Wenn heute gefastet wird, hat dies meistens gesundheitliche Gründe oder ist auch in dem Wunsch begründet, dass man schlanker werden möchte, um eine bessere Figur zu machen. Aber ursprünglich ist Fasten ein religiöser Brauch, eine Form der Askese, die durch den Verzicht auf bestimmte Dinge zu spirituellem Erleben führen sollte. Es gab natürlich noch weitere Gründe, zu fasten:
Fasten schützte davor, schädliche "Kraftausstrahlungen" (Tabukräfte) mit der Nahrung aufzunehmen: Diese Ausstrahlungen beeinträchtigten nach Ansicht vor allem der östlichen Religionen das "Mana" des Menschen.
Durch das Fasten vermochte man Willenskräfte zu sammeln: Dies war beispielsweise bei den nordamerikanischen Indianern vor einem Kriegs- oder Jagdzug üblich. Für solche Unternehmungen war die emotionale Stärke mindestens ebenso wichtig wie die körperliche Kraft.
Fasten reinigte Körper, Seele und Geist: vor wichtigen rituellen Handlungen wurde gefastet, um wirklich "rein" daran teilhaben zu können und so ein Gefäß für die spirituellen Kräfte zu sein. Im Hinduismus geschieht dies heute noch vor bestimmten Wallfahrten. In der christlichen Religion wird vor dem Abendmahl gefastet. Auch vor Beginn der Initiationsriten - beispielsweise bei den Indianern oder bei afrikanischen Stämmen - fasten die Menschn, um für diese Zeremonien in den richtigen Bewusstseinszustand zu gelangen. Junge Indianer gingen - und gehen auch heute noch - in die Einsamkeit, wo sie fasten und meditieren, um ihren Namen zu finden, der ihnen - oft erst nach Wochen - im Traum offenbar wird.
Vom urspünglichen Sinn des Fastens:
Das Fasten ist ein Weg, Ekstase, Visionen und besondere Träume herbeizuführen. So kann ein direkter Kontakt mit dem Göttlichen herbeigeführt werden und der Fastende wird zu besonderen Leistungen befähigt. Schamanen und Medizinmänner fasten aus diesem Grunde immer wieder. Im Yoga dient es mit anderen Formen der Askese der Reinigung, der Weltentsagung und der Befreiung vom Karma. Gefastet wurde auch als Zeichen der Trauer. Es gab außerdem Fastenpraktiken zur Schulung der geistigen Aktivität wie etwa bei der griechischen Philosophenschule der Pythagoräer.
In den großen Weltreligionen ist das Fasten meistens an feste Zeiten gebunden: im Islam an den Ramadan, den neunten Monat des islamischen Mondjahres. Die meisten buddhistischen Mönche und Nonnen nehmen nur eine tägliche Mahlzeit zu sich, daneben gibt es monatliche Fastentage. Auch die ägyptischen Pharaonen fasteten vor großen religiösen Festen mehrere Tage lang. Die Pythia von Delphi durfte das Orakel erst nach einer Fastenreinigung von vierundzwanzig Stunden befragen. Aus dem Alten Testament erfahren wir, dass Fasten weniger als Möglichkeit verstanden wurde, zur Vollkommenheit zu gelangen, sondern eher als ein Akt der Demut und Buße. In der katholischen Kirche besagt die Fastenregelung von 1966, dass Fastentage die Zeit von Aschermittwoch bis zur Osternacht sind. An diesen Tagen darf kein Fleisch gegessen werden.
Die Fastenzeit im Frühjahr wird oft als "Entschlackung" bezeichnet. Nach den "fetten" Monaten der Weihnachts- und Karnevalszeit verlangt der Körper jetzt nach einer Reinigung - vor allem, weil nun die ersten grünen Gemüse und Kräuter wieder frisch erhältlich sind. Zudem ist sie eine seelische und geistige Vorbereitungszeit auf das kommende Frühjahr, in dem der Kreislauf der Natur wieder beginnt. Die Fastenzeit der katholischen Kirche entspricht also auch hier wieder uralten Gebräuchen. Früher wurde übrigens in der Adventszeit, der Zeit der Erwartung, ebenfalls gefastet, denn Weihnachten beziehungsweise das Fest der Wintersonnenwende erforderte eine spirituelle Vorbereitung.
Wann immer gefastet wird: Es verändert sich nicht nur der Körper, sondern auch der Geist und die seelischen Prozesse. Fasten macht uns empfindsamer für die Dinge, die außerhalb des Alltags liegen, für die Magie des Lebens und der Welt.
"Beim Fasten geht etwas Innerliches vor sich. Der Körper wird gleichsam aufgelockert. Der Geist wird freier. Alles löst sich, wird leichter. Last und Hemmungen der Schwere werden weniger empfunden. Die Grenzen der Wirklichkeit kommen in Bewegung: Der Raum des Möglichen wird weiter, der Geist wird fühliger. Das Gewissen wird hellsichtiger, feiner und mächtiger. Das Gefühl für geistige Entscheidungen wächst." (Romano Guardini, Philosoph u. Priester, 1885-1968).
Aus dem Buch "Die weiße Magie der Hexen,
Uraltes Wissen von Heilung und Weisheit"
von Anthea
Liebe Grüße,
Viola![]()



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