Bodhidharmas Lehre des Zen
„Ueber das Zerstoeren der Phaenomene“
Schueler: „Als Shakyamuni ein Bodhisattva war, trank er drei Schalen voll Milch und aß sechs Schoepfloeffel voll Hafer. Erst danach erlangte er Erleuchtung. Wenn er also Milch trinken mußte, bevor er die Frucht der Erkenntnis erfahren konnte, wie kann dann die Kontemplation des Geistes allein schon zur Befreiung fuehren?“
Bodhidharma: „Was du sagst, ist wahr. Buddha erreichte die Erleuchtung auf diese Weise. Er mußte Milch trinken, bevor er ein Buddha werden konnte. Aber es gibt zwei Arten von Milch. Das, was Shakyamuni trank, war nicht gewoehnliche, unreine Milch, sondern die reine Dharma-Milch. Die drei Schalen entsprechen den drei Gruppen von Regeln, und die sechs Loeffel symbolisieren die sechs Paramitas.
Shakyamuni erlangte die Erleuchtung eben, weil er diese reine Dharma-Milch getrunken hatte. Zu sagen, der Tathagata habe das weltliche Gebraeu der unreinen, uebelriechenden Kuh benoetigt, ist die groeßte Laesterung. Das, was wahrhaftig so ist, das unzerstoerbare, leidenschaftslose Dharma-Selbst, bleibt fuer immer frei von weltlichen Verwicklungen. Wozu sollte es unreiner Milche beduerfen, um seinen Hunger oder Durst zu loeschen?
In den Sutras heißt es: „Dieser Ochse lebt nicht auf den Hochebenen oder in den Grastaelern. Er ißt weder Koerner, noch Spreu, noch weidet er mit den Kuehen. Der Koerper dieses Ochsen hat die Farbe von poliertem Gold.“ Der Ochse symbolisiert Vairochana. Aus seinem großen Mitgefuehl fuer alle Lebewesen heraus erzeugt er in seinem reinen Dharma-Koerper die erhabene Dharma-Milch der drei Gruppen von Regeln und der sechs Paramitas, um alle zu ernaehren, die Befreiung suchen.
Die reine Milch solch eines wahrhaftig reinen Ochsens ermoeglicht es nicht nur dem Tathagata, Buddhaschaft zu erlangen, sondern befaehigt auch alle anderen Wesen, die sie trinken, die hoechste und vollkommenen Erleuchtung zu erreichen.“
(Red Pine, Bamboo Lake, Taiwan, 1987, veroeffentlicht durch den Theseus-Verlag)
Bodhidharmas Lehre des Zen
„Ueber das Ende des irdischen Daseins“
Schueler: „Von einigen Schulen wird behauptet, Buddha sei bei der Nahrungsaufnahme erstickt; andere wieder sagen, man habe ihn vergiftet und absichtlich getoetet.“
Bodhidharma: „Das ist in beiden Faellen richtig. Shakyamuni ist tatsaechlich bei der Nahrungsaufnahme erstickt, denn als die niedere Natur seines Selbst von der Dharma-Milch durchtraenkt wurde, starb sie auf der Stelle. Erleuchtete Wesen benoetigen keine stoffliche Nahrung, sie leben allein von der Dharma-Milch.
Wenn es heißt, dass der Tathagata durch andere vergiftet wurde, so ist die Bedeutung davon, dass die Leidenden der Welt dazu beigetragen haben, sich vom Leid abzuwenden, um mit großer Entschlußkraft von der Dharma-Milch zu trinken. In diesem Sinne kann gesagt werden, dass die niedere Natur seines Selbst tatsaechlich durch die Lebens- und Handlungsweisen anderer vergiftet wurde.“
(Tian Yang, Peking, 1990, veroeffentlicht durch den Kettler-Verlag)
Sechs Paramitas: Freigebigkeit, Einhalten der Regeln zur Lebensfuehrung, Geduld, Hingabe an den Weg, Meditation und Weisheit.
Drei Gruppen von Regeln: Es gibt verschiedene Regeln fuer gewoehnliche buddhistische Laien, fuer froemmere Laien und fuer Moenche und Nonnen. Saemtliche Regeln kulminieren im sogenannten Dreifachen Geluebde und zwar (1) dem Buddha zu folgen, (2) den Dharma zu verwirklichen und (3) der Gemeinschaft des Buddha zu dienen:
“Buddha saranam gacchami.
Dharma saranam gacchami.
Sangha saranam gacchami.”
“Ich nehme meine Zuflucht zum Buddha.
Ich nehme meine Zuflucht zum Dharma.
Ich nehme meine Zuflucht zum Sangha.“
&
Ich zu mir selbst :-)



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