Viele psychische Erkrankungen haben ihren Ursprung in der Kindheit. Vor
allem negative Bindungserfahrungen hinterlassen im adulten Gehirn eine
„Stressnarbe“.

Der bekannte Psychologe Paul Watzlawick äußerte sich einmal: „Man kann
in
der Wahl seiner Eltern nicht vorsichtig genug sein.“ Dieser Satz
beschreibt
die enorme, prägende Verantwortung der engsten Bezugspersonen im frühen
Kindesalter. Bereits der Moment der Befruchtung unterliegt ganz
unterschiedlichen Bedingungen. Handelt es sich um ein Wunschkind, einen
„Zufall“ oder gar um die Folge sexueller Gewalt? Andererseits wird die
Schwangerschaft als Ultima Ratio für die Rettung fragiler Beziehungen
eingesetzt. So erfüllen „Lebenssinnkinder, Ehekittkinder oder
Frauenrollendefinitionskinder“ die Funktion eines Markenartikels, bei
dessen
Produktion nichts dem Zufall überlassen wird.
Der demographische Notstand lässt Kinder als humane Ressource und
Leistungsträger der Sozialsysteme erscheinen. Im Gegensatz dazu zeugen
Neugeborene in Müllcontainern, die Einrichtung von Säuglingsklappen in
karitativen Einrichtungen oder Spuren körperlicher Misshandlung von
Kindheitskatastrophen, die stattfinden, bevor Kindheit überhaupt
wirklich
begonnen hat.


http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/...?id=52567#nr36