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Thema: Auf der Suche

  1. #11
    Jom Kiu-Thar
    Gast

    Hermes und Jesus


    >Wenn ich dich richtig verstanden habe, so hat Hermes Trismegistos

    >nichts mit dem griechischen Götterboten Hermes zu tun, oder doch?


    Hallo Dali;


    ja, es sind zwei.

    Die Smaragdtafel wurde tatsächlich gefunden, insofern hat Hermes T. irdisch existiert;

    während der grieichische Götterbote ja eher eine Schöpfung des altgriechischen Geistes ist, so wie Thoth eine des altägyptischen.


    Aber es gibt sichtbare Analogien; die zehn Sätze der Smaragdtafel werden in der Hermetik ja auch tatsächlich wie göttliche Botschaften, unmittelbare Gesetzmäßigkeiten angesehen.


    >Auf der einen Seite könnte es aber doch sein das alle Figuren die, eine

    >Art Vermittlungsrolle übernehmen, die ein und die selbe Kraft darstellen,


    Ja, ohne weiteres.

    Sowohl hinter den kulturellen Archetypen (Hermes, Thoth) wie auch Hermes Trismegistos steht der gleiche Offenbarungs-Impuls.

    Es sind verschiedene Zeitepochen und Kulturen-

    und so verschiedene menschheitsgeschichtliche Ausprägungen.


    >Wie sieht es in der Hermetik aus mit Jesus?


    Die echten Rosenkreuzer, die ja zweifellos Hermetiker sind,

    sagen: Jesus mihi omnia (Jesus ist mir Alles) .

    Er ist der menschheitsgeschichtlich Erste, der den Weg vollkommen gegangen ist,

    bis hin zur sog. Transsubstantiation, der völligen Vergeistigung seiner Existenz , bis ins Physische (körperliche Auferstehung, ewiges Leben).


    Diesem Jesus nachzufolgen bedeutet in hermetischer Sicht, es ihm nachzutun;

    eigentlich findet man es so auch in den Evangelien.

    Die Kirche und unsere Tradition haben aus dem Nachfolgen aber vielfach etwas völlig anderes, viel Platteres gemacht: ein Anbeten und aufs Podest-Stellen,

    zum Teil eine Art Droh-Figur...


    Deine vorherige Frage, ob man Gott nicht nur durch seine(n) Boten begegnen kann,

    würde ein echter Rosenkreuzer so beantworten:

    du kannst selbst ein solcher Bote Gottes werden,

    und eben das ist auch die Haupt-Botschaft aller je lebenden anderen Boten.


    Für uns Menschen ist es oft die größte Gnade und Erleichterung, das Göttliche wirklich einmal in Menschengestalt vor uns zu sehen, das berührt uns bis in unser Innerstes...


    und tatsächlich ist es ja die gottgewollte Gestalt des Menschen,

    eben Gottes Ebenbild zu sein: und zwar bis ins Allerinnerste.


    Jesus mihi omnia meint also nicht, sich vor Jesus niederzuwerfen oder zum abhängigen "Dummchen" zu regredieren.

    Es meint, daß Jesus der Erste war, der den Weg vollkommen ging;

    und so begegnet eigentlich jeder, der den Weg nun ebenfalls geht,

    irgendwann immer auch Jesus, dem Vorangegangenen, dem Pionier...


    man kann ihn dann eigentlich nur in sich aufnehmen, tiefe Verbundenheit und die ewige Größe dieser Seele fühlen.


    Es bleibt auf dem rechtverstandenen hermetischen Weg nicht aus, daß man dieser Seele begegnet und ihr selbst immer ähnlicher wird.


    Trügerisch aber ist es, sich an Kirchenlehren entlangzuhangeln,

    ausgenommen das Lesen der Urschriften und christlicher Mystiker

    (die der offiziellen Kirche ja oft eher ein Dorn im Auge waren)...


    Das repressive Angst-Sünde-System, das sich da über viele Generationen institutionalisierte, lähmt jede seelische Entwicklung, erst recht jede Verfeinerung.

    Angst und Liebe sind Gegensätze; und in der höchsten Form ist Hermetik nun einmal ein Herzensweg.

    Die Wege der Angst sind immer die dunklen;

    und leider hat die Kirche im kollektiven Gedächtnis ihrer Menschen sehr viel Dunkles hinterlassen.


    Nimmst du in deinem Herzen mit der großen Seele Jesu Fühlung auf,

    so kann es dir vielleicht passieren, daß du aus diesem Fühlung-Nehmen

    abgleitest in diesen "Kirchenmüll", je nachdem, wieviel du davon abbekommen hast, im jetztigen oder in früheren Leben...


    Manche empfinden es für eine Phase ihres Weges geradezu als nötig,

    Jesus ganz zu umgehen, weil ihre innere Kraft noch nicht reicht,

    den historischen Müll und das tatsächliche Wesen Jesus voneinander zu scheiden.

    Je klarer und lebendiger man selbst wird, desto deutlicher aber nimmt man dann auch selbst das Lebendige im Unterschied zum Toten bzw. Leben-Saugenden wahr und kann es voneinander trennen.


    Jesus wurde umgeben von einem Ring aus Irreführung, der seinesgleichen sucht.

    Tatsächlich aber können wir alle so sein wie Jesus,

    bis hin, so zumindest meine Überzeugung, zur leiblichen Verwandlung (Transsubstantiation).




    >Mit dem Kernsatz : Wie oben , so unten.

    >Sind da nur die Gegensätze gemeint oder das oben und unten,

    >von Himmel und Erde?(Geistigkeit und Materie?)

    >Wie ist überhaupt möglich durch die Gegensätze zu denken?


    Gemeint ist die Analogie.

    In der Naturwissenschaft wird gewöhnlich strikt kausal gedacht... lassen wir einmal die Quantenphysik beiseite, die da viel weiter ist.


    Der Hermetiker ergänzt dies durch analoges Denken und Schauen.

    Was wir im Makrokosmos sehen, finden wir auch im Mikrokosmos.

    Hermetisch betracht sind bsp. die zwölf Tierkreiszeichen eine Art Zifferblatt im Makrokosmos: wo dort im Großen der Zeiger steht, steht er auch im Kleinen.

    Ein hermetisch gebildeter Astrologe würde sich gar nicht auf das Glatteis begeben, von einer kausalen Wirkung des Zodiak zu sprechen!


    Oder:

    Zwischen seelischen Konflikten und der körperlichen Verfassung ist Analogie.

    Zwischen dem in einer Gesellschaft herrschenden Geist (Werte usw.) und den häufigsten Krankheiten der Bevölkerung besteht Analogie (eine Kultur, die wie ein Krebsgeschwür wuchert, hat auch in ihren Menschen viel Krebs) usw.


    In der (niederen) Magie nutzt man das Analogie-Gesetz auch gern, um stellvertretende Beeinflussungen durchzuführen... hier kommt immer das Beispiel Voodoo ;-)


    Auf dem Erkenntnisweg verwendet man dieses Gesetz nicht als materielles Machtmittel, sondern findet mit seiner Hilfe umfassenderes Verstehen.


    Alles ist Eins- und das bist du (sanskr.: tat tvam asi.).


    Danke für deine Fragen!

    Jom



  2. #12
    zep
    Gast

    Re: Hermes und Jesus


    >>Wenn ich dich richtig verstanden habe, so hat Hermes Trismegistos

    >>nichts mit dem griechischen Götterboten Hermes zu tun, oder doch?


    >Hallo Dali;

    >ja, es sind zwei.

    >Die Smaragdtafel wurde tatsächlich gefunden, insofern hat Hermes T. irdisch existiert;

    >während der grieichische Götterbote ja eher eine Schöpfung des altgriechischen Geistes ist, so wie Thoth eine des altägyptischen.

    >Aber es gibt sichtbare Analogien; die zehn Sätze der Smaragdtafel werden in der Hermetik ja auch tatsächlich wie göttliche Botschaften, unmittelbare Gesetzmäßigkeiten angesehen.


    Hallo Jom,

    die Hermetik ist sie wirklich als eine Art Religion oder als Wissenschaft zu

    verstehen oder beides in einem etwas das das Leben ausmacht?

    Ist die Hermetik Transzedent?

    Ist sie überall?

    Wie sehr zeigt sie Verständniss für andere Religionen usw.

    Diese zehn Sätze in der Smaragdtafel wie lauten sie und was ist ihre Bedeutung?

    Muss man wirklich von den zehn Sätzen ausgehen auch wenn sie in hermetischer Sicht auch "WIE OBEN SO UNTEN" vielleicht doppelsinnig gemeint sind?


    >>Auf der einen Seite könnte es aber doch sein das alle Figuren die, eine

    >>Art Vermittlungsrolle übernehmen, die ein und die selbe Kraft darstellen,


    >Ja, ohne weiteres.

    >Sowohl hinter den kulturellen Archetypen (Hermes, Thoth) wie auch Hermes Trismegistos steht der gleiche Offenbarungs-Impuls.

    >Es sind verschiedene Zeitepochen und Kulturen-

    >und so verschiedene menschheitsgeschichtliche Ausprägungen.


    Wo ist heutzutage die Person die den gleichen Offenbarungs-Impuls in sich trägt?


    >>Wie sieht es in der Hermetik aus mit Jesus?


    >Die echten Rosenkreuzer, die ja zweifellos Hermetiker sind,

    >sagen: Jesus mihi omnia (Jesus ist mir Alles) .

    >Er ist der menschheitsgeschichtlich Erste, der den Weg vollkommen gegangen ist,

    >bis hin zur sog. Transsubstantiation, der völligen Vergeistigung seiner Existenz , bis ins Physische (körperliche Auferstehung, ewiges Leben).

    >Diesem Jesus nachzufolgen bedeutet in hermetischer Sicht, es ihm nachzutun;

    >eigentlich findet man es so auch in den Evangelien.

    >Die Kirche und unsere Tradition haben aus dem Nachfolgen aber vielfach etwas völlig anderes, viel Platteres gemacht: ein Anbeten und aufs Podest-Stellen,

    >zum Teil eine Art Droh-Figur...

    >Deine vorherige Frage, ob man Gott nicht nur durch seine(n) Boten begegnen kann,

    >würde ein echter Rosenkreuzer so beantworten:

    >du kannst selbst ein solcher Bote Gottes werden,

    >und eben das ist auch die Haupt-Botschaft aller je lebenden anderen Boten.

    >Für uns Menschen ist es oft die größte Gnade und Erleichterung, das Göttliche wirklich einmal in Menschengestalt vor uns zu sehen, das berührt uns bis in unser Innerstes...

    >und tatsächlich ist es ja die gottgewollte Gestalt des Menschen,

    >eben Gottes Ebenbild zu sein: und zwar bis ins Allerinnerste.

    >Jesus mihi omnia meint also nicht, sich vor Jesus niederzuwerfen oder zum abhängigen "Dummchen" zu regredieren.

    >Es meint, daß Jesus der Erste war, der den Weg vollkommen ging;

    >und so begegnet eigentlich jeder, der den Weg nun ebenfalls geht,

    >irgendwann immer auch Jesus, dem Vorangegangenen, dem Pionier...

    >man kann ihn dann eigentlich nur in sich aufnehmen, tiefe Verbundenheit und die ewige Größe dieser Seele fühlen.

    >Es bleibt auf dem rechtverstandenen hermetischen Weg nicht aus, daß man dieser Seele begegnet und ihr selbst immer ähnlicher wird.


    Jesus so wie ich ihn mir vorstelle bedeutet mir alles,

    War er wirklich der erste oder gabs schon vor der Zeit auch Wege?


    >Trügerisch aber ist es, sich an Kirchenlehren entlangzuhangeln,

    >ausgenommen das Lesen der Urschriften und christlicher Mystiker

    >(die der offiziellen Kirche ja oft eher ein Dorn im Auge waren)...

    >Das repressive Angst-Sünde-System, das sich da über viele Generationen institutionalisierte, lähmt jede seelische Entwicklung, erst recht jede Verfeinerung.


    Das was die Kirche angeht hast du Recht, aber man darf die Anzahl derer

    die wirklich ihr Leben Gott gewidmet haben nicht vergessen, den

    viele von denen die wirklich den wahren Weg suchen lassen sich auch

    nicht vor Gesetzen brechen!

    Wo finde ich diese Urschriften der christlichen Mystiker?

    Was ist mit den Evangelien die nicht in der Bibel sind?


    >Angst und Liebe sind Gegensätze; und in der höchsten Form ist Hermetik nun einmal ein Herzensweg.

    >Die Wege der Angst sind immer die dunklen;

    >und leider hat die Kirche im kollektiven Gedächtnis ihrer Menschen sehr viel Dunkles hinterlassen.

    >Nimmst du in deinem Herzen mit der großen Seele Jesu Fühlung auf,

    >so kann es dir vielleicht passieren, daß du aus diesem Fühlung-Nehmen

    >abgleitest in diesen "Kirchenmüll", je nachdem, wieviel du davon abbekommen hast, im jetztigen oder in früheren Leben...

    >Manche empfinden es für eine Phase ihres Weges geradezu als nötig,

    >Jesus ganz zu umgehen, weil ihre innere Kraft noch nicht reicht,

    >den historischen Müll und das tatsächliche Wesen Jesus voneinander zu scheiden.

    >Je klarer und lebendiger man selbst wird, desto deutlicher aber nimmt man dann auch selbst das Lebendige im Unterschied zum Toten bzw. Leben-Saugenden wahr und kann es voneinander trennen.

    >Jesus wurde umgeben von einem Ring aus Irreführung, der seinesgleichen sucht.

    >Tatsächlich aber können wir alle so sein wie Jesus,

    >bis hin, so zumindest meine Überzeugung, zur leiblichen Verwandlung (Transsubstantiation).





    >

    >>Mit dem Kernsatz : Wie oben , so unten.

    >>Sind da nur die Gegensätze gemeint oder das oben und unten,

    >>von Himmel und Erde?(Geistigkeit und Materie?)

    >>Wie ist überhaupt möglich durch die Gegensätze zu denken?

    >Gemeint ist die Analogie.

    >In der Naturwissenschaft wird gewöhnlich strikt kausal gedacht... lassen wir einmal die Quantenphysik beiseite, die da viel weiter ist.

    >Der Hermetiker ergänzt dies durch analoges Denken und Schauen.

    >Was wir im Makrokosmos sehen, finden wir auch im Mikrokosmos.

    >Hermetisch betracht sind bsp. die zwölf Tierkreiszeichen eine Art Zifferblatt im Makrokosmos: wo dort im Großen der Zeiger steht, steht er auch im Kleinen.

    >Ein hermetisch gebildeter Astrologe würde sich gar nicht auf das Glatteis begeben, von einer kausalen Wirkung des Zodiak zu sprechen!


    Kausale Wirkung des Zodiak??????


    Gruss Dali,



  3. #13
    Jom Kiu-Thar
    Gast

    Re: Hermes und Jesus


    >Hallo Jom,

    >die Hermetik ist sie wirklich als eine Art Religion oder als Wissenschaft zu

    >verstehen oder beides in einem etwas das das Leben ausmacht?


    Hallo Dali;


    ( +++ Achtung: langer Text +++ Achtung: langer Text +++ Achtung: langer Text )


    vielleicht kennst du ja die Idee vom "neuen Wissenschaftsparadigma",

    wie z.B. bei Capra oder Stan Grof:

    Spiritualität (also die Essenz von Religion) und Wissenschaft können zusammenfinden.

    Die Quantenphysik hat gezeigt, daß die klassische wiss. Forderung,

    ein vollkommen neutraler Beobachter zu sein, gar nicht erfüllbar ist.

    Der "Beobachter" ist immer auch Teil dessen, was er beobachtet.


    Hermeneutisch bzw. methodisch gesehen, kann eigentlich auch der konservative Naturwissenschaftler nichts mehr dagegen einwenden,

    daß auch die Erfahrungen, die ein Forschender subjektiv macht, reale Ereignisse darstellen.

    (Ich weiß aber auch, daß sich dies noch nicht zu allen Wissenschaftlern herumgesprochen hat.)


    Spirituelle Erfahrungen sind stets zutiefst subjektiv;

    es macht sie ja gerade aus, daß sie einen sehr tief berühren oder auch tiefer schauen lassen als im Alltag.

    Ab einer gewissen Tiefe wirken sie jedoch in das Leben dessen, der sie erfährt,

    sie bewirken Veränderungen, die auch die Außenwelt registriert.

    Diese Veränderungen können langsam sein, wie allmählicher Wesenswandel,

    Aufbau eines neuen Freundeskreises usw.-

    oder sie können sehr schnell sein, wie etwa übersinnliche Taten (Materialistionen, plötzliche Intuition usw.)


    Da das einzige Meß-Instrument für derlei Erfahrungen durch all die Jahrtausende immer der Mensch selbst war, sind zwar im Laufe der Zeit sehr viele Systematisierungen dieser Erlebnisse entstanden, die oft auch als Basis für Einweihungen dienten.

    Die Wissenschaft seit der Aufklärung wollte aber gerade dieses Meßinstrument "Mensch" nicht mehr akzeptieren.

    Nach dieser klassischen Ansicht kommen nur mechanische Meßinstrumente infrage;

    ferner gilt die Forderung, alles müsse reproduzierbar sein, am besten unter Laborbedingungen.


    Ich persönlich akzeptiere das Meßinstrument "Mensch" sehr wohl.

    Ich finde es mehr als einleuchtend, daß für alles, was meinen menschlichen Weg betrifft, dieses Meßinstrument sogar genau das ideale ist!


    In diesem Sinne bedeutet für mich Wissenschaft etwas Ähnliches wie für alle großen Weisheitstraditionen:

    meine subjektiven "Messungen" in eine möglichst objektive Landkarte zu bringen.

    Die genauesten Landkarten menschlicher Bewußtseinszustände und Wirkungsmöglichkeiten wurden von Meistern entwickelt, die dies an sich selbst erfahren haben, oft unter Aufbietung aller Kräfte.


    Es gilt also, die eigene Wahrnehmungsfähigkeit zutiefst ernst zu nehmen und zu sensibilisieren... sich aber gleichzeitig ihr gegenüber quasi wissenschaftlich zu verhalten: sich also nicht drin gehenzulassen, die Verleugnungstricks des eigenen Geistes zugunsten echter Unvoreingenommenheit hinter sich zu lassen usw.


    Darum forsche selbst!

    Eine Säule ist das Studieren alter Schriften und ihrer Auslegungen / Kommentare.

    Essentiell finde ich die Evangelien und die Bhagavad Gita.

    Die zehn Sätze der Smragdtafel weiß ich nicht einmal mehr; das Analogie-Gesetz ist mir als Wichtigstes haften geblieben.


    Die andere Säule ist die eigene Erfahrung. Wenn dir Jesus im Herzen viel bedeutet: sprich mit ihm von Herz zu Herz!

    Ich meine das keineswegs gefühlsduselig (es befreit aber auch die Fühl-Fähigkeiten).

    Vieles in den Evangelien spricht mir mitten ins Herz; und ich habe dies schon von vielen gehört.

    Es ist manchmal so, als würde da gerade jetzt zu einem gesprochen, ganz individuell; und dies ist tatsächlich so.

    Nicht daß das Papier plötzlich lebendig würde- doch wenn das Gelesene einen so berührt, daß man bis in die innerste Faser erwacht, dann spürt man mit ebendiesen Fasern, daß das Wesen, das diese Worte einmal sagte, tatsächlich da ist, direkt da: und es sendet einem dann seelisch noch einmal unmittelbar den Inhalt seiner Worte.

    Bei Worten, deren Wahrheit zeitlos ist, ist dieses Erleben nichts Ungewöhnliches.

    Es ist gut, dieses Erleben ernst zu nehmen: nicht nur den Text der Worte also, sondern auch das Erleben, daß beim Aufnehmen der Worte zugleich das lebendige Wesen bei einem ist, von dem sie stammen.


    Zu diesem lebendigen Wesen kann man aber auch selbst sprechen oder mit ihm in Fühlung treten. Der Wert der Evangelien ist ja gerade, hierhin zu führen.

    Die Schriften möchten das Tor zum tatsächlichen Leben mit dem Höchsten öffnen.

    Gott selbst führt und lehrt, bis wir reif genug sind, auch selbst in anderen Menschen zu erkennen, wer uns das Licht Gottes vielleicht noch tiefer verstehen helfen könnte- und wer umgekehrt vielleicht gerade für unsere Hilfe dankbar wäre.


    Manchmal lehrt Gott uns durch andere Menschen. Den Umgang mit sehr körperlichen Dingen, konkretem Tun usw. können uns ein menschlicher Bruder oder eine Schwester, die darin schon erfahrener sind, manchmal besser verständlich machen als rein innere Führung.

    Da es aber oft gerade dann, wenn man unsicher ist, sehr viele gibt, die einen mit tausenderlei Rat überschütten; ist es wichtig, vor allem im direkten Kontkt mit dem Höchsten sein Verstehen zu entwickeln.

    Lauscht man in sein eigenes Gewissen, so gelangt man ab einem bestimmten Grad innerer Stille immer auch in Dialog mit Gott.


    Erst aus diesem Dialog kann man eigentlich die grundsätzlichen Fragen beantworten.

    Auf solche Weise kannst du z.B. auch den Wert meiner Antworten überprüfen.

    Auch ich habe ja noch nicht den höchsten Grad der Wachheit und Christushaftigkeit erreicht!


    Doch auch, wenn, so bliebe dies doch mein eindringlichster Rat:

    wir können dahin gelangen, daß wir keinen Mittler mehr zu Gott brauchen; wir können, wenn wir das Vorbild Jesu in unser Innerstes nehmen, selbst werden wie Er; und das ist doch das Ziel!


    Wenn du nach einer Rangfolge der Weisheiten und Lehren fragst, so wäre das das Allererste: selbst im Herzen Gott als Vater, als Mutter zu erkennen und anzunehmen und damit genauso selbstverständlich umgehen, wie Jesus es tat.

    Schmiegt man sich in Gottes großen Plan, so öffnet sich einem alles, gerade in dem Tempo, das man verträgt.

    Für mich ist es dabei eine sehr bedeutende Lehre, wie anders doch das Tempo, das ich tatsächlich vertrage, von dem ist, das ich gern hätte *lach*


    Wenn ein Mensch wie du und ich als ein Christus (nicht bloß als Christ) dem Willen Gottes dient, so kann Gott ihn die höchste Magie vollbringen lassen.

    Wenn wir so zuerst nach Gottes Reich trachten wie es heißt, dann können uns von Gott her im Einklang mit den ewigen Gesetzen des Lebens alle Kräfte zufließen.

    Jeweils im Rahmen des spezifischen göttlichen Auftrages, den wir gerade haben,

    öffnet Gott selbst uns also auch Türen.

    Je geübter und geschmeidiger wir darin werden, uns einfach in dies hineintzugeben,

    desto mehr weitet sich auch unser Horizont und unsere Spontaneität im Umgang mit den Reichtümern des Höchsten.


    Aus diesem Licht geschaut, ergeben sich Gesetze, wie auf der Smaragdtafel beschrieben, dann ganz von selbst.

    Historisch gesehen, liegt deren Entstehung ja vor dem Erscheinen des Christus in der Gestalt Jesu.

    Die höchste Konsequenz dieser Tafel ist im Grunde, so ein Wesen zu werden, wie dann Jesus es tatsächlich wurde.

    Da dieses Wesen sich nun um die Zeitenwende leibhaftig offenbart hat, ist es natürlich ein viel unmittelbarerer Weg zum Höchsten, es direkt Jesus gleichzutun und auch ein Christuws zu werden, anstatt die ganze Vorgeschichte noch einmal zu durchwandern.

    Nur für Menschen, die den Christus nicht als lebendiges Wesen kennen, ergibt sich das manchmal so; sobald sie Ihn aber entdeckt haben, wird alles viel einfacher.

    Ich kann nur wiederholen, daß für viele um Christus ein regelrechter Ring aus Irrtümern liegt, die sie einfach unbewußt übernommen haben.


    Der größte Irrtum ist die sogenannte Erbsünde- in diesem moralischen Sinn, wir hätten von Geburt an Strafe verdient, müßten uns für die "Widerwärtigkeit, einfach so zu existieren", jede Sekunde in Grund und Boden schämen usw.

    Das Symbol der Erbsünde ist nur dort richtig, wo es den Zustand des Vergessens beschreibt, der Abgetrenntheit von der göttlichen Quelle. Sünde heißt ursprünglich Trennung.


    Der in der Menschheitsgeschichte wohl einmalige, gigantische Straf- und Schuldkomplex, der sich rings um dieses Vergessen-Haben entwickelt hat,

    ist gerade eine Folge dieses Vergessens!

    Er ist unsere eigene Projektion, in all seinen Details!


    Denn weil wir durch die immer stärkere Entwicklung unseres Eigenbewußtseins imme mehr die intuitive Gewißheit der All-Einheit verloren, schwand auch unser Gefühl der Geborgenheit dahin und hinterließ eine große Einsamkeit in uns, die sich mit tiefem Zweifel und Selbsthaß füllte.

    Unter dem Wort Erbsünde versammelten sich alle Selbstbestrafungs-Phantasien, die diese Verzweiflung in uns entstehen ließ.

    In allen Kulturen suchten sich diese quälenden Fantasien und ihre Mutter, die Verzweiflung, ihr Ventil in Opfer-Riten, oftmals sehr furchtbaren.

    Das Gros der Menschheit wußte einfach nicht den Weg, wie Ich- und Eigenbewußtsein mit der All-Einheit zusammengehen sollten:

    denn es hatte ja vorher nie Wesen gegeben, die so trennscharf "Ich" zu sagen wussten.


    Erst in Jesus hat sich die vollkommene Ko-Existenz menschlichen Eigenbewußtseins

    und vollkommenen Gottesbewußtseins gefunden.

    Er war der Erste; und prompt ließen seine Mitmenschen ihren Selbsthaß an ihm aus.

    Es war einfach zwangsläufig; seine Vollkommenheit, sein Frieden waren einfach noch zu "unverdaulich".

    Sie waren es so sehr, daß man sogar seinen Tod wieder in gleicher Weise zu mystifizieren begann: wieder wurde eine Bestrafungsfantasie daraus.

    Wenn überhaupt Heimkehr in die All-Einheit mit Gott, dann mußte doch wenigstens ein Opfer geschlachtet werden- schließlich hatte man immer geopfert; schließlich hatte man sich über Jahrtausende beständig selbst bestraft und sich den direkten Umgang mit Gott, das unmittelbare Einsein mit Ihm, versagt!


    Was kam da dieser Mann und nannte Gott Vater?

    Was, wenn er recht hatte, wenn man nur über Generationen zu schläfrig gewesen war, selber drauf zu kommen?

    Was, wenn man sich die ganze Zeit nur darum so abgetrennt und verzweifelt gefühlt hatte, weil man nicht darauf gekommen war, daß man "ich" sagen und trotzdem zugleich Teil des Ewigen Lebendigen sein konnte?


    Dieser Mann wollte einem sagen, daß man sich umsonst gequält hatte?

    Daß es das Leben jetzt sofort gab, völlig umsonst?

    Daß man durch ein bloßes Gebet Brot und auch Geld aus dem Nichts auftauchen lassen konnte?

    Daß Kranke einfach wieder gesund wurden, wenn man es nur wollte?


    Schauen wir uns doch unser eigenes Leben an:

    wenn unter Gottes Obhut jeder kann, was Jesus konnte:

    ist dann nicht sehr viel von dem, was zur Zeit unsere Tage füllt, reine Makulatur?

    Die ganzen Kompromisse, die einem eigentlich nie geschmeckt haben?


    Das Kind in uns sagt sofort: "Ja! Jesus hat recht; es funktioniert;

    so will ich es auch machen!" -

    Doch das ist die leisere Stimme.

    Die andere Stimme... wir wissen alle, was die so alles sagt.

    Unsere Angst, völlig die Fassung zu verlieren, wenn wir tatsächlich die Wunder Jesu täten, ist einfach zu groß.

    Kein Stein im Tempel unseres Lebens bliebe mehr auf dem anderen.


    Und genau durch das müssen wir hindurch.

    Wir haben uns so tief eingerichtet in unserem eigenen Lebenserhalt,

    daß wir wirklich einen Glauben erlernen müssen, der selbst unseren kreatürlichsten Todesängsten standhält.

    Eine schwerere Aufgabe gibt es nicht.

    Wenn wir sie nicht in Liebe tun, ist sie unlösbar;

    wir würden uns einfach nur zerstören.


    Vielleicht konnte ich dir ein paar Anregungen geben.


    Liebe Grüße

    Jom



  4. #14
    zep
    Gast

    Re: Hermes und Jesus


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