>Wenn ich dich richtig verstanden habe, so hat Hermes Trismegistos
>nichts mit dem griechischen Götterboten Hermes zu tun, oder doch?
Hallo Dali;
ja, es sind zwei.
Die Smaragdtafel wurde tatsächlich gefunden, insofern hat Hermes T. irdisch existiert;
während der grieichische Götterbote ja eher eine Schöpfung des altgriechischen Geistes ist, so wie Thoth eine des altägyptischen.
Aber es gibt sichtbare Analogien; die zehn Sätze der Smaragdtafel werden in der Hermetik ja auch tatsächlich wie göttliche Botschaften, unmittelbare Gesetzmäßigkeiten angesehen.
>Auf der einen Seite könnte es aber doch sein das alle Figuren die, eine
>Art Vermittlungsrolle übernehmen, die ein und die selbe Kraft darstellen,
Ja, ohne weiteres.
Sowohl hinter den kulturellen Archetypen (Hermes, Thoth) wie auch Hermes Trismegistos steht der gleiche Offenbarungs-Impuls.
Es sind verschiedene Zeitepochen und Kulturen-
und so verschiedene menschheitsgeschichtliche Ausprägungen.
>Wie sieht es in der Hermetik aus mit Jesus?
Die echten Rosenkreuzer, die ja zweifellos Hermetiker sind,
sagen: Jesus mihi omnia (Jesus ist mir Alles) .
Er ist der menschheitsgeschichtlich Erste, der den Weg vollkommen gegangen ist,
bis hin zur sog. Transsubstantiation, der völligen Vergeistigung seiner Existenz , bis ins Physische (körperliche Auferstehung, ewiges Leben).
Diesem Jesus nachzufolgen bedeutet in hermetischer Sicht, es ihm nachzutun;
eigentlich findet man es so auch in den Evangelien.
Die Kirche und unsere Tradition haben aus dem Nachfolgen aber vielfach etwas völlig anderes, viel Platteres gemacht: ein Anbeten und aufs Podest-Stellen,
zum Teil eine Art Droh-Figur...
Deine vorherige Frage, ob man Gott nicht nur durch seine(n) Boten begegnen kann,
würde ein echter Rosenkreuzer so beantworten:
du kannst selbst ein solcher Bote Gottes werden,
und eben das ist auch die Haupt-Botschaft aller je lebenden anderen Boten.
Für uns Menschen ist es oft die größte Gnade und Erleichterung, das Göttliche wirklich einmal in Menschengestalt vor uns zu sehen, das berührt uns bis in unser Innerstes...
und tatsächlich ist es ja die gottgewollte Gestalt des Menschen,
eben Gottes Ebenbild zu sein: und zwar bis ins Allerinnerste.
Jesus mihi omnia meint also nicht, sich vor Jesus niederzuwerfen oder zum abhängigen "Dummchen" zu regredieren.
Es meint, daß Jesus der Erste war, der den Weg vollkommen ging;
und so begegnet eigentlich jeder, der den Weg nun ebenfalls geht,
irgendwann immer auch Jesus, dem Vorangegangenen, dem Pionier...
man kann ihn dann eigentlich nur in sich aufnehmen, tiefe Verbundenheit und die ewige Größe dieser Seele fühlen.
Es bleibt auf dem rechtverstandenen hermetischen Weg nicht aus, daß man dieser Seele begegnet und ihr selbst immer ähnlicher wird.
Trügerisch aber ist es, sich an Kirchenlehren entlangzuhangeln,
ausgenommen das Lesen der Urschriften und christlicher Mystiker
(die der offiziellen Kirche ja oft eher ein Dorn im Auge waren)...
Das repressive Angst-Sünde-System, das sich da über viele Generationen institutionalisierte, lähmt jede seelische Entwicklung, erst recht jede Verfeinerung.
Angst und Liebe sind Gegensätze; und in der höchsten Form ist Hermetik nun einmal ein Herzensweg.
Die Wege der Angst sind immer die dunklen;
und leider hat die Kirche im kollektiven Gedächtnis ihrer Menschen sehr viel Dunkles hinterlassen.
Nimmst du in deinem Herzen mit der großen Seele Jesu Fühlung auf,
so kann es dir vielleicht passieren, daß du aus diesem Fühlung-Nehmen
abgleitest in diesen "Kirchenmüll", je nachdem, wieviel du davon abbekommen hast, im jetztigen oder in früheren Leben...
Manche empfinden es für eine Phase ihres Weges geradezu als nötig,
Jesus ganz zu umgehen, weil ihre innere Kraft noch nicht reicht,
den historischen Müll und das tatsächliche Wesen Jesus voneinander zu scheiden.
Je klarer und lebendiger man selbst wird, desto deutlicher aber nimmt man dann auch selbst das Lebendige im Unterschied zum Toten bzw. Leben-Saugenden wahr und kann es voneinander trennen.
Jesus wurde umgeben von einem Ring aus Irreführung, der seinesgleichen sucht.
Tatsächlich aber können wir alle so sein wie Jesus,
bis hin, so zumindest meine Überzeugung, zur leiblichen Verwandlung (Transsubstantiation).
>Mit dem Kernsatz : Wie oben , so unten.
>Sind da nur die Gegensätze gemeint oder das oben und unten,
>von Himmel und Erde?(Geistigkeit und Materie?)
>Wie ist überhaupt möglich durch die Gegensätze zu denken?
Gemeint ist die Analogie.
In der Naturwissenschaft wird gewöhnlich strikt kausal gedacht... lassen wir einmal die Quantenphysik beiseite, die da viel weiter ist.
Der Hermetiker ergänzt dies durch analoges Denken und Schauen.
Was wir im Makrokosmos sehen, finden wir auch im Mikrokosmos.
Hermetisch betracht sind bsp. die zwölf Tierkreiszeichen eine Art Zifferblatt im Makrokosmos: wo dort im Großen der Zeiger steht, steht er auch im Kleinen.
Ein hermetisch gebildeter Astrologe würde sich gar nicht auf das Glatteis begeben, von einer kausalen Wirkung des Zodiak zu sprechen!
Oder:
Zwischen seelischen Konflikten und der körperlichen Verfassung ist Analogie.
Zwischen dem in einer Gesellschaft herrschenden Geist (Werte usw.) und den häufigsten Krankheiten der Bevölkerung besteht Analogie (eine Kultur, die wie ein Krebsgeschwür wuchert, hat auch in ihren Menschen viel Krebs) usw.
In der (niederen) Magie nutzt man das Analogie-Gesetz auch gern, um stellvertretende Beeinflussungen durchzuführen... hier kommt immer das Beispiel Voodoo ;-)
Auf dem Erkenntnisweg verwendet man dieses Gesetz nicht als materielles Machtmittel, sondern findet mit seiner Hilfe umfassenderes Verstehen.
Alles ist Eins- und das bist du (sanskr.: tat tvam asi.).
Danke für deine Fragen!
Jom



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