Der Hüter der Schwelle:





Jede neue Stufe ins Helle ist neuer Währung wert,


vor ihr, mit flammendem Schwert steht der Hüter der Schwelle.


Vor jeder Stufe wache und bete,


dass Deine Seele rein den neuen Tempel betrete,


muss sie selber ein Tempel sein.


Bis einst in heiliger Helle zu ihres Ursprungs klarer Quelle sich klärt,


des Willens wandernde Welle,


hüte, mit flammendem Schwert,


hüte uns Hüter der Schwelle.“





Manfred Kyber




Wenn jemand einen Schulungsweg betritt,


wird er einem Wesen begegnen, welchen Weg er auch geht,


egal in welcher Richtung, egal unter welcher spirituellen Voraussetzung.


Die Hauptsache ist, dass er es ernsthaft tut.


Wer einen wirkungsvollen Weg betritt, durch Homöopathie, durch Meditation,


durch Sufi-Dancing, durch egal was, wird einem Wesen begegnen.


Das ist eine Gesetzmäßígkeit, die in allen spirituellen Traditionen beschrieben wird.


Und dieses Wesen ist der erste Hüter der Schwelle,


wie ihn Rudolf Steiner genannt hat.


Man kann dies nachlesen in einem der wichtigsten Bücher von Rudolf Steiner,


das auch für Nicht-Anthroposophen geeignet ist:


*Wie erlange ich Erkenntnis höherer Welten*.


Und dieser erste Hüter der Schwelle ist eine Gestalt,


die in sich all mein Dunkel, all mein Unterdrücktes,


all mein Verborgenes, all mein Okkultes birgt


und ich muss diesem ersten Hüter der Schwelle angstfrei und liebevoll,


ihn umarmend und integrierend begegnen, je nach Bewusstheit,


die ich bis dahin erreicht habe,


sonst werde ich ihn nicht passieren können


und nicht in die nächste Stufe der Geistesschülerschaft eintreten können.


Wer diesem Hüter der Schwelle, der einer unserer wichtigsten Helfer ist,


unvorbereitet begegnet, z. B. durch Drogen, z. B. durch okkulte Kräfte,


die auf ihn ausgeübt werden, der wird ganz einfach verrückt.


Rudolf Steiner hat einmal in einem geisteswissenschaftlichen Kurs


den Hinweis gegeben, dass viele Menschen, die in psychiatrischen Kliniken


sitzen und angstvoll zitternd in irgendwelche Ecken starren, nichts anderes


sehen als den Hüter der Schwelle, dem sie, wodurch auch immer, begegnet sind,


ohne darauf vorbereitet zu sein.


Und dieser Anblick kann bei jemandem, der in seinem Leben noch nicht viel


Schattenarbeit geleistet hat, verheerend sein, je nachdem, wie das Dunkel sich


in ihm angesammelt hat und nicht betrachtet worden ist.





Darum, und damit tun sich viele *Esoteriker* sehr schwer,


ist neben jeder spirituellen Praxis, egal, wie sie geartet sei,


die Arbeit mit dem eigenen Schatten unverzichtbar.


Und einer meiner wichtigsten Lehrer, Karl-Fried Graf Dürckheim zum Beispiel


hat immer wieder davor gewarnt, *einfach nur* anzufangen zu meditieren,


sich „einfach nur“ für viel Geld irgendwelche Mantren oder seelischen


Türöffner oder Türsprenger zu kaufen und kraftvollste Übungen zu praktizieren,


ohne diese Schattenarbeit zu leisten.


Wer das nicht tut (Originalton Dürckheim),


*den holt der schwarze Mann von hinten`*.


Er kommt von hinten, unmerklich, ohne dass man sich richtig gegen ihn wehren kann.




Er kommt und versucht uns.