Der Dalai Lama war fuer mehrere Tage Gast in der Schweiz. Aus diesem Anlass brachte der Fernsehsender 3sat (heute am Sonntag) diverse Berichte und Diskussionen zum Thema Buddhismus. Unter anderem wurde gegen Mittag ein Gespraech ausgestrahlt, wobei die Schweizerin Ani Rita Rimiker anwesend war, die sich vor Jahren zur buddhistischen Nonne ordinieren ließ. Innerhalb ihrer buddhistischen Aktivitaeten sieht sie sich selbst als sogenannte „Bruecke zwischen Ost und West“.
Im Laufe des Gespraechs wurde ihr die Frage gestellt, warum der Buddha das Geluebde der sexuellen Enthaltsamkeit in seine Lehre integriert habe, worauf sie zur Antwort gab, dass er dieses aus dem Grunde getan habe, keine Kinder in die Welt zu setzen, die man dann allein lasse, falls man ein Leben als Moench oder Nonne fuehren wolle. Im Prinzip sei dieser Aspekt jedoch nicht so wichtig, denn es spiele keine große Rolle, ob man jetzt als Moench, Nonne oder Laie dem Buddha folge. Wichtig sei eben nur, dass man seine Kinder nicht allein zuruecklasse. In der christlichen Kirche habe man ja auch schließlich erkannt, daß ein Leben in sexueller Enthaltsamkeit nicht moeglich sei und darum die Eheschließung gestattet.
Jetzt muss man davon ausgehen, dass einige Millionen Menschen diesen Beitrag verfolgt haben und durch eine derartige Aussage wieder mal ein voellig falsches Bild vom Buddhismus vermittelt bekamen. Sicher ist die Aussage von Ani Rita Rimiker von starker Unwissenheit gepraegt, was eigentlich ziemlich schade ist, denn sie bezeichnet sich ja selbst als „Bruecke zwischen Ost und West“. Im hoeheren Sinne jedoch wurde durch ihre Aussage die Bruecke zum Einsturz gebracht! Wahrscheinlicher ist es sogar, dass diese ohnehin nur in ihrer Einbildung existiert.
Das „Geluebde der sexuellen Enthaltsamkeit“ hat eine ganz andere Grundlage, als es von der Nonne vermittelt wurde, denn Eingeweihte wissen, dass gerade die Sexual-Kraft der Schluessel ist zu dauerhafter Gesundheit, inneren Frieden und Einsicht in die Natur aller Dinge.
Durch Transformation der Sexual-Kraft vom Wurzel- ins Scheitel-Zentrum empfangen wir daselbst den „Nektar des Geistes“, den die Buddhisten Bodhi-Citta (Geist der Erleuchtung) nennen. Diese reale Substanz wird, durch einen Akt geistiger Willenskraft, ueber das Kopf-, Kehl- und Herz-Zentrum ins Solar-Zentrum eingefuehrt und dort durch die Kraft des Geistes meditativ verdichtet, woraus schließlich die Geburt des Buddha erfolgt, der sich als Klares Licht des Geistes offenbart.
Dieser Vorgang bildet in allen Geistesschulen die Grundlage zur Selbst-Erkenntnis. Selbst Franz Bardon raet in „Brahma und Shakti“ diesen Prozess zur Entfaltung zu bringen, denn er lehrt, dass seine Lehre mit der des indischen Kundalini-Yoga vollkommen identisch sei:
„Der Kenner anderer Einweihungssysteme wird eine gewisse Parallele mit meinem System finden, da ja alle Wege in Wahrheit gleich sein muessen. Als Beispiel erwaehne ich hier das indische, die Schlangenkraft betreffende Yoga-System, das mit dem von mir ueber die aegytischen Mysterien angegebenen Systemen uebereinstimmt.“
(WWA, Seite 331)
„Bei einem Rueckblick auf unser ganzes zehnstufiges Entwicklungssystem kommt der Magier darauf, dass gerade diese Schlangenkraft, diese Phalluskraft, also die Imagination und deren Ausbildung, die groesste Rolle in der Entwicklung spielen.“
(WWA, Seite 332)
Dadurch, dass Franz Bardon diesen Aspekt der Transformation der Sexual-Kraft nur kurz am Ende seines Werkes anschneidet und nicht tiefer darauf eingeht, verliert die wichtigste aller Grundlagen zur magischen Entwicklung stark an Praesenz, denn meine Erfahrung durch Kontakte mit Bardon-Schuelern zeigt, dass die Praxis der Kundalini-Entwicklung von den meisten Menschen einfach uebergangen wird.
Sie beginnen, die zehn Stufen der magischen Entwicklung zu erklimmen, ohne im Besitz des geistigen Nektars zu sein, der durch die Kundalini ausgeloest wird. Mit dieser Grundlage ist jedoch jede magische Entwicklung zum Scheitern verurteilt, und so quaelen sich viele ueber die ersten Stufen hinweg, ohne tatsaechlich Erfolge zu erzielen.
Ohne im Besitz des geistigen Nektars zu sein kann es niemals zur Gedankenbeherrschung kommen, niemals zur Anwendung der Eucharistie, niemals zur echten Visualisierung, niemals zur Verdichtung der Elemente, niemals zur Lebenskraftstauung (denn bei der Lebenskraft handelt es sich um nichts anderes als um den Nektar des Geistes) usw.
Darum ein guter Rat an all jene, die sich mit der Verwirklichung der Franz Bardon-Lehren beschaeftigen: Sucht euch zuerst einen potenten Lehrer, der euch zeigt, wie man die Kundalini-Shakti zur Entfaltung bringt, denn erst wenn dieses geschehen ist, offenbart der Bardon-Weg die entsprechenden Resultate. Der „Weg zum wahren Adepten“ ist unter diesem Gesichtspunkt lediglich als Vorstufe zu betrachten, um schliesslich das Wort Gottes (die Kabbalah) verwirklichen zu koennen.
Wie sollte wohl der Baum des Lebens, der mit seinen Sefirot die Grundlage zur kabbalistischen Verwirklichung bildet, in einem Menschen zum wachsen kommen, wenn er nicht durch den Nektar des Geistes genaehrt wird? In diesem Sinne ist auch das Wort Jesu zu verstehen, wenn er sagt: „An ihren Fruechten werdet ihr sie erkennen!“
Nur wer den Baum des Lebens in sich zur Entfaltung bringt, was durch die Transformation der Sexual-Kraft geschieht, wird erkennen, dass die Lehren von Franz Bardon ueber jeden Zweifel erhaben sind. Menschen, die den Weg von ihm kritisieren, sind in den meisten Faellen von Unwissenheit gepraegt, wobei die Charaktereigenschaft der Ignoranz bei vielen noch eine wesentliche Rolle spielt, wenn es darum geht, zu urteilen, ohne selbst die eigentliche Praxis verwirklicht zu haben.
Um spirituell fortzuschreiten benoetigt man das Gemuet eines Kindes, das im Bewusstsein eines Erwachsenen agiert, was Jesus zu der Aussage veranlasste: „Lasset die Kinder zu mir kommen!“
Herzliche Grueße
Anzeraq



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