Hallo Werner!
Leider inzwischen gelöscht will ich dennoch Stellung nehmen
zu deinen Ausführungen zu FBs Text zu Religion.
Hier der komplette Text FBs zu Religion aus dem theoretischen
Teil des Buches "der Weg zum wahren Adepten"
Zitat:
Religion
Der angehende Magier wird sich zu einer Universalreligion bekennen.
Er wird finden,daß jede Religion wohl ihre guten Seiten, aber auch
ihre Schattenseiten hat. Das Beste wird er für sich behalten und
die Schwächen nicht beachten. Damit ist nicht gesagt, daß er sich
zu jeder Religion bekennen muß, aber er soll jeder Religion die
gebührende Achtung entgegenbringen, denn jede hat ihr eigenes
Gottesprinzip, ob es sich jetzt um das Christentum, um Buddhismus,
Mohammedanismus usw. handelt. Im Grunde kann er seiner Religion
treu bleiben. Mit den offiziellen Dogmen seiner Kirche wird er sich
jedoch nicht zufriedengeben und darnach streben, tiefer in die
Werkstatt Gottes einzudringen. Das ist ja auch der Zweck unserer
Einweihung. Der Magier wird sich den Universalgesetzen gemäß seine
eigene universale Weltanschauung bilden, die seine wahre Religion
sein wird. Er wird die Beobachtung machen, daß, abgesehen von den
Schwächen, jeder Verteidiger der Religion seine Religion als die
beste hinzustellen bemüht ist. Jede Religionswahrheit ist relativ,
und das Begreifen derselben hängt von der Reife des einzelnen ab.
Deshalb läßt der Eingeweihte in dieser Hinsicht jedem sein
Recht, versucht auch nicht, ihn von seiner Wahrheit abzubringen,
ihn zu kritisieren oder gar zu verurteilen.
Im Innern der Seele kann er Fanatiker oder Atheisten höchstens
bedauern, ohne es irgendwie äußerlich zu zeigen. Halte jeder
an dem fest, woran er glaubt und was ihn glücklich und zufrieden macht.
Würde sich jedermann diesen Grundsatz zu eigen machen, gäbe es weder
Haß noch Religionszwist. Es läge dann wirklich kein Grund zu
Meinungsverschiedenheiten vor, und alle Geistesrichtungen
könnten nebeneinander glücklich bestehen.
Es ist allerdings etwas anderes, wenn ein Suchender, den weder
Materialismus noch Dogmen befriedigen, sich nach geistiger Nahrung
sehnend, einen Eingeweihten um Rat und Aufklärung angeht.
In einem solchen Falle ist der Eingeweihte verpflichtet, den
Suchenden je nach seinem Auffassungsvermögen aufzuklären.
Dann spare der Magier weder Zeit noch Mühe, seine geistigen Schätze
dem Sucher zu übermitteln und ihn zum Licht zu führen.
Ende Zitat.
Kommentar in Bezug auf deine Interpretation
(wurde im Forum gelöscht):
Wichtig finde ich daß der Text über Religion im Buch
unmittelbar auf den Text über Wahrheit folgt, welcher
auch in diesem Zusammenhang sehr lesenswert ist.
Das es universell gültige Gesetze gibt ist unbestreitbar,
streitbar ist welche es sind und da hat Jeder seine
eigene Wahrheit.
Universalgesetze sind wie das Wort bereits sagt,
allgemein und umfassend gültig.
Doch sagt FB nicht, daß die Universalgesetze die wahre
Religion sind, vielmehr daß der Magier sich diesen
Gesetzen gemäß SEINE EIGENE universale Weltanschauung
bilden soll, welche zu SEINER wahren Religion wird.
Dieser Unterschied wird bedeutend wenn die
Aussagen FBs zum Thema Wahrheit einbezogen werden.
Hier heißt es unter anderem:
"Deswegen hat jeder einzelne von seinem Standpunkt aus
je nach Reife und Erkenntnis, falls er es ehrlich meint,
seine eigene Wahrheit. Nur derjenige, der die absoluten
Gesetze des Makro - und Mikrokosmos kennt und beherrscht,
kann von einer absoluten Wahrheit sprechen."
Wer das nachvollzieht, erkennt wie unsinnig es wäre von
der einen wahren Religion zu sprechen, ist doch die eigene
Wahrheit im Wandel und folglich auch die eigene
Religion / Anschauung.
In diesem Kontext ist der von dir gesehene Widerspruch
in folgendem Satz FBs nicht vorhanden:
"Jede Religionswahrheit ist relativ, und das Begreifen
derselben hängt von der Reife des einzelnen ab."
Es gibt sie nicht die wahre Religion. FB spricht ebenfalls
nicht davon.
Der Magier hat SEINE EIGENE wahre Religion, welche
er unter Berücksichtigung seines Wissens um das Wesen der
Wahrheit nicht stimmig als absolut hinstellen kann.
Von der absoluten Wahrheit kann sprechen s.o. wer die
absoluten Gesetze des Makro - und Mikrokosmos kennt
und beherrscht. Von solch einer Person, falls es sie
gibt oder jemals gab, kann auch eine Differenzierung
des Wahrheitsgehaltes religiöser Aussagen objektiv
erfolgen. Dies gilt natürlich auch für Religionsstifter.
Die absolute Wahrheit ist keine Wissensdisziplin.
Lernen nicht im Sinne von auswendig lernen, sondern
im Sinne von Verinnerlichung - zum eigenen Wesen als
lebendigen Teil machend.
Wie soll das übertragen werden? -um hier deinen
Vergleich zur Effektivität der Wissenschaften
aufzugreifen.
Daraus resultiert der von dir kritisierte
Subjektivismus aber nur insofern, daß sich Weisheit
nicht wie Wissen übertragen läßt, sowie auch
die Beherrschung der absoluten Gesetze einer
Praxis bedarf und einen Prozess darstellt welcher
ebenfalls nicht wie Wissen übertragbar ist.
Die Grundlage für diesen Prozess ist unter anderem
eine Geisteshaltung die neue intuitiv als wichtig
eingestufte Erkenntnisse einlässt und ihnen die
Aufmerksamkeit und den Raum bietet welcher nötig ist
diese zu einem lebendigen Teil seiner Selbst zu machen.
Diese Vorraussetzungen zu schaffen liegt in der
Person die Erkenntnis erlangt, an ihrer Bereitschaft
das Wissen zur Weisheit und als Prozess zur absoluten
Wahrheit werden zu lassen, es in einen die Entkörperung
überdauernden Besitz zu wandeln.
Der Begriff des Baumeisters ist treffend.
Mit dem Aneignen der für einen Hausbau nötigen Kenntnis
ist das Haus noch nicht gebaut. Das Wissen hierzu
ist übertragbar, die Erfahrung des Bauens ist zu
praktizieren.
So praktiziert denn Jeder seine für ihn notwendige
Lebensweise in dem sein Selbst veränderndem Prozess
und wird solange einer Richtung folgen bis er
nicht mehr danach ist.
Wer aus seinem Erfahrungsschatz heraus motiviert ist ohne
die Fähigkeit sich rational begründet zu lösen, sich
dogmatisch verhält, dem werden neue Erkenntnisse
nicht als Motivation genügen den eingeschlagenen Weg
zu ändern. Für diese Motivation bedarf es entsprechender
Erfahrungen die den Charakter nachhaltig prägen.
Daraus ergibt sich auch die Anerkennung der
verschiedenen Religionen und Geisteshaltungen als
Notwendigkeit. Die vielschichtigen nötigen Erfahrungen
werden hier repräsentiert und von den Anhängern
unterschiedlich durchlebbar gemacht.
Somit ist die Aussage stimmig, daß wenn jedermann dies
anerkennt und daraus seine Toleranz Andersdenkenden /
Andersseienden gegenüber aufbringt es keinen Haß
oder Religionszwist gäbe.
FB schreibt:
"Es ist allerdings etwas anderes, wenn ein Suchender,
den weder Materialismus noch Dogmen befriedigen,
sich nach geistiger Nahrung sehnend, einen Eingeweihten
um Rat und Aufklärung angeht. In einem solchen Falle
ist der Eingeweihte verpflichtet, den Suchenden je nach
seinem Auffassungsvermögen aufzuklären. Dann spare der Magier
weder Zeit noch Mühe, seine geistigen Schätze dem Sucher
zu übermitteln und ihn zum Licht zu führen."
Da FB deutlich von absoluten Gesetzen des Mikro- und
Makrokosmos spricht, deren Kenntnis und Beherrschung
anzustreben er als Grundlage der Bildung einer eigenen
Weltanschauung/ Religion darstellt kann ich deine
Interpretation dies sei ein relativistischer Ansatz
nicht unterstütze.
Im Übrigen:
Der Satz FBs "Halte jeder an dem fest, woran er glaubt
und was ihn glücklich und zufrieden macht."
bezieht sich auf den Fanatiker oder Atheisten aus dem Satz
zuvor. Hierfür spricht, daß FB vom angehenden Adepten stets
als "der Eingeweihte", "der Magier" oder "er" spricht,
hier aber "jeder" und später im Text "jedermann" benutzt.
soweit erstmal
Karl



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