Im Altländer Viertel in Stade sind Kriminalität und soziale Verwahrlosung ausgeufert. Jetzt stehen dort die deutschlandweit meisten Kameras zur Verbrechensbekämpfung. Die Bewohner mögen die Kamers nicht, dabei könnten sie zur Aufklärung einer Straftat wichtig sein.

Als die Staatsanwaltschaft von den Filmen erfährt, zögert sie keine Minute. Instinktiv sichert sie das voyeuristisch anmutende Material, dessen erste Aufnahmen einen Mann und eine junge Frau zeigen, die sich dem Eingang eines Wohnblocks nähern. Es ist bereits dunkel an diesem 19. März 2007. Die Gegend in der norddeutschen Stadt Stade ist alles andere als einladend. Wer kann, der meidet das Altländer Viertel. Und wer dort landet, um dessen Zukunft ist es für gewöhnlich alles andere als gut bestellt.
Irgendwas scheint mit der Frau nicht zu stimmen. Vielleicht ist es ihr Gang, der diesen Eindruck erweckt, mag sein, dass es ihr Gesichtsausdruck ist. Später wird sie zu Protokoll geben, dass sie an diesem Abend getrunken habe.
Die beiden betreten das Haus. Während sie die Eingangstür öffnen, schalten sie automatisch das Licht und mit dem Licht die Kameras im Hausflur ein. Wie Schwalbennester hängen sie unter den Decken, meistens in den Ecken und sogar im Fahrstuhl. Sie sind wie kleine runde Augen, denen nichts entgeht. Nicht einmal die Uhrzeit. Auch sie wird sekundengenau dokumentiert. Schließlich stehen die beiden vor einer Wohnung. Der Mann öffnet. Sie treten ein, schließen die Tür. Alles was danach kommt, bleibt vorerst im Dunkeln.
Filme mit Opfern und Tätern
Sie könnten ein Liebespaar sein. Vielleicht. Aber was spielt das für eine Rolle? Wenn es stimmt, was die Frau später der Polizei erzählt, dann sieht die Staatsanwaltschaft auf diesen Filmen vor allem Opfer und Täter. Sie sieht einen Mann mit finstersten Absichten und eine Frau, die nicht ahnt, dass sie in den nächsten Stunden ein Martyrium erleben wird. Diese Aufnahmen privater Überwachungskameras aus dem Altländer Viertel sind die ersten, die ein einem schweren Kriminalfall in dieser Wohngegend gerichtlich verwendet werden.
Ein ganzer Stadtteil unter ständiger Überwachung - Nachrichten Politik - WELT ONLINE

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