Als Antwort auf: Re: und nochmal ... geschrieben von anjulika am 21. November 2001 18:54:55:
>hallo rischek,
>danke, ich finds wunderschön.du hattest es ,glaub ich, schon mal wo reingestellt. leider hab ichs nie geschafft ,was von nietzsche zu lesen.
>war mir zu trocken - was ich momentan gar nicht mehr nachvollziehen kann *gg*.
>jedenfalls fand ich in meiner fundgrube noch dies :
>
>Ecce homo
>
>Ja! Ich weiss, woher ich stamme!
>Ungesättigt gleich der Flamme
>Glühe und verzehr' ich mich.
>Licht wird Alles, was ich fasse,
>Kohle Alles, was ich lasse:
>Flamme bin ich sicherlich.
>(Friedrich Nietzsche )
>
Hallo anjulika,
das erinnert mich ein wenig an Goethe und an sein Gedicht. Selige Sehnsucht.
Sagt es niemand, nur den Weisen
Weil die Menge gleich verhöhnet
Das Lebendige will ich preisen
Das nach Flammentod sich sehnet.
Das Gedicht hat fünf Strophen. Schau mal in Deiner "Fundgrube" nach ob Du es findest. Es ist aus "Westöstlicher Divan." entstanden um 1819.
Viele Grüße!
Rischek
>liebe grüsse
>anjulika
>>>guten morgen rischek,
>>>dank dir :-)
>>>ich wusste gar nicht, dass der nietzsche so schön gedichtet hat.
>>>da hab ich gleich nachgestöbert ....und antworte mit diesem spruch *gg*
>>>Mein Glück.
>>>Seit ich des Suchens müde ward,
>>>Erlernte ich das Finden.
>>>Seit mir ein Wind hielt Widerpart,
>>>Segl' ich mit allen Winden.
>>>Friedrich Nietzsche
>>Hallo anjulika,
>>vielen Dank. Bleiben wir doch mal bei Nietzsche. 2000 war sein 100. Todestag.
>>Ich glaube, er ist von vielen mißverstanden worden. Einmal hat er gesehen, wie ein Droschkenkutscher sein Pferd geschlagen hat. Da hat er sich dem Pferd an den Hals geworfen und geweint. Der Mann, der gesagt hat, daß Gott tot ist, war im Grunde seines Herzens ein Gottsucher. Das zeigt ein Gedicht von Ihm. Vielleicht kennst Du es auch schon.
>>Dem unbekannten Gott.
>>Noch einmal eh ich weiterziehe
>>Und meine Blicke vorwärts sende
>>Heb ich vereinsamt meine Hände
>>Zu dir empor, zu dem ich fliehe
>>Dem ich in tiefster Herzenstiefe
>>Altäre feierlich geweiht
>>Daß allezeit
>>Mich deine Stimme wieder riefe.
>>Darauf erglüht tief eingeschrieben
>>Das Wort: Dem unbekannten Gotte
>>Sein bin ich, ob ich in der Frevler Rotte
>>Auch bis zur Stunde bin geblieben!
>>Sein bin ich - und ich fühl die Schlingen
>>Die mich im Kampf darniederziehen
>>Und, mag ich fliehen
>>Mich doch zu seinem Dienste zwingen.
>>Ich will dich kennen Unbekannter!
>>Du tief in meine Seele greifender
>>Mein Leben wie ein Sturm Durchschweifender
>>Du Unfaßbarer - mir Verwandter
>>Ich will dich kennen, selbst dir dienen.
>>(Friedrich Nietzsche)
>>>
>>>einen schönen tag wünscht
>>>anjulika
>>>>>hallo rischek,
>>>>>mir ists heut auch ein wenig wunderlich ums herz *g*
>>>>>obs wohl am nahen winter liegen mag ?
>>>>>jedenfalls fand ich eine wundervolle gedichtefundgrube und schick dir deshalb flink diesen wunderschönen herbstgruss von herrn rilke
>>>>>lange briefe schreiben muss man ja heutzutage - dank internet und foren - nicht mehr !
>>>>>liebe grüsse
>>>>>anjulika
>>>>>
>>>>>Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
>>>>>Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
>>>>>und auf den Fluren laß die Winde los.
>>>>>Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
>>>>>gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
>>>>>dränge sie zur Vollendung hin und jage
>>>>>die letzte Süße in den schweren Wein.
>>>>>Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
>>>>>Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
>>>>>wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
>>>>>und wird in den Alleen hin und her
>>>>>unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
>>>>>Rainer Maria Rilke (1875-1926
>>>>Das ist eines von meinen Lieblingsgedichten. Habe es selbst erst vor wenigen Tagen in ein anderes Forum gestellt.
>>>>Ich revanchiere mich mit Nietzsche.
>>>>Vereinsamt.
>>>>Die Krähen schrein
>>>>Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt
>>>>Bald wird es schnein-
>>>>Wohl dem, der jetzt noch Heimat hat.
>>>>Nun stehst du starr
>>>>Schaust rückwärts,ach,wie lange schon!
>>>>Was bist du, Narr
>>>>Vor winters in die Welt entflohn?
>>>>Die Welt - ein Tor
>>>>Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
>>>>Wer das verlor
>>>>Was du verlorst, macht nirgends Halt.
>>>>Nun stehst du bleich
>>>>Zur Winterwanderschaft verflucht
>>>>Dem Rauche gleich
>>>>Der stets nach kältern Himmeln sucht.
>>>>Flieg, Vogel, schnarr
>>>>Dein Lied im Wüstenvogelton!-
>>>>Versteck, du Narr
>>>>Dein blutend Herz in Eis und Hohn!
>>>>Die Krähen schrein
>>>>Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt
>>>>-Bald wird es schnein
>>>>Weh dem, der keine Heimat hat!
>>>>Alles Gute und gute Nacht!
>>>>Rischek



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