Spare verknüpfte seine Magie mit der Psychologie seines Zeitgenossen Sigmund Freud, indem er die Erfüllung von Wünschen mit „magischen Ritualen“ im
Unterbewusstsein verankern wollte. Die Wunscherfüllung geschieht gemäß Spare, wenn der ausführende Magier eine Sigill in seinem
Unterbewusstsein verankert und sie danach vollständig vergisst. Eine Sigill ist ein Symbol für den Wunsch, welches kreativ erschaffen wird, während man sich auf das Gewünschte konzentriert. Danach soll man diese Sigill konzentrativ und durch Trance im
Unterbewusstsein verankern und dann vergessen. Spare versuchte auf diese Art künstliche Komplexe zu erschaffen, die die von ihm intendierte Wirkung haben sollten. Diese Wirkung führt entweder zur Materialisierung des Wunsches, oder zu Erkenntnissen über den Wunsch und seine Beziehung zu einem
selbst. Spare bezeichnete seine magischen Methoden als „atavistische Nostalgie“ oder „Wiederbelebung von Atavismen“.
Der britische Crowley-Schüler und Oberhaupt des typhonischen OTO Kenneth Grant lernte von Spare die Magie des Zos Kia. Auch Gerald Brousseau Gardner, Begründer des Wicca, wurde durch die Arbeit von Austin O. Spare beeinflusst und ließ sich Ritualgegenstände von Spare herstellen.
Der Zos Kia Cultus ist eine von Austin Osman Spare entwickelte Bewegung des Okkultismus bzw. der Magie. Sie konzentriert sich auf das persönliche
Universum und den Einfluss des Magiers darauf. Dementsprechend hat sie einen sehr persönlichen und individualistischen Charakter.
Zos ist nach Spare die Sphäre der
Körper, die als Ganzheit angesehen werden und Kia ist das beobachtende
Selbst bzw.
Gott, das sich in die
Welt projiziert. Kia wird dabei von Spare durch das im Englischen mögliche Wortspiel „I = Eye“ angedeutet, das „Ich“ als Auge, als ewiger Beobachter. In den das Buch der Freude einleitenden Definitionen schreibt Spare unter anderem über das Kia: „Die absolute
Freiheit, deren Freisein mächtig genug ist, um "Realität" zu sein und dennoch frei zu sein in jedem Augenblick. [..] Je weniger über Kia gesagt wird, desto weniger wird es verschleiert.“
Dies stellt gemäß Spare den einzigen
Glauben dar, der ohne Einschränkung gültig sein soll, weil er selbstevident ist, denn er wird von jedem Menschen in jedem Augenblick seines Lebens erfahren, und dies sei der einzige Glaube, der keinen
Glauben beinhalte. Dies drückt Spare symbolisch in der Kombination von Auge und Hand aus. Durch diesen
Glauben soll es möglich sein, jeden anderen Glauben in Freien Glauben (frei von Konzepten) zu verwandeln. Die Techniken des Zos Kia Cultus zielen darauf ab, die Sphäre des Kia (des Selbst) immer mehr zu erweitern und dadurch eine kosmische Ekstase zu erfahren, da die Grenzen zwischen dem von Identitäten begrenzten Selbst und der ganzen
Welt dadurch aufgehoben werden sollen.
Die magischen Techniken, die Spare entwickelte, beinhalten Sigillenmagie, Sexualmagie, Evokation und Invokation, wobei er gänzlich eigene Ansätze entwickelte.
Obwohl der Zos Kia Cultus sehr wenige Anhänger hat, wird er weithin als wichtiger Einfluss in der
Entwicklung des westlichen Okkultismus im Allgemeinen und der
Entwicklung der Chaosmagie im Besonderen angesehen. Spares Arbeit wurde Mitte der 1970er von den Gründern der
Illuminaten von Thanateros aufgegriffen. Auch in den Büchern von Jan Fries tritt Spares Einfluss deutlich in Erscheinung.
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