"Wenn Du Dich immer wieder der Verwirrung deiner Gefühle stellst, kann sie
sich auflösen. Das heisst, dazu zu stehen, dass du nichts mehr begreifst und
dass dir das angst macht. Du weisst nichts mehr. Du weisst nicht was du
willst, was du sollst, nichts. Du weisst nicht, wen du liebst, wer dein
Freund ist, mit wem du eine Beziehung haben sollst; du weisst nicht wem du
glauben sollst, wem du trauen kannst. Auch dir kannst du nicht trauen. Du
weisst nicht mehr was richtig und falsch ist. Du siehst nicht klar. Du
weisst nicht ob du links oder rechts gehen sollst, ob du Hilfe beanspruchen
oder alleine gehen musst, welche Hilfe die wahre ist und ob du dich
anstrengen sollst oder ob nichts-tun die Lösung ist und so weiter. Du spürst
nichts mehr ausser deiner Verwirrung, die wie eine dmpfe Dummheit in deinem
Kopf hängt, und das macht angst. Angst, verloren zu gehen im Chaos; Angst
den Verstand zu verlieren, Angst zu sterben und sofort. Was kannst du also
tun?
Bleibe mit der Verwirrung, mit dem Chaos so oft du kannst, halte das aus. Du
siehst nichts anderes als die Verwirrung, das Chaos der Welt, das vom Denken
geschaffen wurde, das in jeder Menschenseele wohnt und sie verdirbt. Das
Chaos ist um dich und in dir. Es gibt keinen Ausweg, keine Hoffnung, nichts.
Es ist das was ist, basta!
Wenn du da angekommen bist, bring dich nicht gleich um, spring auch nicht
wieder davon ins Denken, in die Sucht oder in Beziehungen, sondern bleib
noch eine Weile dabei. Es kommt ja jetzt ohnehin nicht mehr drauf an. Es
spielt sowieso keine Rolle mehr. Du bist bereits am Ende, am Ende nämlich
mit dem klugen Verstand, mit dem Denken und mit dem was das Denken
zusammengesetzt hat. Wenn du da bleibst, dich da niederlässt wie an einer
Wegkreuzung an der Du nicht weiter weisst, wenn du dich weigerst irgendeine
Entscheidung zu fällen, da du doch zu verwirrt bist dazu, wenn du dich
weigerst nach Gründen zu suchen für die Verwirrung um dich herum und in dir,
weil du siehst, dass du in deiner Umnebelung nur wirre Antworten geben
könntest, die dir auch nichts nützen, und wenn du dich weigerst (du hast mit
dieser totalen Negation dann endlich eine sinnvolle Verwendung für den Trotz
gefunden) irgendwo hin zu fliehen, weil du begreifst, dass die Verwirrung
überall ist, was geschieht dann? Dann wirst Du zuerst einmal ruhig. Die lang
ersehnte Ruhe kehrt ein; du hast nichts mehr zu verlieren. Du hast schon
verloren.
Du lässt los, wirst gelassen. Du wirst ruhig. Das Denken schweigt, und du
siehst. Du beobachtest aufmerksam die Verwirrung in dir und um dich herum,
ohne sie erklären zu wollen. Du siehst ganz einfach was ist. Damit wirst du
klar inmitten der Verwirrung. An der Verwirrung ist nichts zu ändern. Aber
du erkennst sie klar, dadurch bist du klar und du bist raus aus dem Nebel.
Durch diese Klarheit weisst du dann von Moment zu Moment, was zu tun ist.
(Samuel Widmer "Ins Herz der Dinge lauschen - vom Erwachen der Liebe")



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