27.Januar 2006 = 250. Geburtstag
Auf allen möglichen Kanälen hört man in diesem Jahr Mozart, Mozart und nochmal Mozart, verbunden mit allen möglichen Begebenheiten aus seinem Leben und Analysen seines Schaffens.
An dieser Stelle ein Versuch Mozarts Werk vom Standpunkt der Hermetik heraus zu beurteilen.
Ich gehe von den mir bekannten Kompositionen aus, welche man der sogenannter "E-Musik" zuordnet.
Vor rund 300-400-500-... Jahren herrschte in weiten Kreisen des Adel, unter Künstlern, Wissenschaftlern und natürlich bei vielen Mystikern reges Interesse an den Überlieferungen des hermetischen Gedankengutes. Wobei dies von den Christlichen Kirchenvertretern zeitweise toleriert, oft aber auch mit drastischen Mitteln bekämpft wurde. So wie dieser Einfluß z.B. deutliche Spuren in vielen bis heute erhaltenen Bauwerken hinterlassen hat, so war es auch weit verbreitet Parkanlagen zu schaffen welche so gestaltet waren, daß sie in geradezu atemberaubend Weise die universellen Naturgesetze im Mikro- und Makrokosmos widerspiegeln. Dabei war ein wichtiger Punkt mathematische Proportionen, die Verhältnis der Teile (und Teile der Teile) zum Ganzen.
Wichtig ist mir darauf hinzuweisen, daß es mir nicht um Geschmack geht, welche Musik der Einzelne bevorzugt, sondern:
Jede Musik setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen, wie z.B. verschiedene Aspekte der Form, Rhythmus, Harmonie, Melodie, Polyphonie/oder Einstimmigkeit, Tonleitern usw. Untersucht man nun einzelne Kompositionen der letzten 500 Jahren danach, in wie fern ihre Bestandteile so geformt und zusammengefügt sind, daß sie eine "Smarkttafel des Hermes" oder "Weg zum wahren Adepten" in Tönen sind, so wird man - gerade bei den älteren Werken - schnell fündig.
(Im einzelnen Fall läßt es sich aber nur noch schwer nachvollziehen, ob es sich bei dem Komponisten um einen echten Magier gehandelt hat oder um einen Menschen dem die Musik aus höheren Sphären zuströmte, ohne daß im selber so recht bewußt war was er da eigentlich fabriziert.)
Die Musikepoche des Abendlandes vom ausgehenden Mittelalter bis etwa zum Mitte des 18.Jahrhunderts (Renesancce/Barock), brachte eine unüberschaubar große Zahl an Werken hervor, welche Belege für künstlerisches Schaffen auf höchstem Niveau und Ausdruck absoluter Harmonie und Vollkommenheit sind. Einige Vertreter dieser Epoche waren J.P.Swelink, J.Pachelbel, G. d. Palestrina, A.Vivaldi, G.F. Händel, A. Scarlatti,...
Für kaum einen anderer Komponisten als Johann Sebastian Bach ist die Umschreibung als - "Smargttafel des Hermes" oder "Mathematik des Phythagoras=Esoterik" in Tönen - für so viele Werke so zutreffend (und nicht nur in dieser Hinsicht, sondern auch was Musik aus christlich/religiöser/mystischer-Sicht anbelangt - was man natürlich nicht völlig isoliert voneinander betrachten kann).
In nur wenigen Jahren vor und nach dem Todesjahr von Bach 1750 fand eine Jahrhunderte alte Musiktradition ein geradezu abruptes Ende und wurde abgelöst von ganz andereren, radikal neuen musikalischen Stielen, welche heute unter dem Überbegriff Klassik zusammengefaßt werden. Im Lichte des Vorangegangenen Zeitalters war dies ein sehr weiter Rückschritt in Punkto Können, Vollkommenheit und Kreativität. Die Wegbereiter der Klassiker sahen dies natürlich anders. Sie griffen in Musikzeitschriften unter anderem Bach an und beschimpften seine Werke als schwülstig, unschön und seine Auffassung von Musik-Ästhetik als veraltet.
An Stelle des Alten wurde gesetzt (z.B. für Klavierkompositionen/ vereinfacht gesagt):
linke Hand = "Dudel-dudel-dudel-..." (Albertibässe)
rechte Hand= "Tralla-la-hops-sassa-..." (völlig einseitige Überbetonung der 8-Taktigkeit, geradezu als primitiv zu bezeichnende Melodien welche sich kaum voneinander unterschieden, radikale Abwendung von der hohen Kunst des Kontrapunktes).
Mit den neuen Mitteln war es dann weit aus schwieriger etwas zu Schaffen was man irgend wie mit Hermetik in Zusammenhang bringen kann.
Ihr würdet mich aber falsch verstehen wenn ihr denkt, daß ich im allgemeinen Klassische Musik nicht auch gerne höre (typischer Vertreter: J. Hayden). Erstens ist es nicht der einzige Zweck von Musik Vollkommenheit und Ewigkeit auszudrücken, zum anderen steht auch mir manchmal mehr der Sinn nach leichterer Unterhaltung. Außerdem muß man sagen, daß die Kunst der Musik zwar aus höchsten Höhen gefallen war (von wenigen Ausnahmen abgesehen), aber wenn man die allgemeine Musikentwicklung der nächsten 150 Jahre und bis heute betrachtet, so stand die Musik um 1800 immer noch auf relativ hohem Niveau.
(Auf weitere Entwicklungen wie Romantik, Impressionismus, Strömungen der Moderne, usw. gehe ich an dieser Stelle nicht weiter ein.)
Zwar liegen zwischen 1750 und 1756 nur 6 Jahre, trotzdem lagen zwischen dem musikalischen Kosmos von Bach und Kollegen und anderer seits die Musikkultur in die Mozart hineingeboren geboren wurde Welten.
Das Talent von W.A.Mozart wurde von seinem Vater Leopolt früh erkannt. Auf vielen Reisen quer durch Europa trat er als "Wunderkind" auf und studierte alle möglichen Strömungen des Neuen Zeitgeschmackes.
Eigentlich sollte man nach dem Oben gesagten annehmen, daß dabei nicht viel heraus gekommen sein kann. Weit gefehlt!!!
Pauschal zu sagen Das Alte="Gut" und Das Neue=Schlecht wäre auch auf die Musikgeschichte angewendet recht einseitig.
Was hätten Komponisten nach Bach noch schreiben sollen? Die Möglichkeiten des alten Stiels waren nahezu ausgereizt. Es kann in der Musik nicht darum gehen bis in alle Ewigkeit den Stiel von barocken Komponisten nachzuahmen. Es gibt unzählige höchst unterschiedliche Arten das Absolute Auszudrücken. Aufbruch zu Unbekannten, musikalische Experimente sind an sich etwas sehr interessantes und unverzichtbares. Immer mehr zum Problem wurde aber der Umkehrschluß: nur weil etwas modern, moderner, am geschmacklosesten ist, muß eine Entwicklung in diese Richtung noch lange nicht zu etwas führen was man zu recht als gelungenes Kunstwerk bezeichnen kann.
Mozart schrieb zunächst als junger Mann Kompositionen welche stilistisch von seinen Vorbildern sich durch nichts unterschieden, allerdings in vielen Werken verwendete er die beschränkten Mittel seiner Zeit auf unvergleichlich geniale Weise.
In seine gefälligen Werke mischten sich aber verstärkt seit seinem Umzug nach Wien 1781 "neue Töne". Nachweislich war diese Entwicklung begleitet mit einer intensiveren Auseinandersetzung mit den Werken der Altmeister wie Händel und Bach, die er nicht einfach kopierte, sondern von denen er sich inspirieren ließ um neuen Wege zu finden zurück zu den verlohren gegangenen lichten Höhen und darüber hinaus. Seine Zeitgenossen verstanden ihn auf seinem neuen Weg nicht und kehrten seiner Kunst immer mehr den Rücken. Eine Tragödie welche sicher entscheidenden Anteil an seinem frühen Tot mit 35 Jahren hatte.
Zusammenfassend kann man aus der Sicht der Hermetik sagen, daß es in den letzten 250 Jahren keinen Musiker im Abendland gegeben hat, welcher mit anderen Ausdrucksmitteln als in der Zeit vor 1750 üblich so interessante und tiefsinnige Werke geschaffen hat.
Mögen in Zukunft wieder mehr Musiker dem Beispiel von Mozart folgen, statt das was Bach zu recht als "teuflisches Geleiher und Geplär" bezeichnet hat den Vorzug zu geben!
SIMON MAGUS



LinkBack URL
About LinkBacks


Lesezeichen