Schauprozess vor laufender Kamera bei Johannes B. Kerner
Es war eine illustre Runde, die der smarte ZDF-Moderator am letzten Dienstag in seine Show geladen hatte. Senta Berger outete sich als Alt-68erin, Margarete Schreinemakers übertraf ihr altes Image als “Heulsuse der Nation” und ein in Verbalfäkalien bewanderter Komiker namens Mario Barth fläzte in seinem Fauteuil .
Eigentlich wäre vermutlich alles wie immer gewesen: Leichte Kost für ein Publikum, das abends um Viertel vor Elf nichts mit sich anzufangen weiß. Thema der Talkrunde sollte die Rolle der Frau und Familie sein.
Doch Kerner war an diesen Abend nicht auf Krawall, sondern auf Rufmord gebürstet. Deshalb hatte er als vierten Gast Eva Herman direkt neben sich platziert und einen honorigen Professor im Publikum versteckt. Was dann folgte, glich einem Schauprozess vor laufender Kamera.
Anlass war ein angebliches Herman-Zitat, das Anfang September in der Presse die Runde gemacht hatte und zum Kündigungsgrund des Arbeitsvertrages zwischen dem Norddeutschem Rundfunk und Eva Herman wurde. Auf einer Pressekonferenz aus Anlass der Vorstellung ihres neuen Buches soll sie ihr Idealbild der Mutter in Zusammenhang mit Nazi-Deutschland gebracht haben. Auch Politblog berichtete darüber in dem Artikel “Endlich: Ganz Mutter sein”.
Gleich zu Beginn der Sendung konfrontierte Kerner die spätestens seitdem medial Verfemte mit dem bewussten Zitat. Eva Herman stellte richtig, dass nicht nur das Zitat aus dem Zusammenhang gerissen sei, sondern sie eine derartige Aussage nie gemacht hätte und belegte das mit einem ausschnittweisen Ton-Dokument.
In einer kurzen Stellungnahme wandte sich Herman mit überzeugender Entschlossenheit gegen nationalsozialistisches Gedankengut. Tenor ihrer Aussage: der Faschismus hätte zu einer totalen Pervertierung des Wertes der Familie und der Rolle der Mutter beigetragen. In der Folge wandte sich die 68er Bewegung in ihrer Abrechnung mit Hitlerdeutschland von den Werten “Familie und Mutter” gänzlich ab und setzte die individuelle Selbstverwirklichung an seine Stelle. Zwei mal sei so in der deutschen Geschichte die traditionelle Rolle der Frau und Familie zerstört worden.
Nun war eigentlich alles gesagt und die Sendung hätte normal im Rahmen seichter Unterhaltung weiter gehen können. Nicht jedoch für Johannes B. Kerner. Er wollte wissen, ob sie sich von ihrer damals gemachten Aussage distanziere, das Gesagte zurücknehme. Was aber gab es zurückzunehmen, was nie gesagt war?
Ganz einfach, ein Historiker wurde vorgestellt und zum Fachmann für Herman’sches Gedankengut erklärt. “Das ist falsch, was Sie sagen. Sie verwechseln Faschismus und Konservatismus,” erklärte der Senior-Burschenschaftler Wolfgang Wippermann von der Freien Universität Berlin. Das Werteideal von Herman seien die drei “K” , Kinder - Küche - Kirche, das aber sei die Ideologie des Dritten Reichs. “Das bedeutet Rassenzucht, Rassenvernichtung in einem Rassenstaat. Frauen wurden erniedrigt zu Muttertieren und ausgezeichnet wie Kühe - das wollen Sie doch nicht?”, fragte er Eva Herman direkt.
Nein, das will sie sicher nicht. Aber so richtig Zeit zu erklären, was sie wirklich möchte, lässt man ihr nicht. Wippermann greift weiter an, “es wurden Frauen ermordet. Als Asoziale, Kranke und Schwachsinnige hat man sie zwangssterilisiert. Das können Sie doch nicht gut finden und davon sollten sie sich distanzieren”.
Eva Herman bleibt erstaunlich ruhig. Die Verleumdungen kennt sie und die seien an den Haaren herbeigezogen, erklärt sie. Als erste hätte Alice Schwarzer ihr unterstellt, sie käme mit der Steinzeitkeule und fordere das Mutterkreuz. Thea Dorn legte in der TAZ nach: “Das Eva Braun Prinzip” formulierte sie den Titel von Hermans Buch um. “Die braune Keule wurde von Anfang an geschwungen, das Thema ist in unserer Gesellschaft unerwünscht”, konstatiert Herman.
Hidden Block (you must be registered and have 5 posts):You do not have sufficient rights to see the hidden data contained here.
Politblog.net » Nazikeule auf der Autobahn



LinkBack URL
About LinkBacks
Zitieren


Lesezeichen