Die chemischen Stoffe im Gehirn nennen sich Neurotransmitter, wodurch die Gedanken zur Wirkung kommen. Das Niveau der Neurotransmitter und ihre Werte werden durch die Stimmung des Menschen verursacht. Die Gedanken sind unserer bewussten Kontrolle unterworfen, da wir selbst waehlen koennen, was wir denken moechten. Dadurch ist das Denken eine Ausuebung der Gehirn-Chemie.
Die Gehirn-Chemie beeinflusst die Ausschuettung von Hormonen im ganzen Gehirnbereich, z.B im Bereich der Hypophyse und des Hypothalamus. Diese Druesen schicken die Hormone als Botschafter in andere Organe des Koerpers.
Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass zornige, wuterfuellte und feindselige Gedanken eine Roetung des Gesichtes, Beschleunigung des Herzschlags, Ansteigen des Blutdrucks und noch andere unangenehme Folgen haben koennen.
Neidische Gedanken koennen uns auch blass oder gelb im Gesicht werden lassen. Eifersuechtige Gedanken erzeugen ebenso unangenehme Gefuehle und koerperliche Veraenderungen, die uns selbst am meisten schaden.
Aengstliche Gedanken koennen ebenfalls den Blutdruck erhoehen, den Herzschlag beschleunigen und ein Zittern der Haende, des Koerpers und der Beine bewirken, Magenverknotungen und Uebelkeit hervorrufen, kalte Schweissausbrueche und ein Schwaechegefuehl im ganzen Koerper verursachen. Manche sagen: „Mir ist uebel vor Angst!“
Alle unsere Gedanken rufen also chemische Veraenderungen im Gehirn hervor, deren Folgen Gefuehle und koerperliche Erscheinungen sind.
So wie die negativen Gedanken den Koerper negativ beeinflussen, wirken die positiven Gedanken positiv auf unseren Koerper ein.
Liebevolle, glueckliche, mitfuehlende, freundliche und herzliche Gedanken werden Harmonie, Freude, Zuversicht und ein Vertrauensgefuehl in unserem Wesen erzeugen, was sich auf unseren ganzen Koerper uebertraegt. Solche Gedanken ueben einen Effekt der Stimulation aus, was durch die Hormonausschuettung der Druesen wiederum im Blut sichtbar wird und dem Koerper ein gesundes, strahlendes Aussehen verleiht.
Das Immunsystem des Koerpers wird durch Gefuehle wie Aerger, Feindseligkeit, Groll, Eifersucht, Neid, Begierde, Apathie und dergleichen geschwaecht.
In diesem Sinne ist es einfach zu verstehen, dass unsere Gedanken unsere Stimmungen hervorrufen. Diese wiederum beeinflussen in guter oder schlechter Weise unseren Koerper.
Uns ist es naturgemaess mit auf dem Weg gegeben, Gedanken zu ordnen und festzustellen, ob sie positiv oder negativ sind. Somit haben wir die Freiheit, uns zu entscheiden, welche Richtung wir unseren Handlungen geben, ob sie heilend oder zerstoerend sind, erbauend oder vernichtend – ob sie einem Suchenden Wein oder Essig darreichen.
Das alles ist sicherlich der Grund, warum Franz Bardon gleich zu Beginn seines Weges Gedankenkontrolle, Gedankenzucht und Gedankenbeherrschung fordert. Ein zorniger Mensch koennte niemals auf dem sprituellen Weg des Lichtes existieren. Sollte sich ein derartiger Mensch dennoch mit spirituellen Praktiken auseinandersetzen, so fuehren selbige ihn zwangslaeufig auf die Pfade der Dunkelheit.
Denken im Sinne des lichtvollen Geistes hat u.a. als Grundlage stets die Sanftheit, die Liebe und die Hilfbereitschaft. Ein solcher Mensch kann sich als wahrer Licht-Arbeiter betrachten.
An den Worten selbst kann man seine Mitmenschen sofort erkennen und die Bereitschaft, ihr Denken in die Tat umzusetzen. Nur das einfachste in Wohlwollen gekleidete Denken, das frei ist von jeder irdischen Wissenschaft, hat auf dem goettlichen Acker Bestand.
In Wahrheit darf sich das Denken im Lichte der Liebe nicht mal verdunkeln, wenn wir gefoltert wuerden. Der Leibarzt des Dalai Lama, der ueber viele Jahre in chinesischer Gefangenschaft extrem gefoltert wurde, sagte von sich, dass er staendig darum bemueht war, seine Peiniger im Lichte der Liebe zu betrachten und dass ihm dieses schliesslich geholfen habe, die Grausamkeiten zu ueberstehen.
Eine Freundin von mir, die den Weg Zen-Buddhismus eingeschlagen hatte, wurde vor einigen Jahren die ganze Nacht unter einer Bruecke von zwei Maennern in einem Auto vergewaltigt. Nur ihre spirituelle Praxis, ihr Vertauen in die Liebe Gottes, hat sie davor bewahrt, in den Taetern Schuldige zu sehen. Ihre Liebe war so gross und umfassend, dass ich mich im Nachhinein schaemte, weil ich selbst heftigen Zorn in mir fuehlte und Rechenschaft fuer die Tat verlangte.
Das Denken selbst bestimmt unser ganzes Sein. Was wir gedacht haben, dazu sind wir geworden, und was wir jetzt denken, zu dem werden wir werden. Wir bestimmen selbst, wohin wir gehen!
Sind die Menschen z.B. zu stark geerdet, was durch unmaessige Nahrungsaufnahme geschehen kann, durch zu grossen Verlust der Sexual-Kraft, durch Ausrichten der Sinne auf die Materie allgemein, kann man davon ausgehen, dass sich ihr elementarer Haushalt im negativen Bereich befindet, was sich als Aeusserung in ihrem Denken und Handeln offenbart, das naturgemaess zur Zersetzung ihrer Persona fuehrt.
Doch nichts ist von Dauer, denn innerhalb der Gesetzmaessigkeit der Natur sind alle Dinge dem Wandel unterworfen, und was sich ins Chaos aufloest, wird sich auf einer anderen Ebene wieder (eindrehend) dem kosmischen Rhythmus anpassen und eingliedern.
Unser Denken bestimmt unsere Richtung! Der Mensch kann sich nur in die Richtung bewegen, in die er denkt. Weicht er mit seinem Denken von der Richtung ab, so begibt er sich umgehend in grosse Gefahr, und ehe er sich versieht, ist seine koerperliche Huelle zu einem „Frass fuer die Geier“ geworden. Das kann aber auch geschehen, wenn das Denken selbst negative Ausrichtungen und Ziele als Inhalt hat.
Nicht das, was uns widerfaehrt, ist Karma, wie viele Menschen glauben, sondern die Tat selbst, die im Denken ihren Ursprung hat. Das Leid, das die Menschen erleben, hat demzufolge seine Wurzeln im Denken und nicht im Karma, das an sich voellig eigenschaftslos ist.
Karma ist ein Wort aus dem Sanskrit und bedeutet: „Wirken, Tat“, wobei das Wirken und die Tat in Analogie zum Willen und zum Denken betrachtet werden muss. So schreibt Buddhaghosa (5. Jahrh. n. Chr.) in seinem Hauptwerk „Visuddhi Magga“:
„Karma bezeichnet genaugenommen, den die Wiedergeburt erzeugenden oder Charakter und Geschick der Wesen beeinflussenden heilsamen oder unheilsamen Willen sowie die damit verbundenen Geistesfaktoren. Dieser karmische Wille aeussert sich in koerperlichen Taten, in Worten oder bloss in Gedanken. Karma bedeutet also keineswegs das Ergebnis des Wirkens, oder gar das Schicksal von Menschen oder ganzen Voelkern, wie unter dem Einfluss verschiedener Glaubensrichtungen gelehrt wird.“
Seit einiger Zeit beschaeftige ich mich mit dem kabbalistischen Werk Josef Gikatillas (1248 – 1325): „Shaare Orah“, das man ueber amerikanische Quellen beziehen kann. Wenngleich die Kabbalah auch nicht den Begriff „Karma“ verwendet, so ist sie doch mit dessen Existenz vertraut und zwar im Sinne der Sefirot Binah:
„Diese Sefirot heisst u.a. „Obere Gerechtigkeit“, weil es die Sefirot ist, von der aus sich die Wirkungsweise des „Strengen Gerichts“ offenbart, dabei aber stets die „Welt des Erbarmens“ mit einbezieht.
Sie heisst „Strenges Gericht“, weil das Denken hier einer Pruefung unterworfen ist, bevor es nach Malkuth gelangt, um sich in der stofflichen Welt als Tat zu aeussern. Sei darum rein in deinem Denken, frei von jeder Parteilichkeit.
Was ein Mensch auch immer in Dingen und Wesen sieht, ob vortrefflich oder nicht vortrefflich, entspricht der Wirkungweise der Sefirot Daat (Abgund), die ihm den „Trunk des Vergessens“ beschehrt, solange er sich an Dieses oder Jenes klammert.“ (ShO Bd. 2)
Somit ist jede Art von Denken einer Pruefung unterworfen, und nichts von alledem bleibt im Verborgenen. Fuer jedes manifestierte Denken muss sich ein Mensch verantworten. In diesem Sinne sind meiner Meinung nach die Worte von Jesus zu verstehen, wenn er sagt: „Keiner kann das Gefaengnis verlassen, wenn er nicht auch den letzten Pfennig bezahlt hat.“
Parteilichkeit hat stets das Verlieren des Gleichgewichts zu Folge. Darum richtet sich das Denken eines Magiers grundlegend in die Bereiche der lichten Welten. Eine seiner Wirkungsweisen, mit der er Koerper, Seele und Geist zur Vollendung bringt, beschreibt die Bhagavad Gita im Dhyana-Yoga, Vers 18, auf folgende Art:
„Mit gleichem Auge blicken die Wissenden auf einen Gelehrten, auf eine Kuh, auf einen Elefanten oder einen Hund...“ usf.
Die empirische Vielheit kann uns nicht die metaphysische Wirklichkeit vorenthalten, die alle Wesen gemein haben. Dieses Verstaendnis laesst uns ausnahmslos mit Freundlichkeit und Mitgefuehl auf unsere Schwestern und Brueder blicken. Wer in sich selbst, durch bestaendige Charakter-Veredelung gefoerdert, das geistige Licht entzuendet, was u.a. durch Transformation der Sexual-Kraft in die Ebenen des Geistes geschieht, erkennt das Goettliche in allen Wesen gleichermassen.
Je mehr sich unser Denken auf die Materie richtet, um so mehr wird sich unser Koerper dieser Strahlung anpassen und dabei mehr und mehr verhaerten. Richten wir unser Denken jedoch ins Licht des Geistes, so werden wir auch koerperlich und seelisch eine immer groessere Leichtigkeit fuehlbar wahrnehmen.
Wir sollten aber nicht vergessen, uns bestaendig und achtsam zu erden, um den irdischen Anforderungen gewachsen zu sein, jedoch nur dergestalt, dass wir den Kontakt zur geistigen Welt nicht verlieren.
Unsere irdischen Handlungen, welche Natur sie auch haben moegen, sollten ohne Ausnahme Ausdruck des geistigen Lichtes sein!
Liebe Gruesse
Anzeraq



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