Demokratie als Illusion

Der Begriff “Denkfabrik” soll eigentlich suggerieren, es handele sich bei solchen Einrichtungen um Orte geballten Wissensaustauschs und intellektueller Ideenproduktion. Die Frage aber ist: Wer “denkt” da, worüber und für wen?


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Die ersten dieser Einrichtungen entstanden vor fast 100 Jahren in den USA. Ihr Ziel war es, Forschungen zu gesellschaftspolitischen Themen durchzuführen und damit Einfluss auf politische Entwicklungen zu nehmen. Ein frühes Beispiel ist das 1921 gegründete “Council on Foreign Relations” (CFR). Der eigentliche Name “ThinkTank” entstand jedoch erst Ende der 40er Jahre des vorigen Jahrhunderts, als die “RAND Corporation” (Research ANd Development) gegründet wurde, die sich bald darauf als erstes schlagkräftiges Instrument US-amerikanischen Ideologie-Transfers und imperialer Pläne erwies.

Typisch für einen ThinkTank ist es, dass dort Personen aus den allerhöchsten Kreisen von Wirtschaft, Medien und Politik Konzepte und Strategien für die zukünftige innen- und außenpolitische - in der Regel globale - Agenda entwickeln. Vor allem der Einfluss des Kapitals, der Industrie und Banken macht diese Einrichtungen zu einer mächtigen Lobby bei der Durchsetzung ihrer Herrschaftsansprüche.

Ein Kennzeichen der Arbeit ist dabei der Mangel an Öffentlichkeit. Die elitären Einrichtungen sind in der Regel privat finanziert oder werden durch Stiftungen großer Unternehmen (z.B. Bertelsmann) ins Leben gerufen. Sie entziehen sich damit jeder demokratischen Kontrolle. Neben der Erarbeitung gesellschaftlicher und politischer Konzepte verfolgen die Denkfabriken eine zweite wichtige Funktion, das sogenannte “Agenda Setting”. Der Begriff bedeutet, Massenmedien so zu steuern, dass das öffentliche Denken in jeder erwünschten Richtung beeinflusst wird.

Dabei geht es weniger darum, was die Allgemeinheit denkt, vielmehr darum, worüber sie “nachdenken” soll. Die ThinkTanks legen die Themen der öffentlichen Debatte fest, ob im politischen Wahlkampf oder Alltag.

Bis in die 70er Jahre nahm die Öffentlichkeit diese Thinktanks kaum wahr. Es gab einige Dutzend, die meisten mit Sitz in den USA, die Einflussreichsten jedoch bereits damals international operierend. Ihre Macht auf Politik und Gesellschaft erwies sich - nicht zuletzt durch die enormen finanziellen und personellen Mittel, mit denen sie ausgestattet waren - als derart gewaltig, dass im letzten Quartal des vorigen Jahrhunderts ThinkTanks wie Pilze aus dem Boden zu schießen begannen. Neben den “Großen” etablierten die unterschiedlichsten Institutionen ihre eigenen Tanks, um ihre politische Lobbyarbeit zu effektivieren.
Politblog.net » ThinkTanks - die heimlichen Regierungen
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