Trotz massiver Kritik startete in Großbritannien nun ein Pilotversuch, in dem Sozialhilfeempfänger Tests mit Lügendetektoren unterzogen werden. 173 Missbrauchsfälle in drei Monaten deckte ein erster Versuch auf, von zahlreichen Bewerbern wurde darüber hinaus berichtet, dass sie Hilfsanträge zurückzogen, nachdem ihnen der Lügendetektortest angekündigt wurde.

Wer ohnehin am unteren Ende der sozialen Skala steht, kann nun noch effektiver und umfassender entwürdigt werden - Kritiker halten neben der Unzuverlässigkeit der Technik allein schon das Vorhaben für menschenunwürdig. Verfechter der Technologie bejubeln die angeblich 250.000 Pfund, die in einem Pilotversuch binnen dreier Monate eingespart werden konnten.

Dass viele Bedürftige nach der Ankündigung, dem Test unterzogen zu werden, ihre Anträge zurückzuiehen, hat dabei offenbar Methode.

"Manche Leute sagen freiwillig, 'OK, das mach ich nicht mit. Ich ziehe meinen Antrag zurück', nachdem ihnen der Test angekündigt wurde. Danach suchen wir. Das sind die Fälle, die wir im Grunde identifizieren wollen."

So die Leiterin der Sozialbehörde im Testgebiet Harrow Council, Griselda Colvin.

Die zugrundeliegende Menschenverachtung scheint die Befürworter der Technik ebenso wenig zu stören wie der Hinweis aus Gewerkschaftskreisen, dass die Lügendetektortechnik allenfalls zufällige Ergebnisse liefere. In fünf weiteren Bezirken soll die Technik nun weiter getestet werden, bis zu 400 könnten im nächsten Jahr folgen.

gulli: Lügendetektor bei Sozialhilfe - Empfängern: Großbritannien macht Ernst