Nur ein kleiner Pieks
Impfungen sind notwendig und medizinischer Alltag. Wenn es aber Komplikationen gibt, führen Betroffene oftmals einen aussichtlosen Kampf.
Von Reinhold Rühl
Nur ein kleiner Pieks.
Foto: ddp![]()
Geisenheim - Das Drama beginnt drei Tage nach der Polio-Schluckimpfung. Peter Kochem, 39, bekommt Fieber, Gelenkschmerzen und Durchfall. Ehefrau Friederike, die ebenfalls geimpften Kinder Marius und Joyce, zeigen ähnliche Symptome. Während bei seiner Frau und den Kindern die Beschwerden innerhalb von zehn Tagen abklingen, verschlechtert sich der Zustand von Peter Kochem zunehmend. Er hat unerträgliche Schmerzen, jede Berührung wird zur Qual. Im St.-Vincenz-Krankenhaus Limburg stellen die Ärzte bald eine bösartige Erkrankung des blutbildenden Systems fest. Dreieinhalb Monate nach der Impfung stirbt der Patient an Multiorganversagen sowie akuter lymphatischer Leukämie.
Das tragische Schicksal der Familie aus dem hessischen Rheingau beschäftigt seit 1995 ein gutes Dutzend Fachärzte, drei Anwaltskanzleien, eine Landesbehörde, vier Gutachter und etliche Richter. Kürzlich landete der Fall beim Bundessozialgericht. Denn Friederike Kochem ist davon überzeugt, der qualvolle Tod ihres Mannes sei Folge der vor über 13 Jahren verabreichten Schluckimpfung. Sie fordert die Anerkennung eines Impfschadens und Hinterbliebenenversorgung vom Land Hessen. Die Rechtslage ist klar: Wenn der Staat Impfungen propagiert, muss er auch für Schäden geradestehen. Die jedoch muss der Geschädigte erst mal nachweisen.
Schulkinder in Essen schlucken im März 1962 Zuckerwürfel, die mit Impfstoff gegen Polio präpariert sind.
Foto: dpa
An Impfappelle können sich vor allem ältere Bürger gut erinnern: Mit dem Slogan "Schluckimpfung ist süß - Kinderlähmung ist grausam" reisten in den sechziger und siebziger Jahren Amtsärzte durchs Land. Schulkinder standen Schlange vor den Weißkitteln, zerkauten Zuckerwürfel mit darauf geträufeltem Polio-Impfstoff. Die Massenimpfungen gegen die grausame Krankheit sind eine Erfolgsgeschichte: Während 1961 noch fast 4700 Kinder an Poliomyelitis erkrankten, waren es 1965 weniger als 50. Danach haben sich Polioerkrankungen in Deutschland nicht mehr gehäuft.
Die Angst vor tödlichen Viren ist für die Pharmaindustrie äußerst lukrativ. So wurden in Deutschland im Jahr 2005 rund 44 Millionen Impfstoffdosen verkauft, berichtet das für die Krankheitsüberwachung und -prävention zuständige Robert-Koch-Institut. Etwa die Hälfte davon entfiel auf die jährliche Grippeschutzimpfung, ein weiterer großer Anteil auf die Impfungen von Kindern.
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Quelle: Impfungen und Nebenwirkungen - Nur ein kleiner Pieks - Wissen - sueddeutsche.de



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) um stark und intakt zu bleiben - wie man nach der Hygienehysterie der 60er- und 70er-Jahre mittlerweile auch weiß. OP- und Krankenpflegebereiche sind natürlich eine Ausnahme.



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