„Kein Krebs durch Handys“ frohlocken die Mainstream-MedienAnfang Dezember 2006 - rechtzeitig zum weihnacht-lichen Kaufrausch. „Sorgenvor Elektrosmog“ seien „überflüssig“ [1]. Die Euphorie in den Zeitungenbasierte auf einer dänischen Kohortenstudie, welche die Krebsraten von420'095 Mobiltelefon-Abonnenten mit denen der restlichen Bevölkerung verglich[2]. Die Studie ist dabei keineswegs neu. Es handelt sich um die Aktualisierungeiner Untersuchung aus dem Jahr 2001 [3]. Die DurchschnittlicheAbonnementsdauer lag nun bei 8.5 Jahren. Das Ergebnis: In der Gruppe derAbonnenten traten 14´249 Krebsfälle auf. In einer äquivalenten Gruppe vonNicht-Nutzern hätte man jedoch 15´001 Fälle erwartet (SIR=0.95). EineHandy-Nutzung ist demnach statistisch signifikant gesundheitsfördernd.
Sind Handys gesundheitsfördernd?
Die Angabenzur Finanzierung der Studie klingen zunächst unverdächtig: Geldquellen warender dänische „Strategic Research Council“ und die „Danish Cancer Society“. Dochunter Insidern ist längst bekannt, dass die „Danish Cancer Society“ immerwieder als „Waschmaschine“ für Industriegelder dient: Bereits die Basisstudieaus dem Jahr 2001 [3] wurde - durch die Dänische Krebsgesellschaft hindurch - vonden zwei grössten Mobilfunkunternehmen Dänemarks, Teledenmark undSonophone, finanziert [6].
DieForscher der dänischen Studie sind zudem gleichzeitig in der europaweiten „Interphone-Studie“eingespannt, einem beispiellosen Orchester industrienaher Forschung. Einer dieserAutoren der dänischen Studie, Prof. John Boice [7], erklärte in einemArtikel der Associated Press sogar „Es gibt wirklich keine biologische Basisum sich über Funkstrahlung Sorgen zu machen.“ [8] Eine Aussage, die einigehundert wissenschaftliche Studien in einem Satz unter den Teppich kehrt.
Insider warnt: Forscher boten sich an!
Angesichtsdieser massiven Entwarnung meldete sich am folgenden Tag ein prominenter Gastauf der unabhängigen Nachrichtenplattform Omega-News [9]:
Der Epidemiologe Dr. George Carlo, ehemaligerKoordinator des 28.5 Millionen Dollar schweren US-amerikanischen„Wireless Technologie Research“ Programms (1993-1999), hatte während sechsJahren die WTR-Forschungsgelder der amerikanischen Mobilfunkindustrieverwaltet.
Als George Carlo Anfang 1999 daraufinsistierte, die erschreckenden Ergebnisse der Öffentlichkeit vorzustellen,antwortete ihm der Chef des Industrieverbandes CTIA unmissverständlich:„Wenn du Erfolg hast, werde ich erfolgreich sein. Wenn du versagst, werde ichversagen.“ [10] George Carlo wurde daraufhin diskreditiert, gemobbt undfinanziell ausgetrocknet. Am 6. Dezember enthüllte er nun brisante Detailsaus dieser Zeit:
Ø Er bestätigt inseinem Beitrag auf Omega-News zunächst, dass die Dänische Krebsgesellschaftals Waschmaschine für die Gelder der Mobilfunkindustrie agiert.
Ø Er bestätigtweiterhin, dass John Boice, Professor am Vanderbilt-Ingram Cancer Center, undeinige seiner Kollegen seit Ende der 90er Jahre auf der Gehaltsliste derMobilfunkindustrie stehen – „and for big money“ – durchgeschleustdurch das „International Epidemiology Institute“.
Ø Als Carlo damals dieWTR-Gelder verteilte, bewarben sich John Boice und Joseph McLaughlin (beideAutoren der dänischen Studie) bei ihm, um exakt diese nun publizierteStudie anfertigen zu dürfen. Carlo verweigerte Ihnen jedoch damals dieWTR-Gelder, weil Boice und McLaughlin in Ihrer Bewerbung unverblümt angaben,dass sie „immer Ergebnisse produzieren würden, die für die Industrievorteilhaft wären“. Carlo dazu: „They thought they were playingto the audience“. Die Un-terlagen befinden sich heute noch in seinemBesitz.
„Nach vielenDiskussionen im WTR-Projekt haben wir eine Finanzierung verweigert, weil ichdas Gefühl bekam, dass sie krass verharmlosten und uns wissen liessen, dass sieimmer Ergebnisse produzieren würden, die für die Industrie vorteilhaft wären.“
Dr. George Carlo auf Omega-News, 6. Dez. 2006 [9]
Wiener Professor:
Diverse methodische Mängel lassen keinen Schluss zu
Ø DieAutoren der „Dänischen Studie“ [2] bemerkten, dass Mobiltelefon-Nutzer imDurchschnitt wohlhabender sind. Gemäss einer vorgängigen Bevölkerungsstudierauchen diese Personen seltener. Die Autoren gaben selber (auf S. 1708) an,dass das allgemeine Krebsrisiko der Mobiltelefonnutzer hauptsächlich durchden selteneren Auftritt der für Tabakkonsum typischen Krebsarten gesenkt wurde(SIR=0.88 bei Männern, welche 85% der Abonnenten ausmachten).
Ø 200´507unpersönliche Abonnemente (meist Firmen-Abonnemente) wurden vorgängig gestrichen,weil die Telefon-Nutzer hier nicht identifiziert werden konnten. Die Autorenerwähnten immerhin (auf Seite 1711), dass hier wohl die aktivsten Nutzerunter die Kategorie der Nicht-Nutzer gefallen sind. Insgesamt wurden 42%der Abonnemente der „Referenzpopulation“ von Nicht-Nutzern zugeordnet - derenGesamtgrösse leider nicht angegeben wurde. Auch unpersönliche Pre-Paid-Nutzer,meist Jugendliche, konnten durch das Studiendesign nicht erfasst werden und fallendaher unter die Nicht-Nutzer.
Ø Einweiteres Problem ist die z. T. lange Latenzzeit bei Krebserkrankungen:Studien kritischer Wissenschaftler finden zwar schon nach wenigen JahrenHandynutzung Risiken für Gehirntumore [4], das Beispiel Tabak zeigt jedoch,dass es lange dauern kann, bis das Risiko schliesslich unmissverständlich explodiert:So wurde ein Anstieg der Lungenkrebsfälle erst Ende derdreissiger Jahre registriert - 20 bis 25 Jahre nach dem Gebrauch der erstenindustriell hergestellten Zigarette.
Aus der dänischen Studie abzuleiten, dasRisiko sei nicht erhöht, ist daher nach Überzeugung des Wiener Professors fürUmwelthygiene, Michael Kundi, nicht gerechtfertigt. Die diversen methodischenMängel liessen seiner Meinung nach diesen Schluss nicht zu [5]
Schamlose Datenfälschung und blinde Verleger
In den Pressemeldungenzur dänischen Studie gab Joshua Muscat von der Pennsylvania StateUniversity den Forschern Rückendeckung: „Dies ist wegen den umfangreichenDatensammlungen wahrscheinlich die gewichtigste Studie dieser Art.“ [8]
Doch wosteht Muscat? Muscat erhielt damals Forschungsgelder von Carlo und fand damit ein2.4faches Risiko für Gehirntumore im Strahlungsbereich von Mobiltelefonen.Carlo erwähnt auf Omega-News, dass Muscats Daten nach Abschluss derQualitätskontrollen auf mysteriöse Weise zweimal abgeändert wurden, nachdemdie Industrie die Epidemiologin Linda Erdreich im WTR-Kontrollgremium platzierthatte:
Ø In der Präsentationim Long Beach Kolloquium im Juni 1999 war der statistisch signifikanteZusammenhang zwischen der Kopfseite des Tumors und der Seite, auf der das Handygehalten wurde, verschwunden.
Ø Im Script, welchesdem „Journal of the American Medical Association“ (JAMA) zur
Publikation ausgehändigt wurde, war auch das statistisch signifikanterhöhte Tumorrisiko für eine Handynutzung verschwunden.
Beide Manipulationen waren laut Carlo schamloseVerstösse gegen die kontrollierten Protokolle. In einem Brief an denHerausgeber der JAMA wies Dr. Carlo als Koordinator der Studie auf diesenBetrug hin. Doch die Fachzeitschrift ignorierte den Brief und publiziertekurz darauf die gefälschte Studie. Obwohl die Manipulation gemäss Carloschriftlich bewiesen werden kann, hat sie bisher noch kein Medium aufgegriffen.Kaum verwunderlich – denn beim heutigen Inseratemangel in den Verlagshäusernbeisst man nicht die Hand, die einen am besten füttert…
Referenzen
[1] SüddeutscheZeitung am 7.12.06
[2] Schüz, J.,Jacobsen, R., Olsen, J.H., Boice, J.D. Jr.,McLaughlin, J.K., Johansen, C., 2006: „Cellular Telephone Use and Cancer Risk:Update of a Nationwide Danish Cohort“. J. Natl. Cancer Inst.; 98; 1707-1713.
[3] Johansen,C., Boice, J.D. Jr., McLaughlin, J.K., Olsen, J.H., 2001: “Cellular Telephonesand Cancer – a nationwide Cohort Study in Denmark”. J. Natl. Cancer Inst.;93;203-207. In dieser Studiewurden Abonnemente der Jahre 1982 bis 1995 ausgewertet. In der neuen Studieverfolgt man Daten bis zum Jahr 2002.
[4] Auvinen et al. 2002 (bis 2.1fachbei analogen Tel.), Hardell et al. 2001 (bis 2.4fachbei Tumoren auf Nutzungsseite, n.s.), Hardell et al. 2002 (bis 2.5fach,ipsilateral, analoge Tel.), Muscat et al. 2000 in der WTR-Originalfassung (2.4fach,ipsilateral), Hardell et al. 2004 (bis 4.3fach für Schnurlostelefone),Hardell et al 2005a (bis 3.2fach bei ländl. Zone, digit. Tel.) , Hardellet al 2005b (bis 3.6fach bei digit. Tel. und >10 J. Nutzung), Hardellet al 2006 (bis 1.7fach bei analogen Tel., Astrozytoma Grad 3-4)
[5] Prof. Michael Kundi,Institut für Umwelthygiene, Universität Wien, im Artikel „WienerExperte übt Kritik an dänischer Handystrahlungs-Studie“, Der Standard, 7.Dezember 2006.
[6] Quelle: Prof. Sianette Kwee, AarhusUniversität, Dänemark, in einem Schreiben zur Publikation der damaligen Studie im2001.
[7] John D. BoiceJr., Professor am “Vanderbilt-Ingram Cancer Center” (Vanderbilt UniversitySchool of Medicine), Nashville, Tennessee, USA (http://www.vicc.org/dd/dept/results.php?id=6),Direktor des “International Epidemiology Institute”(IEI), Mitglied der “Main Commission des International Commitee on RadiologicalProtection”, Mitglied des “National Council on Radiation Protection andMeasurement“, und “First Chief” der “Radiation Epidemiology Branch” am“National Cancer Institute” (NCI).
[8] “Study findsno cancer risk from cellphones”, Associated Press, Washington, 5. Dez. 2006.
[9] Kommentar von Dr. George Carlo aufOmega-News, http://omega.twoday.net/comments.rdfam 6. Dezember 2006. Zur Person siehe auch
Dr. George Carlo
[10] Auszugaus dem Buch “Cell Phones – Invisible Hazards in a wireless age”, George Carlo& Martin Schram, Carrol & Graf Publishers, New York, 2002, ISBN0-7867-0960-X, Zitat von Thomas Wheeler, CTIA, auf Seite 5. Im April 1996 gerietendie Forschungsgelder erstmals ins stocken, als Carlo erste negative Meldungenbrachte und diese publik machen wollte (S. 97).
[11] Printscreen von JAMA -- Abstract: Handheld Cellular Telephone Use and Risk of Brain Cancer, December 20, 2000, Muscat et al. 284 (23): 3001, am 27. Dez. 2006.



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