Prozac und Placebos, Homöopathie und Humbug

Wissenschaftler grübeln, wie gut und warum Placebos und Homöopathie helfen. Dabei ist das doch klar: Zuwendung, Hinhören und Ernstnehmen des Arztes wirken Wunder

Von Josef Joffe
In diesen Tagen laufen Berichte durch die Weltpresse, wonach Antidepressiva (wie Prozac) kaum besser funktionieren als Placebos (Pillen ohne Wirkstoffe). Das haben Irving Kirsch und sein Team von der britischen Hull Universität aufgrund von Daten festgestellt, die sie von der amerikanischen Heil- und Lebensmittel-Behörde FDA bekommen haben.
Was zu der Geschichte aus dem Ferienlager führt, die Michael Skapinker in seiner lesenswerten Analyse der Alternativ-Medizin in der Financial Times vom 11. März erzählt. Eine Heimweh-Epidemie war ausgebrochen, und die Krankenschwester verteilte rosa Smarties gegen Mutter-Entzug, blaue gegen die viel seltenere Vater-Sehnsucht. Die Epidemie brach zusammen.
Das nennt man den Placebo-Effekt. Eine Gruppe vom MIT, der Hochschule in Cambridge, Massachusetts, hat diese vertraute Erfahrung nun weitergedreht. Teure Placebos funktionieren besser als billige - ein Phänomen, mit dem die Kosmetik-Industrie Milliarden verdient. Den Probanden wurden leichte Schmerzen zugefügt, nachdem ihnen zwei verschiedene Placebos verabreicht worden waren. Die eine Pille kostete (angeblich) $ 2.50, die andere zehn Cent. Nach Einnahme der Hochpreis-Pillen berichteten 82 Prozent von Schmerzverringerung; das taten nur 61 Prozent derer, die das "Billig-Präparat" erhalten hatten.
Jetzt tobt natürlich die Frage, ob Ärzte nicht grundsätzlich Placebos verschreiben sollten - billige und fast genauso gute Pillen (Achtung: Bei den Antidepressiva vermerken die Forscher, dass sie in schweren Fällen tatsächlich viel besser wirken). Dazu gibt es ein brandneues Buch von Rose Shapiro, Suckers: How Alternative Medicine Makes Fools of Us All (etwa: "Trottel: Wie die Alternativmedizin uns alle zum Besten hält").
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