Führe einen nach innen gerichteten Wandel und wirke nicht gewaltsam nach außen, weder in Worten noch im Wandel.
Tu der Wahrheit einfältiglich Genüge, und was unerwartet kommt, darin sei dir nicht selbst behilflich, denn wer sich selbst zu viel hilft, dem wird von der Wahrheit nicht geholfen.
Wenn du bei den Menschen bist, so vergiß alles, was du siehst oder hörst, und halte dich allein an das, was sich dir innerlich offenbart hat.
Befleißige dich, dass in deinen Werken die Vernunft die Führung hat, denn wenn das Sinnliche zu schnell herbeischießt, dann kommt alles übel.
Man soll die Lust nicht nach den Sinnen ergreifen, man soll sie nach der Wahrheit ergreifen.
Gott will uns nicht der Lust berauben, er will uns Lust nach Allheit machen.
In der kräftigsten Unterwerfung ist die höchste Erhebung.
Wer ins Innerliche hinein will, der muß sich aller Mannigfaltigkeit entleeren. Man muß es dahin bringen, auf alles, das nicht das Einige ist, verzichten zu können.
Was die Natur aus ihrem eigenen Sein heraus wirkt, ist Mühe, Leiden und Verdunkelung der Vernunft.
Wann ist die Lust größer, als wenn ich mich als das Eine, das ich sein soll, finde und als das All, das ich sein soll.
Ein Mensch soll befreit sein von Erscheinungsform und von Materie – darin liegt die größte Lust.
Worin besteht eines recht gelassenen Menschen Übung? Darin, aus dem Ich herauszukommen.
Wo man in Erscheinungen und Personen liebt, da liebt der Zufall den Zufall, und das ist unrecht. Indessen schicke ich mich darein, bis es abfällt. Es gibt aber im tiefsten Innern Einfältiges, wo der Mensch nicht die gegenwärtige Erscheinung liebt, sondern wo der Mensch und er selbst und alle Dinge Eins sind – und das ist Gott.
Wer frei ist von begehrlichen Sinnesausbrüchen, der bereitet seinem Ich den Untergang; sonst ist es eine Selbsthilfe der Sinne.
Sei gelassen in Freud und Leid, denn ein gelassener Mensch bringt es in einem Jahr weiter als ein stürmischer in dreien.
Willst du allen Kreaturen nütze sein, so kehr dich ab von allen Kreaturen.
Kann ein Mensch die Dinge nicht begreifen, so sei er müßig, dann begreifen die Dinge ihn.
Befleißige dich, so daß keine stürmische Aufwallung entsteht, die vom Idealbild abwendet.
Der Mensch soll Acht geben auf jene Neigung, die sich aller Dinge bedient, um gegen die einfältige Wahrheit zu helfen.
Willst du dich nicht in Einfältigkeit in Geduld fügen, so wirst du dich in Mannigfaltigkeit in Geduld fügen müssen.
Lebe, als ob keine Kreatur mehr auf Erden sei denn du. Sprich: „Wie du mir gegenüber bist, so will ich dir gegenüber nicht sein.“ Natur liebt Natur und meint sich selbst dabei.
Etlicher Menschen Natur ist zu ungebrochen, und der äußerliche Mensch ist dabei äußerlich geblieben.
Das Vermögen, sich erhaben der Dinge zu enthalten, gibt dem Menschen mehr Vermögen, als die Dinge besitzen.
Eine Unordnung bringt die andere.
Sieh zu, daß die Natur unabhängig sei und der äußere Mensch mit dem inneren übereinstimmt.
Nimm des inneren Menschen wahr, daran liegt das äußere und innere Leben.
Zur höchsten Gelassenheit gehört, daß man allezeit die Natur im Zaume habe.
Der Sinne Untergang ist der Wahrheit Aufgang.
Wer zu seinem inneren Reichtum gelangt ist, der verrichtet alle sinnlichen Dinge desto besser.
Was ist’s, das den Menschen treibt, arge Handlungen zu suchen? Es ist die Sehnsucht nach Befriedigung. Die findet man allein im Verzichten, nicht in den argen Handlungen.
Es ist bös, viele Sachen anzufangen und keine zu beenden. Man soll daran festhalten, bis man’s merkt, ob’s Gott oder Natur ist.
Befleißige dich, daß die Natur aus ihrem eigenen inneren Grunde ihre Werke wirkt ohne fremde Veranlassung.
Ein recht gelassener Mensch soll sich vierer Dinge befleißigen: erstens, er soll gar sittig im Wandel sein, so daß die Dinge, ohne in selbst mitzuziehen, aus ihm, fließen. Zweitens, sittig und ruhig in den Sinnen nicht hin und her flattern – denn das zieht die Erscheinungsformen an -, daraus entsteht den inneren Sinnen ein müßiges Spazieren. Drittens nicht anhaften, Acht geben, daß nichts Kreatürlich-Vermischtes da sei. Viertens, nicht zänkisch, sondern liebreich zu denen sich haben, durch die Gott einen vom Irdischen trennen will.
Gott und Teufel sind im Menschen; wer sich selbst leiten will oder sich selbst lassen will, der findet den Unterschied.
Ein gelassener Mensch gestaltet in sich selbst kein Unglück.
Ein gelassener Mensch muß entbildet werden von der Kreatur, gebildet werden mit Christus, und überbildet in der Gottheit.
Wenn sich ein Mensch in eine Versunkenheit zur Wahrheit begeben will, so leuchtet ihm die Entgangenheit seiner selbst hinein und er merkt, daß in ihm noch Kreatur ist, die den Abschied empfing. Hierin schickt er sich in Geduld und merkt, daß er noch nicht vom Irdischen los ist. Sich also in Geduld fassen, ist jetzt einfältig werden. Die Entrückung gebiert eine Müdigkeit, die in dem Abschied (des Kreatürlichen) abfällt.
Was ist das kleinste Hindernis? Das ist ein Gedanke. Was ist das größte Hindernis? Das ist, daß die Seele unter der Botmäßigkeit ihres eigenen Willens bleibt.
Einem gelassenen Menschen soll kein Stündlein unangesehen vergehen.
Ein gelassener Mensch soll nicht allezeit darauf sehen, wessen er bedarf, er soll darauf sehen, was er entbehren kann.
Wenn sich ein gelassener Mensch zur Wahrheit begeben will, so soll er sich dessen befleißigen, daß er eine Einziehung der Sinne nehme, denn Gott ist ein Geist, zweitens soll er darauf achten, ob er sich irgendwie ein Hindernis geschaffen habe, drittens, ob er dem eigenen Willen in irgendeinem Vorgreifen des eigenen Ichs gefolgt sei, viertens, und soll dann in dem Lichte die Gegenwärtigkeit des göttlichen Allwesens in sich merken, und daß er dessen nur ein Werkzeug ist.
In dem selben Maße, wie sich der Mensch von sich selbst und von allen geschaffenen Dingen abwendet, in demselben Maße wird er geeinigt und beseligt.
Willst du ein gelassener Mensch sein, so fleißige dich, daß, wie dir Gott mit sich selbst oder mit seinen Kreaturen in Freud und Leid ist, du allezeit gleich stehest in einem Aufgeben des Deinen.
Verschließe deine Sinne vor allen gegenwärtigen Erscheinungsformen.
Sei frei von alledem, was der anschauende Verstand auserwählt, was den Willen behaftet und dem Gedächtnis Wollust einträgt.
Beharre auf nichts, das nicht Gott ist.
Wenn du da bist, wo jemand Fehler und Unrecht begeht, so gib von dem Deinen nicht dazu und halte dich auch nicht dazu.
Wer allezeit bei sich wohnt, der gewinnt ein gar reiches Vermögen.
Eines gelassenen Menschen Ergötzung in der Natur soll ein beschränkter Gebrauch des Notwendigen in fehlerfreien Werken sein, die eine freie Abkehr von den Dingen eintragen.
Je minder oder je mehr gelassen ein Mensch ist, desto minder oder desto mehr wir er von den hinziehenden Dingen betrübt. So geschah es einem halbgelassenen Menschen: da dieser in seiner Empfindung sich zuviel mit sich selbst beschäftigte, ward in ihm gesprochen: du solltest um mich so besorgt sein und auf dich selbst so wenig achten, daß, wenn du weißt, daß mir wohl ist, es dich nicht kümmerte, wie es dir ginge.“
Wenn ein gelassener Mensch sich mit eingezogenen Sinnen in die innerste Burg der Seele setzt, je weniger Stützpunkt von innen er dann findet, desto weher geschieht ihm dann von innen, und je geschwinder er stirbt, desto schneller kommt er hindurch.
Etliche Menschen haben einen Aufgang zu Gott ohne Hindernis; sie haben aber kein stetes Bleiben.
Setze dich in eine bloße Gelassenheit, denn wenn unmäßiges Begehren zuviel da ist, so möchte daraus ein verborgenes Hindernis werden.
Ein gelassener Mensch beschäftigt sich nicht mit sich selbst, als ob er von sich selbst nichts wüßte; denn dadurch, daß Gott ist, sind alle Dinge herrlich in ihm ausgerichtet.
Habe Fleiß auf deinen äußeren Menschen, daß der geeinigt werde mit dem inneren unter Entziehung aller tierischen Gelüste.
Eine gelassene Sinnesänderung ist Gott oft lieber als eine selbstsüchtige Stetigkeit.
Sammle deine Seele aus den äußeren Sinnen, wenn sie sich auf die Mannigfaltigkeit der äußeren Dinge zerstreut haben.
Geh wieder ein, kehr wieder und wieder in deine innere Einmütigkeit und genieße Gott.
Harr aus und laß dir nimmer genügen, bis daß du in der Zeit das gegenwärtige Nun der Ewigkeit erkämpfest, sofern es menschlicher Schwachheit möglich ist.
Allen Wanderen warme Tage
Samara



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