Hansestadt Lübeck und Experten des Unabhängigen Landeszentrums für
Datenschutz empfehlen Alu-Hülle zum Schutz elektronischer Passdaten


Vom 1. November 2007 an werden bundesweit in den Passbehörden
elektronische Reisepässe der zweiten Generation ausgegeben, in denen auf
einem Chip zusätzlich zu den bisherigen Angaben (Namen, Geburtstag,
Seriennummer, Gültigkeitsdatum, Gesichtsfoto) zwei Fingerabdrücke
gespeichert werden. Diese RFID- (Radio Frequency Identification) Chips
können mit Funktechnik ausgelesen werden, wenn dem Lesegerät Geburtstag,
Seriennummer und Gültigkeitsdatum bekannt sind. Diese Vorkehrungen sind
nach Ansicht des Bundesministeriums des Innern (BMI) ausreichend, um
einen Missbrauch der gespeicherten Daten auszuschließen. Angesichts der
verbleibenden Restrisiken bieten die Hansestadt Lübeck und das
Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein Inhabern
der neuen elektronischen Pässe für 6 Euro eine Alu-Schutzhülle an, die
als Faraday'scher Käfig ein ungewolltes Auslesen der Reisepassdaten
verhindert.

"Wir erkennen an, dass das Innenministerium große Anstrengungen
unternimmt, den Missbrauch der Passdaten zu verhindern“, sagt Lübecks
Innensenator Thorsten Geißler. „Ebenso wie der Bundesinnenminister
wissen wir aber auch, dass gewisse Risiken weiterhin bestehen.“ Dies
veranlasse selbst den Präsidenten des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke,
seinen neuen Pass mit einer Alu-Hülle gegen unbefugtes Auslesen zu
schützen. „Zur Erhöhung der Datensicherheit stellen wir daher den
Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt gegen Unkostenerstattung solche
Alu-Hüllen zur Verfügung und geben in einem Hinweisblatt weitere
Informationen, wie der Missbrauch der Daten verhindert werden kann."

Im Rahmen des internationalen Projektes FIDIS haben Sicherheitsexperten
des ULD sowie aus anderen europäischen Staaten festgestellt, dass mit
dem per Funk auslesbaren elektronischen Reisepass neue Gefahren des
Identitätsdiebstahls und der Detektierung bzw. des so genannten
„Trackings“ entstehen. Dies berichtet ULD-Leiter Thilo Weichert. Auf
diese Risiken wird in der so genannten „Budapest-Erklärung“ dieses
Exzellenznetzwerkes hingewiesen. „Ohne dass ein Mensch dies merkt, kann
ein Angreifer, der einige Zusatzinformationen besitzt, die er sich
anderweitig beschaffen kann, die biometrischen Daten des Passes auslesen
und elektronisch die Anwesenheit des Passinhabers bzw. des Passes
feststellen und elektronisch speichern“, so Weichert weiter. Würden
Passdaten illegal ausgelesen, so könnten diese auf ein gefälschtes
Dokument kopiert und zum Identitätsdiebstahl missbraucht werden. „Mit
Hilfe der von uns angebotenen Alu-Hülle wird diese Form des
Datenmissbrauchs weitgehend ausgeschlossen", versichert der
Datenschutzexperte.

Der Hansestadt Lübeck und dem ULD geht es mit ihrem gemeinsamen Angebot
nicht darum, unbegründete Befürchtungen, die teilweise mit den neuen
elektronischen Ausweisdokumenten verbunden sind, zu schüren. Vielmehr
soll durch das zusätzliche Angebot den Menschen der Selbstschutz ihrer
Daten bei der Nutzung des neuen Reisepasses erleichtert werden. Die
Schutzhüllen können vom 1. November an in der Meldebehörde der
Hansestadt erworben werden.

Zusätzliche Informationen können Sie im Internet abrufen:

Hinweise der Hansestadt Lübeck und des ULD:
Der neue elektronische Biometrie-Reisepass - und wie Sie sich vor
Risiken schützen können
http://www.datenschutzzentrum.de/epa...-reisepass.pdf

Budapest-Erklärung zu maschinenlesbaren Ausweis-Dokumenten
(Machine Readable Travel Documents - MRTDs):
http://www.fidis.net/fileadmin/fidis...on_MRTD.de.pdf

Erläuterungen des Bundesministeriums des Innern zur Sicherheit der Daten
im ePass-Chip
BMI Schutzmechanismen gegen unberechtigtes Auslesen der Daten im ePass-Chip

Allgemeine Informationen des Bundesministeriums des Innern zum
elektronischen Reisepass
BMI Der ePass
BMI Fragen und Antworten zum ePass allgemein


Weitere Informationen erhalten sie vom:

Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD)
Holstenstr. 98, 24103 Kiel
Tel.: 0431 988-1200, Fax: 0431 988-1223
mail@datenschutzzentrum.de
www.datenschutzzentrum.de