Brauchbarkeit selektiert und mit Luminal getötet. Gehirne und Rückenmark werden an Prof. Viktor von Weizsäcker, Neurologisches Forschungsinstitut Breslau, geschickt. Die Jugendpsychiaterin Elisabeth Hecker: „Ich darf wohl nur andeutungsweise darauf hinweisen, welch gut untersuchtes Material auf der Pflegestation zusammenkommt, wenn nach dem Tode der Kinder das Gehirn durch das neurologische Forschungsinstitut in Breslau untersucht wird. Prof. von Weizsäcker, Breslau, hat sich entgegenkommender Weise bereit erklärt, diese hirnpathologischen Untersuchungen machen zu lassen." Elisabeth Hecker gilt als Begründerin der Westfälischen Klinik für Jugendpsychiatrie in Hamm. Von ihr stammt der Satz: „Ein Tag ohne Goethe ist ein verlorener Tag."

    Auch die Pharma-Industrie nutzt die Gelegenheit. Die IG Farben Höchst kooperiert mit der hessischen Anstalt Eichberg, um Präparate im Menschenversuch zu erproben. In der bayerischen Anstalt Günzburg befindet sich ein eigenes Versuchslabor der IG Farben Ludwigshafen. Die Anstalt stellt Räume und „Krankenmaterial" zur Verfügung. Der Hygieniker Gerhard Rose vom Robert-Koch-Institut kooperiert wiederum mit Bayer-Leverkusen. Kennzeichen dieser Versuche ist, daß Menschen, die keine Malaria haben, künstlich zu Malariakranken gemacht werden. In der sächsischen Psychiatrie in Arnsdorf, wo eine Assistentin aus Leverkusen beschäftigt wird, übernimmt Direktor Prof. Wilhelm Sagel die Infizierung.

    In der Marburger Psychiatrie finden Versuche der Behringwerke statt. In einem Bericht der Verwaltung des Bezirksverbandes Hessen heißt es 1937: „Eine systematische Ausprobierung des hefeartigen Mittels Eugenozym, das angeblich nicht nur die Schizophrenie heilt, sondern auch die Erbmasse [!] der Schizophreniekranken günstig verändern soll, wurde in monatelang fortgesetzten Versuchen bei einer größeren Anzahl alter und frischer Fälle von Schizophrenie durchgeführt, gemeinsam mit der Landesheilanstalt Herborn."

    Der spätere Neurologie-Papst Georg Schaltenbrand hält die Multiple-Sklerose für eine Infektionskrankheit. Deshalb überträgt er Gehirn-Rückenmarkflüssigkeit (Liquor) von MS-Kranken auf Affen. Er glaubt, bei den Affen eine Form von MS erzeugt zu haben und injiziert den Liquor der Affen auf Patienten der fränkischen Anstalt Werneck. Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Versuche enden, als Oktober 1940 die Wernecker Patienten zur Vergasung abtransportiert werden. Georg Schaltenbrand wird nach 1945 Erster Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.

    Menschenversuche im KZ und in der Psychiatrie wurden auch sonst von der DFG finanziert. 1999 ist ein Buch des Historiker Notker Hammerstein erschienen: „Die Deutsche Forschungsgemeinschaft in der Weimarer Republik und im Dritten Reich". Eine Auftragsarbeit, ein letzter Versuch der Reinwäsche: So wird die Arbeit des Psychiaters Robert Ritter, der Sinti und Roma nach Auschwitz definierte und selektierte, als „allgemeinmedizinische Forschung" hochstilisiert. Über die NS-Rassenhygiene heißt es, viele Forscher seien den „üblichen Auffassungen von moderner Hygiene, von Fürsorge und Vorsorgepflicht der öffentlichen Hand für Geschädigte, sogenannte Asoziale oder Behinderte" gefolgt. So werden noch 1999 Vordenker und Handlanger von Auschwitz und Hadamar in den Dunstkreis von Für- und Vorsorge gerückt.


    Morde bis zum Untergang des Dritten Reiches und darüber hinaus


    In der sächsischen Anstalt Großschweidnitz sind zwischen 1939 und 1945 über 5700 Patienten „gestorben", allein bis Mai 1945 1012 Bewohner.

    In Hadamar werden 1941 10 000 Menschen vergast und danach etwa 5000 mit Hunger und Spritzen ermordet. Im Januar 1945, zwei Monate vor dem Einmarsch der Amerikaner, bestellt Dr. Adolf Wahlmann noch 10 000 Veronaltabletten, um weiterhin Patienten vergiften zu können. Von der Befreiung Hadamars gibt es Filmaufnahmen der US-Army. Sie zeigen zum Skelett abgemagerte Menschen wie sie aus den Konzentrationslagern bekannt sind.

    In der Anstalt Meseritz-Obrawalde, 150 km östlich von Berlin, werden ab 1942 18 000 Menschen ermordet. Die letzten am 28. Januar 1945, einen Tag bevor die sowjetische Armee eintrifft. Einige tausend noch ungenutzter Urnen dokumentieren, daß weiter gemordet werden sollte.

    In der bayerischen Anstalt Kaufbeuren hatte Direktor Valentin Faltlhauser aus eigenem Antrieb eine spezielle „Hungerkost" entwickelt, wonach seine Patienten binnen dreier Monate verhungerten. Noch drei Monate nach der Befreiung und nach der Verhaftung des Direktors geht das Massensterben weiter.

    In der brandenburgischen Anstalt Teupitz leben am 28. April 1945, am Tag der Befreiung, noch 600 Bewohner, Ende Oktober sind es nur noch 54 Patienten.

    In der sächsischen Anstalt Altscherbitz sterben 1945 mehr Menschen als während der Nazi-Zeit. Die Sterberate beträgt 1945 36,5 Prozent, das sind 838 Menschen. 1947 steigt die Sterberate auf 38 Prozent, das sind 887 Menschen.

    In der württembergischen Anstalt Zwiefalten sterben 1945 46,5 Prozent der Insassen, doppelt so viele wie 1944.

    In der pommerschen Anstalt Ueckermünde beträgt 1945 die Sterblichkeit 55 Prozent. In der Anstalt Bernburg/Saale verdoppelt sich 1945 die Zahl der Sterbefälle.

    Schloß Hoym in Sachsen-Anhalt, während der Nazi-Zeit eine Absterbeanstalt für sog. psychiatrische Pflegefälle. Auch hier beginnt das Massensterben erst nach der Befreiung. Bei 500 Bewohnern beträgt 1945 der „durchschnittliche Sargbedarf" 250 Särge.

    Die Anstalt Düsseldorf-Grafenberg hat 1946/47 eine Sterberate von 55 Prozent, 1948/49 sind es noch immer 30 Prozent. Grafenberg hatte schon vor den Nazis Kranke zur Erprobung von Malaria-Präparaten Bayer-Elberfeld zur Verfügung gestellt.

    Der Psychiater Heinz Faulstich („Hungersterben in der Psychiatrie 1914-1949", 1998) hat als erster Vertreter seines Faches die Ermordung mittels Hunger dokumentiert. Faulstich gibt für die Nachkriegszeit eine Mindestzahl von 20 000 Toten an, wahrscheinlich seien es jedoch erheblich mehr. Eine Bestandsaufnahme insgesamt scheitert daran, daß zahlreiche Anstalten ihre Unterlagen vernichtet haben.

    Bis heute finden die Täter im Regelfall mehr Verständnis als ihre Opfer. Es gibt eine Ausnahme: Mitarbeiter der Wittenauer-Heilstätten in Berlin haben die Vergangenheit ihrer Klinik aufgearbeitet. Von 1939 bis zum Kriegsende am 24. April 1945 waren 4 607 Patienten umgekommen, in der Regel etwa 20 Tage nach ihrer Einlieferung. Nach der Befreiung werden 2500 Menschen neu aufgenommen, davon „sterben" im selben Jahr 1400, etwa 55 Prozent.

    Seit 1957 heißt die Einrichtung Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik. Bonhoeffer war Gutachter bei der „Unfruchtbarmachung geistig Minderwertiger" (Bonhoeffer), freiwillig, wie alle. Bonhoeffer arbeitete noch nach seiner Pensionierung für die rassistischen Sterilisierungsgerichte. Im Dezember 1941 hat er einen sog. Halbjuden zu begutachten, der vor 14 Jahren ein einziges Mal in der Psychiatrie gewesen war. Selbst das NS-Erbgesundheitsgericht hat Bedenken, da er keinerlei kranke Symptome zeige und normal arbeite. Bonhoeffer empfiehlt dennoch die Sterilisierung.

    Menschen, die zwangssterilisiert wurden, fielen dem Rassenwahn der Nazi-Zeit zum Opfer, wurden aber rechtlich nie als Nazi-Verfolgte anerkannt und entschädigt. Es bleiben lediglich Almosen aus einem Härtefallfond. Die Täter setzten ihre Karriere ohne Scham fort, traten sogar als Gutachter in Entschädigungsfällen auf und verhöhnten ihre Opfer, angesichts ihrer Minderwertigkeit könne kein seelischer Schaden vorliegen.

    Einer der meistgeehrten Psychiater der Nachkriegszeit war Prof. Helmut E. Ehrhardt, Mitglied der NSDAP ab 1937, Ordinarius für Gerichtliche und Soziale Medizin in Marburg. Ehrhardt tat sich vielfach als Weißwäscher der Nazi-Psychiatrie hervor. 1963 meinte er in einem Gutachten für das Bundesfinanzministerium: „Eine Entschädigungsregelung für die Sterilisierten würde in vielen Fällen zu einer ... Verhöhnung des echten Gedankes der Wiedergutmachung." Ehrhardt wurde mit der Paracelsus-Medaille, der höchsten Auszeichnung der deutschen Ärzteschaft, geehrt. Er war u.a. Mitglied des Beirats für Seelische Gesundheit der Weltgesundheitsorganisation, des ethischen Komitees und der forensischen Sektion des Weltverbandes für Psychiatrie, zuletzt auch Ehrenmitglied.

    Die Verhöhnung der Opfer hat Tradition: bereits 1946 erstattete der Wiener Ordinarius der Psychiatrie Otto Pötzl ein Gutachten, wonach die Verabreichung von Giften eine besonders humane Tötung gewesen sei, da die Opfer in den Tod „Dahindämmern". Der Wiener Gerichtsmediziner Leopold Breitenecker gutachtete 1967 in einem Prozeß gegen Vergasungsärzte über den Gaskammertod: „Es ist sicherlich eine der humansten Tötungsarten überhaupt." (Ks 1/66 GStA Frankfurt a. M.). Breitenecker, Gründer der Österreichischen Gesellschaft für gerichtliche Medizin, war Mitglied diverser Ethik-Kommissionen. Sein Sohn Manfred, Universitätsprofessor, Institut für theoretische Physik der Universität Wien, meinte noch in diesem Jahr, die Angehörigen der Ermordeten könnten die Aussage über das Sterben in der Gaskammer „vielleicht als Trost" empfinden.

    Der Schutz mörderischer Kollegen stand höher als das Leid der Opfer. So wird verständlich, daß Psychiatrieprofessor Werner Heyde, der medizinische Leiter des Gasmords, bis 1959 mit Wissen zahlreicher Kollegen unter dem Namen Dr. Sawade als Gutachter in Entschädigungsfällen arbeiten konnte.


    Täterschutz galt bis zum Tode: Die Todesanzeige der Ärztekammer Niedersachsen für Dr. med. Klaus Endruweit, zum Vergasen in der Anstalt Sonnenstein in Pirna eingesetzt: „Wir werden seiner ehrend gedenken." Die Todesanzeige der Klinik Wunstorf für Hans Heinze, dem ehemaligen Leiter der größten Kindermordstätte der NS-Zeit: „Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren." In der Todesanzeige der Universität Kiel für Prof. Werner Catel, verantwortlich für den Kinder-Massenmord, heißt es, er habe „in vielfältiger Weise zum Wohle kranker Kinder beigetragen". Die Traueranzeige der Psychiatrischen Universitätsklinik Düsseldorf für Prof. Friedrich Panse gipfelt in dem Satz: „Ein Leben der Arbeit im Dienst leidender Mitmenschen ... ist vollendet." Panse war T4-Gutachter, d.h. er gutachtete Patienten in die Gaskammer.


    Wer Täter ehrt, mordet ihre Opfer noch einmal.

    °°°


    LEID


    Dunkler Frieden wohnt

    hinter allem Leid.

    Violette Sterne

    kreisen um den Grund,

    der aus schwarz besteht.


    Silberhelle Fäden

    ziehen durch den Schmerz,

    lassen dich erleben,

    wie da nichts erbebet,

    bis in greller Weiße

    alles untergeht.


    Dunkelrote Blüten

    grauenvoller Qual

    öffnen sich und schließen

    LICHT und FREUDE aus.


    Nur die gelben Fetzen

    des Entsetzens bleiben,

    flackern durch den Sinn,

    der im Leeren steht,

    nichts erfaßt mehr, kennt,

    Kälte atmet und

    grüne Traurigkeit.


    DUNKELBLAUE Quellen

    brechen auf im Grund,

    Augen, tiefes Singen,

    neuer Lebensstrom.

    Und die Schreckensgitter,

    die mit EIs und Not,

    allen Raum durchsperren,

    LÖSEN SICH IM BLAU,

    das sie sanft umfließt,

    bis im stillen LICHT,

    größere LIEBE lebt.... (?)


    ~~~


    der vorgetragenen Beweise, die das Tribunal bei seiner ersten Sitzung am WGerburg Treusch-Dieter




    Die Wahnsinnsfrage der Aufklärung - Das Dispositiv der Psychiatrie

    Transformationen eines Laboratoriums


    Grundlagen der Verwahrung

    Robert Castel beginnt „Die psychiatrische Ordnung" (1983) mit dem Artikel 9 eines Gesetzes der revolutionären, konstituierenden Versammlung, das am 27. März 1790 die Abschaffung der „lettres de cachet" festlegt: „Die wegen Wahnsinn gefangengehaltenen Personen sind (...) auf Ansuchen unserer Staatsanwälte von den Richtern in der gewohnten Weise zu vernehmen und auf ihre Anweisungen hin von den Ärzten zu untersuchen, welche sich unter Aufsicht der Bezirksvorsteher über die wirkliche Situation der Kranken erklären werden, damit diese je nach dem Urteil über ihren Zustand freigelassen oder aber in Hospitälern gepflegt werden, die zu diesem Zweck bezeichnet werden" (S. 9). Der Artikel 9 setzt demnach voraus: Richter und Staatsanwälte - die Justiz; sie weisen Ärzte an - die Medizin; diese leisten ihre Untersuchung unter Aufsicht der Bezirksvorsteher - der örtlichen Verwaltung; danach geht das ärztliche Untersuchungsergebnis an die Richter zurück, die in es in ihr Urteil drüber einbeziehen, ob jene Personen „freigelassen oder aber in Hospitälern gepflegt werden, die zu diesem Zwecke bezeichnet werden".

    Folgt man Castel, dann ist in diesem Artikel 9 des Gesetzes zur Abschaffung der „lettres de cachet" die „gesamte moderne Problematik des Wahnsinns" enthalten, die bisher die Grundlagen seiner sozialen Verwahrung und die seines anthropologischen Status bestimmt. In dieser Problematik sind drei Aspekte entscheidend. Erstens, der politische Kontext eines revolutionären Bruchs zwischen Absolutismus und Rechtsstaatlichkeit. Justiz und Verwaltung beziehen sich nicht mehr auf den Souverän und auch nicht mehr auf die Familie, wie dies für die „lettres de cachet" gilt, eine königliche Anweisung zur Inhaftierung, die von der Familie, der örtlichen Verwaltung, oder von ministeriellen Beamten bei Hof ausgehen konnte: sondern Justiz und Verwaltung beziehen sich ab jetzt auf die Ärzte. Zweitens, das neue Auftreten alter Instanzen. Justiz, Verwaltung und Ärzte sind auch schon im Absolutismus vorhanden, aber sie gehen innerhalb der Rechtsstaatlichkeit neue Beziehungen ein, die der Medizin eine tragende Rolle zuweisen, richtiger, zuweisen werden: denn noch fehlt der Medizin für diese tragende Rolle der „Text". Drittens, sollte das Urteil des Richters unter Einbeziehung der ärztlichen Untersuchung auf Wahnsinn lauten, dann werden die im Absolutismus in Zucht-, Arbeits- und Armenhäusern „gefangengehaltenen Personen" neu definiert: „dank der Besonderheiten des Apparates, der (sie) fortan behandeln wird", kommt ihnen ab jetzt der „Krankenstatus" des Wahnsinnigen zu (S. 10), seine bisher „heilige Krankheit" wird profaniert.

    Mit diesen Aspekten sind vier Strukturelemente verbunden, die bis heute die Geschichte der Psychiatrie, bezogen auf die Grundlagen ihrer sozialen Verwahrung, bestimmen: zum einen bilden die neuen, rechtsstaatlichen Beziehungen zwischen Justiz, Verwaltung und Ärzten ein institutionelles Dispositiv, das ein Korpus von Fachleuten und Laien, die Wahnsinnigen, umfaßt; zum zweiten gründet sich die tragende Rolle der Medizin auf ein ärztliches Wissen, dem Justiz und Verwaltung, also in erster Linie die Polizei vorausgesetzt ist; zum dritten ist die aus diesem Wissen resultierende Behandlung Eingriffstechnologie, die auf „Besserung" unter der Bedingung einer Verurteilung zielt; zum vierten ist der Ort dieser Behandlung auch heute noch eine „Sonderanstalt", obwohl sich der politische Kontext zwischen der Wende 18./19. Jahrhundert und heute, der Wende 20./21. Jahrhundert, fundamental gewandelt hat.

    Heute vollzieht sich eine Transformation der Psychiatrie, die ihrer Entstehung zur Zeit des revolutionären Bruchs zwischen Absolutismus und Rechtsstaatlicheit entspricht. Doch obwohl sich diese Transformation vollzieht, wird die „Sonderanstalt" der Pychiatrie nicht aufgegeben werden, da ihre Grundlagen der sozialen Verwahrung ein „Milieu" bereitstellen, das als „Laboratorium" zu nutzen ist. Das Paradigma für dieses „Laboratorium" ist das Kloster, „eine hervorragende Machtmaschine (...), die (bisher) systematischste institutionelle Apparatur, um die Persönlicheit zu töten und auf der Basis dieser Auslöschung eine neue, vollständige Definition des Menschen zu rekonstruieren. Kurzum (so Castel), das technisch entwickeltste der Laboratorien für Experimente am Menschen" (S. 109). Keine weltliche Institution der Moderne oder Postmoderne hat das „Laboratorium" Kloster je erreicht - auch nicht die Psychiatrie.

    Zwar verfolgt Pinel, der entscheidende Apologet der modernen Psychiatrie, eine am Kloster orientierte Ordnungs-Utopie, da die Einschließung die Bedingung jeder Therapie des Wahnsinns sei, insofern nur der Bruch mit der äußeren Welt jenes „neue gesellschaftliche Laboratorium" für die Umprogrammierung des Menschen möglich mache, in dem Pinel den Wahnsinnigen schließlich die Ketten der absolutistischen Inhaftierung abnimmt, während Esquirol, sein Zeitgenosse, die „Sonderanstalt" selbst zum „Werkzeug der Heilung" erklärt: aber diese Ordnungs-Utopie schlug in den Asylen des 19. Jahrhunderts ins Gegenteil um. Daß ihre institutionelle Apparatur, die das individuelle Verhalten tausender unterversorgter Menschen durchorganisiert, „tötet", ist eine Kritik, welche die Psychiatrie, zunehmend lauter, begleitet. Wende 19./20. Jahrhundert führt diese Kritik zu einer institutionellen Veränderung, in der das, was heute kommt, angelegt ist.


    Status des Wahnsinnigen




    Wenn sich der Wahnsinnige im Rahmen dieser Grundlagen seiner sozialen Verwahrung, analog dem Mönch, einer Umformung seiner Persönlichkeit unterziehen soll, worin bestand dann sein anthropologischer Status? In nichts anderem, als in der Definition des Menschen, die die Aufklärung innerhalb jenes revolutionären Bruchs vornimmt. Die subjektive Vernunft hat die objektive Vernuft Gottes abgelöst. Der Mensch als Gottes Geschöpf ist passé. Ab jetzt gehört er sich selbst und bringt sich selbst hervor. Dabei besteht er aus zwei Teilen, in denen sich die Geist-Körper-Trennung der Religion reproduziert. Er existiert im Körper, insofern er ein empirisches Wesen ist. Und er ist sich selbst als Begriff vorausgesetzt, der sich einerseits auf dieses empirische Wesen bezieht, andererseits verhält er sich unabhängig zu ihm. Deshalb ist dieser Begriff transzendental, er ist auf den empirischen Menschen bezogen - und auch nicht. Selbst wenn alle Menschen krepieren - der Begriff des Menschen bleibt vorausgesetzt, was Descartes am Beispiel von Wachs demonstriert, das, obwohl geschmolzen, dem Begriff nach weiterhin vorhanden ist.

    Auch der Wahnsinnige hat den Begriff des Menschen nie gefährdet. Er wird lediglich als empirischer Teil des Menschen eingestuft, der sich selbst über den transzendentalen Begriff nicht mehr im Griff halten kann. „Ich denke, also bin ich", sagt Descartes. Und Kant befiehlt das „Ich denke, was alle meine Handlungen begleiten muß". Der Wahnsinnige, der sich nicht mehr über den Begriff im Griff hat, ist ein Irrer. Denn er irrt - offensichtlich unbeirrt. Würde er sagen, er habe sich geirrt, würde er nicht hören, er sei irre. Im Französischen wird von „aliéné" gesprochen, von einem Menschen, der den anderen „fremd" geworden ist. Wahrscheinlich ist er außer sich geraten. Hätte er seine Traumatisierung, seine Verletzung, seinen Haß, seine Wut interniert, die anderen hätten ihn wiedererkannt. So aber wird er interniert, bis er an sich selbst irre, oder sich selbst fremd geworden ist. Das Fremde ist das Unheimliche. Es ist das, was im Heim verheimlicht, und in der „Sonderanstalt", die noch heute undurchdringliches Schweigen umgibt, hervorgezerrt wird. Es ist das Andere der Vernunft, ihre Unvernunft, die die Vernunft nicht dulden kann. Wer sich über den Begriff im Griff behalten will, hat sich ununterbrochen zu fragen: bin ich abnorm oder normal?

    Mittels dieser Frage hat sich das Subjekt zum Objekt zu machen, damit es in seinem Verhalten „objektiv" ist. Dabei hat es seinen empirischen Teil dem transzendentalen Teil unterzuordnen, indem es seine „Begriffsstutzigkeit" auf den Begriff bringt. Daß diese beiden, in einem einzigen Individuum enthaltenen Teile eine Ichspaltung bedingen, ist klar. Denn diese Teile, die hier dem Geist und dort dem Körper entsprechen, schließen sich wechselseitig aus. Für den anthropologischen Status des modernen Wahnsinns heißt dies, daß seine Problematik in nichts anderem, als in dieser Ichspaltung besteht. Sie ist normal, wird aber abnorm, wenn jemand von der Norm abgeführt wird. Dann widerspricht das, wie ich bin, dem, was ich zu denken habe. Dann ist das, was ich begehre, nicht erreichbar. Dann ist der Mangel, der Verlust, die Leere mit nichts - und schon gar nicht mit einem Begriff - zu füllen. Ob diese Ichspaltung Hysterie, Schizophrenie, Dementia praecox oder endogene Psychose genannt wird - Namen, die nichts als eine Alienisierung oder „Verfremdung" des Bekannten sind - immer stimmt diese Ichspaltung mit der modernen Subjektstruktur überein, die aus der mönchischen Geist-Körper-Trennung resultiert.

    Das gespaltene Ich zerspringt dann, wenn sein existenzielles Begehren nicht mehr zu objektivieren, nicht mehr zu verdinglichen, nicht mehr zu instrumentalisieren, nicht mehr auf eine Regel zu bringen ist. Dann, wenn es in Panik umschlägt, die dem Verlust der Lust geschuldet ist. Denn das Panische der Panik verweist auf Pan, den mythischen Inbegriff der Lust. Ihr Verlust führt zu dem, was heute von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „zweitgrößte Krankheitslast der Industrieländer" bezeichnet wird, das heißt, sie führt zur Depression oder zu einer Niedergeschlagenheit, in der das Panische „manisch" wiederkehrt. Die Statistik der WHO zeigt die Verkehrung von Lust in Last, und sie verweist darauf, daß diese Verkehrung ein Effekt der „Industrieländer" ist. Denn ihre Fabriken begannen in den Klöstern. Unter der Voraussetzung mönchischer Geist-Körper-Trennung wurden sie in den Zucht-, Arbeits- und Armenhäusern des Absolutismus weiterentwickelt nach der Maxime, daß der Körper seine Lust zugunsten eines Ungeistes des Kapitalismus zu lassen hat, der in der Moderne den Geist Gottes ersetzt.

    Im modernen Subjekt-Objekt-Verhältnis wiederholt sich das mönchische Geist-Körper-Verhältnis - doch verschärft. Denn der Widerspruch von Geist und Körper wird nicht mehr im Maßstab der Schöpfung über Gott und Teufel, sondern er wird im Maßstab des Individuums über Vernunft und Unvernunft ausgetragen. Der Teufel läßt die „Hölle" auf Erden los, das Individuum hat diese „Hölle" in sich selbst einzuschließen. Es hat seine Unvernunft zugunsten seiner Vernunft zu internieren, als ob es die Anstalt der „Fabrik" umso mehr mit sich selbst zu veranstalten hat, je weniger es in eine „Sonderanstalt" kommen will. Dabei verkehrt es seine Lust in eine „Krankheitslast", die der Gesundheit dient. Würde es seine Lust nicht in diese „Krankheitslast" verkehren, gälte es als krank. Daraus folgt, daß dieser Begriff von Gesundheit „geisteskrank" ist: er ist krank durch einen Geist, dessen Ungeist des Kapitalismus sich heute mehr denn je als „geistige Gesundheit" (mental health) ausgibt.


    Konstruktion des Gesellschaftsvertrags

    D


    er Effekt dieser „Mental Health", die Depression, verweist auf eine Repression, die nicht mehr kenntlich ist. Sie ist als Prävention internalisiert, die sich heute auf zweihundert Jahre Aufklärung verlassen kann. Denn seitdem hat meine Selbsterkenntnis die Störung durch meinen abgespaltenen und niedergeschlgenen Teil vorherzusehen. Seitdem hat die Frage, bin ich normal oder abnormal, alle meine Handlungen zu begleiten. Seitdem habe ich den Aufschub meines existenziellen Begehrens zu leisten, damit jene vorhergesehene Störung verhindert werden kann. Seitdem ist meine Selbstbeherrschung an eine Rationalisierung mittels einer Ratio gebunden, die in den „Laboratorien" der „Sonderanstalten" des 19. Jahrhunderts über „moralische Behandlung" eintrainiert wird. Das „Moralische" ist auf das Recht, die „Behandlung" ist auf die Medizin bezogen: eine Zweiteilung, in der sich die transzendental-empirische Zusammensetzung des Menschen ebenso wiederholt wie die Zusammensetzung von Staat und Gesellschaft, da sich der Staat zum Empirischen der Gesellschaft seinerseits transzendental verhält. Auch er bleibt - wie der Begriff des Menschen - vorausgesetzt, selbst wenn die Gesellschaft zugrundegeht, was vor allem für den ersten und zweiten Weltkrieg zutrifft.

    Die Form dieser Voraussetzung ist die des Rechtsstaats, der sich in Frankreich innerhalb jenes revolutionären Bruchs durchsetzt, in Deutschland und Österreich mit den Republiken nach dem ersten Weltkrieg. Der Rechtsstaat basiert er auf einem Gesellschaftsvertrags, dessen Legalismus sich zum Despotismus des Absolutismus als Gegenentwurf versteht. Nach Hobbes wird dieser Gesellschaftsvertrag dadurch geschlossen, daß alle Bürger - und über sie vermittelt die Bürgerinnen - ihre Vernunft freiwillig an den „Leviathan" abgeben, an jenes apokalyptische Ungeheuer, das Hobbes als Bild für den Rechtsstaat der kapitalstischen Industriegesellschaft einsetzt. Doch bleiben die BürgerInnen nicht vernunftlos zurück. Denn sie verfügen über zweierlei Vernunft, wie es sich für ihre Ichspaltung gehört. Die eine ist die private, die andere ist die öffentliche Vernunft. Beide sind sowohl getrennt als auch verbunden. Dasselbe trifft für Staat und Gesellschaft zu. Denn soweit die BürgerInnen ihre öffentliche Vernunft auf den Staat übertragen, ist er von der Gesellschaft getrennt, soweit ihre öffentliche Vernunft in ihrer privaten enthalten ist, sind Staat und Gesellschaft verbunden. In eben dieser Verbindung besteht der Gesellschaftsvertrag. Er schließt ein, daß die BürgerInnen dem Staat freiwillig unterworfen und darum gesellschaftlich frei sind, was jedoch nur funktioniert, wenn sie ihre freiwillige Unterwerfung als Selbstunterwerfung nachvollziehen, das heißt, ihre öffentliche Vernunft muß in ihrer privaten Vernunft wirksam sein.

    Kurzum, sie haben sich als Subjekt selbst zum Objekt zu machen. Nur dann sind sie im rechtlichen Sinne, der immer auch ein moralischer ist, objektiv. Nur dann handhaben sie sich selbst, und ein sie behandelnder Arzt erübrigt sich. Nur dann sind sie Rechtssubjekte, die mündig sind. Nur dann fallen sie sich nicht selbst ins Wort, indem ihr abgespaltener oder niedergeschlagener Teil, außer sich oder unbeirrt, widerspricht. Nur dann sind sie nicht an sich selbst irre oder gar sich selbst fremd. Nur dann kann man mit ihnen rechnen, was angesichts dessen, daß der Gesellschaftsvertrag das Modell aller Vertragsverhältnisse ist, unabdingbar ist. Nur dann werden „private vices" in „public benefits" umgemünzt - private Laster werden zu öffentlichen Tugenden, die sich rechnen und rechtens sind. Wer „Anstalten macht", kommt in die Anstalt. Er wird entmündigt, damit sein Widerstand im Verstand durch eine „moralische Behandlung" gebrochen wird.

    Bezogen auf das Recht, drückt die Entmündigung aus, daß derjenige, der „nicht recht bei Verstand" ist, die ihm vorausgesetzte, freiwillige Unterwerfung unter den Staat gesellschaftlich nicht an sich selbst nachvollzieht oder, so Castel, „die Spezifik des Wahnsinnigen besteht darin, er sich der Gleichschaltung (durch die Vertragsgesellschaft) so heftig zu widersetzt, daß man, um ihn der neuen Sozialordnung einzufügen, gezwungen ist, ihm einen eigenen Status zu geben, der gleichzeitig eigentümlich und zu dem der Vertragsbürger komplementär ist" (S. 42). Eigentümlich ist dieser Status aufgrund seiner Abweichung, komplementär ist er, weil diese Abweichung die Norm stützt. Dem Wahnsinnigen wird vorübergehend das Maul gestopft, das er - vielleicht - wieder aufmachen darf, wenn er „zur Räson" gebracht ist. Bezogen auf die Medizin stellt sich das Problem, daß sie den Beweis für die Entmündigung liefern muß. Sie muß „eine medizinische Begründung konstruieren" (S. 44), die das Fehlen der öffentlichen Vernunft in der privaten plausibel macht. Sonst bricht das Recht den Gesellschaftsvertrag, womit es sich ebenso despotisch wie im Absolutismus verhielte. Mit diesem Problem ist die Medizin jedoch nur innerhalb der Psychiatrie konfrontiert. Weder bezogen auf die Klinik noch bezogen auf das Gefängnis, weder bezogen auf den wirklich Kranken noch bezogen auf den Verbrecher stellt es sich. Der wirklich Kranke wird behandelt und der Verbrecher hat gehandelt - aber der Wahnsinnige wird interniert, damit er nicht handelt. Seine Behandlung soll den Beweis für etwas liefern, was sie verhindert.

    Daraus folgt erstens, daß die bereits vollzogene, rechtliche Bestrafung im nachhinein medizinisch begründet wird, zweitens, daß diese Begründung nur eine präventive sein kann: sie nimmt etwas vorweg, was noch gar nicht eingetreten ist. Anders gesagt, die Medizin der Psychiatrie muß im Auftrag von Justiz und Verwaltung eine Krankheit konstruieren, die es noch gar nicht gibt und die, wenn es sie geben sollte, nichts weiter ist, als der Beweis für eine Verurteilung, die willkürlich ist. In dem Maß aber, wie dieser Beweis im nachhinein geliefert wird - was nicht aus-, sondern einschließt, daß er mit zunehmender „Medizinierung" der Psychiatrie auch im vorhinein zuhanden sein kann - in dem Maß zeigt sich zum einen, daß das Recht doch einen Rechtsbruch begeht, zum zweiten, daß die Vertragsgesellschaft sich dann als Fiktion erweist, wenn die staatliche Gewalt mittels Justiz und Verwaltung ohne Beweis interveniert und interniert, zum dritten, daß die medizinische Begründung des Wahnsinns jenen Rechtsbruch zu verdecken hat, dessen Willkür dem Gewaltmonopol des Rechtsstaats geschuldet ist, dem „Leviathan", der bei Hobbes gesellschaftlichen Schutz nur um den Preis der staatlichen Bedrohung aller verspricht. Darum statuiert er, je nach dem, ein Exempel, das er sich von der Psychiatrie, wenn es statuiert ist, medizinisch „absegnen" läßt.


    Therapie als Buße


    Dennoch hat sich zwischen Absolutismus und Legalismus etwas Grundlegendes verändert, da der Rechtsstaat sein Gewaltmonopol über Tod und Leben - ein Gewaltmonopol, was ihn als obersten Heerführer einsetzt - nicht mehr unmittelbar vollstreckt, wie der Souverän, sondern mittelbar. Seine staatliche Gewalt wird gesellschaftlich verwaltet, ohne daß das eine, der Staat, mit dem anderen, der Gesellschaft, identisch ist. Gleichzeitig sind sie verbunden. Deshalb durchdringt das Allgemeine des Staats das Besondere der gesellschaftlichen Institutionen, indem sich zwei Dispositive verschränken: dort die vom Staat ausgehende Gesetzesmacht, hier die von der Gesellschaft ausgehende Biomacht, unter der nichts anderes zu verstehen ist, als das Leben der Individuen, die sowohl zu einer Bevölkerung zusammengeschlossen als auch einzelne Körper sind. Sie haben in der kapitalistischen Industriegesellschaft in erster Linie nützliche Körper zu sein, was ihre Disziplinierung zu leisten hat, die zugleich auf das sie verwaltende Recht und auf die sie bewirtschaftende Ökonomie verweist. Die Psychiatrie ist im Zentrum der Vermittlung von Allgemeinem und Besonderem plaziert. Doch obwohl sie mittelbar auf die staatliche Gewalt bezogen ist, verhält sie sich gleichzeitig unmittelbar zu ihr, wie dies ihre Deckung des - mit der Vertragsgesellschaft unverträglichen - Rechtsbruchs zeigt, der im undurchdringlichen Schweigen ihrer „Sonderanstalten" untergeht.

    Einerseits auf das Recht, andererseits auf die Medizin bezogen, verwaltet die Psychiatrie die Körper transzendental-empirisch. Denn sie werden im Schnittpunkt von Allgemeinem und Besonderem, dort in Bezug zur Gesetzes-, hier in Bezug zur Biomacht, in ihren „Laboratorien" diszipliniert. Dies diene zu ihrem Besten, da sie ihr rechtlich entmündigtes und darum gesellschaftlich verfallenes Leben über eine Krankheitsdiagnose zurückerhalten, die nicht nur den Beweis für ihre Bestrafung erbringt, sondern diese Bestrafung kann auch mittels Therapie abgebüßt werden, bis der Entmündigte wieder mündig oder gesellschaftsfähig ist. Sollten sich aber Wahnsinnige „über alle denkbaren Mittel der Bestrafung lustig machen" (S. 174), dann kann die ärztliche Technik des Leben-Machens auch in ein Sterben-Lassen übergehen, ohne daß dies zur Erscheinung käme. Wer das, was zu seinem Besten dient, nicht akzeptiert, ist selber schuld. Zwischen eventuellem „Mundtot-Werden" und eventueller Mündigkeit hat der Wahnsinnige die Gründe für seine Entmündigung zu gestehen, sprich, zu bestätigen, was seine Bestrafung beweist, die als Therapie der empirischen Beobachtung und der transzendentalen Beurteilung unterliegt. Aus der Verbindung von körperlichem Symptom und geistiger Norm geht ein ärztliches Macht-Wissen hervor, das mittels des „winzigen Mechanismus’ der Prüfung" gewonnen wird. Sie setzt sich nach Foucault aus dem Zeremoniell der Gesetzesmacht und den Experimenten der Biomacht zusammen. Der Wahnsinnige wird bei seinem Geständnis jener Norm unterworfen, während an seinen Symptomen herumkuriert wird. Aus beidem folgen „heimliche Dressuren", die für das öffentliche „Justiztheater" unverzichtbar sind, da die spektakulären Strafen des Absolutismus abgeschafft sind.

    „Ob Justiz oder Medizin", so Castel, „es dreht sich immer um dieselbe Ordnung": die Justiz schreibt die Gesetze vor, deren mittelbare Gewalt die Psychiatrie verwaltet, indem sie in jedem Entmündigten die Abweichung zugunsten der Norm seiner Mündigkeit aufspürt. Sie ist es, die das Gesetz in die Norm, das Recht in die Kontrolle, die Strafe in eine Technik übersetzt, die nur dem Namen nach eine medizinische ist. Der Sache nach ist die Psychiatrie eine „politische Wissenschaft", da sie ein „Vewaltungsproblem" mit den Mitteln der Medizin gelöst hat. „Durch die Medizin ist der Wahnsinn ‘verwaltbar’ geworden - und wenn es eine Repression gibt, so liegt sie hierin" (S. 21). Diese Repression drückt sich durch ihr Gegenteil aus, durch das „Mitleid", das die sozial-staatliche Fürsorgeleistung der Psychiatrie, in deren Schutz die Bedrohung abwesend scheint, philanthropisch fundiert. Daß diese Repression nicht abwesend ist, geht aus der Vormundschaftsbeziehung hervor, die der Arzt zunehmend und unbestritten gegenüber dem Entmündigten übernimmt. Dabei kehrt im Legalismus „des Arzt-Patienten-Verhältnisses der Despotismus einer (paternalistischen) Souveränitätsbeziehung wieder. Denn der Wahnsinnige kann seine Menschlichkeit nur durch einen Unterwerfungsakt vor einer souveränen, in einem Menschen verkörperten Macht zurückgewinnen. Als Habenichts, der noch nicht einmal Vernunft besitzt, hat er von sich aus keinen Zugang zur Vertragsordnung" (S. 101). Dieser Zugang ist heute zwar erstritten, doch ob sich dieses „Patientenrecht" jeweils durchsetzen läßt, steht dahin.

    Daß sich in diesem institutionellen Dispositiv, in dem ein Heer von Laien einem Korpus von Fachleuten mit einem medizinisch legitimierten Verwaltungswissen gegenübersteht, keine „Wissenschaftlichkeit" der Psychiatrie herausbilden kann, leuchtet ein. Stattdessen ist diese „Wissenschaftlichkeit" Eingriffstechnologie. Ihre Begriffe, mit denen sie den Wahnsinnigen in den Griff nimmt, gehören einem veralteten medizinischen Code an (dem der nosographischen Klassifikation des 18. Jahrhunderts): auf das neue Milieu der „Sonderanstalten" übertragen, wird er in ihren „Laboratorien" als „autoritäre Pädagogik" der „moralischen Behandlung" ohne Bezug zur klinischen Arbeit durchgepaukt. Für die Entstehung der modernen Psychiatrie gilt darum, so Castel, daß sie zwar zu keiner Veränderung in der Ordnung des Wissens, aber zur Herausbildung einer neuen Gruppe von Fürsorgefachleuten geführt hat. Sie treten im Kontext einer Modernitätsschwelle auf, die, mit Foucault gesprochen, in der Mitte des 19. Jahrhunderts überschritten wird, als die Biologie auf der Ebene der Politik erscheint. Die weitreichenden Perspektiven dieser Überschreitung drückt ein „prophetischer" Zeitgenosse, wie folgt, aus: „Ohne Zweifel stellt die Frage der Irren einen der bedeutensten Zweige der politischen und sozialen Medizin dar, deren Walten im Leben der modernen Gesellschaften immer mehr Raum einnehmen wird" (S. 153).


    Erbbiologische Aussichtlosigkeit


    Das Überschreiten dieser Modernitätsschwelle tangiert das institutionelle Dispositiv der Psychiatrie grundlegend. Ihr paternalistisches Schema der „moralischen Behandlung", die den Wahnsinnigem dem Kind gleichsetzt, transformiert sich. Die unendliche Perfektibiltät des endlichen Menschen, die für die „autoritäre Pädagogik" der Psychiatrie die aufklärerische Rahmenbedingung abgab, wird reformuliert. Denn die Biologie auf der Ebene der Politik formt die Disziplinarstrukutur der Biomacht ins Evolutionäre um. Bisher war die Verwaltung und Bewirtschaftung des Wahnsinns in philanthropischen Händen, jetzt gerät sie in die des Rassismus. Dieser Rassismus hat sich zwar vom Fortschrittskontinuum der Aufklärung noch nicht gelöst, aber er durchbricht ihre Rahmenbedingung. Dabei gleitet die unendliche Perfektibilität des endlichen Menschen im Zuge ihrer evolutionären Umformung ins Vormenschliche ab. Die Rückfälle des Wahnsinns stürzen auf der empirischen Ebene dorthin, wo Darwins „Affe" seinen „tierischen" Schädel erhebt. Der transzendentale Begriff des Menschen bleibt selbstverständlich erhalten, doch er lädt sich mit der Hypothek einer Arterhaltung auf, der die Entartung als Horror entgegensteht.

    Der Ort dieses Horrors ist die „Sonderanstalt", da sie es ist, die ihre Insassen „vertiert". Deshalb entsteht die erste Degenerationslehre in der Psychiatrie, die endlich ihren Anschluß an die allgemeine Medizin mittels eines Organizismus finden will, der Darwins Evolutionstheorie rezipiert. Morel, dessen „Traité des dégénérences physiques, intellectuelles et morales de l’espèce humaine (Paris 1857) für diesen gesuchten Anschluß an die Medizin bahnbrechend ist: Morel ist nur ein Name für viele, die wie Griesinger, Kraepelin (u. a.) am Wahnsinnigen eine „abnorme Abweichung vom normalen menschlichen Typus" durch eine rezessive Vererbung diagnostizieren. Morel setzt dieser Rückläufigkeit eine „vorgreifende Prophylaxe" entgegen. Sie vertieft die medizinisch-moralische Prävention der Aufklärung medizinisch-erbbiologisch unter Bezug auf die Evolution, die Darwins Vetter Galton eugenisch inspiziert. Das von der Psychiatrie ausgehende Konzept Morels ist ebenso exemplarisch dafür, daß die Entartung zum Gegenstand der Medizin innerhalb der „Sonderanstalt" wird, wie dafür, daß ein Heer von Fürsorgefachleuten sich mit hygienisch-eugenischer Zielsetzung über die „Sonderanstalt" hinaus auf den Weg in die Gesellschaft macht. Denn die Menschheit muß gerettet werden, so Morel: „Wir haben es nicht mehr mit einem einzelnen Menschen, sondern mit der ganzen Gesellschaft zu tun, und die Kraft der Mittel muß der Bedeutung des Zieles entsprechen" (S. 296). Wer immer diesen, aus der Psychiatrie heraus erschallenden Ruf des Arztes gegen die Entartung der Art aufnimmt, „alle (sind) zum Werk der Regeneration" und damit „zum Heil" (S. 297) herausgefordert.

    Mit diesem Aufruf kehrt sich das Verhältnis zwischen Arzt und Gesellschaft um. Wenn der Arzt bisher, gemäß Pinels Konzept, mit der Welt außerhalb der „Sonderanstalt brach, dann kehrt der Arzt jetzt in diese Welt zurück und dies zu einem Zeitpunkt, als die Schärfe der Psychiatrie-Kritik ab den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts jener ab den 60er Jahren unseres Jahrhunderts entspricht. Die Verfechter dieser Kritik wandern aus der „Sonderanstalt" aus und gründen „Landkommunen". Gleichzeitig nimmt die Psychiatrie im Widerspruch dazu, daß ihre Bezeichnung (Reil 1803) den Seelendienst ebenso verhöhnt, wie die Idolatrie den Bilderdienst, eine psychologische Richtung: Psychoanalyse und Behaviourismus werden rezipiert. Die Krise der Psychiatrie geht Wende 19./20. Jahrhundert in diesen, auf heute verweisenden Prozessen der Desinstitutionalisierung und Psychologisierung jedoch nicht auf. An sich hätte das Asyl, das nach Castel Wende 19./20. Jahrhundert „kurz vor dem Zerplatzen" steht, seine Tore ganz schließen müssen. Aber die neue, expansive Rolle des Arztes und ihr, von Morel ausgegebenes Postulat, „was in den Asylen geschieht, muß nach außen ausgedehnt werden" (S. 298), führt zu einer Neubegründung der Psychiatrie unter der Bedingung, daß sich die Nacht desto mehr über ihre Asyle ausbreitet, je mehr der Arzt in seiner Funktion als Psychiater ein unbegrenztes, gesellschaftliches Interventionsfeld in Angriff nimmt. Prophylaxe und Gutachtertätigkeit sind sich ausdifferenzierende Zweige einer sozial-politischen Medizin, die in erster Linie Sozial- und Rassehygiene in Verbindung mit der Eingriffstechnologie der Eugenik ist. Ihre binäre Logik von Aufartung und Ausmerze tritt als evolutionäres Schema an die Stelle der autoritären Pädagogik, die den Wahnsinnigen dem Kind gleichsetzte. Denn jetzt wird die erbbiologische Entartung des Wahnsinnigen unter Anschluß an die allgemeine Medizin in Angriff genommen, die sich von der Eugenik eine effektivere Besserung, als von der „moralische Behandlung", verspricht.


    Euthanasie-Aktion


    Damit sind alle Strukturelemente innerhalb und außerhalb der „Sonderanstalt" gegeben, die für die Euthanasie des Nationalsozialismus in der Mitte unseres Jahrhunderts entscheidend sind: erstens Heil- und Pflegeanstalten mit aussichtslosen Fällen, da die Referenz ihrer Behandlung nicht mehr die Moral, sondern die Erbbiologie ist; zweitens ein Heer von Fürsorgefachleuten oder Sozialtechnikern, die längst vor 1933 in den beiden ersten Republiken Deutschlands und Österreichs auf die Gesundung des „Volkskörpers" zielen; drittens die Ausweitung des psychiatrischen Gutachterwesens, das für die Euthanasie-Aktion entscheidend ist. Das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" durch Sterilisation (bei Schizophrenie, manisch-depressivem Irresein u. a.) liegt bei Amtsantritt des demokratisch gewählten Reichskanzlers Hitler, verfaßt von zwei Psychiatern (Rüdin und Rutt), bereits vor. Hitler braucht es 1933 nur noch zu ratifizieren (400.000 Sterilisationen zwischen 1934-1939). Mit Hitlers Amtsantritt reaktiviert und radikalisiert sich der „Leviathan" des bürgerlich-kapitalistischen Rechtsstaates auf der Basis des Gesellschaftsvertrags, der bedingt, daß die mit der Gesetzesmacht verschränkte Biomacht von unten kommt. In ihrer privaten Vernunft ist die öffentliche Vernunft, die sich zur rassistischen Norm gewandelt hat, enthalten. Die NSDAP wird als Partei und Bewegung von der Bevölkerung und ihrer Begeisterung für sozialtechnisch einwandfreie Körper getragen. Auch das 1935 erlassene Gesetz gegen Rassenschande in der Ehe, das „Gesetz zum Schutze der Erbgesundheit des deutschen Volkes", stößt auf keinen Widerspruch.

    Die eugenisch-rassistische Disziplinierung der BürgerInnen wird über eine Biomacht-Propaganda intensiviert, die gleichzeitig auf das Leben-Machen durch Aufartung, und auf das Sterben-Lassen durch Ausmerze zielt. Sterilisation und Eheverbot hier, Euthanasie dort: beides sind zwei Seiten einer Sache, deren Ratio die Rationalisierung einer rassehygienischen Kosten-Nutzen-Rechnung ist, die bereits um die Wende 19./20. Jahrhundert über Preisausschreiben gelöst werden soll. Der Strafrechtler Karl Binding und der Psychiater Alfred Hoche fordern in ihrer Broschüre 1920 „Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens - ihr Maß und ihr Ziel". Hitlers Euthanasie-Erlass entspricht diesem Ziel, das (u. a.) Eigenheime anstelle der Unterbringung von Wahnsinnigen verspricht. In der Form dieses Erlasses kehrt der „lettre de cachet" des Souveräns wieder, oder aber die Souveränitätsbeziehung zwischen Arzt und Patient in der Psychiatrie. Denn dieser Erlass ist formlos (auf privatem Briefpapier) ausgestellt: er ist reine Willkür, Bruch des Gesellschaftsvertrags, unmittelbare Gewalt. Sie kann sich jedoch auf ihre mittelbare Verwaltung und deren Eingriffstechnologie innerhalb des institutionellen Dispositivs der Psychiatrie verlassen, da diese sich ebenso unmittelbar zur Gewalt verhält: sie ist es, die deren Rechtsbruch deckt.

    Hitlers Federstrich wirkt und zwar genauso, wie es sich für eine Demokratie gehört, deren BürgerInnen sich dem Gewaltmonopol des „Leviathans" freiwillig unterwerfen, um dann ihre Anerkennung von Gewalt durch das Postulat der eigenen Freiheit desto mehr zu leugnen, je mehr sie an dieser Freiheit die Selbstunterwerfung verschweigen, die auch ihre Ausmerze in Aussicht stellt, wenn sie so schizphren, so manisch-depressiv, so wahnsinnig sein sollten, sich der Sozialordnung des Gesellschaftsvertrags nicht zu fügen. Euthanasie-Erlass und Beginn des zweiten Weltkriegs fallen in der Vernichtungs-Konzeption des rechtsstaatlich befugten, obersten Heerführers Hitler zusammen, da er den Euthanasie-Erlass vom Oktober auf den 1. September 1939 rückdatiert. Ob bezogen auf den äußeren, oder bezogen auf den inneren Feind, die Ausmerze lebensunwerten Lebens gilt dort wie hier. Gleichzeitig soll der Gnadentod den Heldentod sühnen, während Sterilisation und Eheverbot bei Rassenschande garantieren, daß nur der Held überleben wird. Dem entspricht, daß das rassisch reine Ehebett zum „Schlachtfeld" wird, in dem pro Heldentod ein neues Kind zu zeugen ist. Der gleichzeitige Beginn von Vernichtungskrieg nach außen und Euthanasie-Aktion nach innen hat außerdem, so Hitlers eigene Aussage, die Akzeptanz für diese Gewalt-Bedrohung zu schüren, die jedoch die Schutz-Gewalt nicht vermissen läßt. Denn die Euthansie-Aktion wird, ausgehend von der Dienststelle in der Tiergartenstraße 4 (Berlin), als Tarnaktion hinsichtlich Auswahl, Transport und Tötung durchgeführt. Die Verlegung der Dienststelle in die Tiergartenstraße kann auf die Aussage eines Psychiaters bezogen werden, der „die Furchtbarkeit des Herabsinkens zum Tier in hunderten und aberhunderten Fällen während einer langen Tätigkeit im Dienste Geisteskranker erfahren hat" (Dr. Valtentin Faltlhauser in einer, den amerikanischen Behörden 1945 abgegebenen Rechtfertigung wegen Mordes).

    Die Tarnaktion funktioniert auf der Basis des Gesellschaftsvertrags reibungslos: seitens der Justiz - das Reichsinnenministerium verschickt an alle Heil- und Pflegeanstalten im Deutschen Reich Meldbögen; seitens der Verwaltung - die Ärzte dieser Anstalten füllen die Bögen aus; seitens der psychiatrischen Gutachter - sie selektieren in der „Reichsarbeitsgemeinschaft Heil- und Pflegeanstalten" anhand dieser Bögen; seitens der Sozialtechniker - die „Gemeinnützige Kranken-Transport-GmbH" bringt zum Tötungsort; seitens der Fürsorgefachleute - aus der NSDAP und der SS geworbene, außerdem dienstverpflichtete Mitglieder der „Gemeinnützigen Stiftung zur Anstaltspflege": sie töten (70.000 Tote durch Vergasung zwischen 1939-1941; in „Kinderfachabteilungen" 10.000 Tote zwischen 1940-1945 durch Spritzen, Tabletten). Seitens der Familien gibt es zwar Widerstand, als der Gestank des Rauchs rund um die Psychiatrien im Grünen (Villen, Barockschlösser, Klöster) und der Verkehr der grauen Busse mit verhängten Fenstern ebenso wie die Fehler in den Todesanzeigen (durch Standesämter in jenen Psychiatrien) zu offensichtlich werden, aber als die Euthanasie-Aktion 1941 von Hitler zurückgenommen wird, geht sie bis 1945 unbesehen weiter als sogenannte „wilde Euthanasie": ein Euphemismus dafür, daß alles regulär abläuft.

    Die „Pfleglinge" werden in den „Laboratorien" der Psychiatrien weiterhin vernichtet, ob durch sogenannte „Hungerkost" (90.000 Tote zwischen 1942-1945), oder durch Spritzen und Tabletten auf dafür eingerichteten „Sonderstationen" (Tötung bis 1948, Tote ungezählt). Hitler kann sich auf die Normalisierungsgesellschaft im Krieg nach innen verlassen, die auf den Endsieg im Krieg nach außen spekuliert, für den sie von „Ballastexistenzen" befreit sein will. Und in dem Maß, wie das Team der T 4-Aktion in Teilen mit dem Team zur Vorbereitung der Endlösung der Judenfrage - der „Aktion Reinhard" - identisch ist, in dem Maß übernehmen die Euthanasie-Anstalten der Psychiatrien auch die Arbeit der Krematorien der KZ’s. Zwar sollte Juden der Gnadentod nicht zukommen, er sollte der eigenen Rasse vorbehalten sein, aber je mehr diese im Krieg nach außen geschlagen wird, desto mehr schlägt sie zurück: der „objektive Feind", der in erster Linie im Subjekt selbst zu suchen ist, in dem, was es abspaltet, in dem, was es niederschlägt, dieser „objektive Feind" ist, ob „Pflegling" oder Jude, schon bevor er vernichtet wird, nichts, weshalb er austauschabr ist.


    Posthumane Perspektive


    Das Ende der Subjekt-Objekt-Konstruktion, die aus Allgemeinem und Besonderem, aus öffentlicher und privater Vernunft zusammengesetzt ist, ist inzwischen auch im Magazin „Der Spiegel" angekommen, der vor kurzem „Das Ende des Privaten" (Nr. 27, 5. 7. 99) titulierte, worunter er Ergebnisse möglicher elektronischer Überwachung subsumiert, die jede Distanz überwindet, jede Mauer durchdringt, jedem Körper implantiert werden kann. Ein Subjekt, was sich selbst als „objektiver Feind" überwacht, ist folglich heute ebenso „out" wie die Psychiatrie in der Form des Asyls, dessen bisherige Endform die Euthanasie-Anstalt und das KZ darstellt - und dies obwohl oder weil dieses Asyl einst, so Esquirol, mit einem „Werkzeug der Heilung" identisch sei sollte. Die Psychiatrie, die Wende 18./19. Jahrhundert eröffnet wird, und die um die Wende 19./20. Jahrhundert bereits schließen könnte, diese Psychiatrie ist heute, an der Wende 20./21. Jahrhundert, aufs Neue mit ihrer Auflösung konfrontiert - außer sie begründet sich nocheinmal neu, indem sie sich daran beteiligt, daß sich die Gesellschaft selbst in eine Anstalt transformiert, in der die „elektronische Fußfessel" jene Ketten ersetzt, die Pinel einst den Wahnsinnigen abnahm.

    Jeder kann zu Hause interniert werden, warum auch immer. Entscheidend ist, daß die Gewalt getarnt bleibt, die der elektronifizierte Gesellschaftsvertrag impliziert, dessen Gesetzes- und Biomacht-Dispositiv heute eine weitere Schwelle überschreitet, die auch der Psychiatrie-Weltkongress 1999 mit seinem Titel „New Thresholds" annonciert. Sie kann in Analogie zur Modernitätsschwelle im 19. Jahrhundert als eine Post-Modernitätsschwelle bezeichnet werden, auf der die Molekularbiologie auf der Ebene der Politik erscheint. Ihr Überschreiten führt zum Posthumanen, zum Nachmenschlichen, das den „tierischen" Schädel des vormenschlichen Affen endgültig zum Verschwinden bringen soll. Nicht nur ist der transzendentale Begriff des Menschen, angesichts seiner empirischen Zerlegung in Gene, nicht mehr aufrechtzuerhalten, nicht nur erübrigt sich ein Subjekt, das sich über einen Begriff im Griff behält, sondern der Physiker Stephen Hawking ist außerdem überzeugt, daß der „genetische Mensch" kommen wird: er sei damit nicht einverstanden, „aber, was machbar ist, wird gemacht". Ihn wird keiner wiedererkennen, da die Herstellung dieses „genetischen Menschen" die Eugenik zugunsten der Euphänik, das heißt, zugunsten der gezielten Eingriffstechnologie in die Gene, abgedankt hat. Diese Herstellung kann weiterhin in den „Laboratorien" der Psychiatrie stattfinden, während sie ihre „Brückenkopf-Funktion" (G. Bruns) zwischen Justiz, Verwaltung und Medizin als jenen Ort besetzt hält, an dem sich entscheidet, wer über die Brücke gehen wird und wer nicht - wer also den Bach hinuntergeht.

    Desinstitutionalisierung und Psychologisierung der Psychiatrie heute stehen dazu nicht im Widerspruch. Deshalb werden die psychosozialen Dienste und die alternativen Psycho-WG’s sich rund um ihr gen- und informationstechnologisches Experimentierfeld weiter vernetzen, auf das die Sektionen und Themen des Psychiatrie-Weltkongresses unter Einschluß der Designer-Drogen der Pharmakonzerne hinweisen. Daß dieses Experimentierfeld weiterhin entsprechend dem „winzigen Mechanismus der Prüfung" funktioniert, die vom Zeremoniell der ärztlichen Macht nie unabhängig ist, ist klar. Bei den Experimenten in diesem Feld wird sich die Psychiatrie nicht mehr philantropisch, und auch nicht mehr rassistisch, sondern sie wird sich weltweit bioethisch legitimieren, da die europäische Bioethik-Konvention in absehbarer Zeit weltweit verabschiedet wird. In dem Maß aber, wie diese Konvention eine Verschiebung impliziert - eine Verschiebung weg von der Therapie, und hin zur Forschung, für die der Patient in der Sprachregelung dieser Konvention durchgehend „Versuchsperson" ist - in dem Maß wird die zweihundertjährige Erfahrung der Psychiatrie bei der Menschen-Herstellung unentbehrlich sein, so daß sie sich auch Wende 20./21. Jahrhundert aufs Neue neu begründen wird.

    Die Art und Weise, wie sich diese Neubegründung vollziehen wird, kündigen zwei beim Psychiatrie-Weltkongress ausgelegte Prospekte an: der eine verweist auf den Folge-Kongress „Brain 2000", der die Hirnforschung „zum besseren Verständnis von Geisteskrankheit (mental illness)" als die führende Wissenschaft des 21. Jahrhunderts in Kooperation mit der Industrie und den Experten der Künstlichen Intelligenz propagiert; der zweite verweist auf den nächsten Weltkongress der Biologischen Psychiatrie 2001. Folgt man seinem Titel „Gateway to Biogical Psychiatry in the next Millenium", dann durchschreitet diese Psychiatrie im 21. Jahrhundert ein Tor, in dem die Post-Modernitätsschwelle zu erkennen ist. Sie führt desto ferner ins Posthumane, je mehr die Molekularbiologie nicht nur von der Hirnforschung in Angriff genommen wird, sondern auch von der biologischen Psychiatrie, die sich der „futurologischen Perspektive" dieser Forschung sowohl mit neuen, genetischen Krankheits-Definitionen als auch mit neuen, genetischen Therapien anschließen wird. Da diese Therapien jedoch weiterhin Buße für eine Krankheits-Definition als Strafe unter der Voraussetzung von Justiz und Verwaltung sind, wird die biologische Psychiatrie an „Versuchspersonen" keinen Mangel haben. Bioethisch legitimiert, wird sie diese „VPs" in ihren „Laboratorien" testen, um sich in Zusammenarbeit mit der Hirnforschung, der Industrie und den Experten der Künstlichen Intelligenz bei der Herstellung eines „genetischen Menschen" neu zu begründen. Dabei könnte die Psychiatrie angesichts ihrer Desinstitutionalisierung und Psychologisierung heute, an der Wende 20./21. Jahrhundert, ihre Tore ebenso schließen wie an der Wende 19./20. Jahrhundert: Tore, die sie an der Wende 18./19. Jahrhundert nie hätte öffnen dürfen.





    °°°°°°°

    Von der Freude und dem Leid


    Eure Freude ist euer Leid ohne Maske.


    Und derselbe Brunnen, aus dem euer Lachen aufsteigt,


    war oft von euren Tränen erfüllt.


    Und wie könnte es anders sein?


    je tiefer sich das Leid in euer Sein eingräbt,


    desto mehr Freude könnt ihr erfassen.


    Ist nicht der Becher, der euren Wein enthält,


    dasselbe Gefäß, das im Ofen des Töpfers gebrannt wurde?


    Und ist nicht die Laute, die euren Geist besänftigt,


    dasselbe Holz, das mit Messern ausgehöhlt wurde?


    Wenn ihr fröhlich seid, schaut tief in eure Herzen,


    und ihr werdet finden, daß nur das,


    was euch Leid bereitet hat, euch auch Freude gibt.


    Wenn ihr traurig seid, schaut wieder in eure Herzen,


    und ihr werdet sehen, daß die Wahrheit um das weint,


    was euch Vergnügen bereitet hat.


    Einige von euch sagen:"Freude ist größer als Leid".


    Und andere sagen:"Nein, Leid ist größer".


    Aber ich sage euch, sie sind untrennbar.


    Sie kommen zusammen, und wenn einer alleine mit euch am Tisch sitzt,


    denkt daran, daß der andere auf eurem Bett schläft.


    Wahrhaftig, wie die Schalen einer Waage


    hängt ihr zwischen eurem Leid und eurer Freude.


    Nur wenn ihr leer seid, steht ihr still und im Gleichgewicht.


    Wenn der Schatzhalter euch hochhebt, um sein Gold und sein Silber zu wiegen,


    muß entweder eure Freude oder euer Leid steigen oder fallen.







    °°°





    Gebet um R EINigung




    ***°°°°°°°***




  5. #55
    Gast

    Re: Fernseh


    >Ich fragte nicht danach was ihn "mehr verblöden als die Medikamente in der Klapse". Auch wenn viel Fern-sehen... in dieser Hinsicht sicher wirklich gut geeignet wäre.


    Das würde ihn aber erstmal wieder zentrieren und erden. Im Gegensatz zu den Medikamenten und der mittelalterlichen Behandlung, von der er sicher einen Schaden weg bekommen wird, den er sein Leben nicht mehr los wird.

  6. #56
    Ina
    Gast

    Re: @ dyon


    >Aso. Naja...das Sie hat nicht soviel zu bedeuten...ich bin mit den Katzen und Kühen zu Hause auch per Sie.


    Ah, sooooo ist das ;-))))))


    Ich wohne auch ländlich, u.a. haben bei mir 2 Hängebauchschweinchen Zuflucht gefunden, "Tante Klara" und "Tante Sophie".

    Allerdings duzen wir uns.


    >Humor ist schon wichtig. Richtig.

    >Nachfolgend 42 Regeln zum Glück. Zum Schieflachen.

    >Falls jemandem nicht alle Wörter geläufig sein sollten, kann er hier nachschlagen:

    >http://www.xipolis.net

    >die 42 goldenen Regeln zum Glück!


    Nix verstehn, aber macht nix!


    Ich habe noch etwas:


    http://www.sanktus.com/shop/shopuriel.htm




    > 1. Die nuntiale Singularität des Imponderablen ist nichts ohne eine chrysolithische Simplifikation aller Lobotomie.

    > 2. Synekdochale Grapheme sollten IMMER bilabiale Infallibilität der theogenen Thixothropen implizieren!

    > 3. Thrombozytische Lexematik ist überflüssig!

    > 4. Ohne kapaunisierte kapillaranalytische Mimesen landen Sie bald bei lanzinierten Zyklikern ohne den Hauch einer kontributiven Eskamotage.

    > 5. Essen Sie Obst.

    > 6. Karpologische Sagazitäten sind sporangisch, zytotoxisch, toponymisch und im besten Falle rosa.

    > 7. Verzichten Sie a priori auf Polynominterpolationen (der Grund sind ein eolithischer Chiliasmus und ein heteronymer Konduktus).

    > 8. Oogenetisch gesetzte Conditiones sine causa führen stante pede zu einem opalisierten und hidrotischen Syntagma! Also aufpassen!

    > 9. Selenologisch otologiert, ist der Narrativik keine Konsumtion zu akkoladieren.

    > 10. Divergente Redundanzen sind ein Divertimento ad latus sine venia verbo!

    > 11. Enteroskopische Ichthyosen negierend, enthüllt man sapienti sat sub specie aeternitatis ein Martigal der orthogenetischen Sloops!

    > 12. Sodalithe, in Skordaturen sui generis dihybrid transfigurierend, sollten niemals als tertium comparationis quadriviert werden.

    > 13. Sehen Sie jeden Morgen in den Spiegel und sagen Sie "Ich bin der Größte!".

    > 14. Die mutative Signatur eines transititiven Derivats enthält immer statuelle Consecrationen.

    > 15. Kognitive Provokationen enden artifiziell in superiorer Omnipotenz.

    > 16. Bicolore Duplexi arbeiten synonym für dignitive Extensionen, wenn man nur genau hinsieht.

    > 17. Die Dismission admirativer Fluktuationen sollte immer unter Berücksichtigung diffuser Paradigmen delektiert werden.

    > 18. Meiden Sie Süssigkeiten! Drei Tafeln Schokolade täglich müssen genügen!

    > 19. Membrane Laktation setzt oft rektale Virginitas voraus.

    > 20. Nach volumptivem Placere exterierende Supplemente dürfen nie adoleszend luminiert werden, hören Sie, NIEMALS!

    > 21. Eine imaginäre Fraternitas mit ejakulativer Präsenz kulminiert stets in cerebraler Redigierung.

    > 22. Dubiose Chiromantie verweigert selten urbane Häresie, denken Sie daran.

    > 23. Captive Kollaboration bedingt recreativen, episkopalen Coitus (nicht immer, aber meist).

    > 24. Pekuniäre Societät exponiert in dubio graduelle Frequentation.

    > 25. Über auxiliare Resignation durch pubertäre Desiderationen sollte transpiriert werden.

    > 26. Investigative Trivia somnambulieren einen leprösen Sagittarius!

    > 27. Ob approbierte Custodationen im obstinaten Purgatorium habilitieren, ist obsessiv eloquent.

    > 28. Gravierende Fortifikationen dekretieren nur orale Stimulanz.

    > 29. Oszillierende Explorationen parzellieren indignierende memoriae causae.

    > 30. Doublierte hydrämische Hyasen sollten stets komplanare Myalgien topologisieren.

    > 31. Trisyllaba in vivisektiven progressistischen Tonsillektomien kann man immer mit Ususfruktus bei idiolektischen Korrelationen gleichsetzen.

    > 32. Anstelle von obliquitärer Pietät interveniert akkumulativ morbide Konjugation, daher korporiert auch subnymphomaner Exorzismus.

    > 33. Illative Inseminationen sind onomatopoetische Lemmata, wenn man prospektive intrauterine Skiaskopien anfertigt.

    > 34. Symmachische Onomastiker sind kakophonisch diphtongiert eine exmittierende Fatalität.

    > 35. Der eruptive und divine Onyx erklärt alle dispensatorischen Rigorosi, ohne virtuose Amplituden zu proximieren.

    > 36. Potius sero quam numquam sollte man exemplifizierte Gammaglobuline heterosom jodieren und im Anschluss daran latent meliorativ ordinieren.

    > 37. Akkusationen konservieren inhärente Possessionen, obgleich die Animosität eo ipso decrescendiert.

    > 38. Viribus unitis gelingt es, paläogene soziolekte Syllogismen ex nunc symbiotisch zu subskribieren.

    > 39. Subsidiäre Transkriptionen bedeuten nicht quod divinus accidit etymologisch korrumpierende Sphigmometren.

    > 40. Ein Aide-mémoire zählt nur, wenn man algorithmisch ein Ideologem der Komparatistik multifunktionalisiert, ohne jedoch die quaternären Sobrietäten zu vergessen!

    > 41. Die desperative Bihelix eines pathogenischen Orcus rekurriert auf nuptialen Permutationen.

    > 42. Profanity sucks!

    >http://www.hirtemann.de/goldeneregeln/42regeln.htm

    >




  7. #57
    Ina
    Gast

    Re: @ dyon


    >>http://www.hirtemann.de/goldeneregeln/42regeln.htm


    Mir gefällt das Fotoalbum am besten ;-))))))))






  8. #58
    Sekhenu
    Gast

    Re: Energieformen, Persönlichkeitsspaltung, ...




    >Na ja, hoffen wir mal das Beste!

    >Was ich mich frage und was mich tatsächlich beunruhigt ist, daß er unter einer Persönlichkeitsspaltung leidet, und da "der Normale", "das Kind", "der Traurige",... ist. Wer sagt mir, daß da nicht auch ein Persönlichkeitsanteil ist das für andere Menschen gefährlich ist? (er hat früher in normale Situationen hineininterpretiert das man ihn fertig machen will, was völlig unsinnig ist).

    > Simon


    Hi Simon


    Die verschiedenen Persönlichkeitsbilder haben "normalgesunde" Menschen auch, nur werden sie der Norm d. h. den allgemein üblichen Wahrnehmungsschemata gerecht.


    Die Frage nach der Gefährlichkeit ist eine Frage der Gewissheit beziehungsweise der Sicherheit, hier muss sich wohl jeder auf seine Intuition verlassen.




    Wenn er wieder gesund ist dann ist er auch ruhiger und hat keine Wahnvorstellungen mehr.


    Das Wissen vom eigenen Kranksein also das "Ich bin krank" ist der erste Schritt zu Heilung.


    Ich wünsche dir und deinem Freund alles Gute




    Heiko



  9. #59
    Genua
    Gast

    Re: Drogen und Spiritualität




    hallo.


    so wie ich das hier sehe ist man eher abgeneigt über das Thema Drogen zu

    sprechen, man verurteilt viel zu schnell.


    @Simon ähnliche Erfahrungen wie du habe ich auch schon gemacht und ich lasse

    die Finger von den harten Drogen, diese machen einen sehr kaputt.


    Ich führte dieses Beipiel an mit dem ehemaligen Freund der auf LSD hängen blieb.


    Ich weiss zwar nicht in welcher Welt ihr lebt, jedoch gibt es unter der Jugend momentan sehr viel Kiffer und ich traue mich wetten das die Erwachsenen - Droge Nummer eins das Kokain ist.


    Nikotin ist absolute Härte. Und das noch legal, man kann verurteilen man kann

    gescheid reden, jedoch jemand der keine Erfahrungen mit diesem Thema gemacht hat, denn muss ich aussen vor lassen. (Ist das gleiche wie wenn 12 Jährige über Sex reden und nicht mal nen Orgasmus hatten)


    Ist leicht alles zu verurteilen, die Frage ist nur was kann man davon lernen.


    Sucht egal in welcher Form besteht bei jedem Menschen, jeder sucht sich seinen Kick egal wie, obs Sex, Drogen, Horrorfilme, Bunje- Jumping, Karriere, Essen, könnte man alles als Sucht definieren. Man braucht den Kick egal wie.


    Drogen sind halt leicht zu verurteilen weil sie verboten sind.

    Es gibt sicherlich auch einen Grund Warum sie da sind.


    Auf der anderen Seite darf man nicht vergessen das Urvölker und von denen geht man gerne aus wenn man altes Wissen anspricht, sich auch mal gerne eine Pilz- Pfeife oder sonstiges gegeben haben um mit den Geistern zu kommunizieren.


    Nur haben die gewusst dieses mit Mass zu machen, zu bestimmten Jahreszeiten oder bei bestimmten Ritualen, das war kein Partygag bei denen.


    In Askese zu leben ist sicherlich nicht leicht, jedoch sicher leichter als

    mit einem gesunden Mass an Drogen zu leben. Die Suchtgefahr zieht egal was man macht, wenn man nur könnte dieses Gesunde Mass finden .


    So ein Gedankengang hat sicherlich schon viele in die Sucht geführt, man könnte sagen das, das ein bestimmtes Wesen das Herr der Droge ist und einem so ein Denken diktiert.


    Die Drogen betonen immer aber den Menschen, es kann sein das jemand der LSD nimmt, einen Horror trip hat es kann aber auch sein das er Engel sieht.

    Auf die Dauer gesehen ist beides nicht gut, bei einer einmaligen Gelegenheit jedoch vielleicht nützlich.


    Um mal das Thema der geistigen Krankheiten anzugehen, Drogen verhelfen geisitigen Krankheiten zum Ausbruch, jedoch muss der Mensch schon eine anfällige Ader haben.


    Ich weiss nur eins, bevor ich meinen ersten Joint gekifft habe, war ich viel mehr

    materialistisch geprägt, wusste nichts von einer Bewusstseinserweiterung

    (Alkohol mal aussen vor). Es gibt Gedanken und Vorstellungen von Wert die ohne Drogen nie mein Bewusstsein zum jetzigen Zeitpunkt erreicht hätten.


    Als Beispiel MDMA oder Extacy, im verborgenen schlummert bei jedem

    homosexualiät, jedoch würde man so was nie in Erwägung ziehen, da man es angelernt bekommen hat so was nie zu versuchen. Unter Einfluss dieser Droge können solche Adern aufgedeckt werden, was einem selber hilft.

    Auf der anderen Seite, Depression nach Konsum u.s.w


    Es kann natürlich sein das man mit diesem Zeugs seine Erfahrungen zu früh macht, oder von einer Quelle Wissen bezieht für die man noch nicht reif ist,

    welcher Hieb des Schicksals lässt einen dann zu so etwas kommen?

    Alles hat seinen Sinn.


    Zuletzt möchte ich jedem von Drogen abraten, denn sie sind ein Weg in die Sucht und den Tod.




    Gruss






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