Der alte Herr Geheimrat sprach gern von den zwei Seelen in seiner Brust. Ich schreib nun mal heute ein Gedicht auf, das die eine Seite seiner Seele verfaßt hat und morgen die andere :-)


Wenn der uralte

Heilige Vater

Mit gelassener Hand

Aus rollenden Wolken

Segnende Blitze

Über die Erde sät

Küß ich den letzten

Saum seines Kleides

Kindliche Schauer

Treu in der Brust.


Denn mit Göttern

Soll sich nicht messen

Irgendein Mensch

Hebt er sich aufwärts

Und berührt

Mit dem Scheitel die Sterne

Nirgends haften dann

Die unsicheren Sohlen

Und mit ihm spielen

Wolken und Winde.


Steht er mit festen

Markigen Knochen

Auf der wohlgegründeten

Dauernden Erde

Reicht er nicht auf

Nur mit der Eiche

Oder der Rebe

Sich zu vergleichen.


Was unterscheidet

Götter von Menschen?

Daß viele Wellen

Vor jenen wandeln

Ein ewiger Strom

Uns hebt die Welle

Verschlingt die Welle

Und wir versinken.


Ein kleiner Ring

Begrenzt unser Leben

Und viele Geschlechter

Reihen sich dauernd

An ihres Daseins

Unendliche Kette.


(J.W.v.Goethe)